AVENGERS: AGE OF ULTRON – Kritik zum Marvel-Mega-Sequel von Joss Whedon (Kino)

Story

Die Avengers sind wieder vereint: im zentralosteuropäischen Sokovia greift die Heldeneinsatztruppe um den Supersoldaten Captain America, Iron Man und Donnergott Thor einen HYDRA-Stützpunkt an und es gelingt ihnen, das Zepter von Thors Bruder Loki den Klauen des diabolischen Baron Wolfgang von Strucker zu entreißen, der in seiner Festung mit Hilfe des außerirdischen Machtgegenstandes schreckliche Experimente an Menschen durchgeführt hat. Bevor das Zepter mit Thor nach Asgard gehen soll, machen sich nun ihrerseits Tony Stark und Bruce Banner an die Erforschung seiner Kräfte. Starks Plan ist es, eine ganze Legion seiner ferngelenkten und zentralgesteuerten Iron Man-Anzüge zum Schutz der Erde zu positionieren und sie von einem Friedenswächterprogramm namens Ultron führen zu lassen. Tatsächlich gelingt es, die künstliche Intelligenz zum „Leben“ zu erwecken – jedoch mit verheerenden Folgen: Ultron glaubt, in den Avengers und den Menschen selbst die größte aller Gefahren zu erkennen und setzt sich kein geringeres Ziel, als die komplette Auslöschung des Planeten zur Schöpfung einer besseren Welt…

Die Filmkritik

Die Rächer in Action in AVENGERS AGE OF ULTRON
Nach Sequel, Prequel und Reboot ist es DAS neue Ding in Hollywood: Shared Universes. Jeder braucht das jetzt, seitdem Marvel mit dem Prinzip einer großen, verknüpften Filmwelt Milliardenerfolge feiert und die Beiträge des Cinematic Universe nun schon seit Jahren regelmäßig zu den Leinwandhighights der Blockbuster-Seasons gehören. Die Konkurrenz von DC, die „Transformers“, die Marvel-Lizenzen drüben bei 20th Century Fox und sogar die gerebooteten „Ghostbusters“ – JEDER braucht das jetzt, sein MCU-Pendant. Nur bringt’s bislang keiner mit der Stringenz voran, in der Marvel sein zunächst bis 2019 durchdatiertes und –geplantes Mega-Unterfangen unter Aufsicht von Kevin Feige vorwärts pusht. Mit „Avengers: Age of Ultron“ steht nach „Iron Man 3“, „Thor: The Dark World“, „Captain America: The Winter Soldier“ und „Guardians of the Galaxy“ nun der Allestopper aus Phase 2 des MCU parat. Und scheitert überraschend an seiner Erfüllungspflicht…

„Age of Ultron“ erscheint nicht wie der kontinuativ-bombastische Cumulus-Höhepunkt der sehr starken Phase 2 des MCU, sondern fühlt sich in seinem Primärplot wie ein entbehrliches Add-On an, das krampfhaft nach Zugehörigkeit sucht und gleichzeitig weit vom Level des Hauptspiels entfernt ist: ein netter Bonusfilm für Fans, viel Eye Candy und Nerd-Zucker, aber kaum Unbedingtheit und nur in ein paar Sekundär- bis Dezimär-Ereignissen von Belang für das, was da voran ging und folgen wird. Um’s trotzdem unbedingt zu betonen: „Age of Ultron“ ist von der ersten Sequenz an schwer unterhaltsam, Cap & co. gemeinsam in Action zu sehen macht natürlich jederzeit Laune und der schiere Level an Bombastogasmus setzt bei den „Avengers“-Zusammenkünften ganz natürlich mindestens eine Stufe über den Solo-Ausflügen der Helden an, aber außer dieser Fassade ist da diesmal nicht viel mehr. „Age of Ultron“ ist das beschwerliche Ausrichten einer Tretmühle, um von deren Endposition aus Phase 3 einläuten zu können, die Mehrzahl der Stränge dieser komplizierten Apparatur wird aber beim Prozess gekappt oder gar nicht benötigt.
Robert Downey Jr als Tony Stark in AVENGERS AGE OF ULTRON
Das Ding an „Age of Ultron“ ist: es geht hier im Grunde um gar nichts, außer darum, dass der big purple guy am Ende noch ein bißchen angepisster wegen dieser aufsässigen Heldenbauern ist, die sein interstellares Schachspiel nicht nach seinen Zügen mitspielen. Die Story um das Zeitalter des Roboters scheint um Relevanz weitenteils nichtmal bemüht zu sein, allein der Entstehungsprozess und die „Geburt“ Ultrons und seiner Ziele dürften nur ein paar wenige Scriptzeilen eingenommen haben. Eine Stark/Banner-Bastelmontage hier (die kompositorisch immerhin direkt aus der Heftchenwelt stammen könnte), eine eilige Selbstgewahrwerdung da und schon betritt er die Bühne, der blecherne Bösewicht, dem für seine Motive kaum Anlass anhaftet und für dessen Aufbau, in physischer wie metaphorischer Form, die entscheidenden Vor- und Verläufe fehlen (warum ist eine Entität des vorgesehenen Friedenswächters nicht vorher mit den Avengers unterwegs und beginnt an seiner Aufgabe zu zweifeln, bevor er sie von einem informatorischen Nullpunkt aus gleich komplett missinterpretiert?).

Robo-Ultra Ultron rettet kaum etwas von seiner übermächtigen und unbesiegbar scheinenden Aura aus den Trailern in den Film, seine Evolution vom Verschleißteil-Puzzle zum vibraniumverstärkten Vernichter ist unspektakulär, seine Persönlichkeit und die für ein künstliches Wesen eher flapsige Rhetorik haben nichts einschüchterndes und sind ziemlich erkenntnisarmes Gestammel und das er die Avengers in keiner Auseinandersetzung physisch besiegen kann ist lahm: Ultron strahlt nicht mehr Ernstzunehmbarkeit als ein ausbüchsender Teenager auf Krawalltour durch die City aus, nicht mehr Bedrohung als die Lästigkeit eines Computervirus. Malware, die man schlecht wieder von der Festplatte kriegt. Ungefähr in diesen perzeptorischen Störfaktorregionen ist auch sein Stellenwert im MCU anzusiedeln; ach scheiße (sorry Cap 😉 ), Stark hat ‘ne künstliche Intelligenz geschaffen, die jetzt Randale macht, eigentlich hätten wir alle besseres zu tun (Cap den Winter Soldier finden, Black Widow und der Hulk ihre Beziehung definieren, Thor mit seiner Jane abhängen oder Loki auf Asgards Thron enttarnen,…), aber erledigen wir das halt kurz mal, Avengers assemble!
Superroboter-Schurke Ultron in AVENGERS AGE OF ULTRON
Zwar beginnen da ob Starks eigenmächtigem Schöpferkomplex einige Konflikte zu köcheln, doch die Risse im Team der Rächer müssen durch Mind Trickery der Scarlet Witch angefacht werden, durch traumatisierende Flashbacks und Flash Forwards, und das erweist sich nicht gerade als der Erzählkunst hellster Kniff. Misstrauen und Kompetenzgebalge gab’s zuvor schon zwischen den Helden und wurden vom God of Mischief Loki und dem gelben Infinity Gem noch vor ihrer Zusammenkunft entfacht, da schafft „Age of Ultron“ nicht den dramatischen Impact, den der Kampf zwischen Hulk und Hulkbuster-Rüstung oder der Kehlengriff des Asenhünen an Stark heraufzubringen schienen. Die Frage nach dem eigentlichen Übel, also den Avengers selbst, den angebrachten Zweifeln an einer Gruppe von Supermenschen und Starks Überwachungsplänen – das steht irgendwie isoliert neben dem Handeln des Films und Ultrons bröckeling untermauerte Behauptungen zwingen Captain America einen emotionalen Appell ab, aber weiter reicht die Thematik nicht.

„Age of Ultron“ hat eben wenig Zeit und Platz für Maß und Belang. Das Figurenarsenal will verwaltet und erweitert werden, wo der Abschluss von Phase 1 seinerzeit voll mit den etablierten Charakteren loslegen konnte, vom zielgenauen Hawkeye abgesehen hatten da alle ihre Auftritte absolviert (der Bogenschütze bekam lediglich seinen „Thor“-Cameo), muss Whedon in „Age of Ultron“ die Einführung frischer Kräfte bewältigen, muss mehr kreieren statt weiterzuverarbeiten und stellt sich in diesem Prozess wider Erwarten sehr viel weniger einprägsam an. Die Fingerakrobatin Scarlet Witch, der rasende Quicksilver, Ultron und schließlich The Vision – keine dieser Figuren löst den ganz großen »hallo, da bin ich und das kann ich, seid begeistert«-Moment aus (wie das mit Quicksilver geht hat „X-Men: Days of Future Past“ im letzten Jahr erst eindrucksvoll vorgemacht). Iron Mans Anzugkinkerlitzchen, Caps harte Combat-Akrobatik mit Schild, Hulks rasende Zerstörungsorgien und Thors hammerschwingende Blitzgewitter sind noch lange nicht ausgelutscht, aber ein paar herausstechendere frische Impulse hätten trotzdem gut getan.
Der Hulkbuster in AVENGERS AGE OF ULTRON
Denn in „Age of Ultron“ hat selbst der Superheldenbombast seine Kehrseite: die Actionszenen wirken sehr abrupt und abgehastet, bisweilen schusselig, prägnante Momente gehen in kleinteiligen Versprenkelungen der Gruppe fast völlig unter, schnell muss noch der Hammer durch’s Bild rasen, dann das Schild geworfen und Repulsorstöße abgefeuert werden, ehe der große Grüne durch’s Bild wütet und die Rothaarige einem Gegner den Kopf verdreht. Fähigkeiten- und Aktionen-Jambalaya mit vielen Momenten, die vor’m Auge passieren, aber das Gedächtnis nur streifen. Zum Großteil auch, weil man schon zu viel vom ähnlichen im Gedächtnis hat: Blechbüchse vs. Blechbüchse in „Iron Man“, zwei Blechbüchsen gegen ganz viele Blechbüchsen in „Iron Man 2“, die Rächer gegen gesichtslose Chitauri-Massen in „Avengers“, ganz viele Blechbüchsen gegen gesichtslose Hitzemenschen in „Iron Man 3“, jetzt die Rächer gegen ganz viele Blechbüchsen – Art und Aufkommen der Gegner ähneln sich arg stark, sobald Tony Stark involviert ist.

Das Finale von „Age of Ultron“ ist dann nach einer sehr generischen globalen Schurkenjagd kaum mehr als eine Verquickung der beiden großen Actionhöhepunkte von „Avengers“ (dem Helicarrier-Absturz, lediglich in der Vertikalen gespiegelt, und der Schlacht von New York) mit den End-Fights aus „Iron Man 2 & 3“. Ultrons Eisenkameraden werden auseinandergepflückt und für diesen Vorgang gibt es trotz der Neuzugänge auf Seiten der Helden nicht mehr genügend Variationen, um das ein weiteres von schon zuvor zu vielen Malen so richtig aufregend zu gestalten. Am aussichtslosetesten Punkt gibt’s den Deus ex machina, der zusammen mit den Schlussbildern gleich noch die umwälzenden Ereignisse aus „The Winter Soldier“ halb revidiert und was von „Age of Ultron“ bleibt ist das unbestimmte Gefühl eines Brückenfilms, in dessen zweieinhalb Stunden nur eine Handvoll Minuten und Geschehnisse wirklich etwas zum MCU beizutragen haben. Da gerät’s auch zum hausgemachten Klotz am Bein, dass dessen Phase 3 bereits komplett angekündigt, ausdatiert und zum Teil besetzt ist, weshalb von vornherein überwiegend klar ist, welche Helden Ultrons Zeitalter unbeschadet überstehen und in welche Konstellationen es sie für zukünftige Abenteuer aufstellt. Über allem hängt halt der 2018 und 2019 ausgetragene „Infinity War“, alles andere ist nur zweckbiegendes Scharmützel…
Thor, Iron Man und Captain America in AVENGERS AGE OF ULTRON
Wer mehr als 141 Minuten lange Superhelden-Action nicht erwartet dürfte zufrieden aus „Avengers: Age of Ultron“ spazieren, rein darauf reduziert ist das Erlebnis des Films wie gesagt auch unterhaltsam und gar nicht so viel düsterer als der erste „Avengers“ (die Gags sind da, sie sind nur nicht so gut), doch gerade nach den künstlerisch ansprechenden Varianzen der High Fantasy in „Thor: The Dark World“, dem Polit-Thriller Game Changer „Captain America: The Winter Soldier“ und der (noch) etwas abgekoppelt zu betrachtenden Space-Oper „Guardians of the Galaxy“ ist „Age of Ultron“ eine gefühlte Mischung aus einem Schritt zurück und einem zu weit für das MCU. Ja, der Film ist Bombast pur, Blockbusterkino auf hohem Niveau und alles, er ist nur auch in keinem Belang besser als einer seiner Phase 2-Vorgänger. Schon Whedons erster „Avengers“ hatte ein paar Szenen nur drin, um die Fans der Recken ausgeeken zu lassen, und davon gibt es in „Age of Ultron“ nun noch um ein vielfaches mehr, ohne dass daran Plotrelevanz gebunden wäre. Das bei dem ganzen über- und andersweltlichen Superspektakel der Fokus immer wieder auf den menschlichsten Helden der Gruppe liegt ist ein ganz lobenswerter Gedanke, nur ist er nicht sonderlich gut umgesetzt, da ein vernachlässigter Charakter wie Bogenbube Hawkeye so nicht plötzlich zum emotionalen Zentrum wird und der Story zwischen Bruce Banner und Natasha Romanoff mindestens ein ganzer Zwischenfilm fehlt, „Black Widow: Pussyfication of the Hulk“ oder so, um hier zu überzeugen. Avengers disassemble. Sammelt euch jeder für sich und sortiert euch neu, eine Atempause haben nach „Age of Ultron“ alle bitter nötig…

Wertung & Fazit

Action: 3.5/5

Ganz viel, ganz bombastisch – aber daran erstickend und auch nicht so umsetzungssicher, wie man das im MCU schon erlebt hat. Gegen die geerdeteren Duelle aus „The Winter Soldier“ kommt auch purer Exzess nicht an, wenn er einen nicht ans Geschehen bindet…

Spannung: 1.5/5

Macht fast durchgehend Tempo, aber Ultrons Bedrohung wird nie richtig konkret und so wird halt von hier nach da gehetzt, um am Ende diese und jene Aparatur ausschalten zu müssen. Been there, done that…

Anspruch: 0.5/5

Die sich anbahnenden Konflikte, die in den „Civil War“ übergehen werden, bleiben blass und unwirksam untergemischt, das menschliche Drama zwischen all der Superaction kommt nicht richtig zur Geltung.

Humor: 0.5/5

Der Film ist nicht, wie vielerorts behauptet, so schrecklich viel düsterer als Whedons erster „Avengers“ – die Gags sind diesmal nur nicht so gelungen.

Darsteller: 3/5

Alles auf Routine für die altgedienten Recken, alles unauffällig in Ordnung bei den Neuzugängen.

Regie: 2.5/5

Beim ersten „Avengers“ konnte Whedon mehr ernten als er säen musste, das ist bei „Age of Ultron“ umgekehrt und gelingt ihm weniger gut.

Film: 5.5/10

Turbo-unterhaltsames Superheldenkino? Ja, schon. Plotredundanter Füllfilm ohne Relevanz? Eben auch das, ja. „Avengers: Age of Ultron“ ist für den einen oder anderen Nerdgasmus gut, aber mit ein bißchen Distanz zur MCU-Vergötterung betrachtet trotzdem der schwächste Phase 2-Film.

3 Kommentare

  1. Ok. Wenn Du jetzt noch Guardians Of The Galaxy über den grünen Klee gelobt hast, beginne ich mich an Deinen Kritiken zu orientieren. Ago of Ultron und Ant-Man waren spot-on, bin beeindruckt… mal sehen.

  2. Ich sehe den Film eigentlich nicht arg viel schlechter als Teil 1, er ist es nur dahingehend, weil er das Meiste aus Teil 1 eben wiederholt. Konnte mit dem hier wenig anfangen, die Action fand ich relativ langweilig, da belanglos. Bei den Transformers-Kämpfen “sterben” wenigstens auch mal Kontrahenten, hier ist das ja alles immer nur Schulhof-Geschubse, das 30 Minuten später beim nächsten Set Piece wiederholt wird.

    Die Handlung ist zudem natürlich, wie du ja auch durchblicken lässt, ein Witz. Ultron ist wie so oft bei Marvel eine eindimensionale Karikatur die nur als Vorwand für CGI-Gewitter dient, die meiste Zeit macht die Geschichte sogar absolut keinen Sinn, wenn man sich die Zeit nimmt – was sicher die wenigsten machen werden – um sie unter die Lupe zu nehmen. Die eigentliche Frage ist ja am Ende des Films: was hat sich jetzt geändert? Bei Teil 1 war am Ende aus vielen einzelnen Helden ein Team geworden. Immerhin das kann man dem Vorgänger attestieren. Hier dagegen hat sich im Grunde nichts geändert. Außer dass Hulk halt aus irgendwelchen Gründen solo in nem Auto-Pilot-Jet durch die Wolken düst (aber natürlich spätestens für Infinity War Teil 1 wieder zurückkommt). Age of Ultron ist eine reine Box Office Pflichtschuldigkeit – anders kann man das bei allem Fan-Denken sicher nicht sagen. Und warum Thanos so scharf auf die Erde ist, hab ich immer noch nicht begriffen (und bezweifle, dass es in Infinity War aufgeklärt wird). Zuversicht verspricht da an sich nur Civil War, insofern da nicht auch wieder irgendein 08/15-Baddie auftaucht. Ansonsten wird es spannend zu sehen sein, wenn die Figuren sich aneinander reiben, anstatt gegen den Villain of the Week zu boxen.

    1. Civil War im Idealfall natürlich ohne Villain of the Week, Cap gegen Stark und gut. Das wurde mir hier auch viel zu wenig vorbereitet, obwohl ja die Grundsätze der Konflikte durchaus vorhanden sind. Aber am Ende tätscheln sich alle die Bäuche…

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