Cellurizon hat zu! Meine neue Website mit Filmkritiken, Kurzgeschichten und mehr Geschreibsel findet ihr seit Februar 2017 HIER
Skip to content

POINT BREAK: Kritik zum Extremsport-Remake mit Luke Bracey und Édgar Ramírez (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 9 Monaten geschrieben08 / 20164 Kommentare

Die Story

Extremsportler und YouTube-Berühmtheit Johnny „Utah“ Brigham verliert seinen besten Freund und Partner Jeff bei einem ihrer waghalsigen MotoX-Stunts. Geplagt von Schuldgefühlen lässt Utah das Leben am Limit hinter sich, holt stattdessen seinen Jura-Abschluss nach und ist sieben Jahre später Anwärter auf einen Posten beim FBI. Doch sein neuer Job führt ihn zurück zu alten Gewohnheiten: eine Gang von hochprofessionellen Extremsportlern hat spektakuläre Raubzüge in Indien und Mumbai durchgezogen und die Beute anschließend inmitten der armen Bevölkerung verteilt. Utah erkennt ein Muster hinter ihrem Vorgehen und glaubt, dass die Gruppe die Ozaki 8 abzuschließen versucht, eine Liste von Belastungsproben zu Ehren der Elemente. Ihre nächste Station vermutet Utah bei einem seltenen Meereswellenphänomen vor der Küste Frankreichs. Der provisorische Agent wird dem dortigen Feld-Veteranen Angelo Pappas zur Seite gestellt und kann sich bei dem Wellen-Event die Aufmerksamkeit des charismatischen Bodhi sichern und diesen schon bald als Hauptverdächtigen der Raubzüge ausmachen…

Die Filmkritik

Max Thieriot und Luke Bracey in POINT BREAK
Im Laufe der 1990er steckte das Actionkino im „Die Hard“-RipOff-Modus fest, da konnte man jeden Film mit einem „Stirb langsam im [hier jeweiligen Handlungsort/Transportmittel eintragen]“-Beititel versehen. Doch kurz bevor die Nachahmerwelle mit Produktionen wie „Under Siege“, „Cliffhanger“, „Passenger 57“ oder „Sudden Death“ so richtig durch’s Genre zu schwappen begann lieferte das damals-noch-Ehepaar Kathryn Bigelow/James Cameron 1991 mit „Point Break“ eine weitere Schablone für zahlreiche Imitatoren: den stuntlastigen Subkultur-Undercover-Extremsport-Actioner. Dem Surf- und Skydive-Spektakel folgten die Fallschirm-Varianten „Drop Zone“ und „Terminal Velocity“, mit dem Auftakt der „The Fast and the Furious“-Reihe ein beat-by-beat-Remake in der Streetracing-Szene, sowie eine namensgleiche Neuinterpretation von 2015. Das Original mit Board-Buddha Patrick Swayze und Keanu Reeves bleibt aber unübertroffen.

Besagte Neuinterpretation von Ericson Core hingegen tauscht die Haarfarben der beiden Hauptfiguren und weitet seinen Radius auf mehrere Extremsport-Disziplinen aus, wirkt gegen den neoprenen Nassmacher aber nur wie ein Badewannen-Bauchklatscher: macht weniger Spaß, als es wehtut. Eine eigene(re) Geschichte um berghupferlnde und abhangschnackselnde Adrenalinjunkies ohne Bezug zu Bigelows Film, wie „The Fast and the Furious“ es 2001 vorgemacht hat, hätte „Point Break“ ganz gut tun können, denn Ericson (en)Core(une foi)s Fassung verliert vor allem in seiner selbstauferlegten Anspielungsschuldigkeit gegenüber dem Original. Überbacken mit einem satten und hässlichen grün-blau-Filter deutet „Point Break“ Swayze und seine Bande positiver Sunnyboys auf der Jagd nach der perfekten Welle und dem unendlichen Sommer zu zutätowierten Grummelköppen um,…
Luke Bracey als Johnny Utah und Édgar Ramírez als Bodhi in POINT BREAK
…deren spirituelle Motive statt organisch in der Handlung mitzuschwingen als floskelbeladener Poly-Athleten-pep talk aufgesagt werden, bis man sich denkt: boah, was labert ihr Hambummel da eigentlich für ‘ne Eso-Scheiße… Mit etwas mehr Mühe und Hingabe an einen Freigeist-Ethos hätten die fiktiven Ozaki 8-Prüfungen, denen sich Neu-Bodhi Édgar Ramírez mit seinen miesgelaunten Eco-Warrior-Jungs stellt, als dünnes Plotgerüst eines spaßigen Extremsport-Actioners sogar was hergeben können, sind aber nur loses Knüpfwerkzeug, um die krassen Stunt-Einlagen miteinander zu verbinden. Die Verweise an den 1991er „Point Break“, die Undercover-Misere von Neu-Utah Luke Bracey und die aufgesetzten „Cliffhanger“-, „Robin Hood“- und „Fight Club“-Referenzen wirken liebslos dazwischen geschoben, um irgendwie eine Rechtfertigung zu schaffen, dass das hier keine Stunt-Doku sondern ein Spielfilm sein soll.

Überspringt man die Story und sieht nur auf die Surf-, Motorcross-, Base-Jump- und Freeclimbing-Passagen hängt „Point Break“ schon hoch oben am Berg, die Stunt- und Profisportler-Doubles beweisen die Hingabe und den Wagemut, der den Machern und Stars des Films fehlt, die Aufnahmen und global verteilten Panoramen sind teils atemberaubend und toppen Bigelows bereits visuell aufregendes und stilprägendes Original auch aufgrund technischer Möglichkeiten und eines verfünffachten Budgets nochmal deutlich. Aber wenn man nichts auf die Figuren und ihre Beziehungen gibt sind das eben NUR Bilder. Als sich Bodhi und Utah nach überstandenem Wingsuit-Flughörnchen-Stunt durch die Felsschluchten und Täler der Alpen in die Arme fallen ist da NICHTS, keine Verbindung, keine verschworene Bruderschaft, keine Faszination für Bodhi, kein Erwachen für Utah.
Teresa Palmer als Samsara in POINT BREAK
Die Darsteller müssen viel vom Einklang mit der Natur erzählen, vom Finden einer Linie, vom etwas zurückgeben an Mutter Erde, stehen dann aber teilnahmslos wie die „Hab ich alles schonmal gesehen, pöh pöh“-Snobs inmitten furioser Landschaften herum, bis die Stunt-Doubles den Job übernehmen und sich die Herren Filmstars endlich ihren Salbeitee aufgiesen lassen können. Reeves und Swayze hatten Freude am Original ’till shit got real, da hätten sich in einigen Szenen der ohnehin sehr werbeästhetischen Inszenierung die optimistischen Commercial-Botschaften von Kellogg’s Frosties oder Mentos über den Bildern ausrollen können. Hier wären eher irgendwelche Backpacking- und Survival-Brands angesagt, die Bionade-Hipster, die gerade aus „The Revenant“ kommen, zu einer Wildlife-Experience überreden wollen. Aber ungebändigt sind bei Ramirez und Bracey höchstens mal ein paar freche Haarsträhnen, die von ungezogenen Wind- und Wellenstößen aus den Föhnfrisuren gewuschelt werden.

Beschallt vom berüchtigten „Inception“-Gebräääääääme ziehen die Action-Sequenzen vorüber, um Plot- und Figuren-Elemente kümmert sich „Point Break“ so wenig wie ein Sechsjähriger um Oma Bärbels selbstgestrickte Socken an Weihnachten. Szenen wie Utahs FBI-Enthüllung oder das Abnippeln der Nebenfiguren nach „Zehn kleine Extremsportasse“-Prinzip verplempert der Film ohne jede dramaturgische Wirkung. Verschiedenfarbige Jumpsuites und Schneeanzüge ersetzen Persönlichkeitsmerkmale und wo einst John C. McGinley als cholerischer Chief, der überkanditelte Gary Busey als Utahs Agent-Kollege und die spröde Lori Petty für Akzente sorgten, schließen sich in der Neumache Delroy Lindo, Ray Winstone und Teresa Palmer der Trost- und Lustlosigkeit an, die hier jeder Schauspieler ausstrahlt. Besonders Palmer als hippie’esque Samsara spielt ihre Rolle als hergeschnippstes Liebchen für Braceys Utah wie sediert runter, bekommt vom Script aber auch rein gar nichts an die Hand, um aus dieser schlimm rückständigen Frauenfigur mehr als einen Unterwasser-Bikinihingucker zu machen. Das aber immerhin sehr sexy.
Extrem am Hang - das Wolfpack in POINT BREAK
Extremsportfans und Survivalisten, die grade mit gebrochenem Bein oder punktierter Lunge flachliegen und nicht selbst auf’s Board oder an den Hang kommen, können zur Linderung ihres Fernwehs mal einen Blick ins Poly-Athleten-„Point Break“ riskieren, die Dialogszenen skippen und sich an Landschaften und Stunts und ‘nem gelegentlichen Kick ergötzen, für den die Bilder gut sind. Entscheidend viel mehr hat Ericson Cores auch kommerziell abgesoffene Eco-Warrior-Variante des Stoffs aber nicht zu bieten, das Script von Kurt Wimmer ist sauschwach und der „Salt“– und „Total Recall“-Schreiber merklich nicht in der Lage, die freie Zeit zwischen den Actionszenen mit ausreichend Inhalt und Prägnanz zu füllen. Die Darsteller mogeln sich lustlos von Schauplatz zu Schausplatz, der aufdringliche grün-blau-Stich dürfte nur Zuschauern mit Rot-Gelb-Sehschwäche nicht auf Dauer negativ auffallen. So erreicht „Point Break“ seinen Brechpunkt weit vor’m Laufzeit draufschummelnden viertelstündigen Abspann.

Wertung & Fazit

Action: 3/5

Sind schon geile Bilder und Stunts dabei, aber ohne vernünftige Handlungs- und Figurenverbindungen sind es eben nur geile Bilder und nicht viel mehr.

Spannung: 0.5/5

Kennt man das Original oder den ersten „Fast & Furious“ kann man die Uhr nach den erwartbaren Plotbeats stellen. Bemüht sich hier und da um Überraschungen, aber die verpuffen allesamt. Dafür bieten die Stunt für sich betrachtet durchaus mal Nervenkitzel-Momente.

Anspruch: 0/5

Nope.

Humor: 0/5

Nee. Ernste und schlechtgelaunte Veranstaltung.

Darsteller: 1.5/5

Scheinen alle überhaupt keine Lust auf diesen Film zu haben und werden mit gnadenlos unterentwickelten Rollen abgespeist.

Regie: 1.5/5

Schicke Bilder, aber auf alles andere legt Core überhaupt keinen Wert.

Film: 3/10

Außer spektakulären Bildern hat der polyathletische „Point Break“-Extremsportaufguss nichts zu bieten, und für selbige kann man sich auch ‘ne Doku über Board- und Jumpingkünstler geben, ohne dafür lustlose Darsteller und eine schlaffe Story ertragen zu müssen.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Kommentare

Ja... weißt du... das ist vielleicht... deine Meinung, Mann...
...also schreib doch einfach einen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Lasse Vogt 32 Kommentar(e)

    Wo bleibt eigentlich Flo Lieb, um zu verkünden, dass dieser Film besser als “Die Hard” ist?

    • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

      Ist der Ruf erst ruiniert… 😀

      Hab das Remake noch nicht gesehen. Bezweifel aber, dass es es besser als “Die Hard” ist (zumindest als die Teile 1-3) 😉

  • donpozuelo 198 Kommentar(e)

    Okay… danke. Also doch wie erwartet. Manche Filme sollte man halt wirklich einfach ruhen lassen, die brauchen kein Remake!

    • Riggs J. McRockatansky Riggs J. McRockatansky 201 Kommentar(e)

      Richtig, und den hier kann man sich verlustfrei sparen.

  • Weitere Artikel
    Navigiere zum vorigen/nächsten Artikel

    191 Aufrufe