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GAME OF THRONES Staffel 6 – Episode 10: Recap zum Staffelfinale „The Winds of Winter“

Von Janick Lynch vor 9 Monaten geschrieben06 / 2016Recap0 Kommentare

Schon wieder ist die wohl schönste Zeit des Jahres vorbei. „The Winds of Winter“ beendet die sechste Staffel von „Game of Thrones“ mit deutlicher Überlänge und bringt die Serie langsam aber sicher auf die Zielgerade…

„The Winds of Winter“ heißt die finale Folge der sechsten Staffel und ist mit knapp 68 Minuten die bisher längste in der Geschichte der Serie. Wir alle wissen, dass die Folge damit den Titel des immer noch sehnlichst erwarteten neuen Buches von George R.R. Martin trägt und auch wenn man natürlich nicht sagen kann, welche Storyentwicklungen in dieser Folge wirklich der Fantasie Martins entsprungen sind, bewegt sich „Game of Thrones“ in sämtliche Richtungen so sehr von den Büchern weg wie noch nie…

Die Glockenschläge von der großen Septe von Baelor hallen bedrohlich durch King´s Landing, während sich die Stadt auf den Gerichtsprozess von Loras Tyrell (Finn Jones) und Cersei Lannister (Lena Headey) vorbereitet. In einer großartigen Montage sehen wir, wie sich die beiden Angeklagten, sowie Königin Margaery (Natalie Dormer), ihr Gemahl Tommen Baratheon (Dean-Charles Chapman) und der High Sparrow (Jonathan Pryce) seelisch und moralisch auf den bevorstehenden Prozess einstellen, bevor es endlich zum großen Payoff kommt, obwohl der erwartete Trial-by-Combat ja leider ausbleibt. Loras bekennt sich schließlich als letzter Ausweg zur Religion, entsagt jedem Anspruch auf die Nachfolge seines Hauses, was besonders bei Papa Mace (Roger Ashton-Griffiths) für Entsetzen sorgt, und wird vor versammeltem Publikum und den Mächtigen der Stadt mit dem siebenzackigen Stern auf der Stirn entstellt. Als man erfährt, dass Cersei nicht zum Prozess erscheint, wird die Stimmung immer angespannter und es passieren parallel einfach so viele Dinge.

Lancel (Eugene Simon) wird von Qyburns (Anton Lesser) Vögelchen in die Katakomben unter der Septe gelockt, wo er verletzt wird und unzählige Fässer voller Wildfire entdeckt, die nur darauf warten, von einer Kerze entzündet zu werden.

Maester Pycelle (Julian Glover) wird ebenfalls in Qyburns Falle gelockt und von dessen kleinen Anhängern brutal ermordet, während der König von Frankenmountain in seinen Gemächern festgehalten wird.

Margaery durchschaut derweil in der Septe das falsche Spiel von Cersei, kann den High Sparrow aber nicht zur Evakuierung der heiligen Halle bewegen und wird ebenfalls von der gemeinsamen Flucht mit ihrem Bruder abgehalten. Doch auch die Gesichtszüge des hohen Spatzen fallen letztendlich in sich zusammen, als das Grummeln aus der Tiefe ertönt, bevor die Septe in die Luft gesprengt wird und innerhalb weniger Sekunden fast alle uns bekannten Figuren in der Hauptstadt das Zeitliche segnen. So beobachtet Sprengmeisterin Cersei gemütlich von ihrem Balkon aus das Geschehen mit einem Glas Wein, während all ihre Feinde, aber auch ihr Onkel Kevan (Ian Gelder) in die Luft gejagt werden. Hier zeigt sich „Game of Thrones“ wieder in all seiner Grausamkeit. Da erfährt man erst vor kurzem, dass Margaery weiterhin Spielerin im Kampf um die Macht ist, bevor sämtliche Erwartungen einfach so pulverisiert werden und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, wobei natürlich wieder besonders tragisch ist, dass wir uns von so vielen großartigen Mitgliedern des Casts verabschieden müssen. Erwähnen möchte ich unbedingt noch den Soundtrack. Ramin Djawadi hat mit „Light of the Seven“ ein neues Musikstück erschaffen, das mit nichts aus dem bisherigen Soundtrack zu vergleichen ist und so eine beunruhigend unheimliche Atmosphäre erzeugt, dass man hier nur von einem Meisterwerk innerhalb einer ohnehin schon phänomenal gut geschrieben und inszenierten Sequenz sprechen kann. So stolz Cersei nach ihrer nächsten Rache, nämlich an Septa Unella (Hannah Waddingham), ihrem Sieg auch entgegenblickt, übersieht sie dabei das einzige, das ihr eigentlich noch am Herzen lag, denn Tommen bereitet seinem Leben mit dem Sprung aus dem Fenster ein Ende, wodurch sich die Prophezeiung von Maggy the Frog erfüllt.

Etwas ruhiger geht es an einem anderen Ort zu. Samwell Tarly (John Bradley) kommt mit Gilly (Hannah Murray) und dem Baby endlich an der Zitadelle in Oldtown an. Zwar ist jetzt noch nicht geklärt, wo Sams Freundin bleiben darf, aber der Bücherfreund selbst darf innerlich Luftsprünge vollführen, indem er einen Blick in die berühmte Bibliothek der Maester werfen darf. Der ganze Handlungsstrang um das Liebespärchen war zwar nur eine sehr belanglose Randerscheinung in dieser Staffel, aber nach dieser schweren Geburt haben die beiden endlich ihr Ziel erreicht und ich hoffe, dass Sam im nächsten Jahr endlich wichtigere Dinge zu tun bekommt. So schön die Szene auch ist, ein dunkles Omen schwebt über ihr, denn zur gleichen Zeit werden die berühmte weißen Raben ausgeschickt, die den Wintereinbruch verkünden.
Nikolaj Coster Waldau als Jaime Lannister und David Bradley als Walder Frey in GAME OF THRONES Staffel 6 Episode 10 The Winds of Winter
Ein solcher weißer Rabe trifft auch in Winterfell ein, wo Sansa (Sophie Turner) und Jon Snow (Kit Harington) die Herrschaftsfrage über den Norden klären müssen. Zunächst einmal kommt es aber zur Abrechnung zwischen Davos (Liam Cunningham) und Zauberin Melisandre (Carice van Houten), von deren Schandtat in Stannis´Lager der Zwiebelritter ja schon vor der Schlacht der Bastarde erfahren hat. Jon verzichtet jedoch auf eine Hinrichtung, sondern verbannt die rote Priesterin aus dem Norden. Der Abschied von Melisandre ist schon ein berührender Moment, auch wenn die Taten der heimlichen Vettel so unfassbar grausam waren. Ich befürchte nämlich, dass sie in der nächsten Staffel nur noch einmal auftauchen wird, um Arya (Maisie Williams) zum Opfer zu fallen. Während der Versammlung der Oberhäupter des Nordens hat auch die kleine Lyanna Mormont (Bella Ramsey) noch einen großen Auftritt und gibt schließlich den Anstoß dafür, dass Jon zum König des Nordens erklärt wird. Damit schließt sich der Kreis zu seinem Halbbruder Robb, wobei man nur hoffen kann, das ihn nicht noch einmal ein ähnliches Schicksal ereilt. Der einzige Miesepeter in Winterfell ist Littlefinger (Aidan Gillen), der zuvor von Sansa eine eiskalte Abfuhr erhält und zwielichte Blicke mit der jungen Frau austauscht. Hier wird es wohl noch einmal ordentlich Konflikt geben in Zukunft…

In der Zwischenzeit erreicht Bran (Isaac Hempstead-Wright) mit Meera (Ellie Kendrick) und Onkel Benjen (Joseph Mawle), der die beiden direkt wieder verlässt, die Wall und wir sehen endlich den zweiten Teil der Tower of Joy – Szene. Die berühmteste Fantheorie der „A Song of Ice and Fire“ – Geschichte bewahrheitet sich, denn Jon Snow ist tatsächlich der Sohn von Lyanna Stark (Aisling Franciosi) und Rhaegar Targaryen und damit der Neffe von Daenerys (Emilia Clarke). Noch viel tragischer ist dabei die Tatsache, wie ehrenhaft und glorreich Eddard Stark dabei gehandelt hat und wo es ihn hingeführt hat. Sein ganzes Leben hat er seiner verstorbenen Schwester zuliebe seine eigene Familie belogen, um seinen Neffen zu schützen und Lyannas letztem Wille nachzukommen. Zu Bran muss man noch sagen, dass ich mich jetzt schon auf weitere Visionen freue, denn seit „The Door“ wissen wir ja, dass er nach einem Jahr Abwesenheit von der Serie mitunter das Potential für die größten Twists mittlerweile hat. Es war jedenfalls eine große Staffel für die verbliebenen Starks, die bald wieder alle Seite an Seite stehen könnten und endlich das bekommen haben, was ihnen zusteht, auch wenn sie dafür zu anderen Menschen werden mussten. Der vermutete Fall der Mauer im Norden ist übrigens noch nicht eingetreten, was sich eigentlich auch als sinnvoll herausstellt, denn immerhin sind ja noch 13 Folgen übrig, was doch für die White Walker eine sehr lange Zeit wäre, um in Westeros einzurücken, also wird man sich diesen Schocker wohl für das nächste Jahr aufheben.

Arya bekommt in dieser Folge den Part des Rattenkochs und Wyman Manderlays zusammen, der in Martins Vorlage für allerlei Spekulationen sorgte. In den Twins feiert nämlich Walder Frey (David Bradley) mit Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) den Sieg über Riverrun, bevor er tief fällt. Erst wird er von Jaime und der Lannister-Armee verlassen, bevor er seine beiden Söhne in Form einer Torte vorgesetzt bekommt und Arya ihre Rache an dem Scheusal vollzieht. So viel Fanservice die Szene auch bietet, sie kann nicht über die schlechte Entwicklung von Arya hinwegtäuschen. Im Grunde genommen ist das für mich die einzig „schwächere“ Szene der Folge, da ihr immer noch die Fehler der durchwachsenen achten Folge in den Knochen stecken.
Liam Cunningham als Davos in GAME OF THRONES Staffel 6 Episode 10 The Winds of Winter
Jaime und Bronn (Jerome Flynn) kommen zugleich wieder in King´s Landing an, wo er anhand der Rauchschwaden bereits Schlimmes vermutet. Rechtzeitig trifft er zur großen Krönungszeremonie ein, bei der sich eine der größten Charakterentwicklungen der Serie vollzieht. Cerseis Transformation zur „Irren Königin“ ist komplett. In Schwarz gekleidet und mit versteinerter Miene sitzt sie auf dem Thron und hat nichts mehr, wofür sich der Kampf lohnen würde. Obwohl sie mit ihrer Macht nun an der Spitze ist, wo sie immer hin wollte, hat sie doch alles verloren und ich bin der festen Überzeugung, dass sich ihre Abwärtsspirale so weit drehen wird, dass Jaime sie töten wird und sich ein weiterer Kreis schließt. Diese ganze Geschichte ist so wunderbar tragisch, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass es sie so ähnlich auch im Roman geben wird, auch wenn ich nicht glaube, dass dort ebenfalls mit einer Explosion sämtliche Gegenspieler ausgeschaltet werden.

Cerseis Macht ist nun sowieso brüchig. Ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen, als es zum zweiten (!) Mal in der ganzen Staffel nach Dorne ging. Hier sitzt nämlich überraschenderweise Olenna Tyrell (Diana Rigg), die um ihre Familie trauert und den Zuschauer verkörpert. Sie kann sich nämlich auch nicht an die Namen der Sand Snakes erinnern und sorgt wieder für herrlich zynische Gags. Die nächste Fantheorie bewahrheitet sich, indem Varys (Conleth Hill) die „Fire and Blood“ – Zeile Doran Martells aufsagen darf und die Allianz zwischen Dorne, Highgarden und Drachenkönigin Daenerys besiegelt. Man muss schon sagen, dass das hier die sinnvollste Szene war, die wir jemals in Dorne gesehen haben, auch wenn man sich den ganzen Rest zuvor in diesem wunderschönen Südgebiet Westeros´ hätte sparen können.

Danerys nimmt derweil Abschied von Daario (Michiel Huisman), der scheinbar doch kein falsches Spiel gespielt hat, aber sich nun trotzdem zu Mr. Friendzone Jorah gesellen darf und fortan in Meereen für Ordnung sorgen soll. Tyrion erhält anschließend auch noch einmal einen tollen Moment, über den ich mich sehr freue und den die Macher ihm auch schuldig waren. Er wird nämlich offiziell zur Hand der Königin erhoben. Gibt es eigentlich noch andere, die sehnsüchtig auf ein erneutes Treffen zwischen Tyrion und Cersei hoffen? Staffel 5 endete im Eis, wo Jon ermordet wurde, weshalb Staffel 6 nun als Spiegelbild im Südwesten endet, nämlich mit dem Moment, auf den alle seit Beginn der Serie warten: Daenerys begibt sich mit all ihren Allianzpartnern -sogar Varys ist (vielleicht etwas zu unglaubwürdig schnell) wieder nach Meereen gereist- und ihren Drachen sowie der Dothraki-Armee auf hohe See und segelt gen Westeros…

Miguel Sapochnik ist ein Meister seines Handwerks. Wie auch in den letzten Jahren setzen die letzten beiden Folgen der Staffel die Krone auf und auch wenn „The Winds of Winter“ nicht an den überwältigenden Bombast des Bastardbowls heranreicht, hätte man ein Staffelfinale nicht besser inszenieren können. Wie die Gesamtqualität der Staffel ausgefallen ist, möchte ich an anderer Stelle noch einmal ausführlich diskutieren, aber Fakt ist, dass Staffel 6 für mich bisher eine der rundesten Staffeln ist, denn ich kann mich nicht erinnern, dass es eine letzte Folge bisher so gut geschafft hat, jeden einzelnen Handlungsstrang zu einem befriedigenden Ende zu führen. Auch wenn alle Figuren einem großen Krieg an mehreren Fronten entgegenblicken, gab es niemals mehr Hoffnung in dieser Welt, dass sich alle Dinge doch noch zum Guten wenden könnten. Vermissen darf man nur Brienne (Gwendoline Christie) und die Bruderschaft ohne Banner, von der ich immer noch nicht weiß, warum man sie zurückbringen musste, denn Lady Stoneheart hat sich ja nun wohl endgültig erledigt.

„The Winds of Winter“ ist eine perfekte „Game of Thrones“ – Episode, die handwerklich (besonders mit überragender Musik und Kameraarbeit) und natürlich auch schauspielerisch phänomenal gelungen ist und die die richtige Mischung aus Momenten, die einem die Wartezeit unerträglich gestalten, und auf der anderen Seiten abschließenden Momenten findet, die dafür sorgen, dass ich mich entspannt zurücklehne und hoffe, dass sich die Macher die nötige Zeit nehmen, um die größte Fantasygeschichte aller Zeiten zu einem würdigen Ende zu führen und die bisherige Stärke auch noch bis zum Ende beizubehalten.

Die vierte Staffel bzw. das dazugehörige Buch „A Storm of Swords“ markiert in „A Song of Ice and Fire“ quasi das Ende des ersten Aktes und die sechste Staffel markiert in meinen Augen das Ende des zweiten. Viele Geschichten haben erneut ihr vorläufiges Ende gefunden, bevor es nun in das große Finale geht. Zehn unerträglich spannende Wochen voller Diskussionen, Frustration, Schocks und Freude haben ihr trauriges, aber irgendwie befreiendes Ende gefunden. Bis zum nächsten Jahr, wenn „Game of Thrones“ in die vorletzte Runde einsteigt!

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