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BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE – Kritik zu DCs Gigantenclash mit Ben Affleck & Henry Cavill (Kino)

Von Flynn Hardy vor 2 Monaten geschrieben03 / 2016Kritiken8 Kommentare
BATMAN V SUPERMAN DAWN OF JUSTICE Filmkritik Review Rezension

Die Story

Achtzehn Monate sind vergangen, seitdem die Welt von Superman erfahren hat und seit der Kampf des Kryptoniers gegen die Invasoren um General Zod einen Großteil von Metropolis zerstört und zahllose Zivilistenleben gefordert hat. Seit jenem Tag, und obwohl der fliegende Capeträger weiterhin bestrebt ist, Gutes zu tun, ist die Weltbevölkerung und sind die Regierungen in Zweifel darüber, ob Superman Retter oder Bedrohung, Heiliger oder Gefahr ist. Ein Mann jedoch hat sich diese Frage bereits beantwortet: Bruce Wayne, der des Nachts im benachbarten Gotham als geflügelter Rächer Batman auf die Straßen geht und das Verbrechen bekämpft, hat die Zerstörung von Metropolis hautnah miterlebt und sieht in Superman das Potenzial zur Vernichtung der Menschheit, sollte es auch nur den geringsten Zweifel an seinen Absichten geben. Während der Unternehmer Lex Luthor im Wrack der kryptonischen Terraforming-Maschine auf ein grünes Mineral stößt, damit Forschung am Leichnam Zods betreibt und schließlich ein Komplott gegen Superman in Gang bringt, steigert sich Wayne immer weiter in seine Wut hinein und sieht bald nur noch einen Ausweg: die Vernichtung Supermans…

Die Filmkritik

Superman vor Gericht in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
Sechs „Superman“-Filme seit 1978 und sieben „Batman“-Filme seit 1989 hat es gedauert und nun wird er endlich leinwandfüllend wahr, der Traum aller DC-Fanboys und Superheldencomic-Interessierten: Kent gegen Wayne, Supes gegen Bats, der Mann aus Stahl gegen den dunklen Ritter, „Batman v Superman“. Aka der zweieinhalbstündige „Man of Steel“-Nachfolger / „Batman“-Solofilm / weitere DC-Solofilme-Anschieber / „Justice League“-Anteaser, der seinem Titelversprechen ganze zehn Minuten widmet und in der restlichen Zeit für nie länger als anderthalb Minuten weiß, welcher Film er eigentlich gerade ist. Nach Christopher Nolans inhaltlich und stilistisch abgeschlossener und für den Rest des DC-Universums unzugänglicher „Dark Knight“-Trilogie und dem gefloppten „Green Lantern“ versuchen Warner und der Verlagsriese nun auf Biegen und Brechen, mit ihren Filmumsetzungen zu Konkurrent Marvel aufzuschließen, so dass „Batman v Superman: Dawn of Justice“ für mehrere stotternde Motoren Starthilfe geben soll und selbst fast ausschließlich Fehlzündungen produziert.

Die Merkmalsunterscheidung zu den eingängig-unterhaltsamen MCU-Stoffen, die eher mal in ihren Netflix-Ablegern wie „Daredevil“ und „Jessica Jones“ ihre Konformitäten aufbrechen, suchen Warner/DC in pathosgetränkter Epik, göttergleichen Tragödien, rauer Ernsthaftigkeit, einem düsteren Look und einer brütenden Stimmung bevölkert von »ich muss mal kacken«-Mienen, Symbolismus und einem Streben nach Bedeutung, ohne bislang nach „Man of Steel“ und nun „Batman v Superman“ etwas davon mit Inhalt und Gewicht gefüllt zu haben. Alles in „Dawn of Justice“ will groß, will wichtig, will gegenwartsrelevant sein, seine Helden in der Action und dem Ausmaß des Films auf Podeste erheben und sie mit seiner Geschichte und ihren Emotionen wieder herunter reißen, Gestalten voller Macht (ein Begriff, von dem ständig die Rede ist) und voller Zerrissenheit, aufgeladen mit Erlöser- und Dämonen-Assoziationen, die Menschheit rettend, oder sie zu Fall bringend, geringer geht es nicht im DC Extended Universe. Und heilige Jesus-Metapher, ist das lang, ist das laut, ist das verdrießlich.
Gal Gadot als Diana Prince und Ben Affleck in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
Snyder erzählt „Batman v Superman: Dawn of Justice“ wie einen Comic, schnelle Ereignisfolgen und -wechsel sind im Heftformat Teil des sequentiellen Erzählens und in zyklisch angelegten Storylines gibt es gerne mehr als ein halbes Dutzend Stränge, Setup-Panel und dann ka-pow, rein in die Handlung, rein in die Ereignisse, prägnante Dialoge und Gedankenblasen und ka-pow vier, fünf Seite weiter nächster Schauplatz, nächstes Ereignis. Davon redet Snyder, wenn er im Interview angibt, „Batman v Superman“ so gut er eben konnte auf Comic-Ästethik basieren zu lassen. Aber: die Dramaturgie eines Panels funktioniert nunmal anders als die einer Szene, die einer Seite anders als die einer Sequenz, die einer Ausgabe anders als die eines Aktes und die eines Zyklus schlussendlich anders als die eines Films. Snyders Übersetzungen von Frank Millers „300“ und Alan Moores „Watchmen“ haben funktioniert, weil das Spartiaten-Spektakel mit seinem Minimum an Handlung rein über Visualität und ästhetische Stilisierung erzählbar ist und weil bei der Superhelden-Dekonstruktion das Quellmaterial und die Script-Umsetzung von David Hayter und Alex Tse so reichhaltig waren, „Batman v Superman“ jedoch bräuchte eine ganz andere narrative Zuwendung und weniger ausschweifende Struktur.

Doch es hat auch was faszinierendes, zumindest ungefähr die erste Stunde lang, wie „Batman v Superman: Dawn of Justice“ sich seiner Panel-Erzählform hingibt. Das gelingt diesmal besser als noch in „Man of Steel“ und wenn man sich damit abfindet, dass hier bei Charakteren und Ereignissen rücksichtlos jahrzehntelange Comicgeschichte die Hintergründe liefern muss und nicht der Vorgänger oder der Film selbst, die Figuren vom Script am Schlafittchen gepackt, in und durch die Szenenfolge geschubst und geschoben werden – dann ist „Batman v Superman“ ‘ne zeitlang nicht sooo schlecht, wie er gemacht wird. Ein verhärmter, brutal-grimmiger Batman, ein aktiverer Alfred, der nicht nur Frühstück und Tee, sondern Tech-Support und Widerworte serviert, das Omega-Symbol und die geflügelten Parademons der Überbedrohung Darkseid in Batmans Albtraum-Vision von einer zerstörten Welt und einem evil Superman, eine Warnung des Flash aus der Zukunft, die Hints auf den Joker und einen getöteten Robin, Waynes Party-Geplänkel mit Diana Prince, der Prozess gegen Superman und ‘ne Quadrillionen weiterer Schnipsel, die „Batman v Superman“ direkt aus den Heftseiten reißt und in den Film streut: damit kann ein geschulter DC-Anhänger sicher viel anfangen und sich all die Lücken selbst füllen, die der Film mit seinen abgehackten Übergängen und der zusammenhanglosen Zickzack-Narration reißt…
Amy Adams als Lois Lane in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
…aber so macht man einfach keinen guten Film, so erzählt man keine große Geschichte, so konglomeriert man den Wissensstand von DC-Noobs und -Nerds zu einem pflichtschuldigen Fan-Event, sich oberflächlich allein darauf verlassend, dass jeder mal den dunklen Ritter und den Stählernen im gleichen Film sehen will. Die Dämmerung der Gerechtigkeit kommt rüber, als steige man in einen zehn Ausgaben umfassenden Zyklus irgendwo im ersten Drittel ein, bei Heft drei oder vier, nur während der Film schon um die nächste Ecke biegt steht man im Kopf noch vor der roten Ampel und wartet darauf, dass er einem über die Straße hilft. Nach jedem Event-Switch in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist der Film nicht mehr der selbe wie zuvor oder danach. Da sind starke Szenen dabei, wie das Opening, das das „Man of Steel“-Finale aus Bruce Waynes Perspektive zeigt und offenbart, wie wichtig es für den Climax von „Man of Steel“ gewesen wäre, da jemanden am Boden zu haben, um den man bangt und für den man sich interessiert, während rundumher die Wolkenkratzer einkrachen. Ben Afflecks grey-grumpy-Millionär hat jetzt auch nicht die ultimative Einführung, aber seine Entschlossenheit im Angesicht der Weltvernichtungskatastrophe um ihn herum, sein Versuch, zu retten, zu helfen und in seinem Fall eben das Wissen: der Kerl ist fuckin’ Batman, das macht ihn einnehmend, vom (Af)Fleck weg.

Aber mit guten Dingen in „Batman v Superman“ ist es wie mit dem »dog chasing cars«, von dem der Joker in „The Dark Knight“ spricht: er weiß damit nichts anzufangen, wenn er sie hat. Der Fledermaus-Part ist klar der beste der fünfzehn Filme, die „Dawn of Justice“ ist, aber auf jede coole Szene mit Bats beim Verbrecher brandmarken und Furcht in Gangstern und Gesetzeshütern erzeugen, auf jeden coolen Hinweis in der Bat-Höhle und Afflecks überzeugende Performance als müder Veteran im Kostüm (mit welch aufgezerhtem Hass er das allein schon anstarrt), der seine letzten Reserven mobilisert für eine Sache, die ihm wichtig und richtig erscheint, auf jede coole Minute Batfleck folgt eine lahme mit Jesse Eisenberg als megalomanem Mackenmaniac Lex Luthor, eine mit Lois Lane in unwichtiger Mission, eine in der Daily Planet-Redaktion, eine mit Senatorin Holly Hunter und dem Polit-Talk der Woche: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist ein Abbild der momentanen Migrantenkrise Europas, Superman ist der Kriegsflüchtling, der sich zu integrieren versucht, Batman der aufgebrachte Wutbürger, der mit Molotowcocktails nach ihm schmeißt, Luthor ist die AfD und instrumentalisiert das Klima der Unsicherheit für seine eigenen Zwecke und Amerika macht den Trump und schießt ‘n Nuklearsprengkopf auf das Schlamassel.
Batman plagen apokalyptische Albträume in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
Der um Zugehörigkeit und seinen Platz in der Welt ringende Superman schaut dabei den gesamten Film über drein wie ein verklemmter Hetero, der bei einer Prostatauntersuchung eine Latte zu kriegen fürchtet. Die Ansätze, die Frage, ob es einen Superman überhaupt braucht, gehören auch zu den guten Dingen, mit denen der Film nichts anzufangen versteht: der Einsatz des Stählernen gegen einen Sahara-Terroristen und zur Rettung seiner geliebten Lois ist als Subplot banal und ziellos ausgeführt, doch der direkt folgende Gedanke, wie Supermans Aktionen den weiteren Verlauf der Geschichte verändern (die Truppen jenes Terroristen richten danach ein Massaker an, das sich allerdings als fingiert herausstellt, weil der Film meint, hier einen bösen Masterplan spinnen zu müssen) und inwieweit man sein Handeln verantworten kann – das ist in realen Zeiten von blutigen Vergeltungsschlägen und Racheaktsreaktionen schon nicht ohne Belang. Superman kann nicht überall sein und er verzweifelt an dieser Welt, die sich seines Beispiels nicht annimmt, die ihm misstrauisch und feindlich gegenübertritt, egal wie sehr er sich um sie bemüht. Der naive Gedanke, Gutes um des Guten willen tun zu wollen, wird von einer skeptischen, hassgeprägten Gesellschaft verschlungen und von Einzeltätern manipuliert, die das Gute in der Welt nicht wollen, Supermans Werte unterdrücken.

Das hat alles eine gewisse Bedeutungsschwere, das kann man dem Superman-Part des Films nicht nehmen, aber: diese Dinge hätten entweder in „Man of Steel“ gehört, oder in einen „Man of Steel 2“, aus dem „Batman v Superman: Dawn of Justice“ wurde. Das ist alles zu viel für einen einzigen Film und deshalb wirkt es unausgereift, ein fünftes Bein an einen Gaul genagelt, der schon auf drei anderen Beinen lahmt. Und ganz ohne Gehate: es ist schade um DC und ihr Filmuniversum, denn hinter diesen überhöhten wie dekonstruierten Heldenbilern würde so viel stecken, wenn sie sich nur die Zeit dafür genommen hätten und an den richtigen Stellen fähigere Leute sitzen würden. Ohne den „Justice League“-build up, ohne Lex Luthor und mit weniger Lois Lane hätte „Batman v Superman“ den Konflikt der verbitterten Fledermaus gegen den hadernden Boyscout so viel besser erzählen können, statt ihn auf ein final lapidar eingeleitetes, „Blödman v Superdork: Facepalm of Dumbness“-Gebalge zu reduzieren, dessen Auflösung und Rausentwicklung aus dem erbitterten Kampf auf Leben und Tod so haarsträubend bescheuert ist, das mein fünfjähriger Sohn heute morgen lachend abwinkte, als ich ihn fragte, ob er das bei einem Streit im Kindergarten ähnlich handhaben würde.
Ben Affleck als Batman Bruce Wayne in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
[Detail-SPOILER ab dem folgenden Absatz]Luthor zur treibenden Kraft hinter dem Brawl der Heroen zu machen ist schon mehr als grenzwertig, das geben weder Jesse Eisenbergs zappelige Performance noch sein überarrangierter Plan her, der den Film nur um einen weiteren komplett streichbaren Subplot streckt. Dann aber Supermans Erdenmama Kent ins Spiel zu bringen und damit erst auf Supes Seite das Feuer im Duell mit dem Vigilanten von Gotham zu entfachen, statt sie auf ideologisch-natürliche Weise gegeneinander zu treiben, indem Batmans Methoden nicht Supermans Sinn von Gerechtigkeit entsprechen und die Angriffe des Dark Knight den ohnehin frustrierten Kryptonier nur noch weiter reizen, bis er nicht mehr anders kann, als ihm in die Bat-Fresse hauen zu wollen – DA hätte der Konfliktstoff doch gelegen, nicht in der Entführung von Ma Kent und einem Plan, bei dem von Luthor aus überhaupt nicht zu ersehen ist, wohin er damit will. Was wäre im Erfolgsfall denn der Outcome für Luthor gewesen? Ist auch das nur ein Teaser auf spätere Ereignisse im DCEU, Stichwort Darkseid? Dieses Luthor’sche Overarching nimmt „Batman v Superman“ jedenfalls die Wucht, die ideologische Bedeutung im Duell zwischen Tag und Nacht, wie es der mobköpfige Soziopath persönlich anmoderiert.

Auch Supermans kontroverser Mord am Ende von „Man of Steel“ hat im Nachfolger nicht die Bedeutung, die er hätte haben müssen, hätte der Zod-Neckbreaker Batman doch weitere Argumente für sein Misstrauen gegenüber dem Überwesen geboten. Da Snyder und das Autoren-Duo Chris Terrio und David S. Goyer aber so offensiv wie noch nie mit der „no weapons, no kills“-Policy der Fledermaus brechen kann hier kein weiterer Konfliktverstärker zwischen den Methoden der Selbstjustizler entstehen. Diese grundsätzliche Frage, wie sie zum Beispiel die zweite Staffel von Marvels Netflix-Hit „Daredevil“ ausgiebig anhand des Teufels von Hell’s Kitchen und dem Punisher durchnimmt, stellt sich in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ gar nicht, beziehungsweise ist sie ein Beispiel für das verkackte und fehlgeplante Konfliktmanagement im DCEU, wenn Clark Kent sich über Batmans Brandzeichen auf den Körpern von Verbrechern echauffiert, selbst aber ein Leben auf dem Gewissen hat. Das ist in seiner Undurchdachtheit und Marginalität aber alles nichts dagegen, wie der Kampf zwischen Wayne und Kent sich nach ein paar Minuten Geraufe schließlich auflöst. »Save Martha« ächzt ein geschlagener Superman, womit ein verwirrter Batman nichts anzufangen weiß, bis ihn „ich bin auch noch da“-Lois Lane darüber aufklärt, dass dies der Name von Supes Mama ist. Und weil Batmans Mama auch Martha hieß sind die beiden fortan superduperbibabatbeste Freunde.
Der Kampf beginnt in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
Natürlich muss der Film für Wayne einen Moment finden, an dem er aufhört, an dem er einssieht, zu weit gegangen zu sein, an dem er versteht, seine Wut gegen den falschen gerichtet zu haben und Superman an und auf seiner Seite als Verbündeten anerkennt. Und was fällt diesem unglaublich grimmigen Film da ein, in dem Wayne kurz vorher noch davon sprach, der Tod Supermans würde nach zwanzig Jahren mehr oder weniger nutzloser Verbrechensbekämpfung sein ultimatives Vermächtnis werden, in dem er Alfred anfauchte, das allmächtige Alien auslöschen zu müssen, wenn auch nur die geringste Annahme bestünde, er könne der Welt schaden wollen? Na, ihre Mamis tragen den selben Vornamen. Lasst uns alle Frauen der Welt von jetzt an und in Zukunft auf den gleichen Namen taufen und alle Streitigkeiten werden vergessen sein… Dafür das ganze Theater? Die schweren Reden, das Blut, der Schweiß, die Zerstörung? Und am Ende haben bloß zwei Jungs ihre Mami lieb und alles ist vergeben und vergessen? Nee, Terrio und Goyer, so eine Auflösung kann man als Platzhalter ins Drehbuch schreiben, wenn einem an der Stelle noch die richtige Idee fehlt. Aber das darf nie im fertigen Film vorkommen.

Mit Doomsday, die kirre Marketingkampagne des Films hat es vorweggenommen, steht dann noch der Endgegner für Bats, Supes und die dazustoßende Wonder Woman parat, „Batman v Superman“ stürzt sich endgültig in die „Dawn of Justice“ und zündet nach „Man of Steel“ das nächste Massenzerstörungsfinale und wenn der monströse Doomsday mit der Gedenktafel der Opfer des Supes/Zod-Fights auf Kal-El einprügelt und im Sekundentakt pro Ortswechsel jemand erwähnt, dass dieser Bereich menschenleer und die Stadt drei Minuten nach Doomies Auftauchen evakuiert sei gibt Snyder ein großes »Fuck You« an die Kritiker des Vorgängers raus. Metropolis und Gotham, extra für den Film in direkte geographische Nähe zueinander verschoben, bleiben während des ganzen Gekloppes identitäts- und eigenschaftslos, jede Aussicht nur ein einziges Metropolenpanorama ohne signifikante Merkmale und Unterschiede zwischen der kulturellen und technologisch fortschrittlichen Weltstadt und dem brütenden Moloch. Wo der Score von Hans Zimmer und Junkie XL und besonders Batmans ♫dröööööööhn-dröhn-dröhn-dröhn-dröööhn♫-Theme lange nachhallt sind die Bilder nun nur noch CGI-Brei, die Zerstörung müde und in der klagevollen letzten Viertelstunde macht sich der Kinositz unter’m Hintern schmerzlich bemerkbar. Kommt schon, Leute. Superman lives, also hört doch auf mit der Show…[SPOILER Ende]
Superman, Wonder Woman und Batman vereint gegen Doomsday in BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE
Puh. Zeit, zum Ende dieser Kritik zu kommen. Also: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist schon eher ambitioniertes Versagen, als lustloser Nullversuch, ein aufgeblähtes Durcheinander von Einflüssen, Missverständnissen im Begriff der Adaption, der Anpassung eines Mediums an ein anderes, ein gewaltiger und gewagter, aber zum Scheitern verurteilter Film, etwas besser als „Man of Steel“, aber nicht der Messias des DC-Universums. Cavills Superman hat zu wenig Profil, Afflecks Batman ist cool und der darf gern besser heute als morgen sein Dark Knight-Solo durchziehen, die Gadot hat vor dem Showdown kaum zwei Minuten Screentime und in denen ist sie ganz charmant und in ihren Designerkleidchen reizend anzuschauen, einen solchen Service bekommt man aber auch von Stewardessen oder Messehostessen, und wenn sie schließlich im Wonder Woman-Fummel ihren großen Auftritt hat drischt sie halt auf ein kloakenbraunes CGI-Ungetüm ein und das war’s. Die restliche Justice League wird an unpassender Stelle und in fauler Form in den Film gecameo’t und Lust auf mehr macht das alles nicht. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist weniger schlecht, als vielmehr frustrierend, weil so absurd viel in diesem einen, von seinem eigenen Druck überwältigten Film steckt, genug um damit eine ganze Phase von Filmen zu füllen und den Dingen die Zeit und Bedeutung zukommen zu lassen, die sie verdienen würden, überall nochmal nachbessern und feinschleifen und dann könnten wir ein grandioses DC Extended Universe mit seiner pathosgetränkten Epik, göttergleichen Tragödien, rauer Ernsthaftigkeit, einem düsteren Look und einer brütenden Stimmung haben. So haben wir nur viel zusammenhanglosen, langen, lauten, verdrießlichen und in erzählerischen Entscheidungen dummen, aufgeblasenen Blockbuster-Bombast, der an sich selbst erstickt. Und das wohlmöglich noch zig Filme lang…

Wertung & Fazit

Action: 2.5/5

Das Versprechen der forderen Hälfte des Filmtitels wird in Bedeutung und Umfang kaum ein- und lächerlich aufgelöst und ansonsten: viel CGI-Radau, ein geiler Batman-Takedown-Showcase, sonst wenig mit echtem Highlight-Potenzial. Und das in einem Film mit gleich drei Superhelden…

Spannung: 1/5

Wenn man diesen gewissen Trailer gesehen hat gleich Null, ansonsten zu wirr und mit zu wenig Character Background und echten Bedeutungsebenen, um wirklich mitreißen zu können.

Anspruch: 1/5

Bekommt hier für manch interessanten Ansatz genau wie „Man of Steel“ einen Gnadenpunkt.

Humor: 0/5

Wirkt immer unpassend, wenn er die self seriousness des Films mal anzutasten versucht, was nicht oft der Fall ist.

Darsteller: 3/5

Affleck und Cavill können einem Leid tun. Der im Vorfeld vielgescholtene Ben gibt einen steinharten Batman, und der Henry könnte sicher ein ordentlicher Superman sein, wenn er nur die Entaltungsmöglichkeiten dazu bekäme.

Regie: 2/5

Zack Snyder ist ein love him or hate him-Filmemacher und daran wird „Dawn of Justice“ nichts ändern können.

Film: 3.5/10

„Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist bemitleidenswert schlecht, nicht schlecht schlecht. Ein Film, der nach Größe strebt und sich durch seinen schwachen Vorgänger, den verpassten Aufbau eines vor diesem Gigantenkampf ausformulierteren DCEU und mit vielen saublöden Entscheidungen selbst ins Knie tackert. Vielleicht sollte DC seine Properties einfach an Marvel verkaufen…

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Kommentare

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  • Marco 1 Kommentar(e)

    Interessant. Obwohl ich deinen Kritikpunkten größtenteils zustimme ergibt sich für mich hinten raus eine deutlich bessere Gesamtkritik.

    Was mir gefallen hat, war dass der Film (und ich kenne die Vorlagen ja kaum) trotz aller Ellipsen für mich hervorragend funktioniert hat. Ich konnte tatsächlich jederzeit folgen. In einer Zeit, wo derlei Filme noch jedes letzte Furzgeräusch in einer eigenen Sequenz erläutern damit auch der Blockbusterunaffine Neuling in der letzten Reihe folgen kann, fand ich es erquickend mutig, da mal mit Leerräumen zu arbeiten.

    Ich fand auch die Themen mit ihren Vaterfiguren und ihren Fragen von Macht und Ohnmacht deutlich anregender und geglückter als du. Da darf der Film auch am Ende alles zur Seite legen und nochmal derbe draufhauen, ein bisschen Spielplatz nach der Gruppentherapie ist erlaubt.

    Vor allem aber gefiel mir der Film visuell enorm gut. Ein Punkt, den du fast komplett aussparst. Da kann Snyder mit seinem aesthetozentrischen Worldbuilding manchmal echt was gutes abliefern, und hier gefiel mir das nach langer Zeit mal wieder extrem gut. Die Bildsprache um Batman herum fand ich grandios, ich mochte die Visualität um Superman aber auch, die wiederkehrenden Bilder zerstörter Herkunftsorte etc.

    Soll heißen: auch wenn ich den meisten deiner Kritikpunkte zustimme, gab es einfach auch etliche Sachen, die ich gelungen und sehenswert fand, die den Film im Endeffekt wieder deutlich nach oben zerren.

    • Flynn Hardy 173 Kommentar(e)

      Ich weiß nicht. Die visuellen Qualitäten, die der Film (und Snyders Werk allgemein) sicherlich hat, wiegen meine Probleme mit den erzählerischen Flaws und der behaupteten Bedeutung oder offensichtlichen Bedeutungslosigkeit ihrer Inhalte nicht annähernd auf. Wie geschrieben, es ist schon irgendwie faszinierend, mit welcher Konsequenz Snyder diese Panel-Narration durchzieht und sicher auch, wie er sie optisch verpackt. Aber da hätte soviel mehr an tollen Farb- und Kontrast-Dramaturgien zwischen Bats und Supes, Gotham und Metropolis dringesteckt, letztlich versinkt doch alles in der selben Düsterpampe mit beige-blau-grau-Filtern.

      Insgesamt hat für mich alles, was an dem Film gelungen sein mag und was an guten Sachen drinsteckt eine Schattenseite und die überwog bei mir öfter als andersherum.

  • SunnyboyXP0 16 Kommentar(e)

    Hi Flynn,

    noch habe ich den Film nicht gesehen, werde auf die Blu-ray warten. Mein erster Gedanke damals war: Was? So was Irres! Hab dann allerdings mitbekommen, dass es über dieses Thema auch ein Comic gibt. Okay, dadurch wurde das Setting quasi legitim für mich. Ich werde mir den Film sicher gönnen und schauen, wie er mich ansprechen wird. Deine Spoiler-Absätze hab ich für den Moment ausgespart. Bin trotzdem gespannt, wie der Film umgesetzt worden ist.

    Frohe Ostern

    Sunny

    • Flynn Hardy 173 Kommentar(e)

      Wünsche ich auch 😉

      Die Blu-ray mit dem Director’s Cut werde ich mir auch nochmal ansehen, vielleicht macht die den Film hier und da auch sogar etwas runder. Mal sehen….

  • Flo Lieb 92 Kommentar(e)

    Guck isch vielleicht auch noch. Sometimes trash can be beautiful – und schlechter als die Avengers-Filme kann er nicht sein 🙂

    • Flynn Hardy 173 Kommentar(e)

      So weit wie wir manchmal (oder doch eher meistens?) meinungsmäßig auseinanderliegen mag der dir vielleicht sogar auf irgendeiner mit verschlossenen Ebene gut gefallen 😀

    • Flo Lieb 92 Kommentar(e)

      So, gesehen und für besser als The Avengers und auch Watchmen befunden. 🙂

    • Flynn Hardy 173 Kommentar(e)

      Geht schon klar. Wirklich gefallen hat er dir ja trotzdem nicht 😉 Dafür sehen wir immerhin Daredevil sehr ähnlich!

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