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IT FOLLOWS: Kritik zum Indie-Horrorfilm mit Maika Monroe (Kino)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben07 / 20150 Kommentare

Story

Die Collegestudentin Jay Height führt ein ruhiges Leben in einem Vorort von Detroit, verbringt Zeit mit ihrer Schwester Kelly und ihren Freunden und trifft außerdem seit kurzem den zugezogenen, attraktiven Hugh. Sein Verlangen nach ihr bleibt Jay nicht verborgen und so hat sie eines Abends Sex mit ihm in seinem Wagen – doch als ihr Lover sie nach der heißen Nummer mit Chloroform betäubt und Jay sich später gefesselt an einen Stuhl in einer Fabrikruine wiederfindet beginnt für sie ein unvorstellbares Martyrium. Aber es ist nicht Hugh, der es auf sie abgesehen hat, vielmehr schärft er Jay mit so eindringlichen wie panischen Worten ein, was passieren wird, nun da sie miteinander geschlafen haben: etwas wird Jay verfolgen, etwas das für alle anderen unsichtbar ist und das sie töten wird, wenn sie es nah genug an sich heranlässt und das sich danach der Übertragungskette folgend erneut Hugh zuwenden würde, ein unerklärliches Wesen, das sich in der Gestalt jeder möglichen Person Jay zu nähern versuchen wird, langsam, aber ohne aufzugeben. Tatsächlich erscheint kurz darauf eine nackte Frau, die unbeirrt auf Jay zukommt, die schließlich völlig verstört von Hugh vorerst außer Reichweite gebracht und zu Hause abgesetzt wird, mit dem letzten Rat, den Fluch möglichst schnell an irgendjemand anderen weiterzugeben…

Der Film

Sex im Auto mit Maika Monroe in IT FOLLOWS
Für Horrorfans der „alten Schule“ ist ihre bevorzugte Filmgattung seit geraumer Zeit wie ein Marsch durch die Wüste: hin und wieder mal eine erquickliche Oase in Sicht, aber die meiste Zeit eine mühselige Qual durch die unwirtliche Unfruchtbarkeit längst vergangenen Üppigwuchses. Dort, wo einst Hitchcock, Carpenter, Argento, Craven oder Romero Klassiker und Meisterwerke säten, in denen der Horrorfilm noch Gewicht, Schrecken und Spannung besaß, Urängste spielgelte oder selbst erzeugte, die Finessen der Gruselkonstruktionen Stile bildeten und Metzelikonen in Subgenres wie dem Slasher geschaffen wurden, hier ein Michael Myers, da ein Jason Voorhees. Nach einer Welle der Torture-Pornographie und einer Entwicklung des Horrorfilms, die nichts Reizvolleres als eine extreme Brutalisierung ihrer Settings und Prämissen mehr hergab und Orgien aus Blut, Gedärmen und Gräueltaten in immer krasseren und teils grenzsprengenden Dimensionen künstlerischer Vertretbarkeit feierte und sogar hartgesottenste Gorehounds ermüden ließ, besann sich das Genre zuletzt ein bißchen zurück auf klassisches Gruseln, ahmt sich darin letztlich aber wieder nur selbst nach, wenn Nummern wie „Paranormal Activity“ oder „Insidious“ auf zig Sequels anwachsen.

Auftritt „It Follows“. »Best…«, »Most innovative…« oder »Scariest horror movie in over a decade« sind einige der Superlative, mit denen der Film von Regisseur und Autor David Robert Mitchell seit seiner Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes im Mai 2014 bedacht wird. DIE Horror-Offenbarung, DIE Genre-Sensation, DIE Hoffnung für alle Fans, DER fruchtbare Landstrich in der Ödnis – der sich als overhypte Fatamorgana entpuppt. „It Follows“ beginnt wie der Film, der er seinem vorauseilenden Ruf nach zu sein scheint: atmosphärisch, kunstvoll, Interesse und ein magenflaues Unbehagen weckend, disturbing as fuck im Ausgang der ersten Minuten, die auf dem Bild einer absurd brutal zugerichteten Teenager-Leiche enden und die für den Rest des Films eine Erwartung an den Schock und Schrecken der proklamierten Bedrohung wecken, die „It Follows“ danach nur in raren Ausnahmemomenten und über kaum eine volle Sequenz bestätigen kann.
Maika Monroe in IT FOLLOWS
Dieses Etwas, das da folgt, basiert auf wiederkehrenden Albträumen, die David Robert Mitchell während seiner Jugend hatte, es ist tatsächlich ein traumähnlicher Vibe, der „It Follows“ begleitet und wie Mitchell mit einer Entrückung des vom Realen gewohnten diese Stimmung evoziert ist schon beeindruckend: da sind die Frame-Grenzen die er setzt, Häuserreihen und Wände, die leerstehenden Wohn- und Fabrikgebiete der Vorstadt- und Arbeitergegenden in Michigan, die Dunkelheit und weite Horizonte umschleiern die Bilder, als gäbe es dahinter keine existierende Welt; die Figurenzahl ist gering und scheint wie isoliert vom Rest ihrer Umwelt und lediglich von ihrem eigenen nahen Bezugskreis umgeben, bis auf seine Haupt- und einige Nebenfiguren sieht Mitchell niemanden direkt frontal an, Orte mit mehr als fünf, sechs Menschen sind lediglich eine abgewandte Konturenmasse, merkwürdig unpassige Details wie die alten Fernsehgeräte mit ihrem permanenten Output an Schwarz/Weiß-Horror- und SciFi-Schinken im Gegensatz zu einem schminkpöttchenförmigen Digitallesegerät, auf dem eine Freundin von Protagonistin Jay Dostojewski’sche Weltliteraur liest…

So geringfügig irreal und verzerrt, wie im Tunnel oder einer Box wahrgenommen fühlen Träume sich manchmal an, Zeit und Raum sind nicht wirklich fassbar, etwas stimmt nicht. Damit zumindest, soviel muss man ihm zugestehen, erzeugt „It Follow“ eine permanente Stimulation und unablässiges Kratzen jenes Reiznervs, der jederzeit die Gefahr erwartet und ein Unwohlsein auslöst, das Mitchell mit seinen retrogetränkten Bildkompositionen, dem Sound Design und dem Synthesizer-lastigen John Carpenter-Gedächtnis-Score von Disasterpeace noch gekonnt zu unterstreichen versteht. Lange Schwenks, panische POV-Shots, die die nahende Bedrohung außerhalb des Frames erwarten, verharrende Einstellungen, in die das Grauen hineinkriecht und der Sound dröhnt einem den unterschwelligen Schrecken vor. „It Follows“ ist kein Fun-Horror und kein Splatter-Fest, bei dem man den Killer herbeisehnt und bierberauscht seine nächste Mord-Variante anfeuert, die Prämisse und die sich ihrer Vorgänger hyperbewusste Mache von „It Follows“ sind beunruhigend und verstörend – nur nie auf dem Niveau der ersten paar Minuten…
Lili Sepe, Olivia Luccardi und Keir Gilchrist in IT FOLLOWS
…und zwischendrin flaut diese atmosphärische Umklammerung sogar ganz und gar ab und berührt einen nach gut einer Stunde Laufzeit nur noch gelegentlich. Um mal bei dem Traum-Gedöns zu bleiben: es häufen sich die Phasen des Erwachens aus „It Follows“, in denen sich die Retro-Stilisierung als zu sehr ihrer selbst gewahr offenbart, in denen der Schrecken durch das folgende Etwas einfach nicht einsetzt, in denen die Darsteller gestelzte Metaphern über den Tod und das Vergehen aufsagen oder zu hören bekommen und in denen sehr deutlich wird, dass Mitchells Film beim Problem vieler Träume(r) stehen bleibt: er kann ihn nicht erklären. „It Follows“ bietet von der offensichtlichen Interpretationsmöglichkeit (das Es als Verkörperung einer übertragbaren Geschlechtskrankheit; das lange und ungewisse Dahinsiechen nach einer AIDA-Infektion) bis hin zu tiefer ausgedeuteten Möglichkeiten (das Es als Manifestation der Ängste vor’m Erwachsenwerden und der Verantwortung; als Ausdruck einer Desorientierung; als unausweglicher Wettlauf gegen den Tod, in dem sich der Mensch als solcher permanent befindet) viel Spielraum, nur scheint sich Mitchell selbst keiner zentralen Bedeutung seines Bumms-Dämons bewusst zu sein.

To be clear: natürlich ist gerade das Horrorgenre dafür geschaffen, nicht eindeutig und erklärt sein zu müssen, Parabeln und Allegorien für die Erscheinungsformen des Horrors zu schaffen, und in gewisser Weise erweitert „It Follows“ ja auch die besonders im Slasher bekannt-konservative Haltung des Killers als Bestrafung für vorehelichen Sex und sonstige Teenager-Ungezogenheit – aber es wirkt in diesem Falle wie eine fahrige Einfallssammlung um diese dünne und unbestimmte alptraumhafte Erfahrung herum, bei der der Filmemacher Symbolismen anteast und reinschiebt, aber ihnen persönlich eigentlich keinen Gehalt beimisst. So fehlt zum Beispiel den wechselnden Erscheinungsformen des Verfolgers meist ein Schuss Konkretheit, was sagen sie über den Träger des Fluchs aus, wie charakterisieren sie dieses Wesen: das Maskieren und Verbergen der Identität zum Schaffen und Zurücktreten hinter einem mordenden Über-Ich hat die ikonographischen Symbolfiguren des Horrors geprägt, das starre weiße Antlitz Michael Myers‘, Hockeymaske Jason Voorhees, der die Gesichtshaut seiner Opfer tragende Leatherface, die wechselnden Inkarnationen des stets gleichbleibenden Ghostface…
Das Wesen in Oma-Gestalt und Maika Monroe in IT FOLLOWS
Mitchells wandelnde Pille danach hingegen bleibt zu vage, bis auf die gelegentliche Nacktheit und hin und wieder geschwärzten Augenhöhlen seiner Erscheinungsformen hat das postkoitale Verhütungsmittel keine sonderlich erschreckenden Merkmale, wodurch die suggerierte Gefahr zwar theoretisch von jedem geradlinig geradeausgehenden Menschen herrühren könnte, der Rammelrache aber ein unver- und erkennbarer Schrecken völlig abgeht. Die Gewissheit, dass es kommen wird, ist stets bedrohlich präsent – die Gewissheit, dass es dann eigentlich nicht wahnsinnig aufregend wird aber ebenso, da das Wesen visuell und auch in seinen Fähigkeiten unreglementiert und unscharf umrissen bleibt. In den konfrontativen Schockmomenten ist „It Follows“ dann sogar kaum mal einen Meter schlauer, als jene ideenarme Slasher-Flut, die von Wes Cravens „Scream“-Trilogie ab Mitte der 90er gnadenlos und irreparabel demontiert wurde: geflüchtet wird erstmal nach oben statt raus aus dem Haus, und die Flucht in die Vertikale vor einem Gegner, der einem unablässig folgt – das ist gerade hier bei dieser Prämisse nicht eben angebrachter als sonst…

[SPOILER folgen in den nächsten beiden Absätzen]Während „It Follows“ einige Tropen des Horrorfilms variiert („jemand entdeckt den rumstehenden Killer, der beim nächsten Hinsehen verschwunden ist“ wird hier zu „das Wesen kommt näher und näher…“) und seine Figuren innerhalb der filminternen Logik anfangs noch halbwegs nachvollziehbar handeln lässt, häufen sich im weiteren Verlauf die genretypisch dämlichen Entscheidungen, etwa wenn Jay und ihre nicht vollends vom Grund ihrer Furcht überzeugten Begleiter sich an einen abgelegenen Strand begeben. Unsinnigerweise wird die zuvor in einem alten Geräteschuppen gefundene Knarre nach ein paar Schießübungen wieder dorthin zurückgelegt, anstatt sie mit zu führen, nur um später vor dem auftauchenden Wesen in die Hütte flüchten zu müssen und einen total generischen »oh nein, wir sitzen ausweglos fest!«-Moment mit »der Killer ist seit zwei Sekunden verschwunden, also geh ich mal ganz langsam nachsehen, ob die Luft rein ist…«-Jump Scares lostreten zu können. Da ist mal gar nichts innovatives dran, zumal sich auch das Wesen alles andere als konsequent verhält, der Film in seiner erwähnten Anfangssequenz eine übermenschliche Ultrabrutalität der Erscheinung vermuten lässt, sie dann aber erstmal sekundenlang bloß gemütlich an Jays Haaren rumzupft, als es sie in der Strandszene endlich in die Finger bekommt.
Daniel Zovatto und Maika Monroe in IT FOLLOWS
Vollends lächerlich machen sich Film, Protagonisten und Antagonist aber mit einem Showdown, in dem die Kids das Unmögliche versuchen: einem unspezifizierten Schrecken ein irdisches Ende zu setzen. In einem stillgelegten Schwimmbad positionieren Jay und die anderen eine Vielzahl von Elektrogeräten, um den Verfolger in den Pool zu locken und zu braten. Wohlgemerkt nachdem dieser zuvor einen Kumpel aus der Nachbarschaft, der den Fluch zwischenzeitlich freiwillig und im Unglauben an die übernatürliche Entität durch Sex mit Jay von ihr übernommen hat, vor ihren Augen irgendwie elektrisch zu Tode vergewaltigt hat. Die Kids ziehen das ohne Gewissheit durch, das Monster so aufhalten zu können, nachdem zuvor schon Kugeln nichts ausgerichtet haben und Regisseur Mitchell beschreibt das im Interview mit Vulture so: »It’s the stupidest plan ever![…]We kind of avoid any kind of traditional setup for that sequence, because in more traditional horror films, there might be a clue that would lead them to figure out a way to destroy this monster. I intentionally avoided placing those.[…]It’s probably a very non-conventional way of approaching the third-act confrontation, but we thought it was a fun way to deal with it.« Nee, ist es nicht. Es ist ein fauler Ansatz, mit Horrorkonventionen zu brechen, ein lausiges Genrefinale und keinesfalls der kluge Wink in Richtung der unzähligen finalen „the good guys try to slay the monster“-(Fehl)Versuche der ganzen „Halloween“s und „Friday the 13th“s, den Mitchell sich davon erhofft haben mag. Wenn das Wesen mit Toastern und Föhnen nach der im Pool paddelnden Jay zu schmeißen beginnt (übrigens in Gestalt ihres Vaters, wofür es characterwise auch überhaupt kein Setup gibt, aber »seht her, es ist jetzt ihr Vater, macht euch selbst ‘n Reim drauf, ich hab nämlich keinen Dunst…« 🙄 ) und ihre Freunde der für sie unsichtbaren Gestalt nachtorkeln und das Monster schließlich mit Bauernticks übertölpeln ist „It Follows“ nicht spannend und intensiv – sondern downright stupid.[SPOILER Ende]

Mitchell eifert stilistisch und in der heraufbeschworenen Stimmung großen Horrorklassikern nach, wird denen aber vollauf nur in den ersten drei und dann höchstens für zwanzig, dreißig weitere Minuten in der Prämissenumsetzung gerecht. Danach offenbart sich „It Follows“ im Grunde bloß als Langfassung der Kurzfilm-/Fake Trailer Sensation „The Horribly Slow Murderer with the Extremely Inefficient Weapon“ von Richard Gale, nur in langsamer und statt Löffeln mit Sexmetaphorik und oberflächlicher vögel verantwortungsbewusst-Botschaft. Eine traumähnliche, ohne Einfluss erwachsener Instanzen gezeigte Welt (Eltern sind abwesend, kümmern sich nicht oder werden nicht mit einbezogen und nur das Wesen personifiziert in einigen seiner Formen eine im Film durchgängige und monströs wahrgenommene Anwesenheit eines Adultus in der juvenil geprägten Sicht des Films), viel Interpretationsraum und Coming of Age-Schauplätze um ein allgegenwärtiges sexuelles Erwachen, Körpererfahrung und Lust an den eigenen Reizen, auch das Stattfinden einer adoleszenten Reue und gewissen Beschämung im Rückblick auf unreife Taten und arschiges Verhalten im Kindes- und Jugendalter – allessamt ein nice try und wie gesagt, jede Menge Anerkennung für die technisch gekonnt aus einem unbehaglichen Empfinden in Bilder und Töne übersetzte Stimmungsschau…
Maika Monroe als panische Jay in IT FOLLOWS
…aber als paranoider Horror-Thriller ist „It Follows“ trotzdem nicht das markerschütternde Werk, zu dem er hochgejazzt wird. Nur weil Mitchell viel thematische Quer- und Längs- und Sonstwohindeutungen einstreut heißt das längst nicht, dass er diese wirklich geschickt an die Plotbedrohung um den unheimlichen Verfolger knüpft, „It Follows“ wirkt nicht fertig gedacht, so als wäre Mitchell hier mal ein Gedanke gekommen, als hätte sich ihm da mal eine Interpretationsebene eröffnet, aber nichts konnte ihn wirklich durchgehend und dranbleibend fesseln, um aus seinem zweiten Spielfilm ein inhaltlich und nicht nur stilistisch etwas bestimmteres Gesamtwerk zu machen. Abgesehen von all dem ist der Scare-Code des gemächlich einhergehenden Bösen in „It Follows“ über den ersten beunruhigenden Gedanken an so eine Erscheinung nach ein paar Auftritten im Grunde geknackt: da Jay gewissenstreu erstmal nicht zum Rudelfick ansetzt, um den Fluch loszuwerden (eine spätere Andeutung davon findet im Handeln und der Konsequenz daraus komplett Off Screen oder halt auch gar nicht statt), und das gestaltwandelnde Monster es immer nur auf eine Person abgesehen hat, laufen die Sequenzen immer gleich ab und der Dämon hat seinen eigenen Restriktionen nach keine große Gelegenheit, seine Kill Skills zu demonstrieren. Und der Reiz der Angespanntheit, nach vorübergehender Flucht auf sein nächstes Erscheinen zu warten, verfliegt einfach mit der Zeit, vor allem wenn einen das Wesen nicht bange macht. Eine Oma im weißen Nachthemd auf dem Collegegelände, das ist zwar out of place und bedient das beinahe greifbar dichte etwas stimmt nicht-Gefühl des Films und salzt natürlich die Metasuppe (Angst vor dem Älterwerden) – aber es ist nicht soooooo gruselig, egal wie laut es einem der Synthie-Score reindröhnen will. Und dann ist „It Follows“ eben nicht mehr, als eine verschenkte oder vielleicht gar nicht filmtaugliche Prämisse, die mehr Möglichkeiten in ihren Freiräumen lässt als damit zu begeistern, was Mitchell wahrhaftig zu bieten hat. Nach den zu Beginn zitierten euphorischen Stimmen trifft es ein oft eingebrachter Einwand der nicht-„It Follows“-Jünger weit besser: die Lobeshymnen, die dieser Film einfährt, sagen mehr über den maroden Zustand des Horrorgenres, als über ihn selbst aus…

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Setzt auf den ruhigen Aufbau und die langen, beunruhigenden Sequenzen des guten alten 70er-Jahre Horrors, nicht auf Hektik und Tempo.
Spannung: 2,5/5
Der Film fängt mörderisch gut an, die ersten Minuten wecken eine enorme Erwartungshaltung – die Spannungskurve sackt irgendwann aber ebenso steil ab, wie sie zu Anfang nach oben schoss. Die ungebändigten Metaebenen sind viel spannender, als das was Mitchell handlungstechnisch aus der Prämisse macht.
Anspruch: 2/5
„It Follows“ kann man in unzählige Richtungen zerdenken, von oberflächlich-offensichtlichen bis hin zu tiefgreifenden Deutungen. Aber der Film ist darin letztlich so dermaßen unspezifisch, dass es eigentlich scheißegal ist, weil zu viel möglich und zu wenig abgesteckt ist und Mitchell selbst keine Erklärungen parat zu haben scheint.
Humor: 0/5
Absolut kein Fun-Horror und dazu die völlig konträre Dummheit der Figuren ganz nach abgekautesten Slasher-Mustern… Macht keinen Spaß.
Darsteller: 4/5
Natürlich ist Maika Monroe ein überzeugendes Panic-Girl, die steigert sich schon stark in den verfolgten Furchtzustand hinein und rettet damit sogar ein paar arg repetitive Momente. Ihre Figur ist aber keinen Deut entwickelter, als im Genre üblich, einzig durch die Metabezüge ergeben sich da andere Zugänge. Rest vom Fest: solide.
Regie: 2/5
Mal ehrlich, David Robert Mitchell, was ist dir eigentlich klar über deinen eigenen Film und was haste nur reingeholzt, damit sich andere Gedanken drüber machen können und das als innovatives Meisterwerk feiern? Stilistisch eine A-Leistung in toller Retro-Aufmachung, inhaltlich aber der eigenen Prämisse nicht genügend.
Fazit: 4/10
Hyperbewusste Retro-Stilisierung in Optik und Akustik, die tatsächlich anfängt wie das Genremeisterwerk, als das sie gepriesen wird. Die atmosphärische Dauerdichte verhindert jedoch nicht, dass die Umsetzung der Prämisse irgendwann einfach nicht mehr aufgeht, Regisseur Mitchell in seinem Überschuss an Metabezügen das Grauen den Tick zu vage hält, um wirklich bedrohlich zu sein, und die Figuren und der Killer früher oder später mit dem genretypisch-selben inkonsequenten Dummscheiß anfangen, der die innere Logik und den Schrecken nach unten zieht, zumal das hier kein splatterintensiver Fun-Horror ist und sowas dann noch unangenehmer auffällt.

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