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SON OF A GUN: Kritik zum Crime-Thriller aus Down Under mit Ewan McGregor & Brenton Thwaites (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben04 / 20150 Kommentare

Story

Australien: der neunzehnjährige Jesse Ryan „JR“ White wird nach einem geringen Vergehen in eine Justizvollzugsanstalt gesteckt. Dort herrscht ein rauer Ton und JR gerät ins Visier übergriffiger Mithäftlinge, als er deren unfreiwilligen Lustknaben zu beschützen versucht. Doch er knüpft auch Kontakt zu einem der berüchtigtsten Verbrecher des Landes, dem bewaffneten Räuber Brendan Lynch, der noch volle zwanzig Jahre abzusitzen hat. Lynch und sein Gefolge bewahren JR schließlich vor einer brutalen Attacke und der Schwerkriminelle verlangt dafür eine Gegenleistung, die JR nach seiner Entlassung einzulösen hat: er soll Lynch und zweien seiner Lakaien zur Flucht verhelfen. Sechs Monate später: der Ausbruch gelingt und JR verschlägt es an Lynchs Seite in die höheren Kreise der australischen Kriminellenszene, wo auf die flüchtigen Verbrecher bereits der nächste Job wartet. Der dubiose Crime Lord Sam schlägt Lynch einen scheinbar todsicheren Goldraub vor, bei dem ein siebenstelliger Erlös drin ist. Unterdessen lernt JR die hübsche Tasha kennen, eine Beschäftigte in Sams Untergrundläden. Von ihr angezogen hofft JR, mit seinem Teil der Beute aus dem bevorstehenden Raubzug mit Tasha ein neues Leben anfangen zu können. Doch als er, Lynch und ein paar Helfer den Job durchziehen geraten sie in ein Netz aus Verrat und Gewalt…

Der Film

Ewan McGregor in SON OF A GUN

Ein Outbackdurchwanderselbstfindungtrip-Abenteuer mit Kamelen in „Spuren“, ein elegisches Postapokalypse-Drama mit geistig minderbemitteltem Robert Pattinson in „The Rover“ und jetzt der Heist-Crime-Thriller „Son of a Gun“ – sehr abwechslungsreich, was da in den letzten Monaten so aus Down Under in die (Heim)Kinos hüpft. Waren die beiden erstgenannten nicht ganz so gut, wie sie vielversprechend wirkten, ist letzterer leider ganz klar der schwächste Film dieses Australien-Trios. Das Spielfilmdebüt des vollbärtigen 1.91 Meter-Hünen und Kurzfilm-Awardpreisträgers Julius Avery, der für sein viertelstündiges Jugenddrama „Jerrycan“ unter anderem in Cannes, Berlin, beim Sundance Film Festival und vom Australian Film Institute ausgezeichnet wurde, ist trotz unverbrauchter Kulisse ein klischeebeladener Aus- und Einbruchskrimi.

Ein unbedarfter Grünschnabel, der den Versuchungen der schiefen Bahn erliegt und in unkontrollierbare Kreise und Machenschaften gerät, sich in ein reizendes junges Ding verliebt, das mitten im Sumpf steckt und von dem er sich besser fernhalten sollte… Jeder denkt mal kurz drüber nach, wie oft man das schonmal in einem Gangsterfilm gesehen hat… Richtig, in jedem. Und ein krummes Ding, das schnelles Geld verspricht und dann brutal schief läuft? Genau, auch in jedem und mindestens noch einem mehr… „Son of a Gun“ ist ganz kompetent gefilmt, gritty und düster, und das Aussie-Setting hebt den Film visuell von seiner typischen New Yorker- oder Chicagoer-US-Verwandtschaft ab, erzählerisch ist Averys Script- und Regiearbeit aber ganz einfache Erstklässlermathematik: grundlagenbasiert, simpel veranschaulicht, vorhersehbar in ihren Ergebnissen.

Alicia Vikander in SON OF A GUN

Auf dieser Basis ist die Story konstruiert und sind die Charaktere konzipiert: Ewan McGregor als berüchtigter Räuber Lynch und Newcomer Brenton Thwaites als Protegé JR bekommen kaum Persönlichkeit verliehen und spielen auch nicht mehr als solide, was viel zu wenig ist, um die Geschichte zu tragen. Gerade McGregor enttäuscht als hartgesottener Verbrecher und baut trotz seines ständigen Gefluches keine Bedrohlichkeit auf und auch keine Form einer anziehenden Unterweltaura, die JR überzeugend in einen Strudel aus Verräterei und Gewalt ziehen könnte. Womit dann so ein paar Unabdinglichkeiten solcher Crime-Ware bereits nicht erfüllt werden, bevor sich der Fortlauf des dünnen Katz- und Mausspiels als gebrauchsunfähig erweist, was Thrill und Drama angeht.

Nur folgerichtig, wenn Story und Figuren nichts hergeben und sich die Atmosphärendichte auf ein paar Momente beschränkt: „Son of a Gun“ beginnt sich zu ziehen, jede Wendung der Ereignisse und die Ereignisse in sich selbst sind vorhersehbar und der Film hat überhaupt keine Mittel an der Hand, um ihm mit Interesse zu folgen. Dafür genügen der unterforderte McGregor und die Reize Australiens nicht, dafür genügt Thwaites‘ Puppyblick nicht und nicht die blanken Brüste von Alicia Vikander. Auch die aufstrebende junge Schwedin kann die Schwächen der marginalen Charakterzeichnung nicht übertünchen, obwohl sie ihre Sache nicht nur beim Nacktbaden ganz ansehnlich macht. Der Figurendreier mit ihr, Thwaites und McGregor nagt altbekannte Konflikte ab, die Bruchpunkte vorberechnet, die Argumente tausendfach vorgebracht (»Bla bla bla, lass dich nicht auf Gefühle ein, bla bla«… und so weiter).

Brenton Thwaites und Ewan McGregor in SON OF A GUN

Noch nie einen Crime-Thriller gesehen? Dann kann man sich „Son of a Gun“ mal geben. Mit den Werken von Scorsese oder Mann groß geworden? Dann kann man den australischen Genrebeitrag ruhigen Gewissens auslassen. Zweimal ertönt während des Films Sophie Michalitsianos‘ sphärisches Enter One und wenn ein fehleingesetzter Track noch das Beste an einem Film ist kann der Rest zwangläufig nicht sehr viel richtig machen. „Son of a Gun“ ist szenenweise mit gutem Auge eingefangen, hat aber nur wenige Augenblicke, die ein bißchen Schwung in den lahmenden Plot bringen (JRs skurrile Begegnung mit einem waffenhandelnden Technohead, der total auf den Dorstener DJ Mark ‘Oh abgeht, ist so ein seltener Augenblick). Die kurzen Shootouts wecken den Film hin und wieder aus seinem schlummrigen Trott, ansonsten ist „Son of a Gun“ eigentlich bloß langweilig.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Die paar Shootouts sind nichts dolles.
Spannung: 1/5
Größtes Problem des Films: man hat das detailgenau alles einfach schon zigmal gesehen.
Anspruch: 0,5/5
Kümmert sich kaum darum, den Figuren oder der Geschichte Tiefe zu verleihen.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 2,5/5
Bekommen vom Script viel zu wenig an die Hand, können’s aber auch nicht rausreißen. Ewan McGregor überzegt nicht so richtig als tougher Aussie-Gangster.
Regie: 2/5
Sehr schematisches Spielfilmdebüt, das nichts Neues aus dem Genre rausholt.
Fazit: 3/10
Hat man mehr als ein, zwei Crime-Thriller gesehen kann man auf „Son of a Gun“ verzichten, denn der Film bietet letztlich gar nichts, was man nicht anderswo schon genauso und besser gesehen hätte.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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