Classic: CONAN DER BARBAR

»Between the time when the oceans drank Atlantis, and the rise of the sons of Aryas, there was an age undreamed of. And onto this, Conan, destined to wear the jeweled crown of Aquilonia upon a troubled brow. It is I, his chronicler, who alone can tell thee of his saga. Let me tell you of the days of high adventure!« So spricht’s Makoto Iwamatsu, kurz Mako, mit seinem markanten Organ und aus den Feuern der Schmiede erheben sich der Stahl und Basil Poledouris‘ Main Theme Anvil of Crom, ein mächtiges Stück Musik, das mit seinem archaischen Schlagwerk und den dröhnenden Blechbläsern die Kriegslust aufwallen lässt. Viel deutlicher kann ein Film eigentlich gar nicht einleiten, was er in den folgenden zwei Stunden zu bieten haben wird. Nach fünfjähriger pre-production-Phase mit wechselnden Rechteinhabern, umgeschriebenen Drehbüchern und mehreren Kandidaten für den Regieposten erlebte die Filmwelt 1982 mit Conan der Barbar den Durchbruch des Arnold Schwarzenegger, der nach bespielloser Bodybuilding-Karriere und ersten Gehversuchen in Quatsch wie Hercules in New York oder Kaktus Jack in der Rolle des wortkargen Cimmeriers endlich das passende Gefäß zu füllen bekam.

Story

12.000 Jahre vor unserer Zeit: als Kind muss Conan der Cimmerier mit ansehen, wie sein Dorf von den Kriegern des Thulsa Doom abgeschlachtet, seine Eltern getötet werden. Conan selbst wird verschleppt und in die Sklaverei und zu harter Arbeit gezwungen. Mit eisernem Willen erträgt der Junge sein Martyrium und reift zu einem Mann von schier unermesslicher Stärke. Als Gladiator gelangt Conan schließlich zu Ruhm und wird unzählige Kämpfe später unversehens in die Freiheit entlassen – nach wie vor getrieben von nur einem Gedanken: Rache an Thulsa Doom, dessen verführerischer Schlangenkult sich mittlerweile über das Land verbreitet hat. Nachdem sich Conan der Bogenschütze Subotai und die Diebin Valeria angeschlossen haben liefert ihm König Osric den entscheidenen Hinweis. Dessen Tochter ist in den Bann Thulsa Dooms geraten und Conan erkennt, dass der Weg zu ihrer Rettung auch jener zu seiner Rache ist…

Der Film



»Conan! What is best in life?« »To crush your enemies, see them driven before you, and to hear the lamentation of their women.« Klare Ansage, einfache Geschichte. John Milius‘ Conan der Barbar ist in seinem martialischen Gestus, der auf’s gröbste und deutlichste Motive heruntergebrochenen Handlungsmechanik und nicht zuletzt dem klar (auch ethnisch) getrennten Gut/Böse-Bild keine Extravaganz des Fantasy/Abenteuer-Genres, sondern einer der konsequentesten Sword & Sorcery-Vertreter, dessen Barbarensetting eine Unzahl von Nachahmern zu meist grottigen Machwerken verleitete, inklusive dem SpinOff Red Sonja, ebenfalls mit Schwarzenegger. Auf dem Thron der Low Fantasy, jener Unterkategorie des Fantasygenres also, die den Groschenromanen und Pulp-Magazinen der 1930er bis ‘50er Jahre entstammt, hält sich Conan der Barbar ohne ernstzunehmende Konkurrenten und Aufbegehrer folgerichtig seit nunmehr 30 Jahren. Und mindestens das zu Recht, denn ein ziemlich kerniges und kerliges Vergnügen ist das immer noch.

»My child, you have come to me my son. For who now is your father if it is not me? I am the well spring, from which you flow. When I am gone, you will have never been. What would your world be, without me? My son.« Und ist dabei, fast parallel zum ersten Rambo, gar nicht sooo hohl, wie er in der Nachbetrachtung oft gemacht wird oder allgemein gilt. Sicher, einen Rache-und-Vergeltung-Plot mit einer damsel in distress rescue mission zu paaren ist gleich doppelte bloße Zweckfunktion als Storyersatz, aber immerhin liegen darin dank der starken Projektion der Schurkenfigur wenigstens ein paar interessante Anklänge: Conan, der die Vernichtung seines eigentlichen Schöpfers zum Sinn und Zweck seines (Über)Lebens erklärt und der nach dem Tod seiner Eltern eine zweite Geburt durch den Schwertstreich Thulsa Dooms erlebt, eine Geburt in Wut, Verbitterung, Hass, Ungezähmtheit und Stärke. Klar, der Film macht nicht viel aus dieser „Werdung, um zu vernichten, was mich geschaffen hat“, aber das Duell zwischen Conan und Doom zieht durchaus mehr Spannung und Wirkung daraus, als es manch andere dermaßen black’n’white-angelegte Rachestory zulässt.



»To crush your enemies, see them driven before…« Ja ja, ist ja gut, letztlich geht’s natürlich doch eher dadrum. Getragen vom mimischen Minimalismus, bei dem sich die Notwendigkeit der Rolle und das Unvermögen ihres Darstellers kreuzen, und der schieren breitbrüstigen Urgewalt Arnold Schwarzeneggers ist Conan der Barbar ein reißerisches, wenig zimperliches Spektakel groß gespuckter statt subtil formulierter Töne, ein unebener Brocken mit reichlich Stolpergefahr und ein paar beeindruckenden Aussichten, wenn man oben angekommen ist. Schwarzenegger wirft sich in unnachahmliche Posen und die völlige Abwesenheit von schauspielerischem Talent ist hier, wo er ähnlich wie zwei Jahre später in Terminator mehr eine Maschine denn einen Menschen, einen Blut und Fleisch und Schweiß und Stahl gewordenen Mythos verkörpert, noch kein so großes Problem und zog eine der mit Sicherheit ungerechtfertigtsten Razzie-Nominierungen der Geschichte nach sich. To HELL with you, suckers! Basil Poledouris‘ pompöser Score treibt das Geschehen mehr voran, als jeder der kaum vorhandenen Dialoge, die Mischung aus Musik, Imagery und Symbolik ließe wohl auch einen Stummfilm zu.

»Crom, I have never prayed to you before. I have no tongue for it. No one, not even you, will remember if we were good men or bad. Why we fought, or why we died. All that matters is that two stood against many. That’s what’s important! Valor pleases you, Crom… so grant me one request. Grant me revenge! And if you do not listen, then to HELL with you!« Aber selbstverständlich würden einem dann solche brettharten Zeilen durch die Lappen gegangen sein, wie eben jener Moment, in dem sich der Titelheld vor einer aussichtslos scheinenden Schlacht an seinen Gott wendet und eine fast detailgenaue Selbstreflexion seines Films abgibt: es gibt nicht viel zu sagen, was zählt schon das WER und WARUM, nur die Tat entscheidet und entweder schluckt man das so – oder geht halt zum Teufel. Freilich bleibt Conan der Barbar nicht von den Zeichen des Alters verschont. So tolle Arbeit das Art Department auch insgesamt leistet und eine glaubhafte, raue Welt von vor 12.000 Jahren erschafft: den Gummi- und Pappmaché-Look streifen manche props und Kulissen nicht ab. Genau wie die Kampfchoreographien und ihre Montage recht vorsintflutlich anmuten. Aber obwohl der Film mit seinem 20 Millionen-Budget nie das Ausmaß erreicht, das ihm Oliver Stones frühes Script mit Massenschlachten und reihenweise Monstren und Mutanten zudachte und die exotische Fantasy klar hinter dem knurrig-düsteren Abenteuer zurücksteht (im Gegensatz zum Sequel…): Conans Reise zur Rache ist abwechslungsreich, rücksichtslos, an manchen Stellen sicher aus gleich mehreren Sichtweisen fragwürdig, ungehobelt und einfach verflucht gelungenes Kerlekino.



»Do you want to live forever?« 30 Jahre, ein im Ton komplett differentes Sequel, Fernsehadaption in ge- und überzeichnet, maue Videospiele und ein allerorts verrissenes Remake hat Conan der Barbar hinter sich gelassen – und behauptet sich mit der stoischen Entschlossenheit seiner Hauptfigur noch immer unter den besten Fantasy/Abenteuer-Streifen insgesamt. Das mag nicht zwingend zuerst für den Film, sondern eher gegen sein Genre sprechen, welches nach viel Schrott schließlich erst Peter Jacksons monumentale Der Herr der Ringe-Trilogie aus dem Staub seines Grabes und vom Mief der Groschenunterhaltung befreien sollte. Und dennoch, obwohl und weil Sinnbild eben dieser Groschenunterhaltung: Schwarzenegger, die betörende und in ihrer Wehrhaftigkeit Conan kaum nachstehende Sandahl Bergman, der dämonische James Earl Jones aka Darth Vaders Stimme, das kalte, in Schönheit und Schrecken eingefangene Hyborische Zeitalter und einige Szenen für’s Langzeitgedächtnis – das passt halt alles. Was brauch’s schon mehr, als blutige Schwertkämpfe, Bombastmusik, Orgien und einen überlebensgroßen Recken mittendrin. What else is best in life? »To crush your enemies…« Jaha, is schon klar…

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Spannung: 2/5
Anspruch: 0,5/5
Humor: 0,5/5
Darsteller: 4/5
Regie: 4/5
Fazit: 8/10
Roh, archaisch, ungeschliffen, bestialisch, brutal, barbarisch: das trifft auf die Hauptfigur und ihren Darsteller wie auf den Film im allgemeinen zu. Fand ich ziemlich geil, als ich’s noch gar nicht hätte gucken dürfen – und heute tatsächlich (und ein bißchen wider Erwarten) immer noch ;).

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

3 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code