DIE SCHADENFREUNDINNEN: Kritik zur Komödie mit Cameron Diaz und Leslie Mann (DVD)

Story

Die erfolgreiche und luxusverwöhnte New Yorker Anwältin Carly Whitten war bisher nicht gerade bindungswillig und hat sich die diversen Lover nur für’s kurze Vergnügen und schnelle Vergessen gehalten. Irgendwas hat eben immer nicht gestimmt. Doch mit dem Startup-Investor Mark King datet sie seit acht Wochen vielleicht endlich denn richtigen Mann: Mark ist gutaussehend, wohlhabend, zuvorkommend und auch der Sex stimmt. Nach einem blöden Streit will Carly sich gebührend und im extra scharfen Outfit bei Mark entschuldigen und besucht ihn unangekündigt in seiner Vorortresidenz in Connecticut. Zu ihrem Schock öffnet allerdings eine Frau die Tür, die sich nicht als Marks Putze, sondern seine Ehefrau Kate entpuppt. In ihrer Kanzlei offenbart Carly der aufgelösten Gattin am nächsten Tag ihre unwissend eingegangene Affäre mit Mark und entgegen der Umstände und Kates schrulliger Art wird aus den beiden ein ungleiches Freundinnenduo. Als sie schließlich herausfinden, dass der betrügerische Mark noch eine weitere Liebschaft geheimhält reisen sie ihm zu einem angeblichen Geschäftstermin nach und schließen auch mit der Dritten im Bunde Freundschaft, der blutjungen und leicht naiven Supersexbombe Amber. Gemeinsam schmieden die Frauen ein Plan, um sich genüsslich an Mark zu rächen…

Die Filmkritik

Männer sind Schweine. Das singen einem Die Ärzte seit ihrem Smash-Hit von 1998 in ungebrochener Regelmäßigkeit aus dem Radio entgegen und auch Hollywood hat diese simple Weisheit bereits öfter für Komödienstoffe ausgekostet, in denen die Vergeltung gehörnter Ehefrauen und enttäuschter Liebschaften am Mannschwein folgte. In „She-Devil“ (1989) zeigte es die pfundige Komikerin Roseanne Barr ihrem Gatten Ed Begley junior und dessen Affäre Meryl Streep, im „The First Wives Club“ (1996) einte Bette Midler, Goldie Hawn und Diane Keaton der Wunsch nach Rache an ihren betrügerischen Ex-Männern und 1987 legten sich „The Witches of Eastwick“ Cher, Susan Sarandon und Michelle Pfeiffer mit ihrer gemeinsamen Liebschaft an, dem Teufel persönlich in Gestalt von Jack Nicholson. Regisseur Nick Cassavetes und Drehbuchautor Melissa Stack erinnern sich nun an diese gewisse Tradition der female revenge movies und bringen mit „The Other Woman“ (zu deutsch „Die Schadenfreundinnen“) eine zunächst unerträglich nervige, dann viel zu einfallslose Komödie.

Mit Cameron Diaz und Judd Apatow-Gattin Leslie Mann ist „The Other Woman“ eigentlich mit kundigem Comedy-Personal ausgestattet, aber beide (können) ihr vorhandenes Talent zur Komik nur kleckerweise einbringen: die leicht dusselige und anerotische Kate King spielt die Mann mit deftigem Spleen und nervt mit ihren Hysterieattacken und döllmeriger Treudoofheit. Als hätten Jar Jar Binks und die Autobot-Zwillinge Skids und Mudflap in einem Akt der Widernatürlichkeit gemeinsam ein Menschenbaby adoptiert und es nach ihren Vorstellungen erzogen. Mitgefühl für die betrogene Ehefrau? Tendiert gegen Null. Verständnis für den schurkischen Fremdgeher? Duuuurchaus vorhanden… Und schon hat der Film ein Problem, schließlich muss man den Frauen ihre Vergeltung gönnen, doch statt ihren Gegenschlägen widmet sich „The Other Woman“ fast eine geschlagene Stunde lang der Freundinnenwerdung einer quäkenden Halbirren aus der Vorstadt und einer gehässigen Upper Class-Businessbitch, die Kerle bis dato selbst genauso behandelt hat, wie sie jetzt mal von einem behandelt wurde: als Bettdeko.

Schwunglos und repetitiv ist das, wie die beiden zueinander finden und die titelgebenden Schadenfreundinnen werden, da wird gemeinsam saufen gegangen oder die Nacht im Kleiderschrank durchgemacht, gelacht und geknuddelt und dann kann die distanzierte Anwältin doch noch nicht über ihren Schatten springen, um die hibbelige Hippiehilde mit der Retro-Körperbehaarung als genau die Sister zu akzeptieren, die ihr im Leben gefehlt hat und das boshafte Ablehnen/arglose Andackeln-Theater geht von vorne los. Und während die Mann zumindest engagiert ist, scheint Cameron Diaz mit einem anderen Problem beschäftigt: inzwischen liest man aus ihrem Gesicht eher den verzweifelten »seht mich an, ich bin immer noch heiß«-Wunsch, nicht mehr so sehr die unbekümmerten und hemdsärmelig-rotzfrechen Schelmgörenzüge vergangener Tage und Comedy-Taten. Die Diaz war ja nie um Auftritte in engen Tops, Hot Pants oder noch knapperer Bekleidung verlegen und während ihrer Modelzeit auch für Nacktaufnahmen nicht zu scheu, das Volumen ihrer dekolleté- und beinlastigen Auftritte, lasziver Verrenkungen und sexy Posen scheint sich in ihren Filmen aber deutlich vergrößert zu haben, seit beim Alter vorne die unerbittliche Vier steht.

Keine Missverständnisse: die Frau kann sich natürlich immer noch sehen lassen und für Hollywoods Altersgesetze kann sie nichts, sich denen derart entgegen zu „prostituieren“, das es vor die Erfordernisse einer Rolle tritt, ist trotzdem der verkehrte Weg. Bezeichnend eine Szene, in der die Diaz unsinnigerweise am Strand Jagd auf die halb so alte Kate Upton macht, ins Straucheln gerät und das Busenwunder nicht einholen kann – da mengt sich ein geradezu peinlicher und bloßstellender Metasubtext bei… Und Vollweib-Model Kate Upton selbst, die dritte Betrogene im Bunde der Schadenfreundinnen? Ein Blondinenklischee, Doppel-D im Körbchen, Doppel-Dumpf in der Birne, vom Film in Zeitlupe mit wogenden Brüsten und tanzenden Backen inszeniert. Auch ihr Auftritt Zeugnis der Schnelllebigkeit des Hollywood’schen Schönheits- und Jugendwahns, denn die Rolle hätte vor drei Jahren wohl noch die fünf Jahre ältere und nicht minder üppige Brooklyn Decker gespielt (siehe deren nahezu gleichen Beach Babe-Auftritt in „Just Go with It“).

Wenn die drei Betrogenen endlich vereint sind und ihr Racheplan Konturen annimmt wird „The Other Woman“ etwas besser, da der Film nach viel zu langem Aufbau endlich seinen Payoff erreicht, der dann allerdings auch reichlich mager ausfällt. Mann, Diaz und Upton kurieren die Qualen ihres Stolzes und ihres Selbstwertgefühls mit Sexentzug, Abführ-, Hormon- und Haarentfernungsmitteln und wenn der Plot nicht noch schnell mit diversen geschäftlichen Abzockereien um die Ecke kommen würde wär’s das damit auch schon gewesen. Lahm. Zumal „The Other Woman“ sich nicht dazu durchringen kann, konsequent auf frontale Übertriebenheit zu setzen, weshalb Szenen wie Nikolaj Coster-Waldaus ausgedehnte Klositzung oder das Auftreten von Weibernippeln nicht lustig oder gar befriedigend sind, weil der Arsch endlich verdient sein Fett weg kriegt – es ist einfach nur beschämend. Und komplett unglaubwürdig, dass der gebeutelte Schlüpperstürmer keinerlei Verdacht schöpft, wenn’s rund um alle drei Leckerhasen plötzlich nicht mehr läuft und unerklärliche Dinge geschehen.

Kurzum: den Frauen gönnt man ihre Erlösung nicht so sehr wie nötig, und das Mannschwein wird auf eine Art erniedrigt, die sowohl einfallslos wie auch inkohärent ist. „The Other Woman“ ist nicht so beharrlich anarchisch-charmant wie Diaz‘ Glanzstück „There’s Something About Mary“ um mit Dauerdünnschiss durchzukommen, nicht so wonnig-warm wie so mancher Wohlfühlfilm, um in den sentimentalen Momenten zu berühren. Dazu kommt dieser penetrante Luxus-Look, der schon in Adam Sandlers als Spielfilm getarnten Urlaubsvideos ein ätzendes »Ätschbätsch« ins Gesicht der Zuschauer absondert: Hollywood-Stars, die jederzeit überall hin können, werden für’s Rumflätzen an Stränden und Traumlocations noch zusätzlich fürstlich entlohnt und in ihren nobel designten und ausgestatteten Manhattan-Apartments mit Central Park-Blick, ihren gläsernen Bürotempeln, ihren Vorstadt-Schlössern und Strandhäusern mit Pazifikanbindung soll man ihre stöckelbeschuhten Haute Couture-Oberschichtsprobleme ernst nehmen. Vorgetragen von der Erbin Jar Jar Binks‘, einer straffgezogenen Faltenvorbeuge und einem melonenbusigen Dumpfsexobjekt. Und einem enormen Hund, der in die Ecke scheißt…

Wertung & Fazit

Action: 0.5/5

Einige körperstuntlastige Slapstickeinlagen, aber kein wirkliches Kriterium.

Spannung: 0/5

Fehlanzeige, kein Kriterium.

Anspruch: 0/5

Nope.

Humor: 1/5

Cameron Diaz ist zu sehr mit dem Übertünchen der Zeichen der Zeit beschäftigt, um ihr komödiantisches Potenzial voll abzurufen, ansonsten schwanken die Gags zwischen nervig, zahm und belanglos.

Darsteller: 2/5

Eine gewisse Chemie ist zwischen Diaz, Leslie Mann und Kate Upton sogar vorhanden, aber die Figurenzeichnung und zum Teil das Spiel der Actricen ist ziemlich daneben.

Regie: 1/5

Kaum Tempo, keine entschlossene Gangart was die Gags angeht, keine Ideen.

Film: 2/10

Schöne und um Schönheit ringende Menschen vor Luxus- und Traumkulissen: banale Vegeltung dreier Nymphen, die nicht viel sympathischer rüberkommen als der Eros, dem ihre Rache gilt.

Bei Amazon.de bestellen

3 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.