DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES: Kritik zum landwirtschaftlichen Historien-Drama mit Kate Winslet (DVD)

Story

Frankreich im 17. Jahrhundert: im Auftrage von König Ludwig XIV. soll der Landschaftsarchitekt André Le Nôtre sich eines schier überwältigenden Vorhabens annehmen. Den Königlichen Garten ums Schloss von Versailles so gestalten und anlegen, dass er der Pracht des Herrschers entspricht. Für ein besonders ambitioniertes Projekt innerhalb der Mammutaufgabe, die natureingebundene Freilichtbühne im Herzen eines Waldstückchens, engagiert Le Nôtre ausgerechnet die unadlige und königshoffremde Gärtnerin Sabine De Barra, die ihn mit ihren unkonventionellen, gar chaotischen Entwürfen entgegen Le Nôtres eigenem Hang zur exakten Ordnung überzeugt. Gegen Widersätze und entgegen ihrer bescheidenen Art nimmt die dennoch entschlossene und willensstarke Sabine das Bauprojekt auf, zunehmend zum Missfallen von Le Nôtres intriganter Gattin Madame Françoise, die missbilligend auf die bedeutungslose Frau ohne gesellschaftlichen Stand herabblickt. Am Hofe indes gewinnt Sabine mit ihrer Art zunehmend die Gunst der besseren Gesellschaft…

Die Filmkritik

Kate Winslet als Sabine De Barra in DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES
Kostüm- und Historienschinken mit Prunk, Adel und Etikette(nschwindel) wie „Gefährliche Liebschaften“, „Wiedersehen in Howards Ende“ oder „Sinn und Sinnlichkeit“ sind gefühlt eine ziemliche Seltenheit im jährlichen Kinokalender geworden. Hin und wieder mal eine „Anna Karenina“ oder eine „Jane Eyre“, aber so richtig prominent machen sich die Barockbuster nicht mehr bemerkbar, von manchen hört man zum ersten Mal, wenn bei der jährlichen Oscar-Parade die Nominierungen für’s beste Kostümdesign durchgegangen werden. Mit „Die Gärtnerin von Versailles“ fühlte sich nun der britische Edelmime Alan Rickman als Regisseur verpflichtet, eine Schauspieler- und Komparsenschar in pompöse Gewänder und unter absurde Perücken zu stecken – und auch sein Film ist kurz nach den Starts der Mega-Blockbuster „Fast & Furious 7“ und „Avengers: Age of Utron“ im April/15 nicht wirklich jemandem aufgefallen.

Busch- und Blumenwirtschaft im Fronkreisch des vorvorvorletzten Jahrhunderts kann man gegen Superhelden und fliegende Autos aber auch kaum Chancen auf Aufmerksamkeit ausrechnen. Verdient hat sie sich „Die Gärtnerin von Versailles“ auch nur teilweise; inner- und außerhalb des Schlosses und des Gartens von Versailles inszeniert Rickman eine teils prunkvolle, teils spröde Schwarte in naturbelassenen Bildern, die sich nicht recht entschließen mag, wovon sie da eigentlich erzählt: vom Sonnenkönig und Absolutisten Ludwig XIV. und seinem Protzprojekt, das Monate an Sendezeit der VOX-Dokusoap „Ab ins Bett“ gefüllt hätte, vom Seelendrama einer Witwe und ihrer Trauerbewältigung, von der fiktiven Sabine De Barra als Emanzipationsmetapher, die sich mit Willen und Waghalsigkeit die Hände schmutzig macht, während der Adel einherstolziert, vom Intrigenspiel und der Gefallsucht der Mächtigen? Oder ist „Die Gärtnerin von Versailles“ doch nur eine Kostümromanze mit Tand und Popanz zwischen den Standsunterschieden und ohne viel Belang?
Matthias Schoenaerts in DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES
Der Film ist alles davon ein bißchen und das klingt alles etwas dröge und so eng am Gestus und den ewigen Themen des Period Pics sitzend, wie das Korsett um die Taillen der Adelsdamen und Mätressen geschnürt ist. Vielleicht fängt Rickman auch deswegen mit einem Furzwitz an. Überhaupt erzählt anfangs lediglich die Musik von Peter Gregson einen schwereren Film, während die Geschichte von den Strapazen der historischen Landschaftsgärtnerei ohne Bagger und sonstiges Schwergerät einen eher lockeren Schwung aufnimmt, Rickman seine Spitzen gegen Snobisten setzt und sein Publikum mühelos auf die Seite der leidenschaftlich-unangepasst drauflos gärtnernden Kate Winslet zieht. Die macht das sowieso wieder großartig, auch wenn ihre Performance bisweilen wie ein Sampler voriger Rollen wirkt, ihre sorgenvolle Bestürzungsmiene hat die Oscar-Preisträgerin stets im Repertoire.

Von der Gefangenschaft in damalsgesellschaftlichen Sittenbildern ist Sabine De Barre nicht so belastet wie Rose Dewitt Bukater in „Titanic“, aber „Die Gärtnerin von Versailles“ kehrt eigentlich nur die ähnlichen Voraussetzungen für eine aufkeimende Liebe im Geschlechtsverhältnis um und keck zitiert Rickman sogar James Camerons Rose-Establishing Shot. Zwanzig Jahre nach Ang Lees „Sinn und Sinnlichkeit“ fordert die zweite Zusammenkunft der beiden Vorzeige-Brit-Actors der Winslet keine neuen Höhen ihrer Kunst ab, wie gewohnt geht sie aber voll im Dienste der Rolle auf und obwohl ihr Werdens- und Leidensweg in seiner Dramatik mehrmals von Rickmans etwas loser Inszenierung abgeschnitten wird ist sie doch die Seele des Films. Matthias Schoenaerts, der zuletzt in „Der Geschmack von Rost und Knochen“ oder „The Drop“ eher mit physischer Wucht und Bedrohlichkeit auffiel, ist als feingeistig-zurückhaltender André Le Nôtre auf den ersten Blick meterweit neben seinem Typ besetzt, ist aber in seiner undurchdringlichen Ruhe (»Your heart beats furiously, mine just ticks.«) und Denkergüte, eingepfercht in den Grenzen der Adelsverpflichtungen und seiner Dekadenz-Fatigue, ein zunehmend fein gezeichnetes Gegenstück zur leidenschaftlichen Sabine De Barra.
Alan Rickman in DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES
Mit Le Nôtres Gemahlin, einem listig-gemiederten Intrigantenweib, wie es in keinem Kostümdrama fehlen darf und das hier von Helen McCrory mit genüsslicher Herablassung gespielt wird, bringt Rickman noch die Spitzhacke in den Garten, so dass der dahinplätschernde Film zum Schluss doch seine dramatischen Momente auffährt, aber insgesamt sieht „Die Gärtnerin von Versaille“ das Beet vor lauter Blumen nicht, der Film bekommt die vielen und manchenteils ja wirklich hellleuchtenden Strahlen nicht zu einer einzigen Lichtquelle gebündelt. Einige Szenen bewegen ungemein, wie jene, in der Sabine De Barra in den Kreis der Adelsdamen geladen wird und nach glucksenden Busenvergleichen und oberflächlichem Gegiggel die Stimmung kippt und die Frauen ohne ungnädiges Mannesohr in ihr Nähe von Verlust und Trauer zu sprechen beginnen, Regungen und Gefühle, die ihnen in der Öffentlichkeit und als Gefolge des Königs nicht gestattet sind. Da gelingt Rickman ein in diesem Moment rührendes und hintergründiges Portrait der streng in ihre Rollenbilder hinein reglementierten Frauen jener Epoche.

Wertung & Fazit

Action: 0/5

Kein Kriterium.

Spannung: 0.5/5

Darauf setzt der Film nicht.

Anspruch: 3/5

Das Zeitportrait bemüht bekannte Themen von den Unterschieden des gesellschaftlichen Standes und vertieft seine An- und Einsichten nur manchmal.

Humor: 0.5/5

Schon ein paar Momente feingeistigen Humors, bisweilen aber auch ziemlich dröge.

Darsteller: 4.5/5

Die gewohnt hingebungsvolle Winslet und der nicht ganz typgerecht besetzte, aber trotzdem gute Schoenaerts sind ein ansehnliches Leinwandpaar, Charakterköpfe wie Stanley Tucci oder Rickman selbst sieht man immer gern.

Regie: 2.5/5

Rickmans Inszenierung ist bisweilen zu lose, manchmal zu träge und belanglos und in einigen Szenen sogar etwas plump.

Film: 6/10

Nur solides Kostüm- und Historiendrama mit guten Schauspielern, aber unsteter Inszenierung. Prachtvoll ausgestattet und mit einigen sehr schönen Szenen, aber auch kreiselndem Leerlauf.

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