96 HOURS – TAKEN 3: Kritik zum Unrated Extended Cut des Actioners mit Liam Neeson (DVD)

Story

Nach seinen unfreiwillig schlagkräftigen Familienausflügen nach Paris und Istanbul ist der Ex-CIA-Operative und Personenschützer Bryan Mills zurück in Los Angeles und pflegt ein gutes Verhältnis zu Ex-Frau Lenore und ihrer gemeinsamen Tochter Kim. Die unglückliche Lenore indes steht kurz vor der Trennung von ihrem zweiten Ehemann, dem geschäftigen Stuart St. John. Nachdem dieser Bryan eines Tages aufsucht und um seine Diskretion während der Angelegenheit bittet, überstürzen sich die Ereignisse kurze Zeit später: Bryan findet Lenore ermordet in seiner Wohnung vor und wird des Mordes beschuldigt. Doch der hochtrainierte Elitekämpfer kann die Cops überwältigen und begibt sich auf die Flucht – und auf die Suche nach den wahren Mördern. Unterdessen heftet sich der hartnäckige Inspektor Franck Dotzler an seine Fersen und so wird Mills zum Jäger und Gejagten gleichermaßen in einem gefährlichen Spiel um die Wahrheit und die erschütternden Hintergründe des Komplotts…

Der Film

Liam Neeson und Maggie Grace in 96 HOURS - TAKEN 3
Yeah, da ist er wieder, der monthly Neeson. Gefühlt alle paar Wochen stolpert man über ein weiteres tough skilled man-Abenteuer des irischen Charaktermimen, der jenseits der Fünfzig auszog, um sich als Actionheld neu zu verwirklichen. Nach zuletzt etwas gemäßigteren Auftritten im Spannungs-Thriller „Non-Stop“ und dem Krimi „A Walk Among the Tombstones“ stand mit „96 Hours – Taken 3“ dieses Jahr der Abschluss jener Reihe an, die Neesons Ruf als brachialer Hälseverdreher 2008 begründete. Der Part des kompromisslosen und ideologisch fragwürdigen Rächers Bryan Mills ist zur Essenzrolle des späten Neeson geworden, die für jeweils deutlich unter $50 Millionen produzierten Reißer aus der Feder von Luc Besson und Robert Mark Kamen erwiesen sich als ertragreiches Geschäft (die Trilogie kommt weltweit auf ein Einspiel von über $925 Millionen).

»When I finished „Taken 2“, I swore together with Liam: never again…« räumt Regisseur Olivier Megaton in den Specials der Heimkinoveröffentlichung von „Taken 3“ ein. Das mag unterschiedlichen Erkenntnissen nach dem zweiten Teil geschuldet sein, die sich nun alle im finalen Ableger der Mills-„Saga“ mehr und minder schwer fortsetzen. Als erstes: „Taken 2“ war scheiße, verschnitten und langweilig. Zum zweiten mit einem Neeson, der sein fortgeschrittenes Alter weniger gut als im knallharten kurz und klein-Hauer-Erstling verbergen konnte. Und zum dritten ist das titelspendende Konzept der Reihe nach spätestens zwei Teilen auserzählt, was kann man also noch groß bringen mit der Ex-CIA-Ramme auf familiärer Wiederbeschaffungsmission? Für letzteres verschafft sich „Taken 3“ einen nicht minder abgegriffenen Storykniff und verknüpft Mills nach zwei „Ein Mann sieht rot“-Auf- und Arschtritten diesmal mit einer „The Fugitive“-Mechanik.
Liam Neeson als Bryan Mills in 96 HOURS - TAKEN 3
Das schaukelt nach dem völlig undynamischen „Taken 2“ den Unterhaltungswert wieder ein bißchen höher, die ersten beiden Punkte, die gegen eine Fortführung sprachen, bleiben dieser aber erhalten: unter Megatons hyperhibbeliger Regie kann die Reihe nicht mehr an den straighten Auftakt anknüpfen, „Taken 3“ ist nie mehr als ein Duchschnitts-Actioner, der die Formeln des harten Mannes auf der Flucht weder ausreizt, noch um irgendwelche Komponenten ergänzt, die nur und ausschließlich dieser „Taken 3“ hätte einbringen können. Der Film kommt mit den ungelenken Familienheititeitis der Mills’schen Bagage zunächst schwer ans Laufen, Bryans betont unbeholfene Daddy-Versuche mit Tochter Kim, deren Probleme und die wiederaufgewärmte Ehekrise zwischen Ex-Frau Lenore und ihrem Macker Stuart, die eigentlich schon im Vorgänger geklärt schienen – not the kind of stuff you’re looking forward to in a „Taken“ movie.

Und sicher nicht der Stoff, bei dem Megatons ohnehin überschaubare inszenatorische Talente liegen; volle zwanzig Minuten bis zur ersten Actionszene und ersatzweiser Füllung mit den 08/15-Befindlichkeiten einer belanglosen Sippe – das ist deutlich zu viel Zeit für einen Film wie „Taken“, der außerhalb einer Action-Dramaturgie überhaupt keine Verwendung für Figuren hat und darin selbst im Vergleich mit ähnlichen Reißern nochmals hölzerner rüberkommt. Auch mit der Polizei auf den Fersen und einem erstmal gesichtslosen (aber leicht zu erratendem) Gegner vor sich wechselt Mills jedoch nicht in den kompromisslosen Rage-Mode des ersten Teils und eine spätere Waterboarding-Szene wirkt im reminiszieren einer ähnlichen Einlage aus „Taken“ gnadenlos selbstzweckhaft.
Dougray Scott, Maggie Grace und Forest Whitaker in 96 HOURS - TAKEN 3
Die inspirationslosen Actionsequenzen verlieren durch die überaufgedrehte Hektik des Schnitts jede Relevanz, sind voller inkohärenter, willkürlicher, frech behaupteter und idiotischer Ereignisse, um Mills aus misslichen Lagen heraus manövrieren zu können. Verglichen mit dem richtig geilen, mordsgut choreographierten und sauber eingefangenen gun fu combat in „John Wick“ haben auch Neesons Mills-gegen-Mann-Duelle nichts mehr zu melden, die Messlattenleger waren zum Zeitpunkt des ersten „Taken“ bereits andere, doch sieben Jahre später kann der bald Dreiundsechzigjährige bei allem Respekt erst Recht nicht mehr mithalten. Da muss wieder dieses nervige und anstrengende statt dynamische „ten cuts per second“-Editing her, kann Neesons unübersehbare Defizite aber nicht verbergen. Drum ist „Taken 3“ deutlich immer dann am besten, wenn Mills auf sich allein gestellt, aber nicht unmittelbar in Actionszenen und Kämpfe verwickelt ist und Neeson mit seiner naturgegebenen Präsenz überzeugen kann.

Was allerdings auch nichts daran ändert, dass sich die Methode Neeson und die Anlage seiner Charaktere mittlerweile mehr als merklich abgenutzt hat, der könnte übergangslos von einem seiner Action-Thriller in den nächsten stapfen und müsste sein Spiel in keiner Regung groß anpassen. Allerdings spielt er den Part hier wenigstens nicht mit einem ähnlichen Mills-Missmut runter, mit dem er den zweiten Teil abgesessen hat. Mit Forest Whitaker steht Neeson hier der fraglos beste Schauspieler gegenüber, der sich in die „Taken“-Reihe verirrt hat, doch der Oscar-Preisträger („The Last King of Scotland“, „Zulu“) kann mit seiner Rolle kaum was machen, außer Klischees bedienen. Whitaker darf nie direkt da sein, wo was los ist, die Schlüsse seiner Ermittlungsarbeit sind für den Plot total unwichtig und dienen nur zum Schaffen eines marginalen Hintergrunds für den bislang vergangenheitsverschleierten Mills, ansonsten muss Inspektor Dotzler buchstäblich eine Schachfigur mit sich rumtragen, um sowas wie ein ausgebufftes Katz- und Maus-Spiel zu symbolisieren. Von einem elektrisierenden Duell wie zwischen Harrison Ford und Tommy Lee Jones in „The Fugitive“ (»I didn’t kill my wife!« »I don’t care.«) hat das gar nichts.
Liam Neeson und Sam Spruell in 96 HOURS - TAKEN 3
Ob’s das jetzt wirklich war mit „Taken“ muss sich erst noch zeigen (nur mal so: Neesons Mills-freie Zone „Run All Night“ machte zuletzt nur knapp ein Fünftel der Kasse des zweiten und dritten Teils…), doch sollte „Taken 3“ die finale Mission für Bryan Mills gewesen sein verabschiedet sich dieser zweckmäßige Charakter nicht gerade mit einem Knall. Der Film ist auch in seinen besseren und besten Momenten nie mehr als Durchschnitt und wird insgesamt von zu vielen Faktoren runtergezogen. Die Figuren sind nur Schablonen, das Schurkenbild mal wieder flacher als Neesons genickspaltende Handkante und viel Spaß macht die Sache im Gegensatz zu den seeligen waffenstotzenden 80s Action Flicks auch nicht: die „Taken“-Reihe nimmt sich für das was sie bietet von jeher viel zu ernst, da jaulen einem dann Emo-Songs das geschundene Seelenleben des Hauptdarstellers vor und Maggie Grace heult sich durch die Sets. Wenn dazu noch die Action nichts bietet und wie im Vorgänger zwei arschlahme Boss Fights präsentiert bleibt nicht viel übrig, was für „Taken 3“ sprechen könnte. Im übrigen auch nicht für den Unrated Extended Cut, der etwas mehr Blut und Gewalt, aber ebenso mehr vom übergroßen Pandabär, der heulenden Grace und unnötigen Briefings enthält.

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Ein Lehrbeispiel, wie man’s nicht macht: der Schnitt zerstückelt die Action, so dass weder Stunts noch Choreographien zur Geltung kommen können.
Spannung: 1,5/5
Hat durch das leicht modifizierte Setting wieder etwas mehr Zug als Teil 2, aber das heißt nicht viel. Mills ist eh eine Figur, für die es immer einen dahergedichteten Ausweg gibt, egal wie brenzlig es wird.
Anspruch: 0/5
Plattes Weltbild, in das Graustufen nicht passen.
Humor: 0/5
Humorlos und grimmig.
Darsteller: 2,5/5
Neeson mit mehr Engagement als beim direkten Vorgänger dabei, aber mit zusehends schwindender Form. Die übrigen Klischeerollen verlangen niemandem groß etwas ab.
Regie: 1,5/5
Olivier Megafürdietonne hat für ruhige Szenen kein großes Gespür und für saubere Action kein Auge.
Fazit: 3,5/10
Eine leichte Steigerung zum zweiten Teil, bringt ein nötiges bißchen an Abwechslung in die Formeln der Reihe. Die völlig verschnittene Action ist aber ein Graus für die Augen, die dritte Front um Whitaker und seine Cops letztlich irrelevant und Neeson einfach merklich nicht mehr in der Form des ersten Teils, beziehungsweise der Film nicht in der Lage, seine verständlichen Alterserscheinungen zu kaschieren. Fader Ausklang für eine Reihe, die’s beim Überraschungserfolg des ersten Teils hätte belassen sollen.

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