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MAD MAX: Kritik zum Action-Klassiker mit Mel Gibson (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben05 / 20150 Kommentare

Story

Australien in einer nahen Zukunft, in der die Gesellschaftsstrukturen nahezu zusammengebrochen sind: brutale Gewalt beherrscht die Straßen und Highways. Die Gesetzeshüter der Main Force Patrol sind den marodierenden Motorradbanden in Zahl und Ausrüstung gnadenlos unterlegen. Aus den Ruinen der Zivilisation heraus führen die Cops einen aussichtslosen Krieg gegen Raub, Vergewaltigung und Mord. Nur Teilerfolge können erzielt werden, als etwa der rücksichtslose Crawford „Nightrider“ Montizano nach einer verheerenden Verfolgungsjagd zur Strecke gebracht wird, nachdem der entschlossen-idealistische Road-Officer Max Rockatansky entscheidend eingreift. Während seine Reputation steigt und sein Chief Macaffee in ihm den letzten verbliebenen Helden sieht, würde Max lieber ein ruhiges Leben mit seiner Frau Jessie und ihrem Kind verbringen. Unterdessen macht sich unter Führung des gnadenlosen Toecutter eine Bande von Höllenjockeys auf den Weg, die Rache für den Tod ihres hochrangigen Mitglieds, dem Nightrider im Sinn haben. Als sein Partner Goose von der Bande aufgespürt und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wird quittiert Max den Polizeidienst, vorrangig aus Angst, seine eigene Menschlichkeit auf den blutigen Straßen zu verlieren. Doch ein weiterer grausamer Schlag treibt Max über seine Grenzen und so nimmt er es auf eigene Faust mit Toecutters Bande auf…

Der Film

Mel Gibson und Tim Burns in MAD MAX
Dystopien sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Die pessimistischen Ausblicke auf das Schicksal der Menschheit stehen im heutigen Hollywoodkino meist in Verbindung mit Young Adult-Romanadaptionen wie den „Hunger Games“-, „Maze Runner“- oder „Divergent“-Reihen mit ihren postertauglichen Role Model-Protagonsten/innen von Jennifer Lawrence bis Shailene Woodley. Da galten 1979 andere Maßstäbe. Im Jahr zweier der größten Klassiker der Filmgeschichte, des SciFi-Horrors „Alien“ und der psychedelischen Kriegsreflexion „Apocalypse Now“, war es das Spielfilmdebüt eines Australiers namens George Miller mit dem unbekannten Mel Gibson in der Hauptrolle, das an einem jugendlichen Publikum meilenweit vorbei zielte und eine der kompromiss- und trostlosesten postapokalyptischen Prognosen entfesselte.

Der rasende, crashende Wahnsinn von „Mad Max“ gilt heute natürlich längst selbst als Kultklassiker, Millers Outback-Outrage bedient sich bei einigen Lone Gunman- und Vergeltungs-Einflüssen aus Western und Revenge-Actionern, ist aber bei allen Vorbildern und den zahllosen Nachahmern selbst dermaßen eigen und unverwüstlich, dass der Film auch mit sechsunddreißig Jahren auf dem Buckel noch den Auspuff wackeln lässt. Miller schafft hier noch keinen Hintergrund für seine aus den Angeln geratene Welt, auch budgetbedingt entwirft er kein Panorama der Postzivilisation, sondern einen exemplarischen Ethikexodus anhand überschaubarer restgesellschaftlicher Gruppen: da ist die Main Force Patrol mit ihrer Handvoll Mann, Toecutter mit seinen Höllenjockeys und ein paar Zivilisten. Aus dem Off versucht eine körperlose Frauenstimme zu reglementieren und zu regulieren, doch ihr Klang verhallt nicht selten im Äther der Apokalypse.
Mel Gibson und Steve Bisley in MAD MAX
Nicht erst der unnütze Versuch, Recht und Gesetz zu wahren, sondern schon allein die Lederkluft der Cops hat im Kampf gegen die Motorrad-Maniacs eher was vom Zwist-Impetus eines Bandenkrieg, in dem die Ödlandphilosophien aufeinandertreffen: die einen, die das Chaos angenommen haben und darin aufgehen und die anderen, die die Ordnung aufrechtzuerhalten versuchen. Mit den selben Mitteln. Wenn die letzten Road Sheriffs gleich in der ersten Sequenz des Films zur knochenbrechenden und kehlenspaltenden Jagd auf den Copkiller Nightrider ansetzen ist nichts mit „To Protect & Serve“, näher am offiziellen Slogan der New South Wales Police Force „Culpam Poena Premit Comes“ („Punishment follows closely on guilt“) lautet das Motto „Seek and Destroy“ in einer entfesselten Vehikelschlacht, einer Crash-Orgie, wie sie die „Mad Max“-Reihe kaum klarer unmittelbar zum Start definieren könnte.

»Look. Any longer out on that road and I’m one of them, you know? A terminal crazy… only I got a bronze badge to say I’m one of the good guys.« Bei aller Carsploitation ist das Schmieden der glühenden Seele des aufrichtigen Max Rockatansky der Treibstoff im Tank von „Mad Max“. Er fürchtet seine inneren Dämonen mehr, als die Freaks und Irren auf den Highways, die ihn schließlich selbst in den deliriumartigen Wasteland-Wahnsinn treiben, wo nicht die Stärksten überleben, sondern die Verrücktesten. In Millers Dystopie ist die Postapokalypse die Verrohung, die Instinktrückführung des Menschen; Überleben, Töten, Ficken, egal wie, egal wen, egal wofür, die zivilisatorischen Maße der Sozialisation, die Einigung auf ein friedliches Zusammenleben sind gesprengt. Das verleiht „Mad Max“ eine rohe und zeitlose Urtümlichkeit, die Umsetzung des Streifens mag an Zeit und Budget gebunden sein, Millers Vision ist es nicht.
Hugh Keays-Byrne als Toecutter in MAD MAX
Eine weitere große Stärke des verrückten Maximilian ist sein Counterpart: der Toecutter bekommt in dem ohnehin dialogarmen Film nicht unbedingt die denkwürdigsten Sprüche oder haut die krassesten Taten raus, aber Hugh Keays-Byrne hat eine irrsinnige Präsenz, bewegt sich mit der Majestätik und auch mal der fläzenden Gelangweiltheit eines Löwen unter seinem hibbeligen Hyänenrudel, nur um dann vorzuschnellen und zuzuschlagen – ein Beutebringer für die Aasfresser, was man den Toecutter nicht tun sieht traut man ihm trotzdem jederzeit zu. Die Horde von Creeps und Thugs an seiner Seite ist ein verachtenswerter Haufen verkommener Existenzen, die Darstellung dieser karikaturesken Brut (wenngleich nur ein Vorgeschmack auf das, was sich da ab Teil 2 an Wahnfiguren im Outback tummelt) lässt insgesamt aber dennoch wenig Dimension für die sozialnekrotischen Biker zu.

Der doppelseitige Racheplot als Motor von „Mad Max“ läuft auch nicht so ganz rund, für erzählerische Behelfsmäßigkeiten und einige Schlaglöcher überstrapazierter Zufälle und Ungereimtheiten findet Miller keinen Umweg, was dem Film zwar zu seiner Wahrnehmung als straightem Reißer verhilft, ihn in seinem Aufbau jedoch auf dramaturgisch ungeschliffene Fundamente runtertaktet. Neben dem spärlichen bißchen an Hintergrund, mit dem Miller sein Post-Kollaps-Szenario unterfüttert, hat „Mad Max“ auch keine verständlichen geographischen Dimensionen und Miller ist die schicksalhafte Notwendigkeit von Ereignissen wichtiger, als die erkennbare Wahrscheinlichkeit ihres Eintritts. Das nimmt dem Duell zwischen Max und Toecutter in der Hinleitung ein gutes Stück seiner intransigenten Härte, wenn die Rocker zum Auftakt des finalen Drittels nur zufällig über die Rockatanskys stolpern.
Mel Gibson und der Pursuit Special MFP Interceptor in MAD MAX
„Mad Max“ holpert also an einigen Punkten durch eine nie außergewöhnliche Story, doch das unerbittliche Stimmungsbild, das Miller umso vorwärts brettender entwirft, macht den Film völlig verdient zu einem Actionklassiker. Die Stuntarbeit und die Crashszenen können nicht jeden Kostenkompromiss unbeschadet wegrammen, mit dem der Queenslander auskommen musste, aber in kaum einer anderen Genrereihe ist die besondere Art und Umsetzung der Action in ihrer Charakteristik so zugehörig und ausgeprägt wie bei „Mad Max“. Der damals gerade dreiundzwanzigjährige Mel Gibson lässt früh seine Leinwandpräsenz erkennen und legt Rockatansky zwischen überzeugungstreuer Entschlossenheit und der Hoffnung an, aus dem höllischen Highwaykreisel der Brutalität auszubrechen, nur um desillusioniert und entkernt zurückzubleiben. So ist die Schlussszene von „Mad Max“ mit das krasseste, das man den eigentlichen „Helden“ eines Films je hat durchziehen sehen. Und es ist das endgültige Aufstoßen des Tores zum Wasteland, wo in „Mad Max 2“ die Feuer der Hochöfen der postapokalyptischen Hölle erst so richtig ausbrechen…

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Keine ununterbrochene Actionramme und auch im Ausmaß noch gedrosselt, aber die Stuntarbeit und die Crashs sind bei allen Budgetlimits trotzdem herausragend und irre wuchtig.
Spannung: 2,5/5
Max’ Wandel lässt sich die nötige Zeit, auch wenn nicht alles rund verläuft. Dennoch im Kern ein sehr handelsüblicher Racheplot, dessen Konsequenz unausweichlich ist.
Anspruch: 2,5/5
Miller zeichnet eines der härtesten und hoffnungsleersten Bilder der Menschheit nach einem zunächst nicht näher diffinierten Kollaps, Max’ Wandel vom aufrechten Cop zum gnadenlosen Rächer ist nachvollziehbar.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 4/5
Passt alles. Gibson ist ein cooler (Anti)held, Keays-Byrne ein bedrohlicher Bösewicht.
Regie: 4/5
Miller kann nicht pausenlos vergessen machen, dass sein Debütfilm nichtmal eine Millionen gekostet hat und auch erzählerisch ist hier nicht alles rund, aber das macht das stimmungsmäßig kompromisslos umgesetze Setting wieder wett.
Fazit: 7,5/10
Rache-Thriller und Carsploitation-Crasher im knüppelharten Postapokalypse-Setting – „Mad Max“ ist Kult und auch nach über dreißig Jahren ein unverwüstlicher Meilenstein auf dem langen Highway der Geschichte des Actionfilms.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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