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JURASSIC PARK: Kritik zu Steven Spielbergs Dino-Abenteuer mit Sam Neill (DVD)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben06 / 20151 Kommentar

Story

Snakewater, Montana: während ihrer Ausgrabungen fossiler Dinosaurierskelette werden der Paläontologe Dr. Alan Grant und seine Freundin und Partnerin Dr. Ellie Sattler, eine Paläobotanikerin, vom Multimillionär John Hammond überrascht. Der garantiert den Urzeitforschern zu deren Überraschung und Freude drei weitere Jahre Finanzmittel für ihre Arbeit, wenn sie im Gegenzug Hammonds neueste Freizeitparkattraktion vor deren Eröffnung absegnen und den Investoren des sogenannten „Jurassic Park“ die Sicherheit der Anlage gewährleisten. Grant und Sattler lassen sich gemeinsam mit dem Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm und an der Seite des Anwalts Donald Gennaro auf einen Wochenendtrip zur pazifischen Insel Isla Nublar in der Nähe von Costa Rica ein – nicht ahnend, welches Wunder Hammond und seinen Genforschern dort gelungen ist: aus dem Blut in Bernstein eingeschlossener und über Millionen Jahre konservierter Moskitos wurden mit modernster Technologie lebende Dinosaurier gezüchtet. Gemeinsam mit Hammonds Enkeln Lex und Tim brechen Grant und die anderen auf die Erlebnisfahrt durch den „Jurassic Park“ auf. Doch statt prähistorischer Attraktionen wartet der blanke fleischfressende Horror auf die Gruppe, als ein verheerender Sturm über die Isla Nublar hereinbricht und zudem Dennis Nedry, der Chef-Programmierer des Parks, die Sicherheitssysteme lahm legt, um mit einigen Dino-Embryonen zu entkommen, während die entfesselten Urzeitgiganten wüten…

Der Film

Grob gesagt verschoben zwei Männer Anfang der 1990er mit drei Filmen die Maßstäbe der Tricktechnik und der computergenerierten Effekte nach oben: James Cameron mit seinem wässrigen Tentakelwesen in „The Abyss“ und dem morphenden T-1000 in „Terminator 2“ – und vor allem Blockbuster-Maestro Steven Spielberg mit dem Dino-Spektakel „Jurassic Park“ von 1993. So ziemlich die Grundsteinleger für alles, was inzwischen so an CGI-Gewucher über die Leinwände wächst. Spielbergs Adaption des Bestsellers von Michael Crichton löste seinerzeit eine so noch nicht gekannte Hype-Welle aus, rund um Brachiosaurier und Triceratops prangte überall und auf allem das Logo mit dem T-Rex-Skelett und es herrschte ein Interessen-Boom um die vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Urzeitgiganten. Ein Film als weltweites Phänomen, bis 1998 die kommerziell erfolgreichste Produktion aller Zeiten.
Richard Attenborough, Martin Ferrero, Sam Neill, Jeff Goldblum und Laura Dern in JURASSIC PARK
Heute, zweiundzwanzig Jahre später, wirkt „Jurassic Park“ selbst prähistorisch, in bestem Sinne wohlgemerkt. Wie der Film sich nach jetztzeitigen Sehgewohnheiten geradezu unverschämt viel Zeit zur Einführung der Figuren nimmt. Wie er den unspektakulär scheinenden Hubschrauberanflug auf eine Insel zu etwas Großem macht, indem er ihn mit John Williams‘ majestätischer Theme-Fanfare unterlegt. Wie er den ersten kieferklappenden CGI-Shot bis zur zwanzig-Minuten-Marke hinauszögert und die Action mit Thrill und Nervenkitzel erst nach über einer Stunde losdonnert. Dreister Saurier-Sparkurs statt Dino-Dominanz und das bei DER Prämisse? Blödfug. „Jurassic Park“ ist perfektes Abenteuerkino und einer jener Filme, auf dessen handwerkliche und erzählerische Versiertheit und Stärken sich das moderne Hollywoodgewummse hin und wieder mal besinnen sollte. Statt nur Spektakel und Computerbilder übernehmen zu lassen legt Spielberg mit dem Drehbuch von Crichton und David Koepp einen hervorragend ausgezirkelten Spannungs- und Handlungsbogen hin…

…und sorgt dafür, dass zunächst mal die Figuren funktionieren, bevor die Effekte in der Erfüllpflicht stehen. Der Film weckt geschickt eine Erwartungshaltung an den kommenden Dino-Terror, wenn in der Eröffnungsszene ein bedauernswerter Parkmitarbeiter Opfer einer Raptorenattacke wird und man die Raubbestie nur zuckend kurz und von ihrem Käfig verborgen zu sehen bekommt. So ist die potenzielle Bedrohung durch die Saurier real, bevor die Tricktechnik sie zum brüllenden und beißenden Leben erwecken muss, ein Kniff, den Spielberg seit „Jaws“ natürlich im Schlaf beherrscht und sich nach den düsteren, panischen und in Schreien vergehenden ersten Minuten ebenso gekonnt jenen zuwenden kann, die der Bedrohung später ausgesetzt sind. Sam Neills Dr. Grant, der kauzige und kinderfeindliche Technikallergiker, der am liebsten mit den Händen im Staub wühlt, der als Paläontologe zwar keinen Jedermanns-Job erledigt, aber in seiner Hemdsärmeligkeit doch ganz in der Tradition des klassisch-gewöhnlichen „Helden aus der Arbeiterklasse“ steht; Laura Dern als emanzipierte, aber nicht amazonesque Dr. Sattler; Dr. Malcolm, den Jeff Goldblum mit seinen »Ahhhh«‘s und »Ähhhh«‘s und »Uhhhh«‘s und Fingerspielereien zum Naturereignis ganz eigener Art macht (bevor das nach dem Sequel und „Independence Day“ irgendwie keiner mehr sehen konnte…)…
Grant gegen de T-Rex in JURASSIC PARK
Echte Typen mit unverkennbarer Hülle, am Offensichtlichsten bereits angefangen beim Kostümdesign, und sympathischem Kern; Figuren, um die es sich später zu bangen lohnt und mit denen man gerne auch jene Zeit im Park verbringt, in der keine Dinosaurier drauflos stapfen. Genauso perfekt bringt Spielberg deren Schöpfungswunder ans Publikum, indem der wissenschaftlich-technologische Hintergrund der Dino-Züchtung zunächst nicht bierernst und nach großer Bedeutung strebend aberzählt, sondern anhand eines lustig-lächerlichen animierten Infomercials mit quasselndem DNS-Strang rübergebracht wird, so dass sich der Film seiner naiven und versimpelten what if-…-Prämisse mit einem angebrachten Augenzwinkern annimmt. Dennoch schöpft „Jurassic Park“ aus einer darauf folgenden Diskussion zwischen dem Enthusiasten Hammond und den trotz aller überwältigender Wunder skeptisch bleibenden Experten einen von anspruchsvollen Ideen und Gedankengängen hergeleiteten Diskurs über Moral und Ethik, über die Welt und die gottkomplexhaften Eingriffe des Menschen in die Unkontrollierbarkeit der Natur und das der Film dabei nicht nur enorm zitierfähig (»I’m simply saying that life, uh… finds a way.«) ausfällt, sondern auch noch klug vorgetragen und fundiert ist, macht ihn umso gelungener.

Ebenso gehen Crichtons Bedenken hinsichtlich technologischer Abhängigkeit und eine Kritik an blinder Wissenschaftsgläubigkeit in „Jurassic Park“ nicht verloren und einer von Malcolms Kernsätzen (»Your scientists were so preoccupied with whether or not they could that they didn’t stop to think if they should.«) lässt sich im Nachhinein sogar wunderbar als Warnung in Richtung der zunehmenden Effektlastigkeit lesen, von der so viele Produktionen nach „Jurassic Park“ befallen wurden (Spielbergs eigenes Schaffen inbegriffen) und die als eines der großen Hauptprobleme und viel zu selten gestellte Frage heutiger Blockbuster präsent ist: wir können CGI nutzen – aber sollten wir? Die technische Uneingeschränktheit sorgt nicht mehr für jene Limitationen, die einen kreativen Prozess befeuern und ihn unabdingbar machen und bei dessen Ausbleiben Bilder nur noch in ellenlangen Effektsequenzen etwas zeigen, aber kaum noch etwas erzählen. Ganz anders „Jurassic Park“, der noch an tricktechnische Grenzen gebunden war und ganz andere Schöpfungskräfte aktivieren und freisetzen musste: was es bedeutet, dass die Viecher, soweit es möglich war, wirklich DA sind und nur wenn unumgänglich nötig von CGI abgelöst werden, macht sich in den grandiosen Suspense- und Action-Momenten des Films sowas von zu seinen Gunsten bemerkbar, einfach weil CGI so gut wie nie die Wirkung, das Gefühl und ein Raumempfinden von Physis und Masse ersetzen kann – nicht ganz unerheblich bei tonnenschweren Urzeitungetümen als primäre Bedrohung.
Ariana Richards, Sam Neill und Joseph Mazzello in JURASSIC PARK
So kommt der T-Rex in seiner nach wie vor herausragenden ersten großen Sequenz eben nur dann aus dem Rechner, wenn es die Bewegungsmechanik des lebensgroßen, über sechs Meter hohen und fast 18.000 Pfund schweren animatronischen Modells am Set nicht anders zuließ. In dem Moment, in dem der „Jurassic Park“ entfesselt wird, entsteht in der Symbiose aus sauber angelegten Figuren und überwältigender, praktisch/digital kombinierter Effektarbeit eine erzählerische Einheit, die dem Tyrannosaurus Breakout seinen Platz in der Filmgeschichte sicherte. Ein magischer Leinwandmoment, bei dem alles stimmt, bohrende Spannung, pure Faszination und imposanter Grusel aus einer Zeit, in der Unterhaltungsfilme für die ganze Familie auch mal zu schocken wagten, das Prinzip von Anspannung und erleichternder Auflösung, perfekt umgesetzt. Dass Spielberg sich ab hier und in der atemlosen Folge des Films dann immer weniger um die ethischen Auswüchse der Klon-Thematik und der durch den Menschen nicht zu kontrollierenden Natur jenseits der augenscheinlichsten Dimensionen seiner Dino-Hatz kümmert ist des puren Excitements wegen locker zu verschmerzen, da der Film die Unterhaltungsklaviatur ausgezeichnet spielt.

Die moralische Ebene von „Jurassic Park“ bleibt indes nicht unbedient, nur übernimmt sie eines von Spielbergs beliebtesten Motiven: sein Sinn für konventionelle Familienwerte, wonach der Kiddiephobiker Grant zwischen T-Rex-Attacken, Gallimimus-Stampeden und Raptor-Rücksichtslosigkeit seine Daddy-Qualifikationen fortbilden muss. Das passt nicht vollends in den Film und fällt im Ton schon etwas heraus, wenn die Hammond-Enkel Lex und Tim nach traumatisierenden Erlebnissen relativ unbeschwert aneinander rumkritteln, die Dinos in Pipikaka-Babysprache verniedlichen (»It’s a veggiesaurus, Lex!«) und sowieso nicht gerade die besten oder subtilsten „this is gonna be important later“-Dialoge des Films abbekommen (»I am not a computer nerd. I prefer to be called a hacker!«). Doch gab’s auch schon nervraubendere Jungdarsteller als die anschließend nicht gerade karriereverwöhnten Joseph Mazzello und Ariana Richards, die innerhalb der Filmlogik (die eine stresstraumatische Schädigung der Kinder nunmal nicht vorsieht) sehr natürlich agieren und nicht nur blöde in Gefahren stolpern, sondern solche wenigstens einige Male zu meistern wissen und für Humor sorgen, wenn auch eher über ihren Rücken ausgetragen (der genervte Grant, der Lex‘ Hand nicht wieder loswird, nachdem er ihr nach einem Stolperer aufgeholfen hat), als direkt von ihnen ausgehend.
Joseph Mazzello und das Raptor-Rudel in JURASSIC PARK
Kindlichkeit, und unter anderem deshalb ist ihre Darstellung im Film angebracht, ist allerdings ein Stück weit auch ein Essenzerlebnis in Bezug auf Spielbergs „Jurassic Park“: ein Blockbuster-Meisterwerk, das wie kaum ein anderer Film in Staunen versetzt hat, das die Magie des Mediums verströmt und mitnimmt auf ein großartiges Abenteuer, dem vermutlich niemals diese ganz besondere Faszination seiner Machart ausgehen wird. „Jurassic Park“ ist ein Eventfilm mit tausend Shots für’s Langzeitgedächtnis, unvergesslichen Szenen und der perfekten Mischung daraus, seinem Publikum einerseits zuzuzwinkern und es andererseits ernst zu nehmen. Der motherf***in‘ T-Rex rockt, die fiesen Raptoren werden großartig als die eigentliche größte Bedrohung des Parks aufgebaut (Grants genüssliche Demonstration ihrer Jagd- und Tötungsmethoden an einem vorlauten Bengel zu Anfang des Films) und eingesetzt, in allen technischen Bereichen (Bild, Ton, Effekte) ist der Film überragend und in seiner Wirksamkeit um keinen Tag gealtert. „Jurassic Park“ ist ein prägendes, ein Urerlebnis von einem Film.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Perfekt eingesetzt und vor allem in der atemlosen zweiten Hälfte des Films dominant, ohne erschlagend zu wirken.
Spannung: 4/5
Ein Musterbeispiel in Sachen Spannungsaufbau und Creature Horror.
Anspruch: 1,5/5
Die Ethikdiskusion und andere Bezüge wie Schöpfer- und Machtkomplexe verhallen irgendwann etwas, aber sie sind da und werden von den Figuren clever vertreten.
Humor: 1/5
Es sitzt nicht jeder flappsige Spruch Malcolms und ganz sicher nicht jede Aktion rund um die Kinder, so ehrlich muss man sein. Trotzdem ist der Humor passend und löst manche Stresssituationen gekonnt auf.
Darsteller: 4,5/5
Nicht Hollywoods damalige A-Riege, aber eine Schar ursympathischer Schauspieler mit Wiedererkennungswert, die sich vom Dinospektakel nicht wegdominieren lassen, es aber auch nicht hemmen.
Regie: 4,5/5
Ganz klar eine von Spielbergs besten Blockbuster-Regiearbeiten neben der „Indiana Jones“-Trilogie.
Fazit: 9/10
„Jurassic Park“ war es vor zweiundzwanzig Jahren, ist es heute und wird es auch in zweiundzwanzig Jahren noch sein: pure Kinomagie. Eine nahezu perfekt inszenierte Blockbuster-Referenz.

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Kommentare

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  • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

    Humor 1/5 – kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Vor allem mit der textlichen Begründung “Trotzdem ist der Humor passend und löst manche Stresssituationen gekonnt auf.”

    Für den Kontext des Films und Genres gibt es hier doch jede Menge Humor. *kopfschüttel*

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