Cellurizon hat zu! Meine neue Website mit Filmkritiken, Kurzgeschichten und mehr Geschreibsel findet ihr seit Februar 2017 HIER
Skip to content

OUTCAST: Kritik zum Historien-Action/Abenteuer mit Hayden Christensen & Nicolas Cage (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben04 / 20150 Kommentare

Story

China im 12. Jahrhundert: der letzte Wille eines todgeweihten Herrschers ist die Übergabe der Macht in die Hände seines jüngeren Sohnes Qiang, damit dieser das Königreich endlich in eine Zeit des Friedens führen kann. Doch diese Entscheidung ist ganz und gar nicht im Sinne des älteren Prinzen Shing: der kriegslüsterne und kampferfahrene Anführer der gefürchteten schwarzen Armee will den Thron für sich selbst, ermordet seinen Vater und ordnet die Verfolgung Qiangs an, der mit seiner Schwester Lian und dem Königssiegel auf der Flucht ist, um sich zum rechtmäßigen Thronfolger ernennen zu lassen. Auf ihrem mühsamen Weg und bei der Suche nach einer schützenden Hand begegnen Qiang und Lian schließlich dem von den Kreuzzügen gebrandmarkten Tempelritter Jacob, der einst im Namen Gottes im Orient kämpfte und mordete und sich, von den Sünden seiner Vergangenheit geplagt, nun dem Opiumrausch hingibt. In den hilfesuchenden Königskindern erkennt Jacob jedoch Mut und Güte und stellt sich seinen inneren Dämonen, um die beiden vor Shings Zugriff zu schützen. Die Unterstützung seines alten Mentors Gallain zu erreichen suchend, der sich in eine Bergregion zurückgezogen hat und in der Gegend nur als der „Weiße Geist“ bekannt ist, unternimmt Jacob alles was in seiner Macht steht, um Qiangs rechtmäßigen Anspruch auf den Thron zu sichern…

Der Film

Hayden Christensen in OUTCAST

Nicolas Cage und Hayden Christensen, was für ein Duo! Der Oscar-Preisträger mit dem Hang zu erregten Über-Overacting-Orgasmen, der pleite ging und seitdem zwischen ganz raren guten Projekten einen »ich nehme, was ich kriegen kann…«-Scheißfilm nach dem anderen raushaut und mit seinen Mimik/Gestik-Explosionen immer noch trotzdem ein Highlight-Actor in ganz eigenen Sphären ist – und der Bengel, der als »mimimimimimi«-Anakin Skywalker die „Star Wars“-Saga versaut hat und seitdem in Hollywood kaum noch ein Bein auf den Boden bekommt. Da musste Mitte 2013 schon Glacier Films her, eine eigene, von einem russischen Konzern finanzierte Produktionsfirma, die Christensen mit seinem älteren Bruder Tove lostrat und die ihm nun einige Mini- und Micro-Budget-Projekte sichert. Zwei besondere Karrierekiller-Exoten, die nun für das gemeinsame Projekt „Outcast – Die letzten Tempelritter“ aufeinandertreffen, eine US-chinesisch-kanadische Co-Produktion…

…und ein Historien-Abenteuer, das sich an einer epochalen „Journey to save the kingdom“-Narration versucht. So unbeholfen, dass es schon drollig ist: „Outcast“ zitiert Vorbilder wie „Kingdom of Heaven“, „Gladiator“, „Last Samurai“ oder auch die „Lord of the Rings“-Trilogie und „300“ (abzüglich des Fantasy-Faktors) teilweise so bildlich und handlungsgleich, als wäre er ein direktes Remake gewisser Szenen, ohne neben deren inszenatorischer Klasse bestehen und ohne die zu einem neuen Ganzen verbinden zu können. Schöne Landschafts- und Panoramaaufnahmen von nicht aneinanderpassenden Klimazonen, die mourning woman auf der Tonspur, die’s nach einigen Hörproben von Lisa Gerrard selbst mal mit dem gutturalen Wehklagen der Australierin versucht, die reingeswitchten Dialoge über das Beenden von Volkesleid, von dem man aus Budgetgründen aber fast nichts zu sehen bekommt, die Vatermordstragödie – „Outcast“ rumpelt das alles so runter und mittendrin ist Hayden Christensen in abgeranzter White Savior-Rolle, denn natürlich findet sich in ganz Asien kein einziger Einheimischer mit genug Ehre im Leib, um den flüchtenden und bangenden Königskindern zu helfen, obwohl mit denen doch das Versprechen auf Besserung reist.

Lixin Zhao und Hayden Christensen in OUTCAST

„Outcast“ hat seine Momente, aber größtenteils ist der Film so versatzstückhaft-unstrukturiert gedacht, als würden Kinder die oben aufgezählten Vorlagen durcheinander gemischt nachspielen; der eine Bengel hat „Gladiator“ gesehen, der andere durfte bei „Kingdom of Heaven“ wachbleiben, der dritte fand „Last Samurai“ voll geil und jeder darf mal was einbringen, ohne dass sich hinter den Bildern und rausgehörten Stichworten ein Verständnis für filmische Kunst und Handwerk erschlossen hätte. „Outcast“ macht’s, weil es bei den anderen fesch ausgesehen hat, weil es cool geklungen hat. Dieses kindlich-regelungebundene und nachstellungsreiche Billigfilmemachen kann ja durchaus Charme haben und seine plump präsentierte Geschichte mit einigen hölzernen Darbietungen, allerlei Logikklöpsen (Wachen und bockiger Sohn sind beim König, bockiger Sohn schickt Wachen raus, tötet den König, tritt vor die Wachen und ruft »der König ist tot, mein Bruder war’s!«…) und andere „auf den Weg“-Bringern könnte man „Outcast“ schon verzeihen. Nur dafür hätte gerade die Action ein ordentliches Stück mehr auf Zack sein müssen.

Jedes Vergnügen an den ritterlichen Metzeleien wird von der durchweg wirren Kameraführung und einem diffusen Schnitt zertrümmert, statt Epik regiert bei den Schlachten und Kämpfen in „Outcast“ die Hektik einer merklich und in diesem Falle schädlich unsicheren Regie: Debütant Nick Powell hat einen ellenlangen IMDb-Eintag mit seinen Credits als Stunt-Coordinator und Fight Choreographer, hat mehrere Taurus World Stunt Awards gewonnen und unter anderem den hand to hand Combat in „Bourne Identity“ arrangiert und gefilmt, ansonsten scheint der Mann aber mehr bei Paul W.S. Anderson („Resident Evil: Retribution“, „The Three Musketeers“) gelernt und nur sehr wenig von Regisseuren wie Ron Howard, Danny Boyle oder dem Historien-Epen-Experten Edward Zwick mitgenommen zu haben. Obwohl da ein paar nette Bewegungsabläufe und gut ausgeführte Schwertmanöver zu erahnen sind, ist die Mittendrin-Cam immer viel zu nah am Geschehen, viel zu aufgeregt werden die Scharmützel ins Unübersichtliche zerruckelt. Das geht auch für um oder unter $10 Millionen ansehnlicher, zumal hier ja nicht mal schlechte CGI-Effekte oder so kaschiert werden müssen.

Nicolas Cage in OUTCAST

Und dann, nachdem er im Anschluss an die orientalische Einleitung und einen Zeitsprung um drei Jahre und mehrere hundert Meilen ostwärts erstmal ein paar Rechnungen überwiesen hat, taucht irgendwann nochmal Nicolas Cage auf und zieht einen Nicolas Cage ab, und although he doesn’t go full Cage-Rage wirken neben seinen ekstatischen Eskapaden doch alle anderen Darsteller wie introvertierte Laien. Einen reichlich antiklimaktischen »aus Spaß stehen wir euch halt doch bei, obwohl wir mit der Sache gar nix am Hut haben…«-Showdown später war’s das dann mit „Outcast“ und die Kids müssen rein zum Abendbrot. Der kleine Hayden hat seine Sache als gequälter Soldat, der vom Glauben abgefallen ist, ganz passabel gemacht, der vorlaute Nick wollte mal wieder alles an sich reißen, und die anderen Kids waren halt dabei und wussten manchmal nicht so richtig, wie sie jetzt was zu machen haben. Bis auf diesen Muskelasiaten Andy On, der war echt finster und darf nicht nochmal zum Spielen kommen…

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Menge und Einsatz sind ganz gelungen, nur sind die Massenschlachten und kleineren Mehrmannduelle wegen des Kamera- und Schnittmassakers eine arg krude Angelegenheit.
Spannung: 1/5
Eine kleine „Helden“-Gruppe reist von A nach E und überwindet die von B bis D aufgestellten Hindernisse. Standart.
Anspruch: 0/5
Historiker, Geologen und Klimaforschern dürfte es hier die Schuhe ausziehen. Ansonsten kommen die Charaktere ohne viel Einfühlungsvermögen rüber, kaum Motivationen, kaum Erklärungen, aber viele Behauptungen.
Humor: 0/5
Kein Kriterium. Vielleicht mal unfreiwillig komisch…
Darsteller: 2/5
Ach ja… es ist auszuhalten. Hayden Christensen ist als auffällig frisierter Stehauf-Templer orentlich, Cage als auffälliger frisierter Derwisch auffällig. Alle anderen fallen eher ab als auf.
Regie: 1,5/5
Einigermaßen planlos aus tausend Versatzstücken zusammen gepuzzelt und gerade bei einem so hoch dekorierten Stunt- und Fight-Choreographen hätte wenigstens bei der Action viel mehr kommen müssen.
Fazit: 4/10
Unbedarftes Historien-Abenteuer wie ein Rollenspiel von Kiddies, die eben bloß Spielen und keinen Film drehen wollen: macht dem kleinen Hayden und dem vorlauten Nick und all den anderen beim Verkleiden, durch die Wälder tollen und Kämpfen Spaß, aber nicht so sehr, wenn man nur Zuseher ist.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

Kommentare

Ja... weißt du... das ist vielleicht... deine Meinung, Mann...
...also schreib doch einfach einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Artikel
Navigiere zum vorigen/nächsten Artikel

532 Aufrufe