Stars im Portrait: COLIN FARRELL

Zahlreiche Affären, die viermonatige Ehe mit einer 18jährigen, Alkoholexzesse, Medikamentenabhängigkeit, Entzugsklinik – Colin Farrell gilt nicht zu unrecht als einer der bad boys seiner Schauspielergeneration. Da er dabei anscheinend in Kauf nimmt, das der mediale Fokus eher auf derlei Berichterstattung ruht, denn auf seinem darstellerischen Potenzial, könnte man Farrell die Naivität des unerfahrenen Hollywoodnovizen unterstellen. Bedenkt man jedoch seine Filmografie, so scheint der Ire eher mit einer augenzwinkernden Gelassenheit gegenüber den typischen Mechanismen, vor allem aber gegenüber seiner eigenen Person gesegnet zu sein. In seinen mittlerweile über zwanzig Filmen agierte Farrell etwa an der Seite von Kevin Spacey (Ein ganz gewöhnlicher Dieb, 2000), Al Pacino (Der Einsatz, 2003), Cate Blanchett (Die Journalistin, 2003) oder Edward Norton (Das Gesetz der Ehre, 2008) und oft genug beherrschte er auch im Vergleich mit solchen Größen durch viel Charisma und energetische Performances das Geschehen. So konnte Farrell auch scheinbar mühelos erstklassige Regisseure wie Terrence Malick (The New World, 2005) oder Woody Allen (Cassandras Traum, 2007) von seinem Können überzeugen.

Nach ersten Rollen in britischen Fernsehserien und Filmen debütierte Colin Farrell mit Joel Schumachers Kriegsdrama Tigerland (2000) in Hollywood und hinterließ in der Mischung aus Full Metal Jacket und Einer flog über das Kuckucksnest einen starken Eindruck. Im Anschluss an die folgenden Nebenrollen in Big Budget Produktionen wie Steven Spielbergs Minority Report(2002) und als glatzköpfiger over-the-top-Schurke in der Comicverfilmng Daredevil (2003) durchlief der Ire zunächst die junger-heißer-Action-Star-Routine. Die Hauptrollen in Der Einsatz und S.W.A.T. meisterte er mit verschmitzter Leichtigkeit und obwohl in beiden Fällen der ganz große finanzielle Erfolg ausblieb, sind diese Produktionen zu den besseren und intelligenteren Genrebeiträgen der letzten Jahre zu zählen. Außerdem spielte Farrell in den wenig beachteten Intermission (2003) und A Home at the End of the World (2004). Die anschließende Titelrolle in Oliver Stones Historienepos Alexander (2004) jedoch schien für ihn eine Nummer zu groß zu sein, wenngleich das mürrische Werk seinem Star das Glänzen weit schwerer machte, als es vergleichbare Produktionen taten (etwa Gladiator oder Braveheart). Der vielgescholtene Film floppte monumental.



An dieser Stelle machte Colin Farrell nicht den Fehler, sich in minderwertigen Produktionen imagegerecht verheizen zu lassen, vielmehr drosselte er sein Arbeitstempo. Hatte er von 2002 bis 2004 in zehn Filmen mitgewirkt, erschienen nach dieser Zeit bis heute nur noch sieben. Nicht nur bei seinem selbstironischen Gastauftritt in der Serie Scrubs (2004) bewies Farrell dabei ein sehr gutes Gespür für Stoffe, die ihn weg vom Action-Heroen, der er ohnehin nie sein wollte, führten, wie der meditative The New World mit Christian Bale, oder das Drama Ask the Dust (2006) nebst Salma Hayek. Spätestens die mit dem Golden Globe prämierte Performance in Brügge sehen… und sterben? (2008) macht wohl deutlich, dass Farrell ein breitgefächertes Repertoire zur Verfügung steht. Unter der Regie von Großmeister Michael Mann glänzte Farrell nur noch einmal in der Rolle des Actionhelden, nämlich in dessen Miami Vice-Adaption. Mit Vokuhilamatte und heftklammerförmiger Oberlippenbehaarung machte er aber auch hier deutlich, dass die Phase des gestählten Schönlings mit bad boy-Attitüde für ihn eine längst abgearbeitete ist. Nach dem tragischen Tod von Heath Ledger übernahm er, um die Fertigstellung des Films zu ermöglichen, neben den Kollegen Johnny Depp und Jude Law eine Rolle in Terry Gilliams Bilderrausch Das Kabinett des Doktor Parnassus (2009).



Colin Farrell hat es schon oft gut versteckt und darüber hinweggetäuscht und seine Kritiker wollen es ohnehin nicht wahrhaben, aber talentiert ist der Mann zur Genüge. Allein das untrügliche Gespür der Regisseure, mit denen er gearbeitet hat und in Zukunft arbeiten wird, spricht für nichts anderes, als dass man es bei ihm wahrscheinlich sogar mit einem der aktuell interessantesten Stars zu tun hat, zumindest, wenn man sich von seinem Image rund um Affären und Entzugskliniken nicht blenden lässt. Im Jahr 2010 werden sicher auch Crazy Heart mit Jeff Bridges, William Monahans Krimi London Boulevard mit Keira Knightley, Peter Weirs The Way Back und Brendan Gleesons Regiedebüt At Swim-Two-Birds für ausreichend Ablenkung sorgen und das Auge voll auf Farrells Fähigkeiten lenken.

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