CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR – Kritik zum Marvel-Blockbuster mit Chris Evans & Robert Downey Jr. (Kino)

Die Story

Einige Zeit nach den Ereignissen um den Kampf gegen die künstliche Intelligenz Ultron im osteuropäischen Sokovia: Captain America Steve Rogers hat ein neues Avengers-Team um sich geschart und ist gemeinsam mit der ehemaligen S.H.I.E.L.D.-Agentin Natasha Romanoff, „Falcon“ Sam Wilson und der telekinetisch begabten Wanda Maximoff auf der Spur des Verräters Brock Rumlow. Im Zuge eines Angriffs von dessen terroristischer Gruppe auf ein Labor für biologische Kampfstoffe in Nigeria kommt es im Kampf mit Rogers und den anderen zu einer verheerenden Bombenexplosion, bei der eine Gruppe von Hilfsarbeitern aus der isolationistischen zentralafrikanischen Nation Wakanda ums Leben kommt. Der Zwischenfall wird zum endgültigen Anlass für den Secretary of State Thaddeus „Thunderbolt“ Ross, die Avengers per Gesetzesbeschluss der Bestimmung der Vereinten Nationen zu unterstellen und jedes eigenmächtige Handeln der Superheldeneingreiftruppe zu unterbinden. Während Rogers sich standhaft weigert, die Vereinbarung zu unterzeichnen und die Menschheit weiter ohne die Einmischung von Regierungen schützen will, hält Tony Stark eine übergeordnete und regulierende Kontrolle und Rechenschaftspflicht der Avengers für den einzig richtigen Weg. Ein ernstzunehmender Konflikt tut sich zwischen den Kampfesgefährten und Freunden auf, der sich unausweichlich verschärft, als Rogers’ bester Kumpel Bucky wieder auftaucht und der gehirngewaschene Winter Soldier nach einem Bombenattentat als eines der höchsten Fahndungsziele ausgeschrieben wird…

Die Filmkritik

Noch zu Diskussionen bereit - Tony Stark und Steve Rogers in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
Welcome to Phase 3: Marvels Cinematic Universe rollt ungehindert weiter, mit Anthony und Joe Russos „Captain America: Civil War“ startet der mittlerweile dreizehnte Film der gigantischen Comicverfilmungsmaschinerie unter Leitung von Produzent Kevin Feige, neun weitere werden bis 2019 folgen und dann hat der Branchenriese längst die Pläne für einen umkrempelnden Übergang in Phase 4 im Schrank. Ein Ende der Marvel-Macht ist also noch lange nicht, wenn überhaupt, in Sicht und so ein bißchen bohrt ja bei jedem neuen Outing die Frage im Hinterkopf: wann ist’s genug? Wann setzt die Übersättigung ein, die sich bei den bisherigen Durchhängern des MCU im Mittelteil der ersten Phase und dem plotredundanten Füllfilm „Avengers: Age of Ultron“ bereits bemerkbar machte? Denn wenn… THWIP! Spider-Man swings in and grabs Flynns laptop. »Hey, this review just got interrupted by your friendly neighborhood webslinger, and the movie is awesome, dude! So stop tricking those webheads into thinking you might haven’t enjoyed it. See ya at „Homecoming“, clickbait!« Spider-Man throws back the laptop and swings out.

Hey, ich bin kein Klickbettler! Aber ansonsten hat der Netzkopf recht, „Captain America: Civil War“ ist awesome und macht richtig Spaß. Die Russo-Brüder merzen jede Spur von Superhero Fatigue aus, knüpfen gekonnt an den geerdeteren Verschwörungs- und Polit-Thrill des Cap-Vorgängers „The Winter Soldier“ und an den Bombast-Level des kompromissgeschädigten „Age of Ultron“ an, der aber durch die Events in „Civil War“ einiges an nachträglicher Berechtigung erhält. Der Kampf um Sokovia, dieses ermüdende Zusammengekloppe der Scharen von Abkömmlingen des vibraniumverstärkten Robo-Hooligans, schießt reichlich Pfäden in die Handlung und Figurenentwicklung von „Civil War“. Die Avengers werden mit den Folgen einstürzender Gebäude und des Einsatzes ihrer Superkräfte auf politischer und persönlicher Ebene konfrontiert, was ohne die ratingbedingt-klinische Reinlichkeit ihrer Schlachtfelder sicher noch ein bißchen deftiger rüberkäme, aber überzeugend entscheidende Wunden in die ohnehin empfindliche Statik der Eingreiftruppe reißt, wenn ihnen Opfer entgegentreten und Amateuraufnahmen der Katastrophen von New York, Washington und Sokovia ihre Auseinandersetzungen aus der Perspeketive der Nichtsupermenschen am Boden und inmitten der Trümmer zeigen.
Angespannte Lage - Emily VanCamp, Anthony Mackie, Scarlett Johansson und Chris Evans in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
Die Folgen städteweiter Vernichtung, die Anklage durch die Hinterbliebenen des heldeninduzierten Chaos, die Verantwortlichkeit für das Handeln dieser besonderen Menschen, das Misstrauensvotum von Politik und Bevölkerung, die two sides of the coin Rogers und Stark, ihr unausweichlicher Kampf – „Captain America: Civil War“ fischt offensichtlich in ähnlichen Gewässern wie Ende März der DC-Clash „Batman v Superman: Dawn of Justice“, doch während Zack Snyder den See mit Dynamit bewarf und nur verkohlte Reste ins Boot zog angeln die Russos ihre saftigen Fische mit der nötigen Geduld und vor dem Hintergrund des gesamten Vorgänger-Dutzends. Hier wird tatsächlich mal diskutiert über Fragen zu staatlicher Überwachung und Handlungsautonomie, über das Recht auf Bestimmung selbsternannter Rächer und Gerechtigkeitskämpfer, die nach ihren eigenen moralischen Vorstellungen handeln und Feindbewegung durch ihr bloßes Auftauchen exponentiell verstärkt haben, wie der synthetische Vision kühl kalkulierend vorrechnet.
Schurke im Hintergrund - Daniel Brühl als Baron Helmut Zemo in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
Den Konflikt und die Motivationen von Cap und Iron Man und den sich zusammenfindenden Teams um sie herum halten die Russos stets ausbalanciert, es gibt keine Seite, die hundertprozentig richtig oder hundertprozentig falsch liegt und das ausgerechnet der zu Beginn seiner Superheldenkarriere so aufsässige Stark (man denke nur an sein Gerichtsduell mit Garry Shandlings Senator Stern in „Iron Man 2“) im „Civil War“ auf die Seite der Regierungshörigkeit rückt verleiht der Auseinandersetzung ihre Brisanz und Komplexität, denn in seinem Falle hat sich eine Haltung über mehrere Filme entwickelt und gewandelt, die Ereignisse, deren Zeuge der Mann in der Blechdose wurde, haben ihn verändert. Während Rogers an Werten festhält, die er aus einer anderen Zeit in ein Heute zu retten versucht, in dem er noch immer fremd ist, zu dem diesem Relikt des Zweiten Weltkriegs noch immer der Zugang fehlt und seine Vorstellungen von Kameradschaft und Ehrbarkeit mit außenpolitischen Interessen kollidieren und das Konzept eines weltpolizeilichen „Captain America“ von grundauf kritiksch gesehen wird.

Doch Caps Seite hat die Argumente der Gefährlichkeit einer in ihren Interessen wandel- und korrumpierbaren Obrigkeitengewalt für sich: was, wenn die Avengers Kampfe führen sollen, die sie nicht führen wollen? Aus Kämpfen herausgehalten werden, die möglicherweise sie führen müssten? „Captain America: Civil War“ zieht klare Linien und wirft doch graue Schatten über die Standpunkte, die Rogers und Stark trennen und letztlich auseinander und in den offenen Kampf treiben. Obwohl der Film dabei sicher nicht jeden Argumentationswinkel bis zehn Ziffern hinter’m Komma auswertet und auch nicht bis ganz tief in die politischen, wirtschaftlichen und emotionalen Kernkonflikte des Streits eintaucht (schließlich ist das hier auch noch ein Action- und Fun-Blockbuster und keine Masterthesis über statt mit Superhelden) gelingt es den Russos ganz hervorragend, zumindest die Mehrzahl der Partizipanten von #TeamCap und #TeamIronMan überzeugend an die Seite ihrer jeweiligen Rädelsführer zu bringen, ohne die Zusammensetzung der Roster ausgewürfelt wirken zu lassen, mögen die Gruppen in der Entwurfsphase auch mit Blick auf’s stimmige Kräfteverhältnis entworfen sein.
Team Cap formiert sich mit Hawkeye Jeremy Renner, Scarlett Witch Elizabeth Olsen und Winter Soldier Sebastian Stan in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
Nicht jede Figur wird dadurch in „Captain America: Civil War“ unbedingt entscheidend weiterentwickelt, während die „Age of Ultron“-Neuzugänge Vision und Scarlet Witch deutlich mehr Profil bekommen, bleiben Scarlett Johanssons Black Widow und Don Cheadles War Machine komplett beim Gewohnten stehen. Gebt’s halt wenigstens Leather Boobs endlich ihr Solo, #TeamRomanoff! Trotzdem bekommen alle so ihren Zwei- bis Fünfzeiler, um ihre Position zu begründen, abgesehen vielleicht von „Ant-Man“ Paul Rudd, der mitmachen darf, weil er Falcon Anthony Mackie in seinem Solo-Film übertölpeln konnte. Der Auftritt des Schrumpflings ist ein Indiz dafür, dass „Captain America: Civil War“ für Quereinsteiger ins MCU überhaupt kein Trittbrett mehr bietet, die Russos starten fast nichts von einem gemeinsamen Handlungs/Publikums-Nullpunkt und ohne Vorwissen, wo die Helden herkommen und worauf die ganzen Injokes abzielen, ist man hier heillos verloren – aber warum sollte überhaupt irgendwer beim dreizehnten Film einer Reihe aufspringen wollen…

Wenngleich dem „Civil War“ in der siebenbändigen und mehrere weitere Marvel-Serien überspannenden Comicvorlage von Mark Millar und Steve McNiven ein anderer Grundsatzkonflikt (der Superhero Registration Act und die Offenlegung der geheimen Identitäten) zugrunde liegt und noch weit mehr Helden involviert (beispielsweise macht sich ein gewisser „Deadpool“ im Rahmen des Story Arcs auf die Jagd nach den Verweigerern der Verordnung), ist es doch beachtlich, wie die Russos die Fülle an MCU-Bezügen und -Figuren hier unter ein Cape kriegen, die Übersicht bewahren und sich Zeit für ruhige Charaktermomente nehmen und dann in ein überwältigendes Actionausmaß umschlagen, dem die Intimität in den Beziehungen zwischen den Avengers nicht verloren geht. Mit Caps und Black Widows Close Combat-Fähigkeiten, dem zurückkehrenden Bucky Barnes, den Sebastian Stan hier deutlich facettenreicher anlegen kann, und der Einführung des katzenhaften Kämpfers und wakandischen Prinzen T’Challa aka Black Panther können die Russos den direkten und bockharten „Bourne“-Stil aus „The Winter Soldier“ erneut perfekt einbringen.
Team Iron Man formiert sich mit Black Panther Chadwick Boseman, Vision Paul Bettany, Black Widow Scarlett Johansson und War Machine Don Cheadle in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
Die Faust- und Nahkampfwaffenduelle hauen gewaltig rein, doch „Captain America: Civil War“ dreht richtig auf, wenn’s an den großen Power Show off geht: das Zusammenspiel der unterschiedlichen Kräfte der Avengers war schon in Joss Whedons Rächer-Abenteuern ein Highlight, das Gegeneinander der Helden allerdings ist atemberaubend, wenn auf dem Flughafen Leipzig/Halle schließlich die Dämme der Zurückhaltung brechen und die Teams um Cap und Iron Man aufeinander losgehen. Der Abwechslungsreichtum, die Dynamik, die Finesse und die inszenatorische Klasse dieser Sequenz sucht im MCU ihresgleichen und übertrumpft die ellenlangen Kloppereien mit gleichförmigen Chitauri- und Ultron-Horden bei weitem. Man fiebert für beide Seiten mit und das eigentlich niemand gewillt ist, einen entscheidenden Schlag gegen den anderen zu setzen, macht das Gefecht umso packender, in den Ausgängen der einzelnen Scharmützel offener und unberechenbarer und was die Russos ihrem Helden-Ensemble hier nach so vielen Einzel- und gemeinsamen Einsätzen noch an Moves entlocken können ist schlicht der Hammer. Obwohl Thor gar nicht eingeladen ist.

Der Showstealer und -stopper von „Captain America: Civil War“ lag natürlich schon seit seiner Ankündigung irgendwie auf der Hand: the spectacular Spider-Man! Der neunzehnjährige Tom Holland hat sich die Posen und Quips des Webslingers draufgeschafft und verschießt seine Netze so gekonnt wie die frechen Sprüche, mit denen er die geradezu überrumpelten Avengers eindeckt. Der MCU-Spinner wird perfekt eingeführt (sogar mit einer schlüssigen Erklärung für seine mechanisch beweglichen Augen, die Stark ihm spendiert), ein fanboyiger Teen im Kreise großer Idole, aber trotz seiner kackendreisten und unbekümmerten Jugendlichkeit mit enormer Stärke ausgestattet, beides demonstriert er dem Winter Soldier und Falcon in ein paar der besten Momente des Films. Nach knapp zehn Minuten Screentime gegenüber drei Auftritten von Tobey Maguire und zweien von Andrew Garfield (der das trotz deutlich schwächerer Filme ja auch nicht völlig verkehrt gemacht hat) ist’s zwar nicht ganz angebracht, Holland bereits als besten Spidey zu feiern, aber die Marvel-Macher bekommen schon in diesen zehn Minuten all die Dinge besser hin, wegen derer Maguire und Garfield eben nicht die perfekten Wandkrabbler waren. Die Bindung des tüftelnden Peter Parker zu Tech-Genie Tony Stark legt zudem gleich ein wunderbares Fundament für „Spider-Man: Homecoming“, in dem sich Holland und Downey Jr. 2017 wiederbegegnen werden (und pass dann bloß auf deine heiße Tante Marisa Tomei auf, underoos!).
Toller Auftritt - Tom Holland als Spider-Man in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
„Captain America: Civil War“ reiht sich neben „Iron Man“, „The Avengers“, „The Winter Soldier“ und „Guardians of the Galaxy“ unter den besten MCU-Einträgen ein und schafft es, die Figuren- und Handlungsfülle trotz einiger kleiner Ächzer zu einer kohärenten und packenden Konflikt- und Storyführung zu verbinden, die ebensoviele begonnene Wege weitergeht, wie neue eröffnet. Vor der allerletzten Konsequenz mag der Film am Ende etwas zurückschrecken, auch wenn die Schlusskonfrontation einen tief persönlichen Downer für einen der Helden parat hält, wenn sich die Pläne eines die Fäden aus der Vergangenheit auflesenden und verknüpfenden Gegners aus dem Schatten offenbaren. Selbiger kommt um die schurkischen Redundanzen des MCUs nicht ganz herum: schon Loki wollte die Avengers gegeneinander aufhetzen und ihre Zusammenkunft im Keim ersticken, »we will tear them apart, from the inside« gehörte zu den Mantras von Ultron, und auch in „Captain America: Civil War“ findet sich dieses Zersetzen von Innen heraus wieder, aber immerhin in einer thematisch stimmigen und lediglich die Hintergrundinstrumente des laut posaunenden Konfliktes orchestrierenden Variante, statt sich mit eigenen Superkräften mit ins Konzert zu werfen.
Seite an Seite - Cap und Bucky in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
Bei den ganzen schweren Themen und großen Action Set Pieces finden die Russo-Brüder dennoch reichlich Platz, ihren Comedy-Background zu bedienen: die haben gemeinsam und in Einzelarbeit zig Folgen von „Arrested Development“, „Community“ und „Happy Endings“ gedreht und produziert und in Gag-Güte und -Aufkommen ist „Captain America: Civil War“ vielleicht sogar der witzigste Film des bisherigen MCU, say whaaaaaat?!? Das eigene Establishment und dieser ganze Superheldenwahnsinn bekommen kesse Sprüche verpasst, ohne dass der Film darüber vor lauter selbstironischem Gezwinker den Fokus und geschulten Blick für das Gewicht seiner Handlung einbüßen würde. Richtig amüsant auch die Szenen, in denen diese kampferprobten Supermenschen mit Alltag konfrontiert werden und darauf reagieren, ein bulliger Winter Soldier hat halt schwerlich auf der Rückbank eines Kleinwagens Platz und manchmal sind die Kostümträger und Weltretter eben selbst nur ulkende und spitzbübische Jungs. Dazu kommen Starks arrogante Spitzen, die mehr denn je sein brechendes Ego verbergen müssen und ein herrlicher „Community“-Cameo (den zumindest bei meinem Kinobesuch niemand kapiert hat, glaube ich…).
Showdown zwischen Cap Chris Evans und Iron Man Robert Downey Jr. in CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR
„Captain America: Civil War“ schafft es, dass man nach zweieinhalb bis zum Bersten gefüllten Stunden sofort Bock auf die nächsten sechs Marvel-Filme hat, die Story kommt zu keiner finalen Konklusion, obwohl angesichts des Schedules, den das MCU bis 2019 und hin zum „Infinity War“-Doppel fährt, einigermaßen klar ist, was oder besser gesagt: wer die Avengers erneut assemblen wird. Da hockt schließlich noch der big purple guy auf seinem Schwebethron rum. Bis der sich auf die Erde bequemt ist aber noch viel zu tun mit den Debüts von „Doctor Strange“ und „Captain Marvel“, dem nächsten Space-Trip der „Guardians of the Galaxy“, sowie den kommenden Solonummern „Spider-Man: Homecoming“, „Thor: Ragnarok“, „Black Panther“ und „Ant-Man and the Wasp“. Aber her damit, her mit allem davon, am besten gestern!

Wertung & Fazit

Action: 5/5

Allein für den Flughafen-Fight in Leipzsch würd’s schon die volle Punktzahl geben, aber auch sonst bietet „Captain America: Civil War“ mit die beste Action des gesamten Superheldengenres. Großartige, abwechslungsreiche Kämpfe und ein unglaublich geiler Variantenreichtum an Moves und Skills. (Minor flaw: warum greift Li-La-Launavenger Vision eigentlich trotz seiner übermächtigen Kräfte so wenig ein…?)

Spannung: 3.5/5

Pegelt nicht konstant am oberen Limit rum, der Film zieht aber immer wieder enorm an Tempo und zunehmend an psychologischer Anspannung zwischen den Kampfesfronten an.

Anspruch: 2.5/5

Der Konflikt zwischen den Teams um Cap und Tony wird vielschichtig behandelt und emotionalisiert sich zunehmend über die politischen Dimensionen hinaus zum Psychotest für die Helden – ganz doll tief dringen die Fragen um die Regulierungsgewalt von Regierungen und die Verantwortung von Helden dann aber auch wieder nicht vor. Dennoch mehr als karges Blockbuster-Getöse.

Humor: 3.5/5

War vorher schwer vorstellbar, aber „Civil War“ ist der bislang vielleicht witzigste Marvel-Film überhaupt, weil hier nahezu jeder Gag zündet, die vielen Injokes ‘ne wahre Freude sind, ohne dass der Film in den entscheidenden Momenten den Ernst der Lage aus den Augen verlieren würde.

Darsteller: 4.5/5

Tolle Neuzugänge mit Chadwick Boseman und Tom Holland, die gerne direkt nach dem Abspann von „Civil War“ in ihre Solo-Abenteuer starten dürften. Daniel Brühl ist eine Bereicherung für Marvels schwaches Schurkenkontingent und den alteingessessenen Helden macht in ihren Rollen eh keiner mehr was vor.

Regie: 4.5/5

Die Russo-Brüder bestätigen nach dem schon tollen „The Winter Soldier“, dass Marvel mit ihnen auf die richtigen Leute hinter der Kamera setzt. Bei denen dürfte auch der aufziehende und nochmal gewaltigere und überfülltere „Infinity War“ in besten Händen sein.

Film: 9/10

„Captain America: Civil War“ ist bestes Marvel- und Blockbuster-Entertainment, bei dem die Konflikte zwischen den Figuren ebenso stimmig ausgearbeitet und umgesetzt werden, wie die saucoole Superhelden-Action und der Humor. Ganz klar einer der besten Filme des MCU und deutlich besser als zuletzt „Age of Ultron“ im Umgang mit seinen aus allen Nähten platzenden Umfängen. Und Spidey ist sowas von amazing!

14 Kommentare

  1. Ja, Spidey war ein Traum. Ich mochte auch Black Panther sehr… und den Rest sowieso. Selbst einen Daniel Brühl. Anfangs dachte ich noch, was das denn für ein “Bösewicht” sein soll, aber wenn man dann alles offenbart bekommt, ist er schon verdammt cool.

    Alles in allem mein neuer Marvel-Lieblingsfilm….

    1. Ja, Brühl hat den Konflikt zwischen Cap und Stark halt nicht an sich gerissen und überlagert (wie z.B. Luthor mit seinen Plänen gegen Ende von BvS), den fand ich in all seiner unscheinbaren “Normalität” als Gegenpol genau richtig. Insgesamt sind wir uns diesmal sehr einig 😉

  2. Fand den erschreckend meh. Banale “Geschichte” (existiert ja kaum eine), mit wieder mal verschenkter und nicht ausgearbeiteter Villain-Figur. Der Konflikt zwischen den Figuren ist unwahrscheinlich konstruiert, der Film aufgrund des unnötig aufgeblasenen Ensembles völlig überfrachtet. Visuell sieht das Ganze dermaßen langweilig aus, weil jeder Marvel-Film (und es kommen inzwischen ja gefühlt 3 pro Woche raus) gleich aussieht. Uninspirierte Actionszenen, fehlende Charaktermotivationen – während des Films hatte ich mir mehrfach gewünscht, die Filmspur (die ja nicht mehr existiert) würde reißen und stattdessen jemand Batman V Superman einlegen. Zwar auch kein Kracher, aber der macht doch in Nuancen das Meiste von dem besser, was ihn thematisch mit dem hier eint. Schade, dass die Russos nach dem wenn auch nicht tadellosen, doch aber über weite Strecken soliden WINTER SOLDIER so einen Quark abliefern, der böse Erinnerungen an die beiden von Whedon verhunzten AVENGERS-Filme wachruft. Das lässt wahrlich Schlimmes für dessen beide Fortsetzungen befürchten.

    Ich hoffe ja, dass diese Comic-Bubble möglichst bald ihre Hybris erreicht und platzt. Diese Filme sind inzwischen alle dermaßen unkreativ und identisch *schüttel*

    1. Das ist genau der Kommentar, den ich von dir zu diesem Film erwartet habe, lieber Florian 😀 Aber bei sowas herrscht bei uns ja gewohnheitsgemäß Gegenteiltag, mir hat der Civil War nach dem schwächelnden Ultron jedenfalls wieder richtig Bock auf das gemacht, was uns da die nächsten Jahre noch alles “aufgedrückt” wird. Meinetwegen darf sich die Bubble also zumindest Stand jetzt gerne noch weiter aufblähen.

  3. Nach dem doch eher miesen Ultron, wollte ich den eigentlich meiden. Dank dir muss ich jetzt doch los. Na toll. Rechnung für die Kinokarte schicke ich dir dann. 🙂

  4. Ha, hab mich beim “Schulleiter Pelton” auch mal im Raum umgedreht, aber es hat wohl kaum einer erkannt, vielleicht wegen der neuen Syncro.

    Ansonsten triffst du die Punkte genau, vor allem weil das Projekt ja im Vorhinein sehr schwer erschien, mit seinen ganzen Helden, seinem Thriller – Plot und dazu dann noch ein eher humorvoll eingeschlagener Ton. Ich tue mich schwer damit, zu ergründen, was man da wohl hätte besser machen können. War ‘ne Riesenleistung von den Russos und wie ich find auch von den Autoren Feely und Markus. Haben ja bei so einem Comicfilm eher niederes Standing, aber das ist mit seinen Themen und Konflikten schon ein ziemlich gelungenes Skript gewesen.

    1. Ja, das ist schon für all das, was von dem Film gefordert und verlangt ist und was er seinerseits in die Wege leiten muss ‘ne ziemliche Glanzleistung in Sachen rundem Endergebnis. Gerade im Vergleich zu den ganz ähnlich geforderten und überladenen AoU und BvS…

  5. Vielen Dank für diese ausführliche Kritik. Civil War war eines der besten Marvel Events bei den Comics und wie es scheint, haben sie auch beim dem Film den Konflikt bzw. die unterschiedlichen Ansichten der zwei Fraktionen wohl gut ausgearbeitet. Der Trailer hat schon ziemlich Laune gemacht, aber das hatte er bei dem (für mich persönlich im Gegensatz zur Comicfigur zu einseitig fäkalhumorgeprägten) Deadpool auch – darum freue ich mich umso mehr, dass meine Vorfreude in diesem Fall offensichtlich angebrachter ist 😉

    1. Definitiv. Und der Fäkalhumor in CIVIL WAR ist im Gegensatz zu Deadpool hochanspruchsvoll (und nahezu unbemerkt am Publikum vorbeigezogen) 😉

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