FANTASTIC FOUR: Kritik zum Superhelden-Flop mit Miles Teller und Kate Mara (Kino)

Story

Seit frühester Kindheit und ersten Prototypbauten in der Garage seiner Eltern ist der brillante Reed Richards von der Idee fasziniert, Materie von einem Ort an einen anderen teleportieren zu können. Gemeinsam mit seinem besten Freund Ben Grimm arbeitet Reed über Jahre an dieser bahnbrechenden Erfindung und präsentiert sie schließlich im Rahmen eines Forschungswettbewerbs seiner High School. Während die Juroren seine Vorführung als wenig wissenschaftlichen Zaubertrick abtun und disqualifizieren wird Professor Franklin Storm auf Reed und Ben aufmerksam, seines Zeichens Direktor der Baxter Foundation, eines regierungsgeförderten Instituts, das seit geraumer Zeit an der selben Technik wie Reed arbeitet. Die Methoden des jungen Genies führen schließlich zum Durchbruch und mit Hilfe von Storms Kindern, der smarten Wissenschaftlerin Sue und dem Heißsporn-Techniker Johnny, sowie dem rebellischen Computer-Superhirn Victor von Doom, der das sogenannte „Quantum Gate“ ursprünglich designt hat, nimmt die Teleportationsapparatur Form an. Gemeinsam mit Ben begeben sich Reed, Johnny und Victor auf einen Trip in eine bislang unbekannte Dimension, wo sie auf eine unerschöpfliche, substanzielle Energiequelle stoßen – doch plötzlich geht beim Kontakt mit der Materie etwas schief und nachdem sich die Gruppe in höchster Not auf die Erde zurück retten kann hat sich die genetische Molekularstruktur ihrer Körper auf erschreckende und fantastische Weise verändert…

Die Filmkritik

Miles Teller als Reed Richards in FANTASTIC FOUR
Verdoomt nochmal, nach DEM Blockbuster-Desaster des Sommers muss man in diesem Jahr nicht lange suchen: es ist natürlich Josh Tranks „Fantastic Four“, der nach viel Fanhass im Vorfeld nun die schlechtesten Wertungen seit Comicverfilmungen gemessen werden einfährt, eine BoxOffice-Bruchlandung hinlegte, via Twitter von seinem eigenen Regisseur verstoßen wurde und dessen Produktionshintergründe Stoff für eine „5 vor 12“-Katastrophenfilm-Doku böten, in der Al Gore sehr ernte in die Kamera schaut und sich und das Publikum kopfschüttelnd »What went wrong?« fragt. Was für ein Flop, was für ein Combo Breaker für alles, was 20th Century Fox demnächst an Sequels und möglichen „X-Men“- und „Deadpool“-Crossovern in Planung hatte. Falls da bei denen überhaupt irgendwer einen Plan hat. Eben genau danach sieht „Fantastic Four“ nämlich nicht aus. Um die Sahne als erstes vom Kuchen zu nehmen: der Film ist nicht SO schlecht, wie er zum Teil gemacht wird. Nicht „Batman & Robin“-schlecht. Nicht „Green Lantern“-schlecht. Nicht „X-Men Origins: Wolverine“-schlecht.

Doch wie alle Marvel-Properties in Fremdverwaltung seit den beiden ersten „X-Men“- und „Spider-Man“-Filmen wirkt „Fantastic Four“ wie ein Film, bei dem niemand Ahnung vom Quellmaterial hat und sich nur ein paar rudimentärer Elemente und Ideen bedient wurde (man vergleiche mal den Japan-Ausflug des Krallenmannes in „The Wolverine“ mit der Comicvorlage von Chris Claremont und Frank Miller), um damit was eigenes zu machen und qualvoll zu versagen. Auch innerhalb des Marvel Cinematic Universe alternieren Storylines und verändern sich Hintergründe, aber auf sinnvolle Art, während bei Fox und Sony nur Continuity-Brüche, Unvereinbarkeiten, Sackgassen und Kuddelmuddel entstehen. An „Fantastic Four“ war Fox‘ Möchtegern-Kevin Feige Simon Kinberg direkt beteiligt, der als Produzent und Autor entscheidend zum Revival des „X-Men“-Franchise beigetragen hat, also einen Film hätte hinstellen müssen oder sollen, der ein bißchen die „First Class“– und „Days of Future Past“-DNA in sich trägt, um Fox seinen Wunsch nach einem shared Universe nach MCU-Vorbild zu erfüllen. Was aber dabei rauskommt, ist ein künstlerischer Kontrollverlust.
Wandern auf Planet Zero in FANTASTIC FOUR
„Fantastic Four“ startet noch ganz verheißungsvoll, da ist schon erstmal Stirnrunzeln bei der Frage angesagt, woher diese bodenlos schlechten Bewertungen und ungnädigen Verrisse kommen: die Einführung von Reed Richards als kindlicher Science-Nerd und jugendliches Erfindergenie mit seinem hemdsärmeligen Zupacker-vom-Schrottplatz-Kumpel Ben Grimm ist durchaus nett, zwar auch dann absolut unaufregend, wenn nach und nach die anderen Mitglieder zum Team stoßen, aber die Geek-Gags auf Reeds Kosten zünden manchmal und als Jugend forscht-Abenteuer mit ein paar Labor-Goonies ist „Fantastic Four“ absolut solide – müsste er dann nur nicht auf Superhelden-Action umschwenken. Man merkt Regisseur Trank an, dass er zunächst gerne sauber anerzählte Figuren hätte, bevor daraus kostümierte Kräfte-Menschen werden. Dabei lassen sich aber weder der „Chronicle“-Macher, noch die Mit-Autoren Kinberg und Jeremy Slater wirklich auf die Charaktere ein, die Stan Lee und Jack Kirby in den 1960ern ersonnen haben und fallen stattdessen im Drang nach Erdung auf ziemliche Langweiler zurück, die alle nur das slightest bit an Eigenschaftseinheit mitbringen.

Reed ist schlau, Ben loyal, Michael B. Jordan als Johnny Storm ein rasender Flegel, dessen Hitzköpfigkeit aber mühelos wie ein Strichholz zu löschen scheint, Kate Maras Sue Storm indes… hört bei der Arbeit gerne Musik? Dazu gesellt sich Toby Kebbell als Victor von Doom, dessen Name vorlagengemäß so laut »Foooooreshadowing!« schreit wie die finsteren Blicke, autoritätsfeindliche Haltung und Soap-mäßigen Eifersüchteleien des „Dawn of the Planet of the Apes“-Fieslings. Der 2005er „Fantastic Four“ und das Sequel „Rise of the Silver Surfer“ von Tim Story gingen die vollen zehn Yards mit diesen Charakteren, machten bunte Cartoonfiguren aus dem Heldenquartett und dem latverischen Schurken. Tranks „Fantastic Four“ wählt den Weg des Gegenteils und präsentiert in blau-grauen Einheitssets und später der braun-grünen Paralleldimension-CGI-Landschaft eine geerdete Gruppe, die mit Zeitraffer-Methode zueinander findet und von U-Turn-Standpunkten und einem Handlungssprung gleich wieder auseinandergerissen wird, nachdem irgendein Energie-Ooze ihnen ihre Kräfte verliehen hat.
Jamie Bell als deprimiertes Ding in FANTASTIC FOUR
Die Sequenz, in der das Powerpopping passiert, ist mühelos die stärkste und hervorstechendste des ganzen Films: der Kontakt mit der außerweltlichen Substanz auf Planet Zero und die Flucht vor kollabierenden Landschaftsmassen, die Art, wie sich die charakteristischen Kräfte an Reed und die anderen heften und schließlich die Panik nach einer Energieexplosion, blutende, verstörte Gesichter, ein brennender Körper, Schreie um Hilfe statt »Yeah, Superpowers!«-Feierlaune – das ist eindrücklich und kurz blinzelt er mal hervor, der Cronenberg’sche Body Horror, den Trank möglicherweise im Sinn hatte und bei voller künstlerischer Freiheit aus dem Stoff gekitzelt hätte. Nur damit lässt sich halt kein locker aufgelegtes Helden-Abenteuer vereinen, wie der Film in seiner meilenweit schwächeren zweiten Hälfte offenbart. Die Figuren werden durch ihre Kräfte in der Folge nicht interessanter, sondern bloß beliebige Ausstellungsstücke ihres jeweiligen Gimmicks und während Tranks Stimmung die Comic-Action zu unterdrücken versucht will das Studio was sehen für seine $120 Millionen.

Die wenigstens ordentlich angesetzte Dynamik zwischen den fantastischen Vier geht dabei verloren, wie die Akustik der gleichnamigen Band, wenn man sich die Ohrenstöpsel zu weit in den Gehörgang würgt: „Fantastic Four“ wird zu einem dumpfen Spektakel, um mehrere Szenen aus den Trailern erleichtert, die die Action-Values hochgeschraubt hätten, viel dringlicher aber etwas für die Charaktere hätten leisten müssen, von denen im plötzlichen Stakkato-Tempo des Films überhaupt nichts mehr kommt. Wer sich für wessen Schicksal schuldig fühlt und wem Vorwürfe gemacht werden ist ohne viel Inhalt oder Gewicht in den kaum mehr vorhandenen Plot geschludert, der die Kräfte des Quartetts militarisiert (nein hör auf, wie originell… 🙄 ), sie aber die meiste Zeit bloß in lahmen Betonumfeldern einer geheimen Basis aufführt, in der Johnny Flamme an/Flamme aus spielt und Sue ein paar Frachtcontainer anschubst, was an Lahmarschigkeit dann doch noch neue Negativ-Standards für das Genre setzt.
Kate Mara und Michael B Jordan als Storm-Geschwister in FANTASTIC FOUR
Graue Wände, flaue Kräfte: der Frustfels, das Kraftfeldchick, der Brennbarbursche und das Gummigenie sind als Superheroes on the way tatsächlich noch blasser, als ohne ihre paralleldimensionale Injektion, die Figurenmotivationen sind brutal unterentwickelt und „Fantastic Four“ hat überhaupt nichts mehr, auf das er sich thematisch fokussieren mag. Dazu kommen magerste Special Effects: die Stretch-Kampfeinlagen des elastischen Reed sehen nicht viel besser aus als in der berüchtigten Trash-Version von Roger Corman, Michael B. Jordan lässt in seiner feurigen Human Torch-Gestalt keinerlei tricktechnischen Fortschritt zu Fackelfrechdachs Chris Evans in den Filmen von 2005 und 2007 erkennen, das CGI-Ding wird vorsorglich im Schatten oder Weitwinkelaufnahmen gehalten, ist aber noch deutlich der beste Pixelerguss des Films. Kate Maras Unsichtsbarkeits- und Kraftfeldergewirbel ist random, da könnte „Fantastic Four“ auch Bilder von Jessica Alba zwischenschneiden, wie die ihre Hände reckt und mit angestrengtem Gesichtsausdruck eine Schauspielerin zu sein versucht, der Unterschied zu Mara würde kaum auffallen.

Mit irgendeiner multidimensionalen »Fuck the Forces!«-Allmachtphantasie-Scheiße katapultiert’s schließlich den FF-Erzschurken Dr. Doom zurück in die Handlung, als die darauf kommt, dass irgendeine Form von Bedrohung noch irgendwie aufgestellt gehört, um das Team der hadernden Helden zusammen zu bringen. Seinen Cronenberg-Bezug drückt Trank in einer Szene durch, die an den berühmtesten Moment des 1981er-Schockers „Scanners“ erinnert, ansonsten ist Dooms Auftritt, gemessen an seiner Bedeutung für das FF-Universum, beziehungsweise für den ganzen Marvel-Kosmos, ein viel größerer Niederschlag, als Julian McMahons manisch-überzeichnete Größenwahnvorstellung in Storys Variante: von Dooms, gelinde gesprochen, gewöhnungspflichtigem Re-Design über seine unterkonstruierten Herrschafts-Motive bis zu einem der miesesten Endkämpfe überhaupt, bei dem ein verheerender Energiestrahl nicht fehlen darf, der von irgendwoher irgendwoandershin geschossen wird, ist die ganze Präsenz des latverischen Diktators von der Kapuze bis zum Fußabdruck in den braunen Staub von Planet Zero gesetzt.
Toby Kebbell als Dr Doom in FANTASTIC FOUR
Die „Fantastic Four“-Filme von Tim Story waren nicht toll, die waren campy wie ein Campingplatz, albern und teils erbärmlich schlecht gespielt, aber die hatten einen verzeihlich stimmenden, stupiden Charme, waren halt die harmlosen, quietschigen Dorftrottel unter den Comicverfilmungen. Josh Tranks „Fantastic Four“ hingegen kann man eigentlich überhaupt nicht zuordnen, der ist ein zerrissenes Vehikel zwischen der Vision eines Regisseurs und den Vorstellungen eines Studios, die beide an irgendeinem Punkt hätten einsehen müssen, dass man das so alles nicht zusammenbringen kann. Der Body Horror-Anklang ist wahnsinnig interessant und hätte wirklich mal eine völlig „andere“ Comicverfilmung hervorbringen können, in der gewöhnliche Menschen mit den bizarren Veränderungen ihrer Körper umzugehen verstehen, sich neu zu akzeptieren hätten lernen müssen, ein Gewissen im Umgang mit ihren Kräften hätten entwickeln müssen. Ein größer aufgezogener „Chronicle“ mit elementaren Einflüssen einer der genialsten Phasen Cronenbergs. Das hätte vielleicht auch nicht funktioniert, wäre aber in konsequenter, unbeeinflusster Umsetzung bestimmt erlebenswerter gewesen, als der verhunzte Mischfilm aus Ambition und Kalkül, als der „Fantastic Four“ nun dasteht.

Wertung & Fazit

Action: 1.5/5

Kommt spät überhaupt erst ins Geschehen und hat dann weder tricktechnisch, noch dramaturgisch was zu bieten. Schrecklich dümpeliger Showdown, der mit zum schlechtesten gehört, was man in Comicverfilmungen bisher so gesehen hat.

Spannung: 1/5

Letztlich nicht mehr, als eine überlange Exposition zu einem Film, der erst richtig loszugehen verspricht, wenn der Abspann ins Bild ploppt.

Anspruch: 0.5/5

Reißbrettkonflikte, die der 2005er „Fantastic Four“ besser gelöst hat. Was die interessanteste Phase des Films zu werden verspricht wird durch einen Zeitsprung in der Handlung überflogen. Hin und wieder scheint die interessante Vision eines ungewöhnlichen Superheldenfilms durch, nur durchsetzen kann sie sich nicht.

Humor: 0.5/5

Ein paar Gags treffen ihr Ziel.

Darsteller: 2/5

Scheinen irgendwann auch nix mehr mit ihren Figuren anfangen zu können, nachdem die Konstellation zu Anfang ganz sympathisch hinhaut. Später aber überhaupt keine Chemie mehr zwischen den Vieren und mehr ratlose Gesichter, als engagiertes Schauspiel.

Regie: 1/5

Josh Trank übernimmt einige Varianten aus seinem gelungenen Found Footage-Superkräfte-Film „Chronicle“ und schien eine Vision für die FF zu haben, distanziert sich inzwischen aber deutlich vom Film und dem, was vermeintlich das Studio daran verbockt hat. Trank selbst wird aber zunehmend detaillierter in seinen fragwürdigen Methoden verpetzt. Ein Desaster für alle, der HSV unter den Comicverfilmungen…

Film: 3.5/10

Nicht SO bodenlos schlecht, wie manche sagen, aber nach brauchbar-solider erster folgt eine gnadenlos misslungene zweite Hälfte und ab da ist’s dann so ziemlich der beschissenste Superheldfilm seit „Green Lantern“. Schon schade drum, denn zumindest interessante Ansätze und unverbrauchte Genre-Impulse stecken drin in „Fantastic Four“…

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Ein Kommentar

  1. So schlecht finde ich “Green Lantern” nicht, ein erfrischend unernster Comicfilm aus dem Hause DC, wo sonst ja das große Nolan-Brüten jeden Ansatz eines Lächelns mit Hanz Zimmer Musik vom Gesicht klatscht.

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