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FURY – HERZ AUS STAHL: Kritik zu David Ayers Panzerkrieg-Actioner mit Brad Pitt (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben04 / 20151 Kommentar

Story

Deutschland im April 1945: der Zweite Weltkrieg und der Kampf der alliierten Streitkräfte gegen die Wehrmacht stehen kurz vor dem Ende. Doch noch leisten die zurück gedrängten deutschen Soldaten und SS-Einheiten erbitterten Widerstand. In dieser Zeit ist der technisch weit unterlegene Sherman-Panzer „Fury“ unter Leitung des erfahrenen Staff Sergeant Don „Wardaddy“ Collier tief im Deutschen Reich unterwegs. Unter Wardaddys Kommando dienen seit den Kämpfen in Nordafrika der Ladeschütze Grady „Coon-Ass“ Travis, der gläubige Richtschütze Boyd „Bible“ Swan und der Fahrer Trini „Gordo“ Garcia. In der Enge des Panzers sind die Männer zu einem verschworenen Haufen zusammengewachsen, der seinem Sergeant trotz gelegentlicher Auseinandersetzungen letztlich bedingungslos folgt. Als aber bei einem schweren Gefecht ihr fünftes Besatzungsmitglied zerfetzt wird bekommt Wardaddys Einheit den feldunerfahrenen Norman Ellison als neuen Bugschützen zugewiesen, der den freigewordenen Platz übernehmen soll, ohne jemals in einem Panzer gesessen oder ein Geschütz abgefeuert zu haben. Unvermittelt und vom Sergeant und seinen verrohten Männern gnadenlos angetrieben wird der sensible Junge der Gräuel und Entmenschlichung des Krieges, seiner Opfer und vermeintlichen Helden und Feinde ansichtig…

Der Film

Der Krieg lässt die Menschen nicht los. Nicht nur, dass ständig auf der Welt irgendwo einer im Gange ist, das Thema der militärisch-gewalttätigen Auseinandersetzung und seiner historischen und perspektivischen Reflexion ist auch unwegdenkbarer Teil der Unterhaltungsmedien: alle Jahre wieder ein „Call of Duty“ beispielsweise oder das populäre Third-Person-Taktik-Shooter-MMOG „World of Tanks“ und seine Ableger „World of Warplanes“ und demnächst „World of Warships“ – Krieg als Spielmechanik-Grundlage ist ungebrochen beliebt und auch die Filmindustrie kehrt regelmäßig zurück in den Schützengraben zum unterhaltungsmedialen Fronteinsatz, denn der Reiz scheint groß, einen der fortbestehendsten und schrecklichsten Auswüchse der menschlichen Natur aus der Sesselperspektive „mitzuerleben“. Nach viel Post-9/11-Terror-Action-Thrill rund um die Konflikte im Irak und Afghanistan in „The Hurt Locker“, „Zero Dark Thirty“, „Lone Survivor“ oder Clint Eastwoods (blödes Wort in dem Zusammenhang:) Sensationserfolg „American Sniper“ verlängerte sich zuletzt mit David Ayers „Fury – Herz aus Stahl“ die ellenlange Liste an World War II-Kriegsfilmen.

Logan Lerman und Brad Pitt in FURY - HERZ AUS STAHL

Wie bei seinem sonstigen Steckenpferd, dem Cop-Thriller (der L.A.P.D.-Reißer „End of Watch“, der reudige DEA-Köter „Sabotage“), beugt und biegt Ayer an der Handlungsdramaturgie, um mit „Fury“ ein bockhartes Erlebnis zu liefern und beleuchtet mit den kettenbetriebenen Kampf- und Abwehrfahrten einer Panzerbesatzung der 2nd Armored Division einen bislang nicht gerade breitgetretenen Abschnitt des weiten WWII-Schlachtfeldes. Ob in den Straßen von Los Angeles oder auf den Pfaden des kriegsgebeutelten Deutschland: bei Ayer geht es rau und unerbittlich zu, in „Fury“ wird nicht edel und heldenmutig gestorben, sondern dreckig und elendig verreckt, die Männer aus dem Panzer sind vom Krieg aufgefressene und ausgespuckte Reste von Menschen, verdorben und verbittert vom Erlebten und dem eigenen Zutun.

„Fury“, ein bockhartes Erlebnis. Aber eines, das es braucht? Da reißt Ayers Film die üblichen Divergenzen solcher Kost auf: ist das nun seiner Schonungslosigkeit wegen ein Antikriegsfilm, der mal wieder dringend vor Augen führt, wie sinnlos und zersetzend das alles ist, oder ist „Fury“ US-eingefärbte Propaganda, in der Krieg unumgänglich und ehrenvoll gegen ein Feindbild bis zu dessen Exstinktion auszufechten ist, no matter what? Nun, ein ANTIkriegsfilm ist „Fury“ sicher nicht, einfach weil es sowas nicht geben kann; sofern nicht vollständig ohne konflikeskalative Ebene auskommend ist ein Film mit kriegerischen Handlungen in seiner konsequentiellen Haltung völlig unausweichlich und dann ist es einzig der historische Kontext, der zwischen propagandistischen Tendenzen und Popkultur, Unterhaltung und Unbehagen, zwischen einem Action- und einem Kriegsfilm unterscheidet (siehe den aktuellen Marvel-Blockbuster „Avenges: Age of Ultron“, den man seinerseits mühelos als pro-amerikanische Eingreifpropaganda deuten kann…). Zur eventuellen Ideologie des Films stößt dann das Spektrum an Ideologien seines Publikums und als was es „Fury“ von welchem Standpunkt aus zu betrachten bereit oder befähigt ist…

Brad Pitt, Alicia von Rittberg und Logan Lerman in FURY - HERZ AUS STAHL

In dem Sinne, ein Kriegsfilm zu sein und unmöglich ein Antikriegsfilm sein zu können, liefert Ayer für Pathos, Patriotismus und Pflichtergebenheit zumindest einen dämpfenden und kontrastierenden Kontext, der die Figuren in „Fury“ keinesfalls zu schablonierten Erfüllungsgefäßen und Saubersoldaten degradiert, die Glorifizierung von Tat und Ziel als ideologische Selbstverständlichung der absoluten Ausnahmesituation: der Feind wird verbal entmenschlicht, um ihn abschlachten zu können und die Wahrnehmung des Konflikts wird nach den Schemata der Unschuldigsten ausgelegt – nach Kinderlogik. DIE haben angefangen. Wenngleich nicht gegen den Krieg, so ist „Fury“ doch ein Film, der sich der Heroisierung von Tapferkeit und Mord für die gerechte Sache weitenteils entzieht, es ist ein Film der Opfer und Täter, von Schleifern und Fortgerissenen, die sich dem Töten er- und hingeben müssen, um heil aus der Sache raus zu kommen und irgendwie ein Stück Restgewissen zu bewahren versuchen.

Dabei deutet „Fury“ schon ein paar Ansätze von Differenzierung an: unter der Kruste aus Schlamm und Blut liegen nicht nur zermatschte Menschenlaibe, sondern ein nicht vom Naziregime vereinnahmtes Deutschland, dort wo Verweigerer des Kriegsdienstes von den ergebenen Soldaten des eigenen Volkes öffentlich aufgehangen und als Feiglinge kenntlich gemacht und verachtet werden. So werden die Germanen nicht durchgängig als Hitler-Adjutanten dargestellt und unterschieden zwischen denen, die sich ergeben, die sich verweigerten und jenen, die stramm weitermarschieren und folgen bis zum Schluss. Letztere sind es, die am Ende in „Fury“ als massenandrängendes Böses im Dutzend weggemetzelt werden, hier bleibt der Film ohne Profil und gerät zum reinen Nazi-Exploiter mit SS-Moorhühnern. Wobei der Triumpf für die Panzerbesatzung dennoch nur im Durchhalten liegt, ihr »best job I ever had«-Mantra mehr eine galgenhumoristische Akzeptanz der Unausweichlichkeit.

Brad Pitt und seine Panzercrew in FURY - HERZ AUS STAHL

Krieg macht keinen Spaß und Krieg hinterlässt keine Sieger, das ist keine umwälzende Erkenntnis und nur dafür hätte es David Ayers „Fury“ sicher nicht gebraucht. Mit seinen Setting-Spezifikationen, der puren Erlebnishärte und dem handwerklichen Niveau der Produktion ist es dennoch ein auf Spannungsspitzen zukonstruierter Höllenfilm mit Ayers typischer direkt-in-die-Fresse-Machart, die losgelöst vom WWII-Rahmen keine Hoffnung für den Kampf des Menschen gegen sein eigenes Blut zulässt, egal von welcher Seite aus der Konflikt ausgetragen wird. Die Bösen sterben, aber die Guten werden dabei zerstört. Das bringt Ayer in „Fury“ wie mit einem Hammerschlag auf den Punkt und seine unabstreitbare, aber doch nicht blank unreflektierte Bewunderung für die Uniformierten seines Landes verkommt einmal mehr nicht zum bloßen Loblied, sondern ist eine Studie der Unmenschlichkeit und Unmenschlichwerdung, hervorgearbeitet von überragenden Schauspielleistungen von Brad Pitt, Shia LaBeouf, Michael Peña und Jon Bernthal. Ein Quartett ohne Identifikationsfigur, geformt von Erfahrungen und Erlebnissen, die man unerlebt nicht nachempfinden kann und in die sie grausam und unerbittlich den ebenfalls formidablen Logan Lerman mit hinab reißen. Keine Sieger, keine Helden. Nur Opfer. Starker Film.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Hart und direkt, ohne Kompromisse, der Showdown ein bißchen arg moorhuhnig.
Spannung: 4/5
Unerbittlich auf einige steile Spannungsspitzen getrieben und das nicht immer nur durch Action, sondern auch durch die leiseren und umso härteren Entmenschlichungsprozesse oder in der langen, umstrittenen »They’re young. And they’re alive.«-Sequenz.
Anspruch: 4/5
Ayer hat den Blick für mehr als eine Seite des Konflikts und für die eigentliche Bedeutung pathosschwangerer und feindabwertender Sprüche.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 5/5
Sehr stark, besonders Logan Lerman als anfangs unschuldige Seele, die von den letzten Tagen des Kriegs doch noch zerrissen wird.
Regie: 4/5
David Ayer ist ein Garant für Brettmosphäre und die ungemütlichst zumutbare Umsetzung von Stoffen, deren glorifizierende Note nie so ganz verklingt, aber nicht den Ton angibt.
Fazit: 8/10
Ein bockharter Panzer-Actioner, dessen Tendenzen zu Pathetisierung und Dämonisierung der beiden Konfliktseiten nicht zu eindimensional geraten. Extrem intensiv und herausragend gespielt.

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Kommentare

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  • Master 2 Kommentar(e)

    Nun ich hatte an diesen Fim eine sehr geringe Erwartungshaltung, und wurde sehr positiv überrascht. Ich dachte da an eine schmucke Heldengeschichte, wo man mit Freude für die gute Sache ins Gras beißt, aber so war es nicht. Gott sei Dank ! Einige Kampfszenen gerade mit der Leuchtspur, oder dem Granaten werfen aus dem Tank wirken unfreiwillig komisch, aber der Kampf gegen den Tiger u.a. entschädigt. Außerdem ist die Panzerbesatzung gut in Schuss, und so ist es für mich der bislang beste “Panzerfilm”.

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