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MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL: Kritik zum Trilogie-Absch(l)uss mit Mel Gibson (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben05 / 20153 Kommentare

Story

Fünfzehn Jahre, nachdem Max Rockatansky einer Gruppe von Siedlern helfen und den Lord Humungus besiegen konnte, wandert der Ex-Cop weiterhin einsam durch das Ödland der postapokalyptischen Welt. Bis sein kamelbetriebener Wagen samt Habe von einem tollkühnen Piloten gestohlen wird. Max verfolgt die Spur des Diebes bis nach Bartertown, einer halbwegs an zivilisatorische Werte anknüpfende Kommune, in der reger Tauschhandel betrieben wird. Auf der Suche nach seinem Besitz wird Max der Gründerin und Regulatorin von Bartertown vorgestellt, der undurchsichtigen Aunty Entity. Deren Problem: in den unterirdischen Eingeweiden ihrer Stadt, dort, wo mit Schweinescheiße die Energiegewinnung von Bartertown vonstatten geht, herrscht das Hirn/Muskeln-Doppel Master Blaster, von dem Auntys Machtstellung unterwandert wird. Max wird die Herausgabe seiner Habe versprochen, wenn es ihm gelingt, den hünenhafter Blaster in einem Kampf in der Donnerkuppel zu töten, einer halbkugelförmigen Gladiatorenarena, in der Bartertown den Streit zwischen zwei Männern beizulegen pflegt: zwei Mann geh’n rein, ein Mann geht raus. Doch als Max den vereinbarten Deal nicht zu Auntys Zufriedenheit einhält wird er nach Bartertown’schem Gesetz in die Wüste verbannt und dem sicheren Tod überlassen. Bis ihn unerwartete Retter auflesen…

Der Film

Mel Gibson in MAD MAX - JENSEITS DER DONNERKUPPEL
Dritte Teile sind nicht erst seit jüngerer Zeit oft das Problemkind von Filmtrilogien. Stellen die mittleren Abschnitte eines Dreiers meist eine Optimierung und Steigerung des Ausmaßes der Ursprungsformel und/oder eine noch konsequentere Umsetzung der Vision eines Regisseurs dar (siehe als Beispiel „Terminator“ und „Terminator 2“, die im Kern der selbe Film sind), wagen sich dritte Teile meist an einen gewissen turn of events, einen neuen Spin, einen Wandel der Formel (siehe hier die Unterschiede zwischen „Die Hard 2“ und „Die Hard with a Vengeance“). Das kann passen, wie bei „Die Hard“, oder auch nicht, wie beim Übergang von Tim Burtons düsteren „Batman“-Filmen zu Joel Schumachers quietschigerem „Batman Forever“ – oder bei „Mad Max Beyond Thunderdome“. Nach zwei ultrabrutalen und grundpessimistischen Endzeitabrechnern geht’s darin nicht nur beim Rating eine Stufe nach unten (von R zu PG-13), sondern auch mit dem Tempo, der Action, der postapokalyptischen Wucht, kurzum: der Qualität…

Mit „Mad Max“ und „Mad Max 2: The Road Warrior“ im Geiste präsent fühlt sich „Mad Max Beyond Thunderdome“ vom Fleck weg falsch an. Oder besser: hört sich falsch an. Die harten und bedrohlichen Bläser und Streicher, mit denen Brian Mays Score die unheilsschwere Atmosphäre des Wasteland-Wahnsinns mitbestimmte, weichen gitarrenlastigem Pop-Rock und Tina Turners „One of the Living“. Später erklingen Saxofon-Phrasierung und Rock Percussions, orchestrale Themen und verspielte Stücke, die in Bartertown eine Szenetreff-Schwüle und später eine hellere, abenteuerlichere Stimmung schaffen, den Klangteppich des Films im harten Gegensatz zu den Vorgängern ungleich optimistischer auslegen. Die rohe Brutalität der „Mad Max“-Welt wird auf der Tonspur kastriert und bis auf den unter archaischem Motto ausgetragenen Kampf zwischen Max und dem Riesen Blaster spinnen George Miller, Co-Regisseur George Ogilvie und Co-Autor Terry Hayes ihre Vision vom Ende der Zivilisation in „Beyond Thunderdome“ sowieso weit besonnener weiter…
Tina Turner als Aunty Entity in MAD MAX - JENSEITS DER DONNERKUPPEL
…wenn auch nicht völlig kontextuell verfremdet: Aunty Entity ist mit ihrer Schöpfung Bartertown um Rekreation bemüht, um ein Bändigen des Chaos, das der Kollaps über die Welt gebracht hatte. „Mad Max Beyond Thunderdome“ erkundet eine neue Gesellschaft, die sich nach barbarischem Töten und der Übernahme durch die entartetsten Kreaturen doch wieder auf die Regeln und Gesetze eines geordneten Miteinanders besinnt, wo getauscht statt geschlachtet wird und wo Interessenwidersätze nicht in totaler Eskalation münden, sondern unter der Donnerkuppel. Dennoch ist Bartertown kein reines Gutwillprojekt, in das sich Max verirrt, es ist eine klassische Schichtengesellschaft, in deren staubiger Mitte sich die Massen tummeln, während aus erhöhter Position die Machthaber Früchte und Privatkonzerte genießen und in den Eingeweiden die Unterschicht im Schweinedreck schuftet – mit dem netten Twist, das die Bartertown’sche Kloake die Machtverhältnisse diktiert, da sie die notwendigen Ressourcen liefert, in diesem Falle die aus Methangas gewonnene Energie, ohne die sich die (verhältnismäßig zu betrachtende) Dekadenz nicht aufrecht erhalten ließe.

Das ist alles ganz pfiffig und durchaus einen Zacken komplexer, als die stark nach geradeaus gepushten Vorgänger, die ganze Sequenz in Bartertown bis zu Max‘ Kampf mit Blaster ist die erzählerisch fettbehangendste der gesamten Trilogie und es gelingt halbwegs, den von allem abgespalteten Loner Rockatansky in diesem Szenario zu integrieren – aber halbwegs heißt eben höchstens zur Hälfte und viel weiter stimmt es nicht mit dem Charakter überein, den „The Road Warrior“ definiert hat: der wortkarg-widerspenstige Max von einst fügt sich hier zu leicht den Ränkespielen der Bartertown-Politik, das „Mad“ in „Mad Max“ hat sich verflüchtigt und der Grund, aus dem der einst rücksichtslos selbstfokussierte „Road Warrior“ seine Vereinbarung mit Aunty Entity bricht ist anders als mit der Glättung der Reihe und einer Umpositionierung des Antihelden zum reinblütigen Helden nicht zu erklären. Und nicht zu entschuldigen, da es „Beyond Thunderdome“ auf einer Ebene von den vorangegangen Filmen entkoppelt, die der Figur unumkehrbar schadet, ihr die geschaffene Aura und dem Film jeden Impact nimmt.
Mel Gibson und die Kinder in MAD MAX - JENSEITS DER DONNERKUPPEL
„Beyond Thunderdome“ kann wie jeder Film der „Mad Max“-Reihe ohne großes Vorwissen um die Ereignisse für sich stehen, nur ist dieser dritte Teil eben trotzdem kein SpinOff oder ein ganz und gar eigenständiger Postapokalypse-Film, in dem Mel Gibson zufällig einen Typen spielt, der seiner Endzeit-Ikone ähnelt. Den Maßstab der Vorgänger kann man nicht einfach beiseite lassen und klar ist: der Road Warrior hätte den schweinescheißeschaufelnden Zottelmaxen sowas von rasiert. Steil den Uluṟu runter geht es für „Mad Max Beyond Thunderdome“ aber erst, wenn der Film sein Titelversprechen einlöst: verbannt in die unwirtliche Einöde stößt der einst einsame Rächer jenseits der Donnerkuppel auf einen Stamm gut gebräunter Kinder und Jugendlicher, die „Lost Boys“-mäßig ein fruchtbares Tal bevölkern (wortwörtlich, angesichts einer schwangeren Teenagerin…). Androgyn-athletische Kids-Models mit goldenem Teint und der beseelten Zuversicht einer Prophezeiung – und mittendrin Max, der sich aus irgendwelchen Gründen zwar ihrer Anbetung verweigert, aber sich doch nach wenigen Minuten um ihr Wohlergehen schert, ohne dass sich darin eine Andeutung für seine Beweggründe fände. Sieht er in den Kindern seine eigene Verlorenheit? Eine ersatzväterliche Verpflichtung nach dem Tod seines Sohnes? Ist es Altersmilde? Oder bloß ungelenke Drehbuchseiten mit out of character-Motivation?

Rache für seine Familie im ersten Teil, das Verteidigen von Treibstoffreserven im Nachfolger… Und hier? Irgendwelche Balgen, die esoterischen Stuss dahersülzen und ein Film, der jede Klarheit und Handlungsstringenz kippt, um seine erste mit der zweiten Hälfte zu vereinen… Wo „Mad Max“ und „The Road Warrior“ Revenge-Actioner- und Western-Vorbilder referenzierten, klaut sich „Beyond Thunderdome“ populäre Szenen, Motive und ablaufkopierte Gags aus „Indiana Jones“, „Peter Pan“, „Back to the Future“ und „Star Wars“ zusammen und biedert sich so einem familienfreundlicheren Unterhaltungsgestus an, statt knallhartem Zivilisationsuntergang gibt’s Apokalypse Unschuld und schließlich passt im Trilogieabschluss gar nichts mehr. Nach dem Toecutter und dem Ayatollah of Rock and Rolla Humungus fehlt es „Beyond Thunderdome“ auch noch an einem klaren Antagonisten, zunächst scheinen dies der energiesanktionierende Zwerg Master und der hünenhafte Blaster zu sein, dann die intrigante Aunty, dann ist lange gar keiner mehr da und Max muss sich mit pubertärer Bockigkeit herumärgern, ehe ein mies rangedichteter Showdown sich einer vernachlässigten „Mad Max“-Grundzutat besinnt: einer röhrenden Verfolgungsjagd mit Rockatansky auf der einen und Outback-Irren auf der anderen Seite.
Crashtime mit Mel Gibson in MAD MAX - JENSEITS DER DONNERKUPPEL
Doch auch Max‘ Skillset scheint sich zwischen den Filmen ausgedünnt zu haben, denn so bemerkt er gleich zu Anfang weder das heranknatternde Flugzeug, dessen Pilot ihn seine Habe kostet, noch zum Finale die heranbrausenden Vehikel Auntys und ihrer Gefolgschaft, die plötzlich einfach an dem beschienten Untersatz drankletten, an dessen Außenseite Max kraxelt. „Beyond Thunderdome“ ist voll von dramaturgischen Schnitzern, tonalen Missverständnissen und Fehlentscheidungen in der Ausführung dieser entschärften Vision (warum führt Max die Kinder überhaupt nach Bartertown, wo er sie doch zuvor eindringich warnt, »Now if the earth doesn’t swallow you up first, that place sure as hell will.«, was interessiert ihn auf einmal das Wohl von Master, und so weiter…). Nach Toecutters kranken Gefolgsleuten und Humungus Höllenhund Wez ist Auntys Henchman Ironbar eine Slapsticknummer, landet in Schweinescheiße und sein Überleben unüberlebbarer Situationen ist ein Running Gag an Krücken. Die Hetzjagd am Schluss kann es mit der fulminanten finalen Viertelstunde von „The Road Warrior“ nicht aufnehmen, auch weil dabei gefühlt gar nichts auf dem Spiel steht, Max‘ Finishing Move ist unnützer Blödsinn und alles verhallt ohne jeden Eindruck. „We don’t need another hero“ schmettert Tina Turner über den Abspann. Wir hätten aber definitiv einen würdigeren „Mad Max“-Abgang gebraucht. Also, George Miller, Tom Hardy und „Fury Road“: your turn…

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Der Kampf in der Donnerkuppel ist mal was anderes – ansonsten ist aber eher wenig los. Das Finale ist stunttechnisch natürlich wieder gut gemacht, aber kein Vergleich mit dem Showdown des zweiten Teils.
Spannung: 1/5
Ab der Mitte enorm krudes Plot Development und undefinierte Charaktere.
Anspruch: 1,5/5
Die Apokalypse wird weniger barbarisch weitergedacht und der Bartertown-Part ist für sich noch ganz clever, ab den Kindern wird’s aber plump und unnachvollziehbar.
Humor: 0/5
Doofe Slapstickeinlagen und Gags, die komplett bei der Populärkonkurrenz jener Zeit geklaut sind.
Darsteller: 3/5
Gibson diesmal zu soft, Tina Turner geht schon klar, warum Bruce Spence hier als Pilot für Verwirrung sorgen muss (seine Figur hier ist nicht der Pilot aus „The Road Warrior“) bleibt unklar, die diversen Henchmen und Wasteland-Irren sind farblos.
Regie: 1,5/5
George Miller, der hier wohl nur die Action inszeniert hat, präsentiert sich nicht in der Form der Vorgänger und sein Nebenmann George Ogilvie vergeigt’s dann auch noch.
Fazit: 4/10
Als eigenständiger 80er-Endzeitfilm mit Trashappeal betrachtet mag „Beyond Thunderdome“ gerade noch durchgehen, da würden dann auch die billigen szenischen Imitate beliebter Momente aus „Indiana Jones“ oder „Star Wars“ passen – als Abschluss der „Mad Max“-Trilogie ist der Film aber eine mittlere Cartastrophe, die dem Hauptcharakter und den Merkmalen der Reihe gewaltig die Eier lang zieht…

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Kommentare

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  • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

    Ich mag den Film, für mich der beste Teil der Trilogie, weitaus überzeugender als Road Warrior *duckundweg*

    • Riggs J. McRockatansky Riggs J. McRockatansky 201 Kommentar(e)

      Manchmal glaube ich ja, du schreibst aus einer Parallelwelt, lieber Flo 😉

    • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

      Das Tolle ist ja, das könnte ich auch umgekehrt sagen.

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