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THE BOSS: Kritik zur Komödie mit Melissa McCarthy und Kristen Bell (DVD)

Von Riggs J. McRockatansky vor 5 Monaten geschrieben08 / 20160 Kommentare

Die Story

In ihrer Kindheit hatte es Michelle Darnell nicht leicht: aufgewachsen in einem Waisenhaus und immer wieder von Pflegeeltern zurück dorthin abgeschoben hat die Pfundsfrau irgendwann beschlossen, dass persönliche Bande und Gefühle nichts für sie sind, hat sich rücksichtslos zur steinreichen Unternehmerin hochgearbeitet und predigt auf lauten Showveranstaltungen über ihre Prinzipien von Gewinn und Kapital. Bis ihr erbitterter Konkurrent und ehemaliger Liebhaber Renault, den sie einst wie so viele andere ohne mit der Wimper zu Zucken übergangen und ausgebootet hat, sie wegen Insiderhandels anschwärzt. Michelle muss in den Knast, Firma und Vermögen sind futsch. Nach fünf Monaten wird sie entlassen und landet notgedrungen auf der Couch ihrer Ex-Assistentin und alleinerziehenden Mutter Claire, die zunächst wenig begeistert ist, ihre schwer erträgliche alte Chefin zu beherbergen. Doch als Michelle über Claires Backkünste und ihre Tochter Rachel auf die Idee zur Gründung eines Brownie-Imperiums kommt scheint sich ein Weg zurück an die Spitze aufzutun…

Die Filmkritik zu The Boss

Melissa McCarthy, Kristen Bell und Ben Falcone in THE BOSS
„Dick im Geschäft“ hat man der US-Komödie „The Boss“ in Deutschland als Beititel verpasst und damit ist das ganze Problem rund (pun intended) um Melissa McCarthys Filmkarriere auch schon schön beschrieben: als liebenswert-schusselige Köchin Sookie St. James in der Serie „Gilmore Girls“ noch eine der großen Sympathieträgerinnen, ist die Illinoisierin seitdem meist auf Gags auf Kosten ihrer Körperfülle und aggressiv-vulgäre Großschnäuigkeit reduziert, beides schmerzfrei zur Schau gestellt in „Bridesmaids“ und bei ihren Hauptrollen in „Identity Thief“, „The Heat“ oder „Tammy“ – eine der ältesten und nowadays untersten Spielarten der Comedy, die awkward fatty-Routine, mit der McCarthy doppeldeutig eben dick im Geschäft ist. Während die ganz gelungene Agenten-Parodie „Spy“ 2015 noch halbwegs aus diesem Schema auszubrechen verstand und McCarthy ihre wohl stärkste Rolle seit Sookie bot, ist „The Boss“ in diesem Jahr nun wieder ganz auf der „fett und frech“-Schiene unterwegs und (trotz des „Ghostbusters“-Reboots [obwohl ich’s noch nicht gesehen habe, also wer weiß…]) der beschissenste McCarthy-Film von allen.

Und hier ist die Schuld nichtmal bei anderen zu suchen: „The Boss“ ist von McCarthy koproduziert und mitverfasst und Regie führt ihr Gatte Ben Falcone, dieses derb-dumme Dickendebakel geht also volles Mett auf ihren Zettel! Man kann also nicht sagen: »ohhhh, das böse Hollywood kann keine ansprechenden Rollen für Pfundsfrauen kreieren«, nee, von wegen, die Vorzeigepfundsfrau und ihr Mann degradieren sich aus Freiwilligkeit zur bewusst übersteuert-fremdschämigen Schwartenschau, bei der sich einem aus Wageninneren-Perspektive McCarthys elefantös-engbehoster Breitarsch entgegen schiebt, als man sie unter Gegenwehr in ein Polizeiauto verfrachtet, you know, it’s funny ’cause she’s fat! Bevor’s zu fies wird: jede Frau soll gerne zehn Kino zu viel statt zwanzig zu wenig auf den Rippen haben, aber ein Film wie „The Boss“ stellt Übergewicht als Peinlichkeit aus, als lebenspraktischen Makel und beschämenswerte Anamolie, auf die man nur schulhofgehässig genug deuten muss, um mit Unterstützung der Vorurteile des Publikums einen Gag zu fabrizieren, indem man das durch dubiose Schönheitsideale vorgegebene ästhetische Empfinden verletzt.
Melissa McCarthy und Kristen Bells Brüste in THE BOSS
Denn die beschriebene Szene mit dem ass shot oder jene, in der McCarthy vagina- und backenunverhüllt Selbstbräuner vor den entsetzten Augen von Kristen Bell und Filmtochter Ella Anderson aufträgt wären überhaupt nicht oder nicht so in „The Boss“, wenn hier eine von Hollywoods Schlankmäuschen die Hauptrolle spielen würde. Negativ fallen daran nicht nur die reine entwürdigende Bloßstellung und pseudo-edgy-Grenzüberschreitung auf, sondern außerdem wie wenig sich das Script darum kümmert, dass diese Comedy-Töne nie mit dem übrigen Film harmonieren. Der abscheuliche gross out-Humor wechselt sich ab mit aus ganz dünner Luft gezupfter Läuterungs-Sentimentalität und abgestandener Klischee-Komik, wenn McCarthys sozial sorglose Chefin babysittend mit Bells Nachwuchs ‘n Horrorfilm guckt (die besten Sekunden in „The Boss“, der geradezu schmerzlindernd-wohltuende kurze Blick auf Gekreische und Gekröse in Tobe Hoopers Terrorkino-Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“, hach…).

Dazu kommen inkonsequent untergebrachte zynische Vorstöße wie die Unterbringung von Kapitalverbrechern in einem low security-Luxusknast oder die verbal und überdreht-handgreiflich ausgetragene Auseinandersetzung zweier Girlie-Gruppen von Süßwarenverkaufs-Teams. Die zu erwartenden adipösen mishaps wie die Attacke eines Klappsofas oder ein rummsender Treppenrunterpurzler dürfen bei McCarthy natürlich auch nicht fehlen und über sowas muss der Film in Gestalt von Speichellecker-Weirdo Timothy Simons und Tyrion Lannister als Möchtegern-Samurai-Mogul dann schon selber lachen. Kommen dann noch bis zum geht nicht mehr in die Länge gezogene Kaugummi-Kalauer wie McCarthys Puppenspiel mit Kristen Bells Brüsten und outgedatete Anspielungen auf Destiny’s Child hinzu (ernsthaft, ein Destiny’s Child Revival-Gag, im Jahr 2016?!) geht der Comedy endgültig jedes Verständnis für Konsistenz, Ton und Timing ab.
Melissa McCarthy und ihre Darnell's Darlings in THE BOSS
„The Boss“ ist so ein schlechter Film, dass man die Diät vergisst und die Wunschfigur ‘nem Frustfressflash opfert, eine so erbärmlich miese Komödie, dass man beim nächsten A.A.-Meeting einen steilharten Rückfall zu beichten hat. Da ist man dankbar für jeden Popel, den man sich aus der Nase fischt, um die DVD für eine Handwaschpause anhalten zu können. Die Scrooge/Grinch-Geschichte um die gefühlskalt-geldgeile Chefin, die im warmen Bad familiären „wir kommen gerade so über die Runden“-Zusammenhalts aufzutauen und ein Gewissen zu entwickeln beginnt, wäre schon zu Zeiten von Dickens und Seuss nicht mehr originell gewesen, der Plot langweilt mit einer planlosen Szenenabfolge, die so wankelmütig wie die Humorarten ausfällt und aus der sich nie erschließt, worauf „The Boss“ sein Hauptgewicht legt; will der Film moralisch wertvolle und niedliche Familienunterhaltung sein oder vor den Kopf stoßende in your cock suckin’ face-Comedy, eine Botschaft tragen oder nur platte Witze über Körpermerkmale und -gegensätze rausleiern? Wie’s auch sei, „The Boss“ ist eine der schlechtesten und zusammengestümpertsten Komödien der letzten Jahre…

Wertung & Fazit

Action: 0.5/5

Ein grotesker Bitch-Brawl und ein bescheuertes Heist-Finale, ansonsten kein Kriterium.

Spannung: 0/5

Fehlanzeige.

Anspruch: 0/5

Wenig konsequente und draufgezwungene Morallektionen.

Humor: 0/5

Mehr als einen Gnadenschmunzler konnte „The Boss“ mir nicht abringen.

Darsteller: 1/5

Kristen Bell wirkt irgendwie bemitleidenswert neben McCarthys lauter und brutal unsympathischer Show. Und Peter Dinklage sollte auch mal hinterfragen, für was er sich außerhalb von Meereen und Westeros so herzugeben bereit ist…

Regie: 0.5/5

In einer Szene schmettert McCarthy ihrem gastauftretenden Gatten und Regisseur Ben Falcone einen Tennisball gegen den Adamsapfel. Angemessene Aktion.

Film: 0.5/10

Neunzig dermaßen schwer erträgliche Minuten unsteter, beleidigend blöder und entwürdigender Comedy, dass ich mir danach nichtmal die Outtakes während des Abspanns ansehen konnte. „The Boss“ ist ein grässlicher, hässlicher und lausig schlechter Film.

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