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GHOSTBUSTERS: Kritik zur Kult-Action-Comedy mit Bill Murray & Sigourney Weaver

Von Flynn Hardy vor 3 Monaten geschrieben02 / 2016Classic2 Kommentare
GHOSTBUSTERS 1984 Filmkritik

Die Story

Obwohl sie gerade ihrer ersten geisterhaften Erscheinung von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden läuft es nicht gut für die drei Parapsychologen Dr. Peter Venkman, Dr. Ray Stantz und Dr. Egon Spengler: ihrer unorthodoxen Methoden wegen werden sie von jetzt auf gleich aus ihrer Universität geworfen und versuchen in der Folge selbstständig als Geisterjäger Fuß zu fassen. Das Geschäft mit den Gespenstern und Dämonen läuft, gelinde ausgedrückt, schleppend an, ehe mit der Cellistin Dana Barrett endlich die erste Kundin die Ghostbusters aufsucht und von einer unheimlichen Erscheinung in ihrem Kühlschrank berichtet. Und obwohl die Untersuchung ihrer Wohnung zunächst keine Ergebnisse liefert ist das Trio dennoch auf einmal in ganz New York gefragt, denn die paranormalen Phänomene häufen sich zunehmend. Ihre plötzliche Berühmtheit können Venkman, Stantz, Spengler und Team-Neuzugang Winston Zeddemore jedoch nicht allzu lange genießen, denn schnell stoßen die Geisterjäger auf deutliche Anzeichen, dass sich ein Ereignis zusammenbraut, das apokalyptische Ausmaße annehmen könnte – und das Hochhaus, in dem Dana lebt, scheint dabei eine entscheidende Rolle zu spielen…

Die Filmkritik

Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis in GHOSTBUSTERS
Unter vielen eingefleischten Filmfans sind die 1980er das wahre Golden Age von Hollywood. Da gab’s jede Woche einen neuen Instant Classic im Kino und keine Dekade hat mehr Kultstreifen, Leinwandikonen und bis heute aufgekochte Blockbusterrezepturen hervorgebracht. Die ’80er hatten die beiden besten „Star Wars“-Filme, „Blade Runner“, „Terminator“, „Rambo“ und die ganzen anderen Schwarzenegger/Stallone-Klopper, „Lethal Weapon“, „Indiana Jones“, „Mad Max“‘ endgültigen Durchbruch mit „The Road Warrior“, „Die Hard“, „Zurück in die Zukunft“, „Beverly Hills Cop“ und was nicht noch. Und mit unseren Vokuhila-Frisuren, Karottenjeans, Nietengürteln und Neonjacken sahen wir auch alle super aus, wie wir da zum Synthiepop von Modern Talking abgetanzt haben! Alles awesome damals, um’s mal in modernsprachlich zu sagen. Oder vollkommen verklärt und nostalgietrunken schön gesoffen. Ich persönlich mag dieses pauschalisierte, veränderungs- und letztlich auch kunstfeindliche »früher war alles besser, heute ist alles scheiße«-Retrofeiergetue eigentlich nicht, muss aber einräumen: einiges löst sie halt aus, diese heiter-angesäuselte Gestrigkeitslaune.

Auftritt „Ghostbusters“. Ivan Reitmans Gruselkomödie ist von Idee bis Ausführung einer der vergnüglichsten Nostalgie-Trips überhaupt, die man in die Filmunterhaltung der 1980er unternehmen kann. Die Basisprämisse der übernatürlichen Exterminators, die Dan Aykroyd und Harold Ramis aus Budgetgründen von zeit- und raumbereisenden Ghostsmashers mit Zauberstäben zu wissenschaftlich zumindest theoretisch verankerten Parapsychologen mit Protonenstrahlern gesund schrumpften, ist ebenso catchy und simpel-genial wie ein peitschenschwingender Archäologe oder ein Killercyborg aus der Zukunft, das unterschiedliche Comedy-Talent der drei Hauptdarsteller mit dem gutmütigen Aykroyd, dem unerschütterlich-seriösen Ramis und dem zynisch drauflosimprovisierenden Bill Murray ergänzt sich gut, die dezenten Horror-Elemente und eine zum Ende hin apokalyptische Gruselatmosphähre sind so geschickt eingepflegt, dass oft stimmungsvolle Beleuchtung und ein Reaction Shot genügen. Dazu schleimt einen die ihrerzeit Oscar-nominierte Special Effects-Arbeit mit dem Charme ihrer Prä-CGI-Ära zu.
Sigourney Weaver in GHOSTBUSTERS
Das fügt sich alles prima zusammen, obwohl (und JA, jetzt folgt eine Einschränkung!) „Ghostbusters“ nicht mehr Substanz als die flatterhaft-halbtransparenten Erscheinungen hat, mit denen es Venkman und die anderen zu tun bekommen. Die Gespensterjäger sind Wissenschaftler und darüber hinaus geekige Spinner und Outsider, aber sie sind trotzdem waschechte Helden der Arbeiterklasse, die sich neben übernatürlichen Gestalten auch mit verstockter Bürokratie herumärgern und bis zum Umfallen malochen müssen, um mit ihrer Drecksarbeit halbwegs über die Runden zu kommen. Die verschreiben sich so sehr ihrem auslaugenden Job, dass Geister sogar noch ihre Sexträume heimsuchen. Das macht die Parapsychologen sympathisch, aber nicht zu Charakteren, die ohne das Drumherum besonders interessant wären. Ikonen des „everyday heroes“ wie Snake Plissken, Indiana Jones, Marty McFly und John McClane waren freilich nicht geringer Produkt der Umstände, in die sie verwickelt wurden, nur hat man bei Venkman, Stantz und Spengler stärker den Eindruck, dass ohne Umstände kaum noch Figur übrig bliebe. Murray kaschiert das mit seinen Possen und Sprüchen und dem süffisanten »Ich nehm hier gar nichts ernst…«-Gestus, in dem Star und Rolle verschmelzen…

…Dan Aykroyd und Harold Ramis aber müssen für die notwendige Balance auf solche Mätzchen verzichten, dafür enthusiastisch beziehungsweise stoisch viel Wissenschafts- und Geisterkunde-Waka Waka erzählen, gute Character Gags bekommen sie seltener als Murray und meist können sie auf dessen eskapadenhafteres Spiel nur reagieren, um überhaupt einen eigenen Akzent zu setzen. So entstehen kauzige, alberne und manchmal chauvinistische Murray-Segmente, so unangepasst und epochenverbunden wie die fluchenden und paffenden Hauptdarsteller (sowas wäre mit Hollywoods heutiger smoke- & swearword-free policy ja gar nicht mehr vorstellbar). Weit mehr für die Persönlichkeiten des verrückten Venkman, des kindlich-begeisterungsfähigen Ray, des no-nonsense Egon und des im Film spät und mit wenig Screentime dazustoßenden loyalen Winston leistete allerdings erst der Zeichentrick-Ableger „The Real Ghostbusters“, der zwei Jahre nach „Ghostbusters“ startete und auf über 130 Folgen kam.
Ernie Hudson, Dan Aykroyd, Bill Murray und Harold Ramis in GHOSTBUSTERS
Doch bevor das hier in die falsche Richtung läuft: einige Gags in „Ghostbusters“ mögen spookiger sein, als ein paar der Schaudereffekte, aber dieses Hauptaugenmerk auf anarchische Comedy ist eben auch eines der prägenden Kennzeichen des Films, eines das die Quotes-Sektion in der IMDb zum Bersten bringt (»Listen… do you smell something?«, »Don’t cross the streams.«, »Human sacrifice, dogs and cats living together… mass hysteria!«, »Ray, when someone asks you if you’re a god, you say „YES“!«, seriously, ist da überhaupt irgendein Dialog des Films NICHT aufgelistet?!) und ihn über dreißig Jahre hinweg als Klassiker konserviert hat. Als Action-Komödie mit Horror-Faktor ist „Ghostbusters“ weiterhin vorbildlich in Storyaufbau und im Anschlagen von Plot Beats, die nicht immer tieferen Sinn haben müssen (warum rennt Gozer the Gozerians Schoßhöllenhündchen Vinz Clortho ausgerechnet Rick Moranis hinterher, statt einen seiner Partygäste als human host zu besetzen…?), die aber dennoch konsequent ein kultiges, welterschütterndes, die Dissoanzen von albernem Humor und Grusel vereinendes Finale vorbereiten.

Bis es aber zum Duell mit Gozer kommt, dessen nahende Ankunft für den Anstieg der paranormalen Phänomene gesorgt hat, sieht man die „Ghostbusters“ nicht sonderlich oft beim ghosts busten, die klassische ’80ies-Montage in der Mitte des Films muss mit bereits gefüllten Geisterfallen und durch New York joggenden Geisterjägern auskommen, viel Protonenstrahler- und Gespenster-Action gibt es abgesehen vom Finale und der Hotel-Sequenz nicht zu sehen. Und bevor mir gleich mein Interieur von weiter oben um die Ohren poltert, explizit der „…von Idee bis Ausführung einer der vergnüglichsten Nostalgie-Trips überhaupt…“-Spruch: ja, „Ghostbusters“ ist eine vergnügliche Umsetzung seiner Prämisse, aber guckt mal hin, ihr ganzen Retroverehrer, der Film killt sein Konzept doch auch nicht so hart, dass es für eine Weiterverarbeitung in Serien-, Sequel- und Reboot-Form unantatsbar wäre!
Kult - der Marshmellow Man in GHOSTBUSTERS
„Ghostbusters“ ist eine gelungene high concept-Action-Grusel-Comedy mit einem Bill Murray in Bestform, dem seine Co-Stars Dan Aykroyd und Harold Ramis bereitwillig die Front Stage überlassen, um neben den Trickshots zu bestehen. Die übernatürlichen Phänomene werden nie so verrückt oder von Murray so steil auf die Schippe genommen, dass sie für den Film ihren Reiz und ihr Threat-Maß verlieren würden und schräge Nebenfiguren wie Moranis’ verschrobener Steuerberater Louis Tully und Annie Potts als Rezeptionistin Janine Melnitz erweitern das Ensemble um einige Pointen. Zudem liefert Sigourney Weaver, die einige Jahre zuvor noch dem „Alien“ trotzte, eine schöne Kontra-Performance zu all den abgedrehten Charakteren und Ereignissen um sie herum, ihre Dana Barrett ist die „normalste“ Erscheinung des Films, bis sie besessen vom Dämon Zuul zur lasziv-furchteinflößenden Torwächterin wird und das sehr herabgesetzte Frauenbild des Films mitbetont (übertölpelte Naivchen, anzuflirtende unternudelte Mauerblümchen [»That’s the bedroom, but nothing ever happened in there.«], gefangen in niederen Tätigkeiten [»Type something, will you?«] oder dominant-satanische Schreckschrauben und Lustobjekte – holy sexism, und ihr wundert euch, dass DIESER Film ein all female-Reboot bekommt?!?!).

Wertung & Fazit

Action: 3/5

Rasant, auch wenn das eigentliche Ghostbusting, nicht zuletzt aus Budgetgründen, an der kurzen Leine gehalten wird.

Spannung: 2.5/5

Immer schwer zu beziffern bei Filmen, die man schon dutzendfach gesehen hat und die auch in Schlüsselmomenten derart oft zitiert wurden. Der Steigerungs-, Anforderungs- und Spannungsaufbau ist aber in jedem Fall gelungen.

Anspruch: 0.5/5

Nicht komplett plemplem, immerhin wird den paranormalen Phänomenen ein bißchen der nötige Ernst eingeräumt.

Humor: 3/5

Zitierfähige Sprücheparade mit vielen gut gealterten Gags und den unvermeidlichen Ausfällen.

Darsteller: 4/5

Die vier Geisterjäger sind keine spannenden, aber sympathisch angelegte und gespielte Figuren, Bill Murray stiehlt natürlich als Rampensau Venkman die Show.

Regie: 4/5

Sehr gute Blockbuster-Regie von Ivan Reitman, der die gegensätzlichen Elemente aus Horror und Humor gut verbindet.

Film: 8/10

„Ghostbusters“ macht auch nach über dreißig Jahren noch viel Spaß, wobei schon der Nostalgiebonus ein paar der Punkte retten muss. Ein perfekter Film ist Ivan Reitmans Geisterklamauk nämlich längst nicht, ohne Murrays Impro-Parade wäre oft nicht viel los und gemeinsam mit den vielen wirklich kultigen Szenen, Sets, Props und Gegnern und dem gelungenen Storybogen machen sie „Ghostbusters“ in der Summe besser, als den Wert seiner Einzelteile.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Kommentare

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  • donpozuelo 192 Kommentar(e)

    Das mit dem Nostalgie-Bonus glaube ich gerne. Die helfen häufiger mal 😀 Aber ja, “Ghostbusters” macht schon Spaß… ich bin ja noch vorsichtig-skeptisch-gespannt auf das Reboot…

    • Flynn Hardy 172 Kommentar(e)

      Geht mir ähnlich, bin zumindest nicht so extrem voreingenommen, wie manch anderer. Oder zumindest nicht aus den selben Gründen, von wegen so “iiiiiiiihhhhh, *Frauen*!!!!!”. Wir sind doch keine Seemänner von vor dreihundert Jahren mehr, wo Weibsen an Bord Unglück gebracht haben 😀

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