A WALK AMONG THE TOMBSTONES: Kritik zum Krimi mit Liam Neeson (Blu-ray)

A WALK AMONG THE TOMBSTONES: Kritik zum Krimi mit Liam Neeson (Blu-ray)

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Story

New York, 1999: der Ex-Cop und trockene Alkoholiker Matthew Scudder hat vor acht Jahren den Dienst quittiert und verdingt sich mittlerweile außerhalb des Gesetzes als unlizensierter Privatdetektiv, der bevorzugt Freunden und Bekannten Gefälligkeiten erweist. Diesmal sucht ihn jedoch der Junkie Peter Kristo auf und bittet Matt, seinem Bruder Kenny zu helfen. Die Verlobte des Drogendealers ist entführt und ermordet worden, obwohl Kenny sich an die Anweisungen der Kidnapper gehalten und eine hohe Summe Lösegeld bezahlt hat. Nach einigem Zögern nimmt sich Matt des Falles an und ist nach ersten Recherchen überzeugt, dass die brutalen und extrem sadistischen Killer erneut zuschlagen werden. Die Spuren führen Matt tiefer und tiefer in die gefährliche New Yorker Halbwelt aus Dealern, Korruption und perversen Sexualverbrechen…

Der Film

Liam Neeson in A WALK AMONG THE TOMBSTONES

Man sieht was draufsteht, man weiß was drinsteckt: Liam Neeson ist kein Name, das ist mittlerweile eine Genrebeschreibung. Mit der „Taken“-Reihe und Thrillern wie „Unknown“, „The Grey“ oder „Non-Stop“ haut der Ire in einer beachtlichen Regelmäßigkeit seine markigen „tough guy mit Skills und Seelsorgen“-Rollen raus, hat diesen Typ total für sich vereinnahmt und macht das seit geraumer Zeit schon klasse, auch wenn die Filme meist nur solide geraten, das dafür allerdings ebenso verlässlich wie Neeson selbst. Mit der Adaption von Lawrence Blocks hard-boiled detective fiction „Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones“, zehnte Veröffentlichung der Matthew Scudder-Reihe aus dem Jahr 1992, hat die effektive Mischung aus Charakter- und Knallhart-Darsteller eine weitere Rolle gefunden, die ihm passt wie eine zweite Haut.

Nicht nur, weil noch mehr als fünfzehn Romanvorlagen bereit stünden, könnte dieser Scudder vielleicht sogar die Nachfolge von Neesons bisheriger Gallionsfigur Bryan Mills aus den „Taken“-Filmen antreten, kündigte der bald Dreiundsechzigjährige doch kürzlich das absehbare Ende seiner Action-Tage an. Ein paar Jobs für Scudder wären aber sicher noch drin, denn der Neo Noir-Krimi hat mit den halsbrecherischen Aktivitäten von Neesons CIA-Rentner und Familienmitgliedswiederbeschaffer gar nicht viel gemeinsam: ein paar Mal während des Films gerät der mürrische New Yorker Privatdetektiv in Situationen, in denen Bryan Mills Knochen brechen, Hälse umdrehen und Kugeln in Leiber jagen würde, Scudder hingegen brummt seine Angreifer an und es sinken Messer und Baseballkeulen. Warnen statt Watschen, Reden statt Raufen, Grübeln statt Gurgeln quetschen, Ermitteln statt Erledigen, „A Walk Among the Tombstones“ ist nicht „T4ken“.

Liam Neeson und Brian Astro Bradley in A WALK AMONG THE TOMBSTONES

Die Lawrence Block-Adaption lebt von einer unheilvollen Stimmung und Atmosphäre und einem Neeson, der für das bedachte und konzentrierte Durchschreiten einer solchen nunmal wie geschaffen ist, der mit seiner entschlossenen Präsenz alles auf sich und seine Seite zieht, auch wenn er gewohnterweise keinen Moralmonolithen gibt: auch dieser Scudder hat wieder seine Schwächen und seine Lebenspein zu bewältigen, eine Redemptionfigur, die zuvorderst aus der Warte heraus handelt, durch sein Leben und seine Taten etwas schuldig geblieben zu sein. Ein Protagonist geerdet-rauer Crime-Thriller from the streets in Reinkultur also. Der Krimi-Plot hält durchgehend eine klassisch inszenierte Grundspannung und verdickt die aufgeladene Atmosuppe, die Drehbuchautor/Regisseur Scott Frank in Hell’s Kitchen und Washington Heights anrührt.

Alles gut, alles solide, mit einem harten Ausreißer nach unten: „The X Factor USA“-Rapper-Kid Brian „Astro“ Bradley spielt den in der Buchreihe wiederkehrenden Straßenjungen TJ und der wirkt mit seinem abgeschmackten Ghetto-Talk und der miesen und aus Scudders Sicht fahrlässig-unnachvollziehbaren Handlungsteilnahme wie ein yo-yo-yo’ender Anachronismus. Die Szenen mit „Astro“-Boy reißen komplett aus der Stimmungsdichte von „A Walk Among the Tombstones“ heraus, als liefe da zwischendurch ein komplett anderer Film, in dem Liam Neeson sich eines Seitengassenbengels annimmt. Statt einer „Leon – Der Profi“-mäßigen Beziehung zwischen verlorener jugendlicher Unschuld und Mentorfigur aus dem gesellschaftlichen Halbschatten ist das hier nur zum Augenverdrehen, jedesmal wenn „Astro“ an den Start geht und Neeson sein gezwungenes Rumgeslange erklärt. Bradley schafft’s zwar, das noch einigermaßen zurückhaltend und ohne zu nervige Attitüde zu spielen, doch trotz Vorlagentreue ist’s für seine Figur einfach der falsche Film.

Liam Neeson, Boyd Holbrook und Dan Stevens in A WALK AMONG THE TOMBSTONES

Davon ab ist „A Walk Among the Tombstones“ ein guter Thriller ohne wirklich herausragende Qualitäten. Die früh enthüllten Killer sind abstoßende Gesellen, aber dennoch perverse Psychos von der Stange, Freaks im Van aus der Fundgrube, in der sich Thriller-Macher üblicherweise bedienen, denen man aber trotzdem plotgerecht die Pest, oder in diesem Fall: den Scudder an den Hals wünscht. Den hat man als unehelichen Nachkommen der Sam Spades und Philip Marlowes dieser (Noir-)Welt ebenfalls schon zuhauf gesehen und „A Walk Among the Tombstones“ geht das mit AA-Meetings, einer zweckmäßigen Bude inmitten des Molochs und zerschlissener Kleidung sehr alphabetär an, aber eben mit dem verlässlich-überzeugenden Neeson. Pulsfördernde Hetzjagden ob zu Fuß oder im Auto, bleihaltige Auseinandersetzungen und sonstiges Karacho-Entertainment sind noch vor den Opening Credits erledigt, danach ist „A Walk Among the Tombstones“ reife Krimikost und als solche durchaus nahrhaft und verträglich.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Geschossen wird am Anfang und am Ende, dazwischen geht es eher mit konzentrierter Ermittlungsarbeit voran, weniger mit Waffengewalt und Fäusten.
Spannung: 3/5
Durchaus stimmungsvoll, spannend und dicht – bis auf jene Ausrutscherszenen mit Ghettokid TJ.
Anspruch: 1,5/5
Setzt nicht auf verwirrende Wendungen und verkomplizierte Plotmechaniken, sondern serviert geerdeten Thrill, der aber nicht ohne übliche Klischees wegkommt.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 4/5
Liam Neeson ist gemacht für solche Rollen und spielt das souverän bis einnehmend runter.
Regie: 3/5
Scott Frank sitzt seit ewig an dem Projekt und man merkt ihm durchaus an, dass er eine Menge Herz und Verstand für den klassischen Film Noir besitzt und hier einfließen ließ.
Fazit: 6/10
Straighter Krimi, sehenswert vor allem dank Liam Neeson. Kann leider die Stimmungsdichte nicht immer ganz halten.

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