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GAME OF THRONES Staffel 6 – Episode 8: Recap zu „No One“

Von Janick Lynch vor 9 Monaten geschrieben06 / 2016Recap1 Kommentar

Nach zwei Füllerepisoden, die alle Figuren in die richtigen Positionen gerückt haben, geht es nun in die letzten drei Episoden der diesjährigen Staffel. Doch wie kommt es, dass „No One“ wohl eine der am schlechtest bewerteten Episoden in der Geschichte der Serie sein wird?

Was ist passiert? Was geht hier gerade schief? War der Hype in der letzten Woche zu groß? Dieses Mal habe ich wirklich überlegt, ob ich mir nicht einen Tag Zeit lassen und die Zweitsichtung der Folge abwarten soll, bevor ich mich der dieswöchigen Review widme. Zu aufgewühlt bin ich noch nach der achten Episode der sechsten Staffel, die an mehreren Storyenden die Erwartungen des Zuschauers und vor allem des Buchlesers wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt und das meine ich dieses Mal nicht positiv. Ich kann schon einmal sagen, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich zuletzt so viel an einer Episode zu kritisieren hatte, weshalb das in dieser Woche eine XXL-Review wird, bzw. ob ich überhaupt schon einmal so auf den Hater-Zug aufgesprungen bin. Andererseits möchte ich ankündigen, dass ich am Ende dieses Recaps trotzdem noch ein paar lobende Worte finden möchte, denn ich will mich hier nicht unbedingt an dem allgemeinen Shitstorm beteiligen, der letzte Nacht im Internet losgebrochen ist.

In „The Broken Man“ wurden alle Grundsteine für ein großes Finale gelegt, schleppte sich doch Arya (Maisie Williams) am Ende der Episode angestochen und blutend durch die Straßen von Braavos und griff doch der Hound (Rory McCann) zur Axt, um sich am Massaker in seiner Hippie-Kommune zu rächen.

Wie geht es nun in „No One“ weiter? Die Auflösung dieser zwei wichtigen Cliffhanger möchte ich mir gern bis zum Ende der Review aufheben, denn darüber möchte ich mich am meisten auslassen. Beginnen möchte ich stattdessen in King´s Landing, die erste Front, an der Erwartungen niedergeschlagen werden wie einer der Anhänger der Sparrows von Cerseis (Lena Headey) Frankenmountain. Dass uns die heiß erwartete Mountain-Metzelei an dieser kleinen Gruppe bis auf diese eine Ausnahme verweigert wird, ist noch gar nicht das große Problem, denn Cerseis blutige Drohung ist der Grund dafür, dass Hype-Killer Tommen (Dean-Charles Chapman) vom High Sparrow (Jonathan Pryce) dazu veranlasst wird, das Trial by Comat öffentlich abzuschaffen. Damit fällt der Clegane Bowl leider ins Wasser, Kinder! Ihr könnt jetzt wieder nach Hause fahren. An dieser Stelle bin ich ehrlich gesagt (im Gegensatz zu vielen anderen Fans) jedoch gar nicht so enttäuscht, denn, wie ich schon in der letzten Woche angekündigt habe, bin ich kein Fan der Clegane Bowl Theorie, denn diese Entwicklung wäre in so kurzer Zeit doch etwas unglaubwürdig gewesen und mit diesem kleinen Twist hat wohl niemand so wirklich gerechnet. Wobei ich nach der Arya-Storyline in dieser Woche den Machern jede noch so dämliche Entwicklung zutraue. Interessant wird andererseits das mysteriöse Gerücht, von dem Cersei angeblich gehört hat und das eine wichtige Rolle in ihrem „Masterplan“ spielt. Könnte es also tatsächlich sein, dass Sprengmeisterin Cersei der ihr verhassten Stadt und damit allen Problemen ein feuriges Ende bereitet? Zu weit möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen, aber Tommens Tod durch die Hand seiner Mutter scheint besiegelt zu sein. Etwas vermisst habe ich Margaery (Natalie Dormer), aber ich denke, dass King´s Landing noch ein wichtiger Punkt im Staffelfinale, dessen Überlänge übrigens von HBO glücklicherweise bestätigt wurde, sein wird. In der nächsten Woche wird dafür sicherlich keine Zeit vorgesehen sein.

In Meereen kommt für mich der erste große Kritikpunkt in dieser Review. So schön die Abschiedsszene zwischen Varys (Conleth Hill) und Tyrion (Peter Dinklage) auch ist, die weitere Entwicklung zeigt zum ersten Mal so richtig stark auf, wie das enorme Tempo der sechsten Staffel an manchen Stellen zum Verhängnis wird. Wo es den Eunuchen jetzt hin verschlägt, ist mir schleierhaft. Scheinbar wollen die Macher einfach nicht, dass er auf Daenerys (Emilia Clarke) trifft, aber denkbar wäre es auch, dass wir jetzt ein ähnliches Szenario wie im Epilog von „A Dance with Dragons“ sehen. Das große Problem ist, dass auch ich spätestens jetzt den Eindruck hatte, die Machern wüssten nicht mehr, was sie mit Tyrion anfangen sollen. Das muntere Witzeln mit Missandei (Nathalie Emmanuel) und Grey Worm (Jacob Anderson) ist vielleicht ganz lustig, wirkt andererseits aber unfassbar aufgesetzt und ist absolute Zeitverschwendung. So verkünden die läutenden Alarmglocken der Stadt nicht nur den Angriff der Master der anderen Sklavenstädte sondern auch eine sehr holprige Erzählweise. Es funktioniert eben nicht, dass man solche Handlungsstränge in wenigen Minuten abhandelt, für die George R.R. Martin einen ganzen Roman braucht. Dass dann die Drachenmama höchstpersönlich genau im richtigen Zeitpunkt wieder aus dem Urlaub zurückkommt, ist dabei wieder so klischeehaft, dass man schon viel Frust runterschlucken muss. Das Positive daran ist aber, dass die Meereen-Storyline jetzt endlich auf den Punkt gekommen ist und ich hätte jetzt auch nichts gegen große Drachenaction in der nächsten Folge, die ja wohl ohnehin schon verspricht, die bisher spektakulärste der Serie zu sein.
Gwendoline Christie als Brienne of Tarth in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 8 No One
Den größten Part nimmt in dieser Folge wieder der Strang um Riverrun ein. Brienne (Gwendoline Christie) trifft wieder auf Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Podrick (Daniel Portman) auf Bronn (Jerome Flynn). So unterhaltsam und berührend das Wiedersehen zum Teil auch ist, sehe ich noch nicht, welche Daseinsberechtigung dieser Abstecher in die Riverlands aktuell hatte, wenn ein gewisser anderer Handlungsstrang, zu dem ich später komme, scheinbar endgültig ausgespart wird. So erhält Brienne vom Blackfish (Clive Russell) eine Abfuhr, weshalb Sansa (Sophie Turner) auch auf die Unterstützung der Tullys verzichten muss, und die Belagerung der Burg findet ihr Ende. Edmure (Tobias Menzies) gibt nämlich Jaimes Drohungen nach und kapituliert als rechtmäßiger Erbe von Schnellwasser, weshalb die Burg wieder den Lannisters und Freys gehört und die Macher nicht einmal den Anstand hatten, uns das Ableben des Blackfishs auch nur anzudeuten. Ärgerlich ist darüber hinaus Jaimes Entwicklung, denn er entwickelt sich langsam wieder zu dem Arschloch von früher, wobei sich zeigen wird, was passiert, wenn er Cerseis wahres Gesicht endlich erkennt.

Wo wir doch in den Riverlands sind, widme ich mich doch gleich dem Hound, der zu Beginn der Folge den Jason Vorhees in seinem eigenen Backwoodslasher spielt. Auch wenn dieser Handlungsstrang wieder zu schnell aufgelöst wird, hat die kleine Axt-Metzelei mit ihrer expliziten Gewaltdarstellung doch einen heftigen Eindruck hinterlassen. Konsequent finde ich immerhin, dass Lem Lemoncloak (Jóhannes Haukur Jóhannesson) mit seinen zwei Rüpeln nicht im Sinne der Bruderschaft ohne Banner gehandelt hat, weshalb diese kurzerhand gehängt werden. Es ist schön, Thoros (Paul Kaye) und Beric (Richard Dormer) endlich wiederzusehen, wobei das Auftauchen letzteres der nächste Schlag ins Gesicht der Buchleser ist, denn der Auftritt von Lady Stoneheart wird damit wieder verschoben oder gar endgültig abgesagt. Ich weiß einfach nicht, was ich von davon denken soll. Die Stoneheart Sache bereitet mir ehrlich gesagt noch mehr Kopfzerbrechen als Aryas Handlungsstrang. Bei Arya ist es einfach nur schlechtes Storytelling, mit dem man sich abfinden muss, aber bei der Eingliederung von Sandor Clegane in die Bruderschaft habe ich keine Ahnung, ob sich die Macher einfach nur über ihr Publikum lustig machen und ihnen erst im Finale Erlösung bieten oder ob sie einfach nur die Zuschauer enttäuschen, indem sie die rachsüchtige Lady komplett aussparen. Bei beiden Ansätzen bin ich zwiegespalten. Die Inhaltsangabe für die letzte Episode sagt, dass Brienne auf eine Freund trifft, der zum Feind wird. Als der Hound in den Fluss pinkelt, habe ich den Machern sogar zugetraut, dass sie ausgerechnet jetzt die Leiche der Stark Matriarchin anspülen, was unfassbar dämlich gewesen wäre. Gleichzeitig wirkt dieses auffällig gezeigte Pinkeln in den Fluss aber wie ein schadenfrohes Lachen ins Gesicht des Buchlesers. Auf der anderen Seite weiß ich gar nicht, ob ich Lady Stoneheart unbedingt in der Serie möchte, denn ihr Auftauchen empfand ich schon in den Büchern (bis auf den Schockfaktor) etwas überflüssig, da es der Red Wedding einen Teil an Tragik geraubt hat, aber ich wüsste einfach nicht, was dieser ganze Handlungsstrang in den Riverlands auch in der Serie ansonsten für einen Sinn hätte. Ich sehe auch überhaupt nicht, was ansonsten mit Brienne nun geschehen soll. Sollte also Lady Stoneheart wirklich gar nicht mehr auftauchen, würde der emotionale Abschiedsblick von Brienne in Richtung Jaime nicht nur das Scheitern dieser erhofften Liebesbeziehung bedeuten, die es in dieser Welt eh nie geben könnte, sondern auch der Abschied von jeglicher Daseinsberechtigung dieser Umwege in der Story.
Maisie Williams als Arya Stark in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 8 No One
Der größte Aufreger der gesamten Staffel, vielleicht sogar der ganzen Serie, ist für mich Arya. Schwer verletzt wird sie von Lady Crane (Essie Davis) verarztet. Was lernen wir dabei?
1. Neuerdings sind Stichverletzungen in der Magengegend kaum ein Problem, um sich wenig später ein ordentliches Scharmützel in den Straßen zu liefern. Immerhin hat man gezeigt, dass dabei die Wunde wieder aufbricht. Das nützt aber nichts, wenn man uns verkaufen will, dass Arya zwei Sprünge aus einer ziemlichen Höhe ohne gebrochene Beine übersteht und kurz darauf scheinbar völlig gesund im House of Black and White auftaucht, um Jaquen H´Ghar (Tom Wlaschiha) das neue Gesicht zu präsentieren.

2. Der Tod einer coolen neuen Figur ist endgültig besiegelt, wenn man als Zuschauer beginnt, sie zu mögen. So ist Essie Davis leider ein ziemlicher Verlust für die Serie in meinen Augen, die in ihren wenigen Auftritten wahrhaft glänzen durfte.

Die Macher dachten sich wohl, dass es sehr toll ist, wenn Aryas Ausbildung nun endlich ihr Ende findet und sie zurück nach Westeros zieht, aber diese eine blöde Szene in der letzten Woche, in der Arya ihren offensichtlichsten Feind vergessen hat, hat diesem gesamten Handlungsstrang jegliche Logik geraubt und die ganze Charakterentwicklung zurückgeworfen. Fehlverhalten macht die Charaktere in „GoT“ so menschlich und greifbar, aber das ist doch etwas zu dämlich. Dass Arya letztendlich die Dunkelheit zu ihrem Vorteil ausnutzt, ist ein ziemlicher kluger Schachzug, aber auch der kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der ganze Spaß, der zuvor passiert, wirklich keinerlei Sinn ergibt. Bei den anderen Handlungssträngen in dieser Woche will ich erst noch die letzten beiden Folgen abwarten, da hier noch viel passieren kann, aber für Aryas großes Finale gibt es keine Entschuldigung! Das ist einfach nur extrem schlecht von den Machern geschrieben und kann in punkto Logikloch dem Dorne-Strang der letzten Staffel locker das Wasser reichen, den man in diesem Jahr ja bekanntlich komplett gestrichen hat.

So. Jetzt können wir uns alle wieder beruhigen, denn, wie ich es eingehends versprochen habe, möchte ich abschließend auch noch ein paar lobende Worte finden.

Meine Vorfreude auf die letzten beiden Folgen wurde leider etwas getrübt, da wir in dieser Woche gesehen haben, wie skrupellos die Macher Zuschauerwartungen auf negative Art und Weise in den Sand setzen, ABER ich bin zunächst einmal froh, dass wir endlich eine fast 60 Minuten lange Folge erleben durften, denn diese Zeit hat die Serie dringend nötig. In „No One“ konnte man nämlich gut sehen, dass selbst diese Laufzeit noch nicht ganz ausreicht, um alles plausibell zu erklären. Schön ist außerdem dass man langsam aber sicher wieder den Weg zu den Büchern findet, denn besonders die Belagerung von Riverrun hält sich sehr eng an die Vorlage. Insgesamt fällt in dieser Woche noch dazu mal wieder auf, wie unfassbar hochwertig diese Serie produziert wird. Man merkt zwar, dass man viel Budget für die letzten beiden Folgen sparen will, aber auch so ist das von der Ausstattung und den Effekten her einfach großes Kino. Lobend hervorheben möchte ich auch noch einmal Tom Wlashischa, unser letzter deutscher Part in „GoT“, der seinen Part toll gespielt hat, auch wenn wir ihn nie so ganz in Action erleben durften. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass das heute vorerst sein letzter Auftritt war, wenn Arya Bravos nun den Rücken zukehrt.

„No One“ ist bei weitem kein Beinbruch für die Serie, vor allem da die Dialoge wieder hervorragend ausgefallen sind, aber die unlogische Story um Arya überschattet leider in dieser Woche die Stärken der Folge, die handwerklich wieder überragend gut gemacht ist. Hier haben es die Macher einfach verpasst, einen originellen Kniff aus dem Ärmel zu zaubern, den sich selbst Fans in ihren Theorien besser ausgedacht haben. Stattdessen hat man sich in dieser Folge für den denkbar einfachsten Weg entschieden, der leider extrem faul wirkt und von A bis Z keinen Sinn ergibt. Das erste Mal, dass für mich das Spiel der Macher mit den Zuschauererwartungen leider voll nach hinten losgegangen ist, auch wenn an einigen Ecken das wohl extrem vollgepackte Finale noch den ein oder anderen Fehler beheben kann…

Kommentare

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  • J0hannes J0hannes 57 Kommentar(e)

    Ich stöbere gerade in deinen reviews und finde es witzig, wie ähnlich wir einiges sehen. GoT 608 war auch für mich ein Tiefpunkt – ich kann mich nicht erinnern, zuvor nach einer Episode schon dermaßen enttäuscht und, naja, auch etwas sauer gewesen zu sein. So viel anti-Klimax in einer Folge! Die Auflösung der Riverlands-Situation war total unsinnig: Warum ist niemand in ~2 Jahren auf die Idee gekommen, Edmure zu bedrohen? Und der Blackfish stirbt off screen? wtf. 🙁 Und Arya in dieser season war völlig verschenkt. Man sieht/hört/fühlt geradezu das Desinteresse der Autoren an diesem Handlungsstrang. Die ganze Dynamik innerhalb des House of Black and White hat nicht viel Sinn ergeben und die Faceless Men wurden nach dem interessanten twist am Ende von Staffel 5 doch wieder nur auf Jaquen Hagar reduziert, der sich zudem völlig unverständlich verhalten hat. Das Fehlen der Lady Stoneheart finde auch ich nicht schlimm – ja, es war ein Schock, aber der narrative Nutzen hat sich mir nie erschlossen -, aber das trolling war trotzdem heftig (Lady Stark wird nochmal ausdrücklich ge-namedropped, der Hound pinkelt in den Fluss etc.). Alles in allem eine enttäuschende, unmotiviert wirkende Folge. Kaum zu glauben, dass sie von (einer) der besten Episode(n) der Serie gefolgt wurde.

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