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BLACK MASS: Kritik zum Crime-Thriller mit Johnny Depp & Joel Edgerton (Blu-ray)

Von Flynn Hardy vor 4 Monaten geschrieben02 / 2016Kritiken0 Kommentare
BLACK MASS Filmkritik Review Rezension

Die Story

Nach einer wahren Geschichte, South Boston Mitte der 1970er: der FBI-Agent John Connolly überredet den irischstämmigen Gangster James „Whitey“ Bulger zur Kollaboration mit den Bundesbehörden gegen einen gemeinsamen Feind: die italienische Mafia. Doch die unheilige Allianz zwischen Kriminellem und Beamten gerät außer Kontrolle: ist Bulger anfangs nur ein Gangführer mit Einfluss im eigenen Nachbarschaftsgebiet, ermöglicht ihm Connollys Schutz den Aufstieg zu einem der mächtigsten Verbrecher in Boston und den USA. Die Cosa Nostra lässt er sich mit einigen gezielten Hinweisen aus dem Weg räumen, die eigenen dreckigen Geschäfte von Drogenhandel über Wettgeschäfte bis hin zu kaltblütigem Mord verschleiert Bulger, entgeht somit jeder Strafverfolgung und auch sein jüngerer Bruder Billy hält sich als Bostoner Senator aus seinen Machenschaften heraus. Nach einigen privaten Schicksalsschlägen agiert Bulger zunehemend skrupelloser und entfesselt einen Strudel aus Verbrechen und Gewalt, aus dem es für niemanden einen Ausweg gibt…

Die Filmkritik

Johnny Depp und Joel Edgerton in BLACK MASS
Eine Kritik zu einem Film mit Johnny Depp lässt sich heutzutage kaum noch anders als damit einleiten, dass einem Johnny Depp auf den Sack geht. Oder mit dem Fakt, dass der Mitt-2000er-Megastar seit einiger Zeit nur noch Flops aneinanderreiht, einige davon richtige Kosten/Ertrag-Desaster. Also bringen wir’s hinter uns: Johnny Depps Kostüm/Masken/Manierismen-Macarena mag keiner mehr mittanzen und an den Kinokassen sollen’s demnächst die Milliardenhit-Sequels „Alice Through the Looking Glass“ und „Jack Sparrow 5: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales: Wir leider immer noch“ richten, um von der Forbes-Liste der unprofitabelsten Stars wieder runter zu kommen. Mit dem True Story-Gangster-Drama „Black Mass“ von „Crazy Heart“- und „Out of the Furnace“-Regisseur Scott Cooper kann man in der Zwischenzeit eine kleine, grauskaliert-stimmungsvolle Versöhnungsparty mit dem Depp feiern.

Als Bostoner Crime Lord Jimmy Bulger liefert der zum Kasper verkommene Star seine dichteste Leistung seit vielleicht zehn Jahren und dem damaligen Barock-Galopp „The Libertine“. Keine Allüren, kein Gestikgehibbel und mimische Entgleisungen nur als effektiv eingesetzt-abscheuliche psych out-Grimassen, trotz einer Tonne MakeUp inklusive falschen Glatzenansätzen, totem Zahn und Kontaktlinsen ist Depps Spiel in „Black Mass“ endlich mal wieder frei vom zampanoesken Eigenzitat, das er seit Erfindung des Jack Sparrow-Charakters aufführt. Wem’s beim Namen Depp zuletzt ungeduldig an zu Zucken fing, der kann ihm hier eine neue Chance geben, Coopers drittes Werk hat jedoch andere Macken. Der Filmemacher hat ein gutes Auge für’s Milieu und für dichte Stimmung, das bewies er mit dem Country-Drama „Crazy Heart“ und mit dem rauen Blue-Collar-Thriller „Out of the Furnace“ und das unterstreicht er mit dem Boston-Setting des rise and fall-Krimis „Black Mass“…
Dakota Johnson und Johnny Depp in BLACK MASS
…der aber dennoch wie ein verunsicherter Cousin eines Scorsese wirkt. Die kalten Bilder, der unheilsschwere Score von Tom Holkenborg aka Junkie XL, die zum Zerschneiden dicke Atmosphäre und ein hervorragendes Schauspiel-Ensemble, damit versteht „Black Mass“ zu glänzen, Coopers Handlungsführung jedoch, sein wankelmütiger Fokus und die Unentschlossenheit, aus welcher Sicht heraus die wahre Geschichte des Films am besten erzählt wäre, darin steht er den großen Genremeistern weit nach. In seinem sozialschwachen Viertel im Süden Bostons hat Depps Bulger den Status einer Eminenz, sein Wort wird geachtet und gefürchtet, gleichzeitig ist er beliebt und angesehen in der Nachbarschaft, die Hintergründe dafür und der expandierende Werdegang des Lokalgangsters werden vom Film aber nicht mehr als ungewiss geäußert, als hätten Cooper und die Drehbuchautoren Mark Mallouk und Jez Butterworth die Buchvorlage „Black Mass: The True Story of an Unholy Alliance Between the FBI and the Irish Mob“ von Dick Lehr und Gerard O’Neill bestenfalls überflogen.

Bulger ist im Film fast nur ein Randereignis, ein weder ausführlich motivierter, noch sonderlich faszinierender Krimineller, dessen klassisch abgesteckte Gangstertaten mehr als moralischer Kompass für zwei weit spannendere eigentliche Nebenfiguren dienen: Benedict Cumberbatch als „ich seh nicht hin“-Senator Billy Bulger und vor allem Joel Edgerton als nachbarschaftssolidarisch an Bulgers Gunst gebundener FBI-Mann John Connolly, der sich aus einem unterwürfigen Ehrenkodex heraus blind stellt gegenüber Bulgers Verbrechen und sich selbst immer weiter in den Dreck zieht, das sind die eigentlichen, die interessanten Key Player in „Black Mass“. Aus dem Mobster Bulger jedenfalls lockt Cooper nichts hervor, dass ihn groß unterscheiden würde von anderen Impulsgangstern, wie sie zum Beispiel Robert De Niro oder Jack Nicholson zuvor gespielt haben; Bulger und seine Crew nimmt der Film so mit durch die Story, die weit mehr hergegeben hätte, wenn sie sich mehr der anderen, ambivalenteren Seite um Edgerton und die Verwicklungen und Vertuschungen seines Bundesbeamten zugewandt hätte.
Johnny Depp in BLACK MASS
Dann hätte es eher genügt, Bulger nicht weiter als über seinen from the streets of Boston-Nimbus und gelegentliche Taten hinaus mit Handlungszeit auszustatten, so ist „Black Mass“ aber nur eine ganz gelungene, aber ihre großen Vorbilder lediglich umschmeichelnde Genre-Replik, die die gängigen Gangster-Tropen mit Voice Overn, Gewalt- und Fluchausbrüchen, Verrat, Ehre, Familienbegriffen und so weiter bedient und Bulger sogar die unverzichtbare Szene liefert, in der der psychopathische Crime Boss jemanden erst ganz fies einschüchtert und das dann als Verarsche outet, »just kiddin’ man, look at his face!«. Eine Szene, symptomatisch für den Film: Depp bringt das respekteinflößend-überzeugend rüber, nur kam diese »ich bring dich um, ich mach nur Spaß«-Nummer schon in tausend anderen Gangsterfilmen und Bulger wird dadurch als Charakter nur unschärfer, statt prägnanter. Halt als hätte er diese ganzen anderen Gangsterfilme selber gerade erst gesehen und sich einige Posen abgeguckt.

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5

Wenig, es wird zwar mal geschossen, aber einen Tommy Gun-Tornado kann man von „Black Mass“ nicht erwarten.

Spannung: 1/5

Ein Gangsterfilm, der vollkommen den Gewohnheiten seines Genres verschrieben ist und daran nicht zu rütteln wagt. Dabei läge gerade durch Edgertons Figur des FBI-Mannes eine nicht so überbenutzte Perspektive in der Handlung.

Anspruch: 2/5

Sehr akkurat nachgestelltes Setting, daran gibt es nichts zu meckern. Dennoch bleibt „Black Mass“ eher oberflächlich und ungenau.

Humor: 0/5

Kein Kriterium.

Darsteller: 4.5/5

Depps beste, weil geerdetste Leistung seit langer Zeit, auch das übrige mit reichlich Klasse bestückte Ensemble liefert starke Leistungen in durch Drehbuch und Handlung leider unterrepräsentierten Rollen.

Regie: 2.5/5

Scott Cooper kann konzentrierte Milieu-Studie, zumindest in Optik und Stimmung. Erzählerisch fehlt seinem „Black Mass“ jedoch ein klarerer Fokus und etwas mehr Abnabelung vom Genre-Einerlei.

Film: 5/10

„Black Mass“ verschenkt viel Potenzial, indem der Film sich auf einen Gangster konzentriert, den Johnny Depp sehenswert spielt, der aber als Figur völlig unscharf und vage bleibt. Der größere Reiz hätte in den spannenderen Nebenfiguren gelegen. Atmosphärisch ist’s aber immerhin ein sehr dichtes Crime-Drama, jedoch ohne erzählerische Besonderheiten.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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