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THE NOVEMBER MAN: Kritik zum Agenten-Thriller mit Pierce Brosnan und Olga Kurylenko (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben03 / 20151 Kommentar

Story

Der CIA-Veteran Peter Devereaux hat sich nach einem tragischen Zwischenfall in Montenegro im Jahr 2008, bei dem sein Partner und Protegé David Mason einen Befehl missachtete und versehentlich einen unbeteiligten Jungen erschoss, aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Devereaux hat in der Schweiz einen Coffeeshop eröffnet und genießt seinen Ruhestand, doch eines Tages tritt sein Ex-Vorgesetzter John Hanley an ihn heran und bittet seinen ehemals besten Mann, die verdeckte Agentin Natalia aus den Kreisen des russischen Präsidentschaftskandidaten Arkady Fedorov auszuschleusen, über den sie brisante Informationen gesammelt hat. Aber der Auftrag läuft schief: Natalias Deckung fliegt auf und ausgerechnet Mason, der von Devereaux‘ Beteiligung nichts ahnt, wird zur Liquidierung der Agentin kommandiert. Devereaux bleibt mit nichts als einem Namen zurück, der ihn von Moskau nach Belgrad und zur Flüchtlingsbeamtin Alice Fournier führt. Schnell sind dieser auch die CIA und eine russische Attentäterin auf der Spur, um die Informationen über Fedorov und seine Verstrickungen in ein Massaker auf tschetschenischem Boden zu sichern und den zukünftigen Kreml-Machtinhaber so zu kontrollieren…

Der Film

Eine Alternative, wenn man den berühmtesten Geheimagenten der Welt nicht mehr spielen darf: einen anderen spielen, der nichtmal halb so bekannt ist. Nach dem unrühmlichen „Die Another Day“ war 2005 offiziell Schluss für Pierce Brosnan als martinischlürfender James Bond und im Dezember des selben Jahres berichtete Variety von der Adaption des Bill Granger-Thrillers „There Are No Spies“ mit dem Titel „The November Man” – starring Pierce Brosnan, der damit wohl direkt in den Clinch mit seinem Bond-Nachfolger Daniel Craig und dessen Doppel Null-Debüt „Casino Royale“ gegangen wäre. Aber hey, keine Ahnung, was da schief gelaufen ist, wir haben 2015, Craig dreht mit „Spectre“ just seinen vierten Bond und erst jetzt kommt Brosnan mit seinem Spätherbst Mann ums Eck. Dass der Film nicht mehr als ein B-Bond ist deutet sich schon dadurch an, dass er es hierzulande nicht in die Kinos geschafft hat, aber selbst vor acht, neun Jahren wäre die Post Cold War-Story reichlich kalter Kaffee gewesen, egal wie aktuell gerade wieder die Konfliktlage zwischen Kreml und westlicher Welt aussieht.

Luke Bracey in THE NOVEMBER MAN

„The November Man“ von Brosnans „Dante’s Peak“-Regisseur Roger Donaldson ist ein Kuddelmuddel aus erträglicher Agenten-Action, möchtegernprovokantem Politverschwörungs-Thriller und unpräziser Flüchtlingstragik, mit vielen der üblichen Spionage- und ergrauter Mentor/Heißspornzögling-Klischees in the mix. Nur selten entsteht daraus mehr als höchstens solide Genrekost, auch wenn der Film anfangs noch mächtig Verwirrung stiftet, weil das Geflecht aus CIA-Operatives, die sich Anweisungen und Kugeln um die Ohren hauen, sehr wirr angeordnet auf den Teller kommt. Das rucksacktouristische Euro-Location Hopping der ersten Minuten (von Montenegro in die Schweiz über Russland nach Serbien) sorgt für Discount-Bond-Flair, ansonsten hat man „The November Man“ in letzter Zeit schon oft und oft besser gesehen: die grauer Wolf/Newbie-Dynamik aus „Safe House“, das Feindbild ist so dröge-altbacken wie in „Jack Ryan: Shadow Recruit“ (aber immerhin dennoch aktueller, sprich Agency-kritischer angehaucht) und dazu gesellen sich die in den vergangenen Jahren so zahlreich eingebürgerten Ü50-Skilled Tough Man-Nummern, wie in der „Taken“-Reihe, „Jack Reacher“, „3 Days to Kill“ oder zuletzt bei „John Wick“ zu sehen.

In diese Schiene passt der gelackte Snob Pierce Brosnan vom Alter her, als Gentlespy im Geheimdienst Ihrer Majestät war man mit seiner Attitüde aber besser bedient. Devereaux zieht nicht auf seine Seite der Sache, weil auch nie klar ist, was diese Sache eigentlich ist und „The November Man“ sich zigmal unentschlossen umentscheidet. Der Film wirkt an vielen Stellen, als hätte das Autorenduo Michael Finch/Karl Gajdusek beim Übertrag von Bill Grangers Vorlage mit seiner Plotentwicklung nicht weitergewusst und dann einfach diverse Subsequenzen auf der nächsten Seite resettet, was nicht wendungsreich oder gar clever rüberkommt, sondern unstet. Und wer da zu welchem Zeitpunkt was über wen weiß und erfährt erscheint kaum mal schlüssig: alles hochtechnisiert und dauerüberwacht, aber dann nicht mal den rudimentärsten Kausalmechanismus von Vermutung A zu Tatsache B folgern können, beziehungsweise eben immer erst an der Stelle, wenn auch der Zuschauer darüber ins Bild gebracht werden soll. Sofern der die Wendungen in „The November Man“ nicht eh längst ahnt.

Pierce Brosnan und Olga Kurylenko in THE NOVEMBER MAN

Der Hahnenkampf zwischen Brosnan und Co-Star Luke Bracey verspricht Spannung wenn überhaupt eher aus der Perspektive des Rookie, nur kümmert’s den Film auf halber Strecke und ab einer irgendwie verstörenden Szene eh nicht mehr, was er da hochwühlt. Die historische Verortung und die Theorien zum Zweiten Tschetschenienkrieg werden luftig dazugesponnen, und harte Themen wie Mädchenhandel und Kriegsflüchtlingslage sollte man Filmen wie „The Whistleblower“ überlassen, wenn einem dazu wenig mehr als schockgenerierende, vor die Stirn genagelte Flashbacks einfällt. Gute und temporeiche Szenen wechseln sich in „The November Man“ mit lächerlichen Wendungen und Event Turns ab, einer konkreten Stimmung fühlt sich der Film ebenfalls nicht verpflichtet, wenn er bei Kills überraschend blutig und deftig zur Sache und mit einer russischen Superkillerin inklusive deren eigener Eliminierung im Rahmen der bescheuertsten Sequenz den Films fast schon in Richtung Persiflage geht, andererseits aber um politische Relevanz und zynische Geheimdienstabrechnung ringt. Brosnan hätte sich die Rückkehr in den Agentenstatus nach so vielen Jahren also sparen können.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Nichts besonderes, aber geht schon in Ordnung. Bemerkenswert unmainstreamig brutal.
Spannung: 1,5/5
Die doppelten und dreifachen Böden der Plottwists sind sehr durchsichtig und das der Film sich nicht richtig zu einer Gangart entschließen kann hilft ihm hier auch nicht weiter.
Anspruch: 0,5/5
Große Themen, die da im Hintergrund schmoren und gegen Ende in plakative Schockbilder übersetzt werden. Mehr weiß der Film damit aber nicht anzufangen.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 2,5/5
Mit Ex-Bond Brosnan wird man hier nicht richtig warm, Ex-Bond-Girl Olga Kurylenko schaltet schon fast belustigend jedesmal komplett den Schauspielmodus aus, wenn sie nicht Hauptziel der Kamera ist oder sie nichts zu sagen hat. Luke Bracey bleibt blass, die Schurkenriege austauschbar.
Regie: 2/5
Brauchbares Handwerk, mehr nicht.
Fazit: 4/10
Der November Mann ist spätestens im Dezember vergessen. Sollte Pierce Brosnan auch tun, der aber stattdessen ein mögliches Sequel ankündigte, was bei zwölf ausstehenden Romanvorlagen natürlich genügend Vorlagenstoff besäße. Muss trotzdem nicht sein. Bleib in Agentenrente, dear Pierce…

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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Kommentare

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  • Hape 3 Kommentar(e)

    Hehe, bei Luke Bracey haben wir beide die gleiche Meinung 🙂

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