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GHOSTBUSTERS II: Kritik zur Geisterjäger-Fortsetzung mit Bill Murray & Dan Aykroyd

Von Flynn Hardy vor 6 Monaten geschrieben02 / 20160 Kommentare
GHOSTBUSTERS II Filmkritk Review Rezension

Die Story

Fünf Jahre ist es her, seit die Geisterjäger Peter Venkman, Egon Spengler, Ray Stantz und Winston Zeddemore New York vor der Schreckensherrschaft von Gozer dem Gozerianer bewahren konnten. Doch die Jungs sind längst keine gefeierten Helden mehr, vielmehr hat sie ein vielfältiger Klagenkatalog in diversen Fällen von Sachbeschädigung finanziell ruiniert und eine einstweilige Verfügung, die ihnen die Untersuchung paranormaler Phänomene untersagt, gab’s obendrauf. Als sich eines Tages der Kinderwagen von Venkmans Ex-Freundin Dana Barrett selbstständig macht und eine wilde Tour mit dem achtmonatigen Donald dreht, sucht sie Spengler auf und bittet um Hilfe. Der untersucht den seltsamen Fall gemeinsam mit Stantz und dem sich aufdrängelnden Venkman und wiedervereint stoßen die Ghostbusters unten den Straßen von New York auf einen Fluss aus Schleim, aufgeladen durch die geballte negative Energie der Stadt. Währenddessen erwacht im Manhattan Museum of Art, in dem Dana als Restauratorin arbeitet, das Gemälde des grausamen Karpaten-Fürsten Vigo, der auf der Suche nach einem Körper ist, um mit seiner vernichtenden Macht zurück ins Leben zu treten…

Die Filmkritik

Die Geisterjäger in GHOSTBUSTERS II
Für Bill Murray, Dan Aykroyd, den 2014 verstorbenen Harold Ramis, Regisseur Ivan Reitman und, klammert man „Avatar“ mal aus, selbst für „Alien-Queen Sigourney Weaver ist die 1984er Grusel-Komödie „Ghostbusters“ bis heute der kommerziell erfolgreichste Film. Richtig Lust auf ein Sequel hatte nach dem Erfolg der Geisterjäger und der nachgeschobenen Animationsserie allerdings nur das Studio, Stars und Macher indes war wenig daran gelegen, den als abgeschlossen betrachteten Erstling fortzusetzen, auch wenn der die simpel-geniale Prämisse der parapsychologischen Kammerjäger sicher nicht unumkehrbar auserzählt und das Konzept nicht voll ausgereizt hatte. Aber dafür, dass erst keiner wollte und das Studio drängte, ist der schließlich 1989 doch erschienene „Ghostbusters II“ sehr ordentlich geworden, konnte den Vorgänger zwar qualitativ nicht toppen und spielte auch nur noch die Hälfte ein, ein weiterer spaßiger Geister-Humbug ist den Machern jedoch allemal gelungen.

Obwohl die Zeichentrick-Fassung seit 1986 bereits in mehreren Staffeln gezeigt und angedeutet hatte, wohin man mit den „Ghostbusters“ so gehen und wen man ihnen entgegenstellen kann, setzten Aykroyd und Ramis bei ihrem Script zu „Ghostbusters II“ verstärkt auf Formeln und Zutaten des Filmvorgängers. Das Sequel, das man mit seiner „5 Years later“-Einblendung zu Beginn direkt zwischen Finale und Abspann des Erstlings schieben und daraus einen Dreieinhalbstünder machen könnte, versetzt die nach ihrer Schlacht gegen Gozer und den Marshmallow Man gefeierten Gespensterfänger zurück in ihr Außenseitertum, die Spukwelle ist abgeebbt und sie werden abgetan als Scharlatane und Spinner, die nichtmal auf ‘nem Kindergeburtstag noch Eindruck schinden können oder sich im Nischenfernsehen mit durchgedüdelten Weltuntergangspropheten abgeben müssen. Die Bürokratie, schon im ersten Teil noch vor den Geistern DAS Feindbild, hat die Ghostbusters mal wieder lahmgelegt.
Dan Aykroyd und Wilhelm von Homburg als Vigo in GHOSTBUSTERS II
Kann man so machen, es spart nämlich Kosten, da man die Geisterjäger wieder nur in einer kurzen Montage während ihrer Blütezeit des ghost bustens zu sehen bekommt. „Ghostbusters II“ verläuft in einem Parallelstrom zum ersten Teil, wieder ist es Dana Barrett, in deren Nachbarschaft als erstes was faul ist, wieder versucht ein Uraltböses innerhalb eines mit Dana verbundenen Gebäudes in die Welt zurückzukehren, wieder gibt es ein spektakuläres Scharmützel mit Gruselgestalten an einem öffentlichen Ort, wieder ist ein weird side character von einer bösen Macht besessen, wieder werden Venkman und die anderen wegen eines windigen Aktenwiesels zwischendurch verhaftet, bis die Lage dermaßen ekto…ähhhh…eskaliert, dass man doch auf ihre Hilfe zurückgreifen muss, dann wandert zum Showdown ein hochhaushohes berühmtes Wahrzeichen zum Erstaunen aller durch die Straßen von New York, Bossfight mit dem Obergeist und Happy End.

Ähnlich wie „Stirb langsam 2“, der sich von der Vertikalen im Wolkenkratzer des Vorgängers in die Breite eines Flughafengeländes verlagerte und ansonsten viel vom Ursprungs-Setting wiederholte, macht das beim zweiten Mal vornehmlich deshalb Spaß, weil die Schauspieler voll in ihren Rollen stecken und aufgehen und wenigstens ein paar Neuerungen und originelle Einfälle drin sind: die Idee mit dem negative Energie absorbierenden und manifestierenden Schleim in „Ghostbusters II“ ist zum Beispiel eine ziemlich clevere Allegorie auf die Unpersönlichkeit und den Sittenverfall in Großstädten, das Zeug ist zwar nur eine zähflüssige pinke Suppe, doch sehr geschickt führt der Film bereits in der Eröffnungsszene ein mies gelauntes, dreckiges und unkooperatives Pöbel-New York ein, in dem sich alles Schlechte im Menschen zusammenbraut und damit einen wahren Hort für das Grauen aus der Geisterwelt bietet.
Rick Moranis und Annie Potts in GHOSTBUSTERS II
Eine Grusel-Atmosphäre wie der Vorgänger, dem zum Ende hin tatsächlich bei aller Unernsthaftigkeit die Kurve zu einer greifbaren Weltuntergangsstimmung zu schlagen gelang, beschwört „Ghostbusters II“ zwar nicht herauf, aber die »im Streit fahr’n wir zur Hölle, also reißt euch zusammen und seid netter zueinander«-Botschaft ist trotzdem ein starkes und nicht zu blumenkindhaft in den Film eingebrachtes Motiv, geschickt über die Phasen der Handlung verteilt, dazu noch in einigen der besten Gags und Onelinern präsent und als Botschaft ja auch mal so überhaupt nicht verkehrt. »You know, I just can’t believe things have gotten so bad in this city that there’s no way back. I mean, sure, it’s messy, it’s crowded, it’s polluted, and there are people who would just as soon step on your face as look at you. But come on! There’s gotta be a few sparks of sweet humanity left in this burned-out berg. We just gotta find a way to mobilize it!«

Teil 1 war dennoch ein bißchen besser ausgewogen, auch wenn „Ghostbusters II“ der etwas abwechslungsreichere Film ist, einiges mehr an Schauplätzen bietet und den Geisterjägern ein Stück mehr Persönlichkeit gibt. Dafür lahmt der Wiedervereinigungs-Subplot mit Dana und Venkman; ist Bill Murray anfangs noch in bester Sprüchelaune und übertrifft sogar beinahe seine Impro-Parade aus dem Vorgänger, wird er im Handlungsverlauf zunehmend eingeschnürt von allein musikalisch völlig aus dem Film fallenden Romantik-Happenings zwischen ihm und Sigourney Weaver, die trotz der Sorgen um ihren Spross dieses Mal abwesender scheint und die wesentlich prägendere Mama-Performance zwischendurch in James Camerons „Aliens“ geliefert hatte. Während es Spaß und Aufregung bringt, den Jungs bei der Arbeit oder auch vor Gericht und sogar in der Irrenanstalt zuzusehen bleibt Weavers Dana blass und eindimensional und hat mehr als einen Kollegen-Stalker und ihren Arbeitsplatz mit dem Hauptplot nicht zu tun, was für ihre langweilige Figur viel zu wenig ist, um sie an Venkmans Seite im Restaurant sitzend sehen zu wollen.
Bill Murray und Sigourney Weaver in GHOSTBUSTERS II
„Ghostbusters II“ wiederholt die Erfolgsformel des Erstlings und das auch beim zweiten Mal überwiegend sehr unterhaltsam, die Sprüche kommen schimpfwortbereinigter aber nicht weniger frech daher, die Effekte können überzeugen, dafür schleppt der Film einige Subplots eher mühevoll mit sich rum und obwohl der deutsche Boxer Wilhelm von Homburg alias Norbert Grupe mit seiner herrisch-anekelnden Visage und unterstützt von Max von Sydows Stimme einen Schurken für’s Heavy Metal-Gedichte-Album gibt (»I, Vigo, the Scourge of Carpathia, the Sorrow of Moldavia, command you! On a mountain of skulls, in the castle of pain, I sat on a throne of blood! What was will be! What is will be no more! Now is the season of evil!«) bleibt er hinter Gozer und seinen Höllenhunden Zuul und Vinz Clortho zurück, weil der Film sich auch nicht zu erklären bemüht, was der Karpaten-Quäler im Körper eines Babys eigentlich anrichten kann. Ich persönlich wäre ja ein bißchen angepullert, wenn mir als moldawischer Massenschlächter da einer einen stinkenden und ziemlich apathischen (no offense, William T. und Henry J. Deutschendorf…) Windelschisser auf den Altar knallt.

Wertung & Fazit

Action: 3/5

In Menge und Staging dem Vorgänger sehr ähnlich.

Spannung: 1.5/5

Der Steigerungs-, Anforderungs- und Spannungsaufbau ist nicht so gelungen wie beim ersten Teil, dafür sind Vigos Bedrohung nicht handfest genug und die Subplots zu dünne.

Anspruch: 0.5/5

Nochmal eine Ecke weniger ernsthaft als der Vorgänger, dafür bekommen die geisterjagenden Parapsychologen ein bißchen mehr Persönlichkeitsvielfalt.

Humor: 3/5

Wie gehabt: zitierfähige Sprücheparade mit vielen gut gealterten Gags und den unvermeidlichen Ausfällen.

Darsteller: 4/5

Beide Teile wären ohne Bill Murrays wild freidrehende Energie nicht vorstellbar und Venkman gehört auch in „Ghostbusters II“ wieder der Frontplatz auf der Bühne.

Regie: 3/5

Ivan Reitman und das Script-Duo Aykroyd/Ramis kochen viel Bekanntes nochmal auf, mengen aber auch ein paar originelle Zutaten bei.

Film: 7/10

Unterhaltsamer Aufguss, dem in den Subplots schonmal die Luft ausgeht, der aber trotzdem „geistreiches“ Vergnügen bietet. Nicht so gut wie der Vorgänger, lässt sich im Doppelpack mit dem tendenziell etwas zu hocheingeschätzt-verklärten Erstling aber gut weggucken.

Mehr zum Film

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