Classic: DER HUND VON BASKERVILLE

Der Film

Der Hund von Baskerville ist im Jahr 1939 bereits die vierte filmische Adaption der Vorlage des schottischen Schriftstellers Sir Arthur Conan Doyle rund um die Ermittlungen seiner populären Figur Sherlock Holmes in einem mysteriösen Todesfall. Nach den gleichnamigen, in Deutschland produzierten Filmen von 1914, 1929 und 1937, schlüpfte hier erstmals der in Südafrika geborene und bis dahin als großartiger Schurkendarsteller bekannte Basil Rathbone in die Rolle des Meisterdetektivs und unter anderem seinetwegen gilt Der Hund von Baskerville bis heute als einer der, wenn nicht gar als DIE gelungenste Holmes-Verfilmung.

England gegen Ende des 19. Jahrhunderts: nach dem scheinbar natürlichen Tod des alten Sir Charles Baskerville wendet sich dessen Leibarzt Dr. Mortimer an den berühmten Detektiv Sherlock Holmes. Mortimer berichtet von einer dämonischen Legende, wonach ein riesiger Hund in den Mooren rund um den Landsitz der Baskervilles in Dartmoor sein Unwesen treibt und es seit den Zeiten Sir Hugos auf die Familie abgesehen hat. Als der letzte Erbe des Familienbesitzes, Sir Henry, aus Kanada angereist kommt und sich nicht von der Bedrohung abschrecken lässt, stellt ihm Holmes für die Reise nach Dartmoor seinen treuen Gefährten Dr. Watson zur Seite…



Es war 1901 jene Legende von einem Geisterhund, die Doyle dazu bewog, seinen eigentlich zu Grabe getragenen Helden noch einmal ermitteln zu lassen. Zeitlich vor seiner letzten, tödlichen Konfrontation mit Erzfeind Professor Moriarty angesiedelt, führte der große Erfolg von The Hound of the Baskervilles schließlich sogar zu weiteren neuen Abenteuern, in denen Doyle eine Erklärung für Holmes‘ Rettung fand. Die Story um den monströsen Kläffer ist im 54 Erzählungen und 4 Romane umfassenden Kanon um den messerscharfen Kombinationskünstler eine der bekanntesten und beliebtesten. Sidney Lanfields Verfilmung profitiert neben Rathbones Präsenz vor allem von einer schön schauerlichen und sehr atmosphärefördernd gefilmten Kulissenlandschaft. Manche erzählerische Freiheit gegenüber der Vorlage ist der ohnehin nicht gerade schwer zu durchschauenden Erzählung hingegen eher nicht förderlich.

»In all England there is no district more dismal than that vast expanse of primitive wasteland, the moors of Dartmoor in Devonshire« lässt eine Texteinblendung zu Beginn des Films wissen und wenn anschließend der Landsitz der Baskervilles aus den Nebeln ragt ist man unmittelbar geneigt, dem zuzustimmen. In Todesangst hetzt Sir Charles durch die zerklüfteten Lande, verfolgt von einem furchterregenden Geheul, und schließlich bricht er vor seinem Besitz zusammen. Eine wilde, bärtige Gestalt trachtet ihm nach seiner Habe, ehe die Frau des Butlers Barryman (in der deutschen Fassung Marryman genannt) die Leiche entdeckt. Ein Polizeiverhör führt anschließend die Barrymans und alle weiteren Charaktere zusammen, die rund um die Moore ansässig sind. Der Grantelkopf Sir Frankland behaart darauf, dass Charles ermordet wurde und auch der Arzt Mortimer scheint seiner eigenen Diagnose, Herzversagen, nicht bedingungslos zu vertrauen. Unter den Glocken des Big Ben ist in der Baker Street Sherlock Holmes längst auf den Fall aufmerksam geworden. Statusgerecht überlegen wird der Meisterdetektiv eingeführt, indem sein Gesicht zunächst nicht zu sehen ist und er vor einem sitzenden Dr. Watson auf und ab wandert. Während Watson immer nur wieder erstaunt die Augen ob der Schlussfolgerungen Holmes‘ aufreißt, mutmaßt dieser nicht nur über die Gefahr für Baskervilles Erben Sir Henry, sondern erteilt Watson auch in der Analyse eines Gehstocks eine Lektion in Sachen rationalem Denken.



Basil Rathbone erweist sich dabei von Gestalt bis Gestus als Idealbesetzung. Ein Augenschmaus allein schon, wenn er sich mit leicht vertikal gerichteten Mundwinkeln und Pfeife über Watson beugt und ihm zur Vorführung seiner eigenen Überlegenheit einige falsche Schlussfolgerungen entlockt, um diese anschließend zu revidieren. Mit den Bissspuren am Gehstock des Dr. Mortimer wird eine erste (falsche?) Fährte Richtung Täter ausgelegt, ehe eben jener Mortimer die Legende um den Geisterhund aus einer alten Schrift zitiert, was visuell sehr geschickt und besonders mit dem ersten Auftauchen des Hundes äußerst effektiv umgesetzt wird. Die über jeden Selbstzweifel hinausgewachsene Gesprächsführung und Maßnahmen Holmes‘ bleiben auch in Gegenwart Mortimers und später Sir Henrys unterhaltsames Highlight des Films, während Nigel Bruce als fortwährend überfordert stöhnender Watson gedanklich immer ein, zwei Schritte hinterherhinkt, womit der auflockernde Humor zumeist auf seine Kosten geht. Seinem literarischen Gegenstück entspricht dies nicht und nicht nur deshalb würde man der Story im weiteren Verlauf zumindest in ihrer Zelluloidfassung einen anderen Weg, als den eingeschlagenen wünschen. Denn dem wenig besorgten Sir Henry steht über den Mittelteil von Der Hund von Baskerville eben nicht Holmes, sondern der ewige Sidekick Watson zur Seite und Bruce‘ Augenrollen und gutmütiges Umhergetappse kann Rathbones kühle Präzision nicht gleichwertig ersetzen. So übernimmt mehr Richard Greene als Sir Henry das Kommando, dessen Leichtfüßigkeit zwar im Kontrast zu den bedrohlichen Sets steht, der aber in umso spürbarerer Gefahr schwebt, eben weil er sie nicht zu fürchten scheint.

Rein von der Anzahl her sind die Kulissen nach dem Verlassen Londons zwar spärlich, unwirtliche Felsformationen, nebelüberwaberte Felder und kahle Sträucher werden aber immer wieder wunderbar in Szene gesetzt, dazu ertönt stets in den richtigen, schaudernden Momenten das entsetzenerregende Geheul des Hundes. Da Doyles Story um einige grausige Elemente entschlackt wurde fügt sich dafür aber besonders eine frei erfundene Sequenz nicht wirklich gut in die Handlung ein, sticht in ihrem offensichtlichen Bemühen, etwas Mysteriöses in sie hinein zu zwängen, sogar negativ heraus. Dr. Mortimers Frau entpuppt sich als Medium, die bei einer Séance Kontakt mit dem getöteten Sir Charles aufzunehmen versucht. Das ist zwar durch fein ausgeleuchtete Schattenspiele nett anzusehen, führt aber zu absolut nichts und wirkt einfach aufgesetzt.



Mit dem amüsant inszenierten Auftauchen Holmes‘ vereinen sich dann dem Ende entgegen die Vorzüge des Films und wenngleich sich der Täter reichlich früh zu erkennen gibt und seine schlussendliche Enttarnung etwas unspektakulär verläuft, glänzt der Showdown, in dem Sir Henry auf den Hund trifft und Holmes und Watson quer durch das tückische Moor zur Rettung eilen. Die Konfrontation mit der Bestie ist extrem geschickt geschnitten und auch ohne das in der Romanvorlage benutzte Phosphorpräparat oder anderen Schnickschnack aus weiteren Verfilmungen wirkt das scharfgemachte Tier wahrlich höchst gefährlich. Bis dahin wissen der undurchsichtige John Carradine als Butler, die verschlagen dreinschauende Eily Malyon als Mrs. Barryman und Morton Lowry als smarter Mr. Stapelton in ihren Rollen als potenziell Verdächtige zu überzeugen, auch die Lovestory zwischen Sir Henry und Wendy Barrie und ihrer schmachtend-besorgten Beryl Stapelton ist ganz nettes, hier und da die Dramatik steigerndes Beiwerk, wenn sie auch wiederum nicht romankonform ist und letztlich nur einen ungleich düstereren, gestrichenen Subplot ausgleicht.

Sidney Lanfields Der Hund von Baskerville bildete den Auftakt zu einer insgesamt 14teiligen Filmreihe mit Basil Rathbone und Nigel Bruce in den Hauptrollen und wenngleich ihre Interpretation sich nicht in allen Punkten mit Doyles Material deckt bildete sie doch in vielerlei Hinsicht die Grundlage für über die Jahrzehnte folgende Produktionen. Das Gekabbel zwischen den beiden geht auch ganz gut auf, was vorrangig Rathbones aus jeder Pore verströmten Souveränität zu verdanken ist, mit deren detailgenauer Beobachtungsgabe er jeden in die Tasche steckt. Der Hund von Baskerville weist einige kleinere erzählerische Schwächen auf, teils bedingt durch unpassende Einschübe, teils bedingt durch umorientierte Charaktere, die großen Stärken, namentlich die dichte Atmosphäre und Rathbone, gleichen dies aber überwiegend aus. Wohlig-schaurige, kurzweilige Krimiunterhaltung ist also garantiert.

Wertung & Fazit

Action: einzelwertung-3 1/5
Spannung: einzelwertung-3 3,5/5
Anspruch: einzelwertung-2 2,5/5
Humor: einzelwertung-2 1,5/5
Darsteller: einzelwertung-4 4/5
Regie: einzelwertung-4 3,5/5
Fazit: wertung-fazit-8 7/10
Sehr atmosphärisch und mit tollem Hauptdarsteller, aber auch manchem Makel in der Erzählung. Im Großen und Ganzen aber schaurig-schöne Krimiunterhaltung.

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