ESCAPE PLAN: Kritik zum Ausbruchs-Actioner mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger

Story

Ray Breslin ist nicht zu halten: die letzten Jahre seines Lebens hat der Sicherheitsexperte damit verbracht, sich in die unterschiedlichsten Gefängnisse einweisen zu lassen, deren Schwachstellen aufzuspüren und schließlich auszubrechen. Über seine Erfahrungen hat er ein Buch verfasst, das als heilige Schrift unter den Sachbüchern der Knastsicherheitsliteratur gilt. Nachdem es Breslin einmal mehr gelungen ist, einem Hochsicherheitstrakt zu entkommen, erhalten er und sein Geschäftspartner Lester Clark ein überaus lukratives Angebot von der CIA-Agentin Jessica Miller: für die doppelte Summe der üblichen Belohnung soll Breslin unter härteren Bedingungen als jemals zuvor eine Prototyp-Einrichtung testen. Der erfahrene Haudegen willigt ein – und findet sich nach einer unsanften Verschleppung in einem Knast wieder, wie selbst er ihn noch nicht erlebt hat und aus dem es tatsächlich kein Entrinnen zu geben scheint, konzipiert nach den Maßgaben seines eigenen Buches. Alsbald wird Breslin klar, das etwas ganz anderes hinter der Sache steckt, dass irgendjemand ihn verraten hat und ein großes Interesse daran verfolgt, ihn niemals wieder unter freiem Himmel zu sehen. Im Knallhartknast knüpft Breslin Kontakt zu dem Mitgefangenen Emil Rottmayer, aus dem der Oberaufseher Hobbes immer wieder Informationen über seinen Boss herauszufoltern versucht. Gemeinsam fassen Breslin und Rottmayer einen verwegenen Fluchtplan…

Der Film



Was in den 1980ern, den güldenen Hallen des Actionkinos, noch undenkbar schien, ist schlappe drei Jahrezehnte später schon beinahe Routine: Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, die Steirische Eiche und der Italian Stallion, der Terminator und Rambo, gemeinsam vor der Kamera! Blitzlichtartig kurz trafen die beiden Genreveteranen und größten Stars ihrer Epoche 2010 beim Happening „The Expendables“ aufeinander, im brettgeilen Sequel durften dann ein paar Szenen mehr geteilt und Seite an Seite geballert werden, doch so richtig gleichberechtigt nebeneinander auf der Bühne stehen Big Arnie und Sly nun im Thriller „Escape Plan“. Wie die letzten Solo-Nummern der beiden, „Bullet to the Head“ und „The Last Stand“, floppte auch der Ausbruchs-Actioner gewaltig, zumindest in den USA. Ohne die Schar der (Un)Verzichtbaren an ihrer Seite zeigen Schwarzenegger und Stallone keine Tragkraft mehr am Box Office, einen Film an sich kriegen aber beide auch mit bald siebzig Jahren noch gestemmt. Zu ihren besten Arbeiten zählt „Escape Plan“ zwar nicht, hält sogar weiten Abstand zu den Arnie/Sly-Referenzen vergangener Tage, ist jedoch genau wie die jüngeren Taten der gealterten Recken ganz vergnügliches Revival-Feeling, eben wieder ganz so, als hätten die Leinwandgiganten ihre Bestzeiten zwischen den ‘80ern und ‘90ern nie hinter sich gelassen.

„Escape Plan“ ist ein kompletter Quatschfilm, wie er auch an die B- und C-Vertreter des Actionkinos hätte gehen können, an die Seagals und Dudikoffs (tatsächlich war ursprünglich Bruce Willis für den Lead vorgesehen); für Schwarzenegger und Stallone reiht er sich neben deren 2nd-Rankern wie „Raw Deal“, „Eraser“ und „Cobra“ ein, Vehikel mit klarem Zuschnitt auf ihre Stars, solider Durchschnitt innerhalb deren Œuvres, nahezu existenzberechtigungsfrei, wenn’s die Ikonen nicht an Bord hätte. Nach dem Auftragskiller in „Assassins“, dem Bombenentschärfer in „The Specialist“ oder dem Bergretter in „Cliffhanger“ spielt Stallone den altbekannten schwermütigen „besten Mann, um den Job zu erledigen“, in diesem Fall einen Ausbruchsspezialisten, der ein persönliches Trauma zu bewältigen versucht, wobei Nachdenklichkeit bei Sly wie gewohnt nach Vorstufe zur Narkolepsie wirkt. Den unverkrampfteren Part mit der ebenfalls gewohnten Prise (Selbst)Ironie nimmt Schwarzenegger ein, der als österreichelnder Emil Rottmayer seine losgelösteste Actionfilm-Performance seit dem parodistischen „Last Action Hero“ abliefert, kulminierend in »Deine Mutter«-Gags und dem aberwitzigsten Ausraster seit »Put dät cookie dauwn, NAU!«



Nach der überlangen Einleitung und Stallones Skill-Check verlagert sich „Escape Plan“ für die übrige Laufzeit in den High Tech-Knast mit seinen gläsernen Zellen und maskierten Wachen. Der reveal shot des Traktes, der in einer riesigen ausgedienten NASA-Fertigungshalle errichtet wurde, will viel spektakulärer sein, als es ihm gelingt, trotz plötzlich aufdröhnender „TRON: Legacy“-Musik drunter. Zeitgemäß werden guantanamomäßige Foltermethoden angeprangert (aus Waterboarding wird Waterschlucking), Originäres, wie von den Beteiligten im MakingOf behauptet, hat „Escape Plan“ ansonsten nicht zu bieten, allein Stallone hat mit „Victory“ und „Lock Up“ (und in Teilen „Tango & Cash“) mehr als einen Gefängnisausflug in der Filmographie stehen. Der fünfte US-Film des Schweden Mikael Håfström bietet im Gegenteil nicht mal den Ansatz von Neuem, ein Stückchen Verschwörungs-Thrill und ansonsten viele Knastfilmklischees aufgewärmt, von „Escape from Alcatraz“ bis zum futuristischen „Fortress“. Wie im Detail Breslin die Flucht aus dem Superknast gelingt weckt außerdem nicht wirklich Spannung, denn der Plot verlässt sich auf Zufallsbekanntschaften wie „irgendwer entdeckt rechtzeitig sein Gewissen“ und „irgendwer opfert sich für die Gruppe“, um zu passenden Zeitpunkten alles in die Wege zu leiten. Und wenn die Lage aussichtslos scheint steht mit Sicherheit irgendwo ein Ölfass rum. Die Jungs von CinemaSins würden gut und gerne ein 20-Minuten-Video ihrer beliebten »Everything wrong with…«-Reihe benötigen, um sämtliche Logikmacken, günstige Zufälle und sonstige Schlampereien zu Gunsten des Handlungsfortschritts anzuprangern.

Aber… wozu eigentlich? Ganz dem Geiste seiner älteren Brüdern verschrieben macht „Escape Plan“ unbeschwert Laune, natürlich besonders den alteingesessenen Fans von Stallone und Schwarzenegger, die der Film unverholen und in herausstechenden Momenten abfeiert. In engen Schächten wird Sly zur Kraxelakrobatik gezwungen, in dramatischer Zeitlupe greift Arnie zur Riesenwumme und all sowas. Glaubwürdig wirkt es natürlich nie, dass die beiden alten Säcke, um deren fortgeschrittenen Lebensabschnitt sich „Escape Plan“ auch nicht künstlich herumzumogeln versucht, den Knast voller Schwerverbrecher immer noch dominieren. Die erste Keilerei der beiden Recken hat die Dynamik gegeneinander geworfener Kartoffelsäcke, aber Stallone und Schwarzenegger haben eben einfach diese unnachahmliche Präsenz, nach wie vor diese Überlebensgröße, mit der man das als Filmemacher wuppen und als begeistertes Publikum schlucken kann. Auch wenn Big Arnie anfangs zu sehr wie Slys Bückstück rüberkommt und als wär’s nix Gefahren für Leib und Leben für einen (vermeintlich…) vollkommen Fremden auf sich nimmt, von dessen wahrer Identität er zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts weiß.



Mit einem ausgefeilteren Script hätte sich sicherlich mehr aus „Escape Plan“ heraus holen lassen, von Breslins anfänglicher Ausbruchsraffinesse mit selbstgebauten Sextanten und nett visualisierter Blaupausenanalyse bleibt da nichts mehr übrig und am Ende reicht Schwarzenegger und Stallone, was ihnen auch vor dreißig Jahren gereicht hat: Waffengewalt und ein explodierender Bodycount. Simpel, hart und ehrlich, die 80er eben. Moral bleibt gattungsgemäß fern, wenn die Actionhelden ihren Fluchtplan auf Kosten der Mitgefangenen durchziehen, die sich uneingeweiht während eines zur Ablenkung angezettelten Aufstandes die Rüben einschlagen und von den maskierten Wächtern umgemäht werden und man davon ausgehen kann, dass nicht wenige andere unter ebenso fragwürdig-illegalen und gesetzeswidrigen Umständen einsitzen, wie Breslin und Rottmayer… Der Showdown verlässt sich auf Standartknallereien mit Moorhuhngegnern und moderatem Härtegrad, sobald es richtig ans Eingemachte geht wird weggeblendet, total steril ist das Geschehen aber auch nicht präsentiert. Neben den dominierenden Hauptdarstellern trumpft „Escape Plan“ mit einer ganzen Reihe von Charakterköpfen in den Nebenrollen auf: angefangen mit James „Jesus“ Caviezel („The Passion of the Christ“) als aalglatt-dämonischem Chef des Radikalknasts und dem ehemaligen Premier League-Rüpel Vinnie Jones („Snatch“) als sadistischer Wächter, bishin zum raren Sam Neill („Jurassic Park“) und Vincent D’Onofrio („The Salton Sea“) – dufte, wer hier alles gewonnen werden könnte, da stört selbst Rapper Fufzich Cent kaum.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Standartballereien, die einige Momente bewusst überinszeniert, um die Leinwandikonen Stallone und Schwarzenegger angemessen dastehen zu lassen.
Spannung: 1,5/5
Die Verschwörung um Breslin ist pappig, der Ausgang des Ausbruchs steht nie in Frage und die Umsetzung wird immer wieder von Zufällen und Zwangswendungen begünstigt und geht am Ende sowieso viel zu einfach von statten.
Anspruch: 0/5
Nee. „Escape Plan“ ist grober Quatsch und ohne große Hirnmühen runterzugucken.
Humor: 2/5
Die Überinszenierung der Helden, deren trocken-doofe Sprüche… Ganz wie früher!
Darsteller: 3/5
Das Stallone und Schwarzenegger auch auf ihre alten Tage nicht um Awardehren spielen ist klar. Präsenz und Charisma bringen sie aber nach wie vor mit, so ausgeprägt, wie bei kaum einem modernen Actionrecken.
Regie: 2/5
Solide runtergefilmt, aber Håfström bleibt ein reiner Auftragsregisseur, bei dem es keine Anzeichen gibt, warum ausgerechnet ER diesen bestimmten Film drehen musste.
Fazit: 6/10
Darüber, ob Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger und ihre Art von Filmen heutzutage noch irgendjemand braucht, kann man sicher ausgiebig diskutieren und die Kassenzahlen sprechen ja eindeutig dagegen – und trotzdem ist es mindestens für Kinder der seelig-verklärten 1980er einfach schön, dass die Recken neben den ganzen CGI-Spektakeln ihr ehrliches Ding noch ein paar Jahre weitermachen, solange sie noch können. „Escape Plan“ ist nichts dolles, aber solide Unterhaltung für Fans der Veteranen. Und damit alles, was er sein muss.

Mehr zum Film

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