Classic: STIRB LANGSAM 2 (OT: Die Hard 2)

Gab es eigentlich eine bessere Zeit für Sequels, als die ausklingenden 1980er- und beginnenden ‘90er-Jahre? Einmal draufgeschaut und festgestellt: höchstwahrscheinlich nicht und nie wieder. Mit Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Zurück in die Zukunft 2 und Lethal Weapon 2 (alle 1989) und der Megabombastquantensprungfortsetzung überhaupt, Terminator 2 (1991), gingen DIE Highlights ihrer jeweiligen Reihen an den Start – und Stirb langsam 2. Zwei Jahre, nachdem John McTiernan den Ultimativactioner und neuen Prototypen des Genres vorgelegt hatte, inszenierte der Finne Renny Harlin den nächsten Karachoauftritt von nicht-unterzukriegen-Cop John McClane. Nun war der erste Stirb langsam, im Gegensatz zu den vorgenannten Beispielen, bereits der perfekte Rechenweg zur Lösung seiner Formel, was konnte Stirb langsam 2 also mehr werden, als einer unter vielen Nachahmern (u.a. Under Siege, Sudden Death, etc.), die mit ungelenkerer Methodik zu ähnlichen Ergebnissen gelangten? Tatsächlich geriet das Seqeul vielen zu sehr zur reinen Kopie des Erstlings, wird von Star Bruce Willis als sein »least favorite film of the Die Hard series« genannt… Ist aber trotzdem ein verflucht dickes Brett und mühelos eines der besten Sequels, wenn auch in diesem Fall leicht unter dem Niveau des Vorgängers.

Story

Wieder mal Weihnachten: Detective Lieutenant John McClane, mittlerweile beim LAPD beheimatet, macht sich während eines Schneesturms zum Washington Dulles International Airport auf, um seine im Anflug befindliche Frau Holly abzuholen. Merkwürdige Vorkommnisse wecken den Spürsinn des Cops, eine wilde Schießerei und eine Leiche in der Gepäckbeförderung später ist sich McClane sicher: irgendwas Großes geht da im Hintergrund vor, zumal der Flughafen in Bälde die Ankunft des gestürzten südamerikanischen Diktators Esperanza erwartet. Nachdem McClane zunächst niemand Glauben schenkt eskaliert die Situation: unter Führung des abtrünnigen Colonel Stuart hat eine bewaffnete Söldnertruppe eine alte Kirche besetzt und nutzt diese als Kommandoposten, um die Kontrolle über den Flughafen komplett an sich zu reißen. Ihr Ziel ist die Freilassung Esperanzas und wie ernst es Stuart ist beweist er, als er eine der über Washington kreisenden, voll besetzten Passagiermaschinen mit falschen Bodenhöhendaten zur verheerenden Bruchlandung zwingt. Mit einer Sache hat Stuart allerdings nicht gerechnet, der Entschlossenheit McClanes, der fortan alles unternimmt, um die Söldner aufzuhalten und seine Holly sicher vom Himmel zu holen. Doch diesmal scheint selbst der zähe Cop den Kürzeren zu ziehen…

Der Film

Stirb langsam 2 fehlt, sequelgemäß, die Frische des Vorgängers, bisweilen aber auch dessen frontale Wucht, die Verlagerung des Settings von der Vertikalen in die Breite klappt eben auch die Handlung weiter auseinander. McClanes verzweifelter Versuch, eine exekutiv handlungsfähige Öffentlichkeit auf die Ereignisse aufmerksam zu machen, gehörte zu den dramaturgischen Kernelementen des Vorgängers. Im zweiten Teil ist diese Öffentlichkeit in Gestalt der Flughafenpolizei bereits vor Ort, so dass die Story sich eines gebräuchlichen Katastrophenfilmkniffs bedient: einer allein sieht den Wald, alle anderen nur ein paar Bäume. Um McClane immer wieder zu Alleingängen zu treiben ist es nötig, dass seine Warnungen irgnoriert und abgetan werden, dass seine Hilfe unerwünscht ist. »You’re the wrong guy in the wrong place at the wrong time«, wird McClane angeblafft. »Yeah, story of my life«, lautet seine Antwort. McClanes instiktiver Ahnung wird im Prä-9/11-Amerika keine Bedeutung beigemessen, der zu erwartende Schlimmstfall als wichtigtuerische Spinnerei eines Gernegroß abgetan, der nach den Ereignissen im Nakatomi Plaza von einer sensationsgeilen Presse zum Helden erhoben wurde.



Was unter Cops zu zickigem Balzgehabe zu führen scheint und bis kurz vor den Showdown wiederholt als Plottriebwerk taugen muss, um die einer-gegen-alle-Mechanik überhaupt bedienen zu können. McClanes Kampf gegen die Söldnertruppe fühlt sich dadurch weniger naturalistisch als im Vorgänger an, man stelle sich den Bürgermeister in Spielbergs Der weiße Hai vor, man stelle sich vor, der bekommt von der Bestie beide Beine abgebissen und beharrt weiterhin darauf, das Meer und den Strand nicht sperren zu lassen, dann hat man in etwa die Engstirnigkeitsdimension des Widerstandes, dem der wackere McClane sich hier ausgesetzt sieht. Das gerät irgendwann arg repetitiv, ebenso wie der Einsatz des Karten- und Hausmeisters Marvin, der McClane mehrmals Wege durch die Eingeweide des Flughafens aufzeigt, um zum nächsten Action Set Piece zu gelangen. Stirb langsam 2 hat trotzdem genügend Power, um das zu verschmerzbaren Mängeln und narrativen Opfern zu machen, die halt dargebracht werden müssen, wenn man das Geschehen von der Enge eines Hochhauses auf ein ganzes Flughafengelände ausdehnt, das grundlegende Konzept aber weitestmöglich beizubehalten versucht.

Dessen Grundzutaten, der aufständische, kaltschnäuzige McClane mit seinen pampigen Onelinern, der über’s Limit des körperlich verkraftbaren hinaus gepusht wird und sich blutend und schwitzend in herausragenden Action- und Stuntszenen durch eine hochgerüstete Übermacht schießt, hechtet und röchelt, werden weder verändert noch variiert. »Oh man, I can’t fucking believe this. Another basement, another elevator. How can the same shit happen to the same guy twice?« stöhnt McClane an einer Stelle, ein Moment der self-awareness, in dem der Film sich vollkommen bewusst ist, wie unwahrscheinlich er eigentlich ist. Nice. Weg brechen dem Sequel im Vergleich zum Vorgänger die ironischen Spitzen, zwar klingt ein bißchen Kritik an lüsterner Klatschpresse durch, dennoch ist Stirb langsam 2 darin weniger gewitzt, genau wie er im Timing zwischen An- und Entspannung weniger gekonnt wirkt, außerhalb von Ballereien und Explosionen öfters in kryptisches Technikbla verfällt und ein paar Minuten des wirklich nicht sonderlich interessanten oder charakternutzenden Leerlaufs zulässt. Die werden aber komplett weggeblasen von bester Action, knackigen Shootouts und einer Reihe von Sequenzen, die heutzutage alle dem Computer entspringen würden, vor dreiundzwanzig Jahren aber um ein vielfaches wirkungs- und druckvoller mit Miniaturen und Modellen umgesetzt wurden.



It doesn’t show signs of stopping, heißt es im Christmasklassiker Let It Snow und auch das Stirb langsam-Franchise wird vom zweiten Teil nicht auf dem Weg zu einer der herausragendsten Actionreihen gestoppt, höchstens für kleine Momente kurz angebremst. Bruce Willis reißt das Steuer noch enger an sich, sein McClane ist deutlich öfter zur Initiative gezwungen und bekommt noch seltenere Verschnaufpausen (im Gegensatz zum Film an sich) und muss damit ausgleichen, dass das Schurkenkaliber eines Alan Rickman und seines Anzugterroristen Hans Gruber von William Sadlers Colonel Stuart deutlich verfehlt wird. Sadler ist nicht charismatischer, sondern zackiger Anführer, die intimen Tötungsmomente Grubers weichen einem entschlossenheitsverdeutlichenden, anonymen Massenmord, was Stuart als eiskalte und rücksichtslose Bedrohung instrumentalisiert, ohne ihm oder seiner Sache ein schärferes Profil zu verleihen. Zu dem trägt auch Django Franco Nero nichts bei, der Italo-Western-Star gibt als General Esperanza einen nicht näher definierten Diktator aus dem fiktiven Val Verde, 20th Century Fox‘ standatisiertes lateinamerikanisches Land und plot device, wenn mit einem echten Staat keine Probleme entstehen sollen. Was der gesamten Schurkerie von Stirb langsam 2 entspricht: dient einem allgemeinen Nutzen, ohne spezifisch zu werden. Schadet aber nichts, solange sich ein McClane in Bestform dazwischen wirft. Yippee-ki-yay, Motherfucker.

Wertung & Fazit

Action: 5/5
Spannung: 4/5
Anspruch: 0,5/5
Humor: 1/5
Darsteller: 4,5/5
Regie: 4/5
Fazit: 9/10
Würdige Fortsetzung mit nur kleineren narrativen Schwächen und Behelfsmäßigkeiten, dafür einem Willis in erneuter Topform und nach wie vor überragenden, harten Actionsequenzen.

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2 Kommentare

  1. Den hab ich seit sicher 12 Jahren nicht mehr gesehen, würde ich aus der Hüfte allerdings zwei Punkte niedriger einstufen. Allgemein interessanter bei Sequels fände ich es ja, die Figuren nicht in dasselbe Szenario an anderen Orten zu werfen, sondern in andere Szenarien. Wie oft kann ein NYPD-Cop denn Terroristen bekämpfen? Wie oft Jack Bauer exakt in 24 Stunden die USA retten? Warum nichtmal einen Mordfall in New York à la “Se7en” mit McClane? Freude, schöner Götterfunken 🙂

    1. Hast du sicher Recht, ab irgendeinem Punkt sollten sich solche Reihen/Serien schon weiterentwickeln, auch auf die Gefahr hin, ein paar Fans zu verprellen, so geschehen z.B. mit The Fast and the Furious. Das Die Hard-Konzept wird ab Teil 3 ja zumindest so ein bißchen aufgebrochen, auch wenn’s ab und seit dem zweiten Teil darunter “leidet”, das selbe Muster zumindest immer wieder ähnlich zu bedienen. Aber bei dem Vierer findet das immerhin auf verdammt hohem Niveau statt. Mal sehen, wie’s nach dem fünften ausschaut…

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