Cellurizon hat zu! Meine neue Website mit Filmkritiken, Kurzgeschichten und mehr Geschreibsel findet ihr seit Februar 2017 HIER
Skip to content

X-MEN: ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT – Quick-Kritik zum ROGUE CUT des Mutanten-Abenteuers (DVD)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben07 / 20151 Kommentar

Story

In der Zukunft: unaufhaltsame und erbarmungslose Roboter, die Sentinels, haben sämtliche Mutanten nahezu ausgerottet oder interniert. Über den Feldzug der hochtechnisierten Tötungsmaschinen ist die Welt in Zerstörung und Dunkelheit versunken und in dieser dystopischen Zeit ist es einzig eine kleine Gruppe um den Telepathen Charles X. Xavier, die sich dem Zugriff der Sentinels entziehen kann. Mit Hilfe der Kräfte von Kitty Pryde unternehmen die Überreste der X-Men einen letzten Versuch, ihr Schicksal und die Gegenwart zu verändern: das Bewusstsein von Krallenmann Logan soll um mehrere Jahrzehnte in der Zeit zurück geschickt werden, um den jungen Xavier und seinen damaligen ärgsten Feind Magneto davon zu überzeugen, gemeinsam für die Rettung ihrer Zukunft einzustehen und ein Ereignis zu verhindern, das überhaupt erst zur Erschaffung der Sentinels führt. Hinter deren Entwicklung steckt der Militärwissenschaftler und Anthropologist Bolivar Trask, der in der Existenz der Mutanten in den 1970ern eine enorme Gefahr für den im Vergleich unterentwickelten Homo Sapiens sieht. In dieser heiklen Epoche gelingt es Logan tatsächlich, den späteren Führer der X-Men Charles X. Xavier ausfindig zu machen – doch der ist in dieser Zeit weit von dem Mann entfernt, der er einst seien wird…

Der Film

Patrick Stewart, Hugh Jackman und Anna Paquin im Rogue Cut von X-MEN DAYS OF FUTURE PAST
Mit einem weltweiten Einspiel von fast $750 Millionen der mit weitem Abstand erfolgreichste Film des Franchise, von Fans und Kritikern gleichermaßen (und zu Unrecht *hust hust*) als bester Beitrag der Reihe gefeiert: „X-Men: Days of Future Past“ (hier die Kritik zur Kino-Fassung) war ein glatter Triumphzug für die Riege der Mutanten um Professor Charles X. Xavier. Mit einem gewaltigen Cast, zusammengesetzt aus den alten Helden der ersten drei Teile und dem Reboot „X-Men: First Class“, ergänzt um einige neue Gesichter, vereint/getrennt durch den Kniff mit den zwei Zeitebenen – nur für eine war kein Platz: die arme Anna Paquin alias Rogue musste in der Kinofassung von „Days of Future Past“ größtenteils weichen, nur ein winzig kurzer Augenblick gegen Ende des Films war ihr gegönnt. Zur Wiedergutmachung erscheint nun der sogenannte „Rogue Cut“ auf DVD und Blu-ray, eine um siebzehn Minuten angereicherte Fassung von Bryan Singers Comicadaption.

Additional dialogue in der Zukunft, bei dem die ansonsten strikt auf Zurschaustellung ihrer Kräfte reduzierten neuen Mutanten wie Bishop und Blink zu Wort kommen, ein paar glimpses here and there in der Vergangenheitshandlung, Wolverine quatscht nochmal kurz sein 70ies-Schäferstündchen an, viel mehr hat der „Rogue Cut“ den „Days of Future Past“ erstmal nicht hinzuzufügen. Ein paar einschneidendere Veränderungen und Ergänzungen finden sich erst tief in der zweiten Hälfte des Films, der Rogue-Part des „Rogue Cut“s greift sogar erst zum finalen Drittel in die Handlung ein. Obwohl das dann vollwertigere Character Bits und Plotstränge sind ist doch keine der Erweiterungen wirklich von Gehalt oder Belang und was bei eventuellen 50/50-Entscheidungen letztlich den Ausschlag zum Schnitt gab ist ersichtlich: es ist vorwiegend Strecker- und Füllmaterial, mit dem der „Rogue Cut“ handelt und die Integration der kräftezehrenden Weißhaarsträhne Anna Paquin ist schließlich nur ein (weiterer) erzählerischer weak spot.
Blaue Liebe - Beast und Mystique in X-MEN DAYS OF FUTURE PAST
[SPOILER Alarm für alle, die nicht vorher wissen wollen, wie Rogue in den Film findet!]Rogues Aufgabe in „Days of Future Past“ ist es, die schwer verwundete Kitty Pryde abzulösen und Logans Bewusstsein stabil in der Vergangenheit zu halten, doch dafür muss sie zunächst aus Xaviers Mansion befreit werden, wo sie von Forschern im Innern Cerebros festgehalten wird, um ihre absorbierenden Kräfte zu extrahieren. DAS ist allerdings kompletter Quatsch, führt doch „Days of Future Past“ eine Zukunft ein, in der die Mutanten großflächig ausgelöscht sind oder in Konzentrationslagern gehalten werden. Wozu sollte sich also noch jemand die Mühe machen, Rogues Kräfte abzuzapfen, wenn doch die Sentinels eh schon brutal übermächtig und nicht aufzuhalten sind? Rogue nicht einfach Teil des Zukunftsteams sein zu lassen ist bloß Zweckmittel für eine zusätzliche Actionszene, die immerhin sehr spannend in die Vergangenheitshandlung montiert wird und die dortige Entwicklung von Erzschurke Magneto dramatisch in die Zukunft hallen lässt, was zumindest Xaviers Verstand nicht zu entgehen scheint.

Der „Rogue Cut“ ändert so jedoch nichts an der gewaltigen Logiklücke, den notorischen Metallbieger in der Vergangenheitshandlung überhaupt aus seiner Gefangenschaft zu befreien und stattdessen den blitzfixen Wunderjungen Quicksilver zu Hause zu lassen. Der hat während der Sequenz im Pentagon eine der überragenden Szenen des Jahres 2014, in der er alles zeigt, was für den Plot des Films von Nöten wäre, der grob runtergebrochen darauf hinausläuft, dass eine von Mystique auf Sentinel-Erbauer Bolivat Trask abgefeuerte Kugel aufgehalten werden muss. Viel sinnvoller als ein „Rogue Cut“ wäre demnach ein „Quicksilver Cut“ gewesen! Der hätte „Days of Future Past“ nicht um siebzehn Minuten verlängert, sondern um eine Stunde verkürzt und der Film hätte einen Haufen Plotlöcher weniger aufgerissen.
Quicksilver in X-MEN DAYS OF FUTURE PAST
Der „Rogue Cut“ ist insgesamt eine entbehrliche Ergänzung, wer nicht ganz unbedingt sehen muss, wie Missmatch Nicolas Hoult sich an Jennifer Lawrence‘ Hintern fest- und vergreift und wer Anna Paquin vielleicht sogar für generell unnötig hält, der kann auf die aufgeblasene Fassung unbesehen verzichten. Der Film hätte anderswo Ergänzungen und Vertiefungen nötiger gehabt, zum Beispiel beim Schurken Trask, der nach wie vor unterbeleuchtet bleibt, und wo verdammt nochmal ist die Actionszene, in der der vom Rating stets limitierte Wolverine wenigstens mal einen Sentinel so richtig im Rage Mode auseinandernehmen darf?! Da hat man den Krallenmann schon kurz im Duell mit den Mutantenjägern und er killt keines von den verdammten Dingern! Fazit: wer „X-Men: Days of Future Past“ eh schon toll fand wird den Film durch den „Rogue Cut“ nicht unbedingt (noch) besser finden, für einen Kritiker des Streifens wie mich bieten sich gar eher noch mehr Gelegenheiten, um auf Plotschwächen und –ungereimtheiten und sonstigen, nicht nachgebesserten Versäumnissen rumzureiten.

Die komplette Kritik zur Kinofassung von „X-Men: Days of Future Past“ gibt es hier. An den folgenden Einzelwertungen und der Abschlusswertung ändert der „Rogue Cut“ nichts.

Wertung & Fazit

Action: 3,5/5
In der Vergangenheitshandlung erstaunlich zurückhaltend, dafür in der Zukunft richtig fetzige und gnadenlos harte Gefechte zwischen Mutanten und Sentinels, hier sicher mit die besten Actionsequenzen der ganzen Reihe.
Spannung: 2/5
Zieht erst im dritten Akt richtig an, dazwischen viel Leerlauf, der sich mit Plotbedingungen selbst zügelt (wen Xavier wann wie oder warum nicht mental beeinflussen kann zum Beispiel…).
Anspruch: 1/5
Keine neuen Erkenntnisse im Konflikt zwischen Mensch und Mutant: „Days of Future Past“ ist ein thematischer Wiederkäuer, die Verbindung zwischen Xavier und Mystique ist nochmal der Xavier/Magneto-Versuch des rechten Weg Aufzeigens aus „First Class“, nach der Kuba-Krise ist auch der ausklingende Vietnamkrieg ein unzureichend eingebrachter historischer Background.
Humor: 1/5
Wolverine Hugh Jackman hält sich diesmal mit seinen typischen mürrischen Kalauern zurück, die unterhaltsamste und witzigste Szene kann der rasende Quicksilver für sich verbuchen.
Darsteller: 4/5
James McAvoy beherrscht den Film. Jackman reißt den Wolverine routiniert und angenehm untergeordnet runter, Michael Fassbender kann schön diabolisch gucken und hat einfach diese undurchdringliche Ausstrahlung, der gewaltige Cast überzeugt ansonsten durchweg ohne Ausfall nach unten und Auschlag nach oben.
Regie: 2,5/5
Wie ein Sportler nach einer längeren Verletzungspause: das Können und die Versiertheit im Umgang mit der Materie blitzen auf, von konstanter Topform aber weit entfernt.
Fazit: 5,5/10
Bryan Singer führt die „X-Men“ nicht direkt zur sehr guten Frühform zurück, „Days of Future Past“ bietet einige tolle Szenen und auf der anderen Seite viel Leerlauf, der die Frage aufwirft, wo da ein $225 Millionen-Budget drinsteckt. Der Film macht die beiden größten Aussetzer der Saga wieder wett, kommt darüber selbst aber kaum vom Fleck.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Kommentare

Ja... weißt du... das ist vielleicht... deine Meinung, Mann...
...also schreib doch einfach einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

    und wo verdammt nochmal ist die Actionszene, in der der vom Rating stets limitierte Wolverine wenigstens mal einen Sentinel so richtig im Rage Mode auseinandernehmen darf?!

    Denke, das wäre sehr schwer mit nicht-Adamantium-überzogenen Krallen. Und generell gilt: je weniger ein X-Men-Film zur Wolverine-Show wird, desto besser.

  • Weitere Artikel
    Navigiere zum vorigen/nächsten Artikel

    374 Aufrufe