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Filmmusik: SUICIDE SQUAD, Steven Price’ Score zum DCEU-Schurkenauflauf in der Kritik

Von Lasse Vogt vor 9 Monaten geschrieben09 / 20160 Kommentare

Der Score (Kritik von Lasse Vogt)

Musik komponiert und produziert von Steven Price
Dirigiert von Pete Anthony
Orchestriert von David Butterworth & Jennifer Hammond

Ich habe auf dieser Seite oft über die Filme von Marvel und deren „problematische” musikalische Lage geschrieben, aber das ist nichts im Vergleich zu der von DC: Marvel hat viele verschiedene Komponisten für deren Filme besetzt und es gab sowohl Hits als auch Misses, doch in letzter Zeit scheint sich das Studio auf eine einheitliche musikalische Stimme geeinigt zu haben. Alan Silvestri, Brian Tyler, Danny Elfman, Henry Jackman und Christophe Beck gestalteten ihre Beiträge zum MCU zwar individuell, aber im Großen und Ganzen doch stilistisch aufeinander abgestimmt, es gab hier und da sogar thematische Kontinuität. Beim erst 2013 gestarteten DCEU verließ man sich von Anfang an auf Hans Zimmer und seine Jungs von „Remote Control”, was „Man of Steel” und „Batman v Superman” zwar bombastische, aber extrem düstere und größtenteils Themen-befreite Scores einbrachte. Als David Ayer Buch und Regie für „Suicide Squad” übernahm brachte er gleich Komponist Steven Price mit, der für ihn schon den Panzerfilm „Fury” vertont hatte und beinahe auch die Musik für „Ant-Man” geschrieben hätte, wäre Edgar Wright als Regisseur bei dem Projekt geblieben. Price ist ein vergleichsweise junger Komponist, gewann früh einen Oscar („Gravity”) und verlässt sich größtenteils auf mit Orchester gemischte elektronische Klänge, was bei dem oben genannten Award-Abräumer und auch bei Wrights „The World´s End” für sehr interessante Hörerlebnisse sorgen konnte. Schafft es Steven Price also, aus dem von Zimmer und Tom Holkenborg aka Junkie XL etablierten musikalischen Stil für DC herauszukommen und einen Score zu kreieren, der sowohl im Film als auch auf dem Album für sich stehend überzeugen kann? Die Antwort ist ein enttäuschtes Nein!

Es ist schwer in Worte zu fassen, was genau alles mit der Musik für „Suicide Squad” nicht stimmt. Sie hat viel zu bieten: ein großes Orchester mit Chor sowie allerhand elektronische Spielereien. Doch es gibt drei Einschränkungen: erstens ist „Suicide Squad” diese Art von Filmmusik, die an der Oberfläche sehr cool und detailliert und stylisch wirkt, doch dringt man etwas weiter vor, entpuppt sie sich als leer und uninspiriert. Zweitens wurde der Score im Film selbst größtenteils durch vollkommen unpassende „In Your Face!”-Pop- und Rock-Songs ersetzt, die es dem Kino-Besucher schwer machen, überhaupt etwas von der Original-Musik mitzubekommen. Und drittens (als größtes Problem) passt der gewählte Ansatz einfach nicht, der der gesamten Chaos-Truppe um Harley Quinn, Deadshot und Co. nur EIN EINZIGES Thema gönnt, das auch noch auf eine heroische Art daherkommt, die für diese Figuren nicht im geringsten angemessen ist.

Besagtes Thema wird gleich im ersten Track, „Task Force X”, bei 2:37 vorgestellt und besteht aus 7 Horn-Stößen, welche mit rhythmischem Schlagzeug, E-Gitarre und Synthesizer unterlegt und eindeutig ein ziemlich frecher Abklatsch von Jerry Goldsmiths Main Theme aus „Rambo: First Blood Part II” sind. Allerdings könnte dies auch Absicht sein: die Mitglieder des Selbstmord-Kommandos bestehen zu einem großen Teil aus Charakteren, die gewissermaßen bizarre Anti-Helden sind. Dementsprechend ist dieses leicht albern-heroische und noch dazu geklaute Thema eventuell gar die Intention, sozusagen ein musikalisches Augen-Zwinkern in Richtung des Publikums. Aber es ist ebenso möglich, dass ich da etwas total verkehrtes hineininterpretiere und die Musik ein Resultat der chaotischen Post-Produktion, geparrt mit einer gehörigen Portion Faulheit ist. Mag da jeder denken, was immer er will. Das Thema kommt hier und da auf dem Album vor, unter anderem am Schluss von „I Want to Assemble a Task Force”, „You Die We Die” bei 2:39, „Are We Friends or are We Foes?” sowie, als langsamere, vor allem von Streichern vorgetragene Version, in „The Squad” und „The Worst of the Worst”, eine Klavier-Variante kommt in „I Thought I´d Killed You” zum Einsatz. Dominanter als das eigentliche Main Theme wird jedoch dessen Unterstimme eingesetzt, besonders cool in „A Serial Killer who Takes Credit Cards”, kräftig in „June Moone” und aggressiv in der letzten Minute von „Did That Tickle?” sowie sehr deftig in „Task Force X Activated”.
SUICIDE SQUAD Score Cover
Was thematisches Material angeht, war es das schon. Harley Quinn und ihre Backstory sowie ihre Verbindung zum Joker scheinen gewissermaßen pseudo-romantische Klänge spendiert bekommen zu haben, zu hören in „Arkham Asylum”, ein spielerisch-psychotisches Stück für Glockenspiel und Streicher in „Harley and Joker” und in „You Know the Rules Hotness” auf verquere Art märchenhaft-verspielte Musik, welche mit zunehmender Dauer immer beunruhigender wird, wozu flüsternde Stimmen und nach Zirkus klingendes Glockenspiel ihren Teil beitragen. Zudem sind der Hexe Enchantress einige Tracks gewidmet, unter anderem der auf Grusel getrimmte „Brother Our Time has Come” mit Frauenchor und düsteren Streicher-Ostinati, der Anfang von „Are We Friends or are We Foes?”, „She´s Behind You” mit Chant-Chor und „Entchantress in the War Room”, aber ich musste wirklich sehr tief schürfen, um abseits des Haupt-Themas überhaupt wiederkehrende musikalische Ideen zu finden, denn all dies ist begraben unter einer zähen, öden, gleichförmigen Soße.

Dem Score fehlt jegliche Identität, die Musik hat keine Persönlichkeit, kein Innenleben und erst recht kein Herz. Die Protagonisten sind derart außergewöhnliche Charaktere, kommen aus verschiedenen Teilen der Welt (und sogar aus einer anderen Dimension), dass all dies sich in der Musik wiederspiegeln sollte, aber Nein: für Diablo hätten mexikanisch eingefärbte Klänge gut gepasst oder gar die Verwendung eines Didgeridoos für Captain Boomerang wäre perfekt gewesen, doch Price kleistert alles mit demselben düsteren Einheitsbrei aus dunklen Streichern und einer gigantischen Palette aus Synthies und Trommeln zu, hier und da versehen mit einer kurzen Anspielung des Haupt-Themas, die stets aus dem Nichts und merkwürdig unmotiviert daherkommt. Es ist so, als wollte die Musik innerhalb des Films ja keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen (was sie auch nicht tut, und das liegt nicht nur am Mangel derselben in der Kino-Version), und versucht, so anonym und blass wie möglich zu sein. Eine sehr kurze Pfeif-Einlage am Schluss von „The Squad” bringt einen seltenen Ausbruch dringend benötigter Ironie in die Musik.

„You Make my Teeth Hurt”, „That´s How I Cut and Run”, „This Bird is Baked”, „She´s Behind You” und „Did That Tickle?” lassen die Celli schubbern, die auf Dauer immer nerviger werdenen Synthesizer piepsen und flirren und die Blechbläser dröhnen, ohne dass man in der Musik eine Richtung, geschweige denn ein Ziel erkennen könnte. Noch dazu wird man am laufenden Band an andere Scores erinnert: abseits der schon erwähnten „Rambo II”-Anleihen klingt die Action häufig nach „Pacific Rim” von Ramin Djawadi, eine bestimmte Streicher-Melodie wie Marco Beltramis „Seventh Son” (gut zu hören in „I´m Going to Figure this Out”), kurz hört man eine Anspielung des „Arrival to Earth”-Themas aus Steve Jablonskys „Transformers” und oft kupfert Price einfach von sich selbst ab und scheint einfach ganze Passagen aus „The World´s End” wiederzuverwenden. Ab und zu gönnt das Album dem Hörer Gnade und bietet eine kleine Ruhepause (erhaben und tönend in „We Got a Job to Do”, tragisch und leise in „We Need a Miracle”) und hier und da findet auch eine gewisse Tragik und ehrliche Dramatik ihren Weg in den Score, aber das sind nur kleine Lichtblicke. Die Download-Version des Scores enthält ein paar Bonus-Tracks, die dem normalen Album tatsächlich ein paar gelungene Titel hinzufügen können, aber da muss jeder selbst entscheiden, welche Version er sich anschaffen möchte, wenn überhaupt.

Fazit: 2/5

Der Score von „Suicide Squad” teilt die Probleme des Films: er wirkt unfertig, überhastet und in letzter Minute zusammengeschustert und hat nichts zu bieten, was die oben aufgelisteten Arbeiten anderer Komponisten nicht schon vor Jahren offerieren konnten. Das Main Theme lohnt ein paar Drücker auf die Replay-Taste (auch wenn es geklaut ist) und Teile der Action sowie der „psychotischen” Stücke können überzeugen, aber letztendlich ist „Suicide Squad” nur ein extrem repetitiver, generischer und teilweise sogar langweiliger Action-Score von der Stange. Im Vergleich zu den Vorgängern „Man of Steel” und „Batman V Superman” landet dieses Album mit 2/5 Punkten etwa in der Mitte, was schade ist, da Steven Price sein Talent in der Vergangenheit mehr als einmal demonstrieren konnte. Sollte es sich bewahrheiten, dass das DCEU dieser Art der Filmmusik treu bleibt und tatsächlich Tom Holkenborg für „Justice League” einsetzt, sehen wir einer wortwörtlich düsteren Zukunft entgegen – aber wie es aussieht, lernen Warner Bros. und DC wohl nie aus ihren Fehlern…

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

1. Task Force X – 4:53
2. Arkham Asylum – 3:24
3. I´m Going to Figure this Out – 1:42
4. You Make my Teeth Hurt – 2:31
5. I Want to Assemble a Task Force – 2:52
6. Brother Our Time has Come – 4:43
7. A Serial Killer who Takes Credit Cards – 2:09
8. A Killer App – 2:54
9. That´s How I Cut and Run – 3:09
10. We Got a Job to Do – 1:41
11. You Die We Die – 4:02
12. Harley and Joker – 2:50
13. This Bird is Baked – 4:42
14. Hey Craziness – 4:02
15. You Need a Miracle – 2:37
16. Diablo´s Story – 1:43
17. The Squad – 3:58
18. Are We Friends or are We Foes? – 4:16
19. She´s Behind You – 3:03
20. One Bullet is all I Need – 3:32
21. I Thought I´d Killed You – 3:49
22. The Worst of the Worst – 4:12
23. June Moone (Bonus Track) – 2:37
24. Did That Tickle? (Bonus Track) – 3:41
25. You Know the Rules Hotness (Bonus Track) – 1:58
26. Enchantress in the War Room (Bonus Track) – 2:35
27. Introducing Diablo and Croc (Bonus Track) – 2:09
28. Task Force X Activated (Bonus Track) – 2:11
29. Can Everyone See this Trippy Stuff (Bonus Track) – 4:25
30. I Promised my Friends (Bonus Track) – 1:29

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