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Das große SchleFaZ – Desaster 2016 #2: Arachnoquake

Von Janick Lynch vor 9 Monaten geschrieben07 / 2016Recap0 Kommentare

Herzlich Willkommen, Freunde und Hasser der Biologie! Mit der zweiten Folge der vierten „SchleFaZ“-Staffel lädt Tele 5 unter Leitung der Kackfilmforscher Oliver Kalkofe und Peter Rütten die Zuschauer ein auf eine Expedition ins Tierreich ein, an deren Ende die Naturgesetze neu geschrieben werden müssen. „Arachnoquake“ heißt der neue Filmabfall, der uns in dieser Woche bei den „SchleFaZ“ präsentiert wird.

Die Filmographie von Regisseur Griff Furst liest sich wie die Worst Of-Liste der Beiträge vergangener „SchleFaZ“-Staffeln: Granaten wie „Ghost Shark“, „Swamp Shark“, „100 Million BC“ (Parallelen zu Emmerichs Film natürlich rein zufällig…) oder auch der Kroko-Horror „Mega Alligators – The New Killing Species“ sammeln sich da an. Es handelt sich hier also um das Werk eines wahren Meisters des Creature Features, das sich Tele 5 in seine Kultsendung geholt hat. Da dann selbst Kalkofe und Rütten an der ein oder anderen Stelle eher sprachlos wirken und nicht mehr so richtig wissen, wie man um so einen Müll noch brauchbare Gags basteln kann, entpuppt sich „Arachnoquake“ noch mehr als echte Belastungsprobe für den Fernsehzuschauer.
SchleFaZ Staffel 4 Folge 2 - Die Gefahr kommt von hinten - Szene aus Arachnoquake
Worum geht es eigentlich in „Arachnoquake“ (Achtung! Anschnallen und gut festhalten!)?
New Orleans wird von schrecklichen Erdbeben heimgesucht. Weil das aber noch nicht schlimm genug ist, kriechen aus den Erdlöchern merkwürdige Spinnentiere hervor, die fortan die Jagd auf die menschliche Spezies eröffnen. Nur eine Reisegruppe zieht in den Kampf gegen die achtbeinigen Bestien, die überraschenderweise Fähigkeiten besitzen, mit denen anfangs niemand gerechnet hätte….

Und? Klingt das nicht spannend? Bereits die Eröffnungssequenz, in der drei Eiersortierer im Wald attackiert werden, verspricht Nervenkitzel pur. Nervenkitzel der ganz besonderen Art, immerhin fragt man sich, wie dumm ein Drehbuchautor eigentlich noch sein kann. Bei einem Trashfilm dieser Klasse kommt es natürlich darauf an, möglichst überzeugend verrückte Kreaturen zu präsentieren und in der Hinsicht hat man sich hier wirklich atemberaubende Spielereien aus den Tiefen amateurhafter Videoschnitt-Programme ausgesucht. Die Erdspinnen aus der Tiefe können nämlich sogar Feuer spucken und über’s Wasser laufen. Das ist gar kein Trash! Das ist eine religiöse Offenbarung in der Welt der filmischen Vollkatastrophen. Und wenn man dann noch das dazugehörige After-Effects-CGI auspackt, kommt man als Zuschauer aus dem Staunen kaum noch heraus. Aber wer braucht schon gute Effekte? Man erkennt ja immerhin, was gemeint ist und dass es eben grausame Monsterspinnen sein sollen. Der Rest ist unwichtig. Hat sich vermutlich das Filmteam gedacht.

Werfen wir doch einen genaueren Blick auf die Charaktere des Films. In der Hinsicht möchte „Arachnoquake“ herausragende Studien betreiben und zwingt den aufmerksamen Zuschauer schon ab den ersten Minuten zum Miträtseln: was sind das für Figuren? Wo kommen sie her? Was haben sie vor? Und was passiert hier!? So besteht das Figurenensemble beispielsweise aus einer „ganz normalen“ Teenie-Göre, die am liebsten Proteine verschlingt und Voodoo-Geschäfte anziehend findet, Edward Furlong (John Connor aus „Terminator 2“!) als monoton redender Vollidiot, einer Biologielehrerin, die natürlich irgendwann dieses Wunderwerk der Natur aufklären darf, oder auch aus dem dezent pervers wirkenden Paul (Bug Hall), der letztendlich im Taucheranzug gegen den Endgegner, die Spinnenkönigin (!?), antritt. In einem Nebenhandlungsstrang trifft man außerdem auf eine Gruppe nervtötender Cheerleaderinnen, deren Reisebus natürlich ebenfalls von billigen Deko-Spinnweben eingewickelt wird, die der Regisseur vielleicht noch von der letzten Halloweenparty übrig hatte und sie gleich mit zum Filmset gebracht hat. Die grausam schlechte deutsche Synchro setzt dem ganzen Spaß dann noch die Krone auf, da wäre jeder Schauspielstudent im ersten Semester besser im Ablesen der Doofzeilen.
SchleFaZ Staffel 4 Folge 2 - Schockierte Blondine - Szene aus Arachnoquake
Was hat denn der Film aber nun inhaltlich zu bieten? Mehr als man vermutlich erwarten würde. „Arachnoquake“ lässt es sich nämlich nicht nehmen, noch eine wunderbar tragische Ökobotschaft einzubauen, wenn die an Asthma leidende Biologielehrerin geschickt Eins und Eins zusammenzählt und mit ihrem scharfen Gespür für Umweltprobleme erklärt, dass die Menschen mit ihrem Earth-Wrecking selbst die Schuld daran tragen, dass die Spinnen aus dem dunklen Erdreich gekrabbelt kommen. Wer hier nicht zum Nachdenken angeregt wird, der hat kein Herz für die Umwelt. Und vermutlich auch keinen Verstand, denn den raubt einem der Film schon nach wenigen Minuten. „Arachnoquake“ lässt sich auch wunderbar als verstörende Parabel auf Rassismus, Sexismus und schändliche Selektion interpretieren, die der Film auf einzigartige Weise anprangert und kritisiert. Immerhin sind es in diesem Film die Afroamerikaner und die alten Menschen, die hier zuerst das Zeitliche segnen, was einem echt ein ungutes Gefühl in der Magengegend bereiten.

Natürlich darf man auch keinesfalls zu erwähnen vergessen, wie geschickt dann der Film direkt mit dem Finger auf den Zuschauer zeigt, wenn auf phänomenal subtile Art und Weise die vierte Wand durchbrochen wird, indem man während einer Autofahrt plötzlich das ganze Filmteam im Rückspiegel zu Gesicht bekommt. Griff Furst ist ein Genie! Man muss nicht nur den Hut vor jemandem ziehen, der SO einen Film inszeniert, sondern man kann ihm auch nur danken für die gelungenen Anspielungen auf andere Meisterwerke der Filmindustrie. So platzen beispielsweise die kleinen Spinnen in bester „Alien“-Manier aus dem menschlichen Körper heraus, den sie vorher bösartig als Brutstätte verwenden. Ein echter Horrorschocker also, dessen irreführendes FSK 18-Logo berechtigt das Cover ziert. Um im Horrorgenre zu bleiben, kann man auch direkt noch die Hommage an den „Exorzisten“ erwähnen, wenn man zu Beginn des Films eine wahrscheinlich vom Spinnenbefall geplagte Frau im Bett liegen sieht, bei der die Figuren zwar noch mutmaßen, es könnte sich um die Pest handeln, aber man als Zuschauer nur darauf wartet, dass sich ihr Kopf um die eigene Achse zu drehen beginnt.
SchleFaZ Staffel 4 Folge 2 - Riesenspinne und Feuerwehrmann - Szene aus Arachnoquake
Und wenn die Protagonisten dann in einer schweißtreibenden Szene in einem Supermarkt von den Monsterkrabblern belagert werden fühlt man sich recht schnell an Stephen Kings „The Mist“ erinnert. Die geschickteste Anspielung ist jedoch etwas vieldeutiger ausgefallen: so kommt es nämlich während einer Verfolgungsjagd im Wald zu einem überraschenden Kroko ex machina–Moment, in dem ein großes Monsterkrokodil plötzlich auf der Seite der Menschen gegen die fiesen Spinnen kämpft. Zitiert hier der Regisseur etwa seinen eigenen Film „Mega Alligators“? Oder ist das hier gar das berühmte XXL-Krokodil aus „Dinocroc vs. Supergator“, das auch in der berühmten Abwasserkanal-Szene in „Sharknado 2“ seinen Cameo-Auftritt hat? Man weiß es nicht genau. Wie bei so vielen anderen Gelegenheiten in diesem Film.

Wie sollte man aber nun „Arachnoquake“ sehen, genießen und beurteilen? Kann man ihn überhaupt genießen? Nein, kann man eindeutig nicht. Das Sezierobjekt dieser SchleFaZ-Ausgabe geht als weiterer Tiefpunkt in die Fernsehgeschichte ein, denn „Arachnoquake“ kann man einfach niemandem zumuten, auch wenn die lustige Moderation und die Kommentare, die den Finger berechtigt in die Wunde legen, den Film wenigstens ein klein wenig bekömmlicher gestalten. Technisch, inszenatorisch, schauspielerisch und vor allem erzählerisch ist das hier eine Vollkatastrophe in jeglicher Hinsicht, bei der man als Trashzuschauer schon sehr in Übung und Laune sein muss, um diesen Schund unbeschadet zu überstehen. „Arachnoquake“ ist eben wieder einer dieser SchleFaZe, bei denen man merkt, dass hier bewusst Trash inszeniert werden soll, der Film dann aber einfach nur scheiße ist und nicht unterhaltsam scheiße. Irgendwie ist die Ausgangssituation dann halt auch noch nicht bescheuert genug, um innerhalb eines von bescheuerten Ideen bevölkterten Genres groß in Erinnerung zu bleiben. Als kalkulierter Trash bleibt die „Sharknado“-Reihe eben doch unübertroffen, weil man es da wenigstens schafft, die Gagdichte bis zum Ende aufrecht zu erhalten, was in „Arachnoquake“ nicht im Ansatz funktioniert, weil der Film gar keine Gags besitzt.

0,5 von 10 Punkten für „Arachnoquake“, einem Film, den man lieber schnell wieder vergessen möchte. Wer die Wartezeit bis zum nächsten SchleFaZ am 29.7.2016 überbrücken will oder die neueste Folge verpasst hat und sich dieses Machwerk trotz der Warnung zu Gemüte führen möchte, der wird wieder eine Woche lang in der Mediathek von Tele 5 fündig. Wir lesen uns an dieser Stelle hoffentlich in der nächsten Woche wieder, wenn es gilt, einen Blick auf den Franz Beckenbauer-Kaiserschmarrn „Libero“ zu werfen.

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