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TERMINATOR: Kritik zu James Camerons SciFi-Action-Klassiker mit Arnold Schwarzenegger (DVD)

Von Flynn Hardy vor 11 Monaten geschrieben07 / 2015Classic0 Kommentare
TERMINATOR Filmkritik

Story

Die Erde im Jahr 2029: der Planet ist nach einem verheerenden Nuklearkrieg nahezu vollständig verwüstet, initiiert von der künstlichen Intelligenz Skynet führen unbarmherzige Maschinen in den Ruinen der zerstörten Welt einen genozidalen Vernichtungsfeldzug gegen die Reste der Menschheit. Doch mit John Connor wird der menschliche Widerstand von einem unnachgiebigen und starken Anführer geleitet, so dass die Maschinen kurz vor einer entscheidenden Niederlage einen anderen Ausweg zur endgültigen Vernichtung wählen: ein Terminator wird in der Zeit zurück geschickt, um Connors Mutter Sarah noch vor der Geburt des zukünftigen Erlösers anzugreifen und zu töten. In Gestalt des Soldaten Kyle Reese gelingt es dem Widerstand jedoch, zeitgleich einen Beschützer für Sarah in die Vergangenheit des Jahres 1984 zu entsenden. In Los Angeles begeben sich die unaufhaltsame Tötungsmaschine in Menschengestalt und der entschlossene Reese auf die Suche nach jener Frau, die den Schlüssel zur Zukunft in sich tragen wird…

Der Film

Linda Hamilton als Sarah Connor in TERMINATOR
Vom wütenden Gebet über Vater/Sohn-Konflikte bis Mary Shelleys „Frankenstein“: es ist eines der wiederkehrenden Themen und in der Zuspitzung eine der beständigen Ängste der Menschheitsgeschichte, die Schöpfung, die sich gegen ihren Erschaffer wendet. Dem Aufstand der vom Menschen geschaffenen Maschinen in globalem Ausmaß, also der seit Jahrzehnten theoretisch, literarisch und filmisch heraufbeschworenen spekulativen Science Fiction-Abhandlung dieser Urauseinandersetzung, kommen wir im Zeitalter immer weiter zunehmender Technisierung und der Kreierung und Fortschreitung künstlicher Intelligenzen gefühlt mit jedem neuen Handymodell und jedem frisch implementierten Durchleuchtungsalgorithmus des Internets fast täglich einen Schritt näher. Einflussnehmer wie Harlan Ellison, Isaac Asimov oder Philip K. Dick mal beiseite gelassen hat neben der „Matrix“-Trilogie (zumindest deren brauchbarem ersten Drittel) vor allem James Cameron dieses Szenario mit seinen „Terminator“-Filmen popkulturell verankert wie kein anderer.

Panzerketten walzen über Schädel und Gebeine, Plasmasalven zucken den verdunkelten Himmel entlang, über den Ruinen der zu Schutt gebombten Welt patrouilliert ein Hunter Killer – mit prägnanten Bildern zimmern Cameron und seine Effekt-Crew eine der dunkelsten Visionen einer postapokalyptischen Welt, wobei „zimmern“ nach den Standards einer 1984er Low Budget-Produktion natürlich sehr wörtlich zu nehmen ist: die Umsetzung der Eingangsszene und spätere Schnipsel des Jahres 2029 mit Modellen, Miniaturen und ruckligen per Hand-Animationen wirkt im Vergleich zu heutiger Tricktechnik zwar wie ein Höhlenmensch, der Steine gegeneinanderschlägt, aber diese Urzeitmethoden entzünden damals wie heute mehr Funke und Feuer zwischen sich und dem Zuseher, als jede kalte CGI-Welt. „Terminator“ und Camerons Bild der Zukunft besitzen über die outgedatete visuelle Komponente hinaus eine ungebrochene suggestive Kraft und ungemütliche Stimmungsdichte, die der Film mit seinen ersten Bildern, jenen blau-grauen Einstellungen einer trostlosen Welt zu spannen beginnt, bevor rasante Action, Geballer und Oneliner übernehmen.
Linda Hamilton und Michael Biehn in TERMINATOR
„Terminator“ ist ein kleines dreckiges Meisterwerk in effektivem Storytelling, kreuzt geschickt die Values eines SciFi-Action-Thrillers mit Slasher-Elementen, die B-Movie-Prämisse mit einem Drama voller geschickt arrangierter Themen über Schicksal, Selbstbestimmung und Individuation im Überlebenskampf zwischen Mensch und Maschine, zwischen der nichtsahnenden Mutter der Hoffnung und dem Boten des Untergangs. Camerons „Terminator“ ist tatsächlich ein tiefgreifenderer, vielschichtigerer und raffinierterer Film, als es in der Reduktion auf seinen Actionanteil, die Effektarbeit und die prägnanten Sprüche von Mannmaschine Arnold Schwarzenegger oft betont wird. Bei allem Tempo, das die Jagd des Killer-Cyborgs nach dem Zusammentreffen der drei zentralen Handlungsfiguren aufnimmt, verliert Cameron weder den Unterbau seiner Story noch die Charaktere aus den Augen. Der non-humanoiden, rücksichtslosen und nicht verhandelbaren Brutalität und Effizienz des Terminators, der bei seinen Missionsroutinen schonmal aufsässigen Punks kurzerhand die Pumpe aus dem Leib reißt und auch beim Waffenhändler seines Vertrauens nicht lange fackelt oder gar auf Mengenrabatt spekuliert, steht in Sarah Connor eine überforderte Kellnerin und versetzte Singlefrau gegenüber, die im Duell mit der unerbittlichen Maschine ihre geduldete Unscheinbarkeit abstreift und der Kampf um ihr Leben wird zum Wegbereiter ihrer Selbst.

Statt logistischem Genickbruch sind die prädestinativen Paradoxien, die sich im Film ergeben, einer der hauptsächlichen Reize der „Terminator“-Mythologie und das Modell und die Handlungsfolge, wie Cameron sie hier entwirft, haben für diesen kleinen, räudigen und plotreduzierten, an der Oberfläche simplen Actionreißer einen vermutlich gewollten Nebeneffekt: er wird dadurch größer, als er eigentlich ist. Die gesamte Konstruktion des Films ist jederzeit flüssig und stimmig und obwohl Cameron vom Krieg gegen die Maschinen nur wenig zeigt und das Schicksal der gesamten Weltbevölkerung auf ein beklemmend intimes drei Personen-Stück herunterbricht ist das dahinter schwellende Ausmaß der „Terminator“-Geschichte allgegenwärtig, ohne dass es lange erklärt werden müsste: Camerons Exposition sind die Unbezwingbarkeit des Cyborgs, sind die Befehle, die Kyle Reese Sarah auf der Flucht vor der Maschine zubellt, die drückende Notwendigkeit der Ereignisse, »Listen, and understand! That Terminator is out there! It can’t be bargained with. It can’t be reasoned with. It doesn’t feel pity, or remorse, or fear. And it absolutely will not stop, ever, until you are dead!«.
Arnold Schwarzenegger als ramponierter T-800 in TERMINATOR
Reese und Sarah ist nur selten ein kleiner Vorsprung auf den Terminator gegönnt und so macht Camerons Film nach dem etwas schleppenderen Beginn irgendwann unaufhörlich Druck, Schwarzeneggers stoische Personifizierung des Killerroboters strahlt eine ungemeine Bedrohung aus, was sich in der Wirkung noch steigert, wenn der Terminator mehr und mehr Schaden nimmt und somit optisch neben seiner ungerührten Mimik weiter entmenschlicht wird, sein fleischliches Äußeres zunehmend das chromglänzende Skelett offenbart, an einigen „Wunden“ zu verwesen beginnt und Fliegen anlockt, ein winziges Detail bloß, aber „Terminator“ ist gespickt mit solchen kleinen, erweiternden und vertiefenden Einschüben. Die Maskenbildner und Tricktechniker rund um den legendären Stan Winston leisten dabei großartige Arbeit, etwa wenn Schwarzenegger an seinem offenen Arm und der Hydraulik seines Endoskeletts herum operiert oder das rotglühende Auge des Cyborgs hinter der organischen Pupille zum Vorschein kommt.

Die rohe No-Nonsense-Brutalität des Films brachte ihm hierzulande fünfzehn Jahre auf den Index ein, der teils rücksichtlos brutale Ton ist dem Setting aber vollkommen angemessen. Höhepunkte, was Body Count und Intensität angeht, sind dabei das Eindringen des Terminators in eine Polizeistation und ein nervenzerrender Showdown, als das nicht tot zu kriegende, von Schwarzeneggers Äußerem befreite Maschinenskelett einen letzten Versuch zur Erfüllung seines Auftrags unternimmt. In einer Mischung aus StopMotion-Technik, Miniaturen und animatronischen Modellen in Originalgröße verwirklicht ist der Anblick des Cyborgs in seiner wahren Gestalt auch heute noch erschreckend mitzuverfolgen und beeindruckend umgesetzt. Neben dem klassischen „Terminator“-Theme überzeugt zur finalen Konfrontation auch Brad Fiedels Score am meisten, die Untermalung mit Synthesizern und einer elektronisch verstärkten Violine hat ansonsten ihre etwas strapazierenden Phasen, steigert sich zum Endkampf aber gemeinsam mit dem Sound Design in einen im positiven Sinne unerträglichen akustischen Terror als Entsprechung der nicht enden wollenden Bedrohung durch den Terminator.
Das Endoskelett in TERMINATOR
Der wurde mit Arnold Schwarzeneggers unbeweglicher und unnachahmlich passender Maschinenmensch-Performance zur modernen Ikone in einem Action-SciFi-Meisterwerk und einem der besten und vielzitiertesten Filme (»I’ll be back.«) der frühen 1980er. Ein ähnlicher Push wie dem Steirer blieb Linda Hamilton und Michael Biehn zwar versagt, doch die beiden sind keineswegs bloß Beiwerk zu Arnies Blechshow: die spröde Hamilton stemmt in neunzig Minuten den kniffligen Bogen vom jammervollen und von den unbegreiflichen Ereignissen mitgerissenen Opfer zur entschlossenen Überlebenskämpferin mit Bravour und ohne Übertreibung in die eine oder andere Richtung, weder ist sie anfangs bloß zeterndes Anhängsel, noch später übertoughe Amazone. Genauso überzeugt Biehn als aus einer Welt kommend, in der es nichts außer Leid, Entbehrung und täglichen Überlebenskampf zu bewältigen gibt: er ist dem Terminator kräftemäßig unterlegen, ihm in seiner Zähigkeit gleich, überlegen macht ihn seine Fähigkeit zu Fühlen; und bei Biehns sensibler wie verbissener Leistung stellt sich die offensichtliche Frage nicht einmal, warum dieser Kyle Reese nach Jahren zermürbender Schlacht gegen die Maschinen den Kampf um Sarah Connor überhaupt aufnimmt, statt sich in der Vergangenheit einfach ein paar gemütliche Jahre bis zum Judgement Day zu machen…

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Ist im Ausmaß natürlich an das Budget von knappen sieben Millionen gebunden, macht aber das Beste draus und vor allem unaufhörlich Druck.
Spannung: 4,5/5
Mengt dem SciFi-Action-Setting gekonnt Horror-Elemente unter und ist bohrend intensiv.
Anspruch: 3/5
Synchron zu „Rambo“ ist der erste „Terminator“ überhaupt nicht der Hohl-Actioner, als der der Begriff mittlerweile herhalten muss. Die Zeitreise-Theorie und die Subebenen über Selbstbestimmung und Schicksalsfügigkeit sind clever.
Humor: 0,5/5
Das Cop-Duo Paul Winfield und Lance Henriksen bringt ein bißchen schrägen Humor in den ansonsten düsteren No-Nonsense-Thriller.
Darsteller: 4/5
Schwarzenegger ist die perfekte Verkörperung der eiskalten Killermaschine, Michael Biehn und Linda Hamiltons Beitrag zum Gelingen des Films ist aber kein bißchen niedriger einzuschätzen.
Regie: 4,5/5
James Cameron liefert eine der nachhallendsten Zukunfts(schreckens)visionen, einen brettharten Action-Thriller und rasant-schlauen SciFi-Film.
Fazit: 9/10
Ungebrochen bockstarker Klassiker des SciFi-Action-Genres. Das intensive Duell zwischen dem Killer-Cyborg und der Erlösermami schrieb Filmgeschichte in düsteren und blutbesudelten Lettern, schuf eine der prägendsten Leinwandikonen und hat nach über dreißig Jahren nichts von seiner Klasse verloren. Im Gegensatz zu den hochtoupierten Haarsprayfrisuren, Pastellklamotten und schrägen Dance-Pop-Moves des Jahres 1984 absolut zeitlos.

Mehr zum Film

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