Stars im Portrait: EDWARD ZWICK


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Portrait

Es gibt Namen, mit denen man wirbt, solche, mit denen man es nicht tun sollte und jene, mit denen man es nicht tut. Aufmerksamkeitsheischende Sprüche wie ‚Steven Spielberg präsentiert‘, ‚Peter Jackson produziert‘ und ‚Quentin Tarantino empfiehlt‘ prangen manchmal schon auf Filmplakaten, wenn einer der Herren bloß beim Dreh zu Besuch war oder mit dem entsprechenden Regiekollegen per Du ist. Edward Zwick, der schon bei der Eingabe seines Vornamens ins Google-Formular bei den angezeigten Suchvorschlägen keine Chance gegen Namensvettern wie (immerhin) Edward Norton oder (oh Mann…) Edward Cullen hat, landet auf den Aushängeschildern zu seinen Filmen zumeist ganz klein am Ende der Credits. Bei ihm wird eher mit den Stars geworben, die sich vor seiner Kamera versammeln, wie Daniel Craig, Leonardo DiCaprio, Tom Cruise oder Denzel Washington. Dabei hätte sich der Mann etwas offensivere Werbung mit der eigenen Person durchaus verdient.

Unter anderem beeinflusst von seinem älteren Bruder Joel Zwick, der als Film-, Fernseh- und Theaterregisseur ebenfalls in der Brache tätig ist und seinen größten Erfolg mit My Big Fat Greek Wedding (2002; 368 Millionen weltweites Einspiel) feiern konnte, zog es auch den zehn Jahre jüngeren Edward nach Hollywood. Nach seinem Abschluss an der Harvard University absolvierte Zwick die AFI Conservatory in Los Angeles und graduierte dort 1975. Nach einem journalistischen Engagement beim Rolling Stone gelangte er als Produzent, Regisseur und Autor zum Fernsehen. So produzierte und inszenierte er Episoden der Serie Family (1976) und schrieb ab 1979 drei Episoden für spätere Staffeln. Dieser Dreigleisigkeit blieb Zwick treu, zunächst weiterhin für das Fernsehen (u. a. der Pilotfilm Paper Dolls und die Komödie Having It All, beide 1982), ehe er mit About Last Night… (1986) sein Kinodebüt gab. Die Dramödie, eine Adaption des Theaterstücks Sexual Perversity in Chicago von David Mamet, wurde mit Rob Lowe, Demi Moore und James Belushi in den Hauptrollen in den USA ein mäßiger Erfolg.



Nach weiteren TV-Produktionen und der Arbeit an der Serie thirtysomething (1987) entwickelte sich auch Edward Zwicks zweite Regiearbeit Glory (1989) bei einem Budget von etwa 18 Millionen und eingespielten 26,8 Millionen nicht gerade zum Überhit, wohl aber zu einem Kritikererfolg und wurde unter anderem mit drei Oscars gewürdigt, von denen einer an Denzel Washington als Bester Nebendarsteller ging. Das Bürgerkriegsdrama, in dem neben Washington Matthew Broderick, Cary Elwes und Morgan Freeman zu sehen sind, gilt bis heute als eines der akkuratesten und respektiertesten Werke, welches den Nord-Südstaaten-Konflikt zum Thema hat. Mit dem Road Movie Leaving Normal (1992), das sich stark an Ridley Scotts erfolgreichem Thelma & Louise (1991) orientiert und Meg Tilly und Christine Lahti auf dem Weg nach Alaska zeigt, konnte Zwick nicht annähernd an Glory anknüpfen.

Seinen Ruf als Spezialist für bildgewaltige Epen festigte schließlich 1994 Legenden der Leidenschaft (dem allein der Originaltitel Legends of the Fall viel von seinem vermeindlichen Kitschfaktor nimmt). Mit dem aufstrebenden Jungstar Brad Pitt, Altmeister Anthony Hopkins und Aidan Quinn in den Hauptrollen schuf Zwick eine opulente Familiensaga mit sehenswertem Schauspiel und beeindruckenden Panoramen. In Form des Ersten Weltkrieges ist auch eines der großen historischen Ereignisse erneut ein Thema. In dem nach Meinung der Kritiker zu zahm und eindimensional geratenen Mut zur Wahrheit (1996) widmete sich Zwick dem Zweiten Golfkrieg, dem Konflikt der USA mit dem Nahen Osten in den Jahren 1990 bis ’91. Die zweite Zusammenarbeit mit Denzel Washington, in der außerdem Meg Ryan, Lou Diamond Phillips und Matt Damon zu sehen sind, stieß auch beim Publikum eher auf verhaltene Reaktionen.



Zwar schwankte die Qualität von Edward Zwicks Regiearbeiten zu dieser Zeit etwas zwischen den Extremen, als bildsprachlich einwandfreier Filmemacher, dessen Durchbruch zum absoluten Top-Regisseur bis dahin nur die wechselhafte erzählerische Qualität seiner Werke im Weg stand, hatte er sich jedoch bewiesen. Zweifelsfreie Gegenargumente hinsichtlich Storytellings konnte auch der kontrovers diskutierte Ausnahmezustand (1998) nicht unbedingt liefern, in dem Bruce Willis New York nach diversen Terroranschlägen zum Kriegsgebiet erklärt, während Denzel Washington den Kampf mit Vernunft zu führen versucht. Als durchaus gelungenen Action-Thriller mit politisch brisanter Handlung kann man Ausnahmezustand sehr wohl betrachten.

Seine bis dato größten persönlichen Erfolge feierte Edward Zwick in den folgenden Jahren nicht vom Regiestuhl aus, sondern als Produzent. Neben den Weinstein-Brüdern war er in dieser Funktion für den Oscar-Abräumer Shakespeare in Love (1998) zuständig, der mit insgesamt sieben Trophäen, darunter für den Besten Film, ausgezeichnet wurde. Zwar gilt John Maddens Film heutzutage als einer der unverdientesten Gewinner in der Academy Awards-Geschichte, woran Zwick sich allerdings kaum stören dürfte. Eine weitere Nominierung für den Goldjungen erntete er für Steven Soderberghs Traffic (2000), außerdem war Zwick Produzent von I Am Sam (2001) mit Sean Penn, Steven Gaghans Abandon (2002) und weiteren TV-Filmen und Serien. Bei der drei Staffeln umfassenden Serie Once and Again (1999-2002) übernahm er neben der Produktion auch gelegentlich die Regie und schrieb einige Episoden.



Den kommerziell größten Erfolg und einen auch künstlerisch sehr brauchbaren Film fuhr Edward Zwick mit The Last Samurai (2003) ein, dessen gutes Ergebnis an den Kassen zweifellos der damaligen Popularität seines Leading Man Tom Cruise zu verdanken ist, der aber dennoch weit über ein bloßes Star-Vehikel hinaus funktioniert. Seine Fähigkeiten, große Bilder über die volle Breite der Leinwand zu erstrecken und nebenbei eine gute Geschichte zu erzählen, hatte Zwick seit Glory nicht mehr so wirkungsvoll miteinander verbinden können und auch wenn dem Film die ganz großen Award-Ehren verwehrt blieben, so kann man ihn doch als eine der besten Arbeiten des Regisseures betrachten. Sogar toppen, zumindest auf künstlerischer Ebene, konnte er dies noch mit Blood Diamond (2006), der den Bürgerkrieg in Sierra Leone thematisiert, Anspruch und starke Actionmomente nahezu perfekt aneinander koppelt und tolles Schauspiel von Leonardo DiCaprio, Djimon Hounsou und Jennifer Connelly bietet. Nach der Serie Quarterlife erzählte Zwick in Defiance (beide 2008) die wahre Geschichte jüdischer Widerstandskämpfer während des Zweiten Weltkriegs. Der mit Daniel Craig, Liev Schreiber und Jamie Bell besetzte Film konnte finanziell und auch bei den Kritiken nicht an seine Vorläufer anknüpfen, bietet mit visueller Wucht und einer detailreichen Rekonstruktion seiner Epoche aber die typsichen Zwick-Zutaten.

Mit der Geschichte eines pharmazeutischen Vertreters in Love and Other Drugs widmet sich Edward Zwick in seinem nächsten und vorraussichtlich 2010 erscheinenden Projekt mal nicht der Moral und den Auswirkungen des Krieges in verschiedenster Form und Zeit. Dass dann sein Name auf dem Plakat prangen wird ist angesichts beteiligter Namen wie Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway wieder einmal eher unwahrscheinlich, doch Zwick wird sich daran nicht stören. Zwar hat er mit seinen Projekten nicht ausschließlich und immer einhundertprozentige Treffsicherheit bewiesen, dennoch zählt Zwick ohne viel TamTam zu den überzeugendsten Lieferanten großen TamTams. Einer, bei dem großartige Schauwerte sicher sind, der aber stets darauf bedacht ist, Storys und Aussagen dahinter nicht zu erdrücken und sie wann immer möglich nicht nur mit Bildern vor, sondern auch mit Anspruch hinter die Augen seines Publikums zu bekommen. Weshalb man von Edward Zwick behaupten kann, dass er die Möglichkeiten des Mediums Film absolut verstanden hat.

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