FAST & FURIOUS 7: Kritik zum Car-Actioner mit Vin Diesel & Paul Walker (Kino)

Story

Nachdem sie gemeinsam mit dem Bundesagenten Luke Hobbs den gefährlichen Söldner Owen Shaw aus dem Verkehr gezogen haben, ist die Rasercrew um Dominic Toretto und Brian O’Conner von allen Straftaten entlastet und endlich wieder in der Heimat angekommen. Doch das friedliche Leben in East Los Angeles im Kreise der Familie und Freunde währt nicht lange: Shaws großer Bruder Deckard verschafft sich über Hobbs Zugang zu den Identitäten der Gang, setzt den DSS-Agent außer Gefecht und nimmt anschließend Han in Tokyo auf’s Korn, ehe er sich der Rache an Toretto und den anderen zuwendet. Doch die denken gar nicht daran, sich vor Shaw zu verkriechen und als eine erste Konfrontation zwischen dem brandgefährlichen Brit-Bastard und Toretto von einer geheimen Militärabteilung unterbrochen wird hat diese den passenden Job für die Überholspurtruppe parat. Toretto und Co. sollen helfen, den anonymen Hacker Ramsey aus der Gewalt einer terroristischen Söldnergruppe um den ruchlosen Jakande zu befreien. Mit Ramseys bahnbrechend umfassender Überwachungssoftware sollen sie den aus dem Verborgenen immer wieder eiskalt zuschlagenden Deckard aufspüren können. Eine wilde Jagd über mehrere Kontinente und mit halsbrecherischen Manövern beginnt…

Der Film

Dwayne The Rock Johnson vs Jason Statham in FAST & FURIOUS 7

»A street kid, starts out stealing DVD players in East L.A., ends up heisting $100 million in Rio.« Hat der Herr Shaw 2013 gut zusammengefasst, die bisherigen „The Fast and the Furious“-Filme. Angefangen hat’s tatsächlich alles mit geklauten DVD-Playern und jetzt, vierzehn Jahre und einen Mediumswechsel später, steht da mit „Fast & Furious 7“ nicht nur eine etwas verkürzte Titelgebung (im Original ist’s gar nur noch ein „Furious“ vor der Zahl), sondern das fetteste und erfolgreichste Action-Franchise des Jahrtausends. »Not bad, huh?« Stimmt, Herr Toretto, insgesamt nicht schlecht, auch wenn die Qualität der Filme bisher nur mit „Fast & Furious 5“ das oberste Limit ankratzte. Vom überragenden Rio-Heist aus ging’s mit Teil 6 mindestens anderthalb Gänge und Wertungspunkte nach unten, für den mittlerweile riesigen Figurenfuhrpark gab’s nicht ausgewogen genug zu tun, die Action war überragend, der Ton aber bei aller Stunt-Abgedrehtheit zu pseudo-gritty-weltbedrohungswichtig und die zurückkehrende Michelle Rodriguez diente zwar als Plottriebwerk, nur haben die Zündungen des raunzigen tough chicks der Reihe eigentlich nicht wirklich gefehlt.

Nach dem Regiewechsel von Justin Lin zu James Wan und dem zwischenzeitlichen tragischen Unfalltod vom Franchise-Co-Host Paul Walker haut „Fast & Furious 7“ das Gaspedal nun wieder entschlossener durch, auch wenn der Film die Bestzeiten des fünften Teils nicht knacken kann. Dessen Rundenrekorde dürften wohl unerreicht bleiben. Nach ihren Ausflügen nach Brasilien, England, Spanien, in diverse exotische Exile und in die Weiten von Absurdistan und Abgedrehtshausen ist die Crew zunächst zurück auf den Straßen von Los Angeles, Dom und die gedächtnisverlustige Letty schauen bei den Race Wars vorbei und der Film sucht und findet die stimmungsvolle Rückbesinnung zum Auftakt von vor vierzehn Jahren. Bouncende Bitches, Zehnsekundenrennen, die Toretto-Residenz; wer den Schnellen und Furiosen vorwirft, sich zu weit von ihren Street(racing)-Wurzeln entfernt zu haben, kann hier kurz mal Versöhnung feiern. Wenngleich der Vorwurf eh Quatsch ist; was will man denn sehen, sieben Mal den selben Quietschereifenschnellschnellfahrfilm mit punktgenau gezündeter Lachgaseinspritzung, aber ohne Handlungskonsequenzen und Progressdenke?! DASS das Franchise sich neu erfunden hat ist wichtig und richtig, WOHIN es sich seither gewandt hat, darüber kann man diskutieren.

Paul Walker, Vin Diesel und Kurt Russell in FAST & FURIOUS 7

Bis einschließlich Teil 5 hat sich die Reihe im Rahmen ihrer Regeln absolut stringent entwickelt, von den rebellischen Viertelmeilensündern im Poser-Milieu aus „The Fast and the Furious“ zu den rachegetriebenen Jägern und gleichzeitigen Gejagten in „Fast & Furious“ bis zu den heimatlosen, flüchtigen Slumhunden, die sich am eigenen Schopfe aus ihrer Misere ziehen, in „Fast & Furious 5“. Ab Teil 6 und nun noch verstärkt durch „Fast & Furious 7“ soll die Gang allerdings zu so einer Art vehikelisierter Special Ops-Einheit hochgepowert werden. Toretto und die anderen, und dann war die Reihe auch motivisch am stärksten, haben zuvor stets nach eigenem Kodex gehandelt, wichtiger jedoch: nach eigenen Interessen und das zumeist jenseits des Gesetzes. Die Gang von diesem Wege ab als „hire, drive and fire“-Mannen im Regierungseinsatz zu rekrutieren verträgt sich mit den kriminell-zwischenweltlichen Werten der Serienwurzeln so gar nicht, scheint aber auch für zukünftige Einsätze der Aufhänger zu werden. Doch der eigentliche Bullenallergiker Toretto, der sich und seine Crew einer Bundesbehörde Untertan macht, um einen Ultraüberwachungsdevice zu stehlen und sich dabei mit einer hochgerüsteten Söldnertruppe anlegt, nur um Bösebruder Shaw mit dem Technikgimmick zu orten, obwohl der ihnen sowieso ständig am Heck hängt – sorry, Bullshit. Und die hochgerüstete Söldnertruppe: deren Anwesenheit mit Frontmann Djimon Hounsou nimmt dem eigentlichen Hauptschurken Jason Statham enorm an Impact.

Der wird als unbesiegbare Kampfmaschine eingeführt, die sogar ’n Rock Bottom wegsteckt, und könnte endlich mal der ebenbürtige oder sogar turmhoch überlegene Gegenspieler sein, der „The Fast and the Furious“ seit jeher abgeht. Doch Statham hat in seinen randomisierten Auftritten zunehmend eher die nervige Penetranz einer Stechmücke, nicht aber die Bedrohlichkeit eines Antagonisten, gegen den kein Kraut gewachsen scheint. Pragmatischste Gelegenheiten, die Crew zu dezimieren, lässt dieser Deckard Shaw ungenutzt liegen und statt des straighten Revenge-Actioners, als der „Fast & Furious 7“ irgendwann mal angekündigt war, zieht der Film aus dieser „intimeren“ und persönlicheren Fehde zwischen der Shaw- und Toretto-Familie doch wieder gewaltig einen auf und setzt zur globalen Hetzjagd auf einen MacGuffin an. Eine Stadt, ein Kontinent reicht dafür nicht mehr, „Fast & Furious“ goes „Mission: Impossible“, all the way down. Physikalische Gesetze und physische Auswirkungen, Fliehkräfte, Schwerkraft und Gravitation haben überhaupt kein Mitspracherecht, aber das ist inzwischen Trademark der Reihe und in dieser Ausprägung auch Alleinstellungsmerkmal. Immerhin: bei „Saw“-Macher Wan dürfen Crashs und Fights zumindest mal wieder für ein bißchen Blut und den Einsatz von Verbandszeug sorgen. Ansonsten ist das Selbstverständnis der bretternden Bande mittlerweile aber auch eines, bei dem High Risk-Manöver zwar mal umbangt und in emotionalem Kontext verortet werden, aber sowas wie Grenzen scheint’s dennoch keine mehr zu geben.

Paul Walker in FAST & FURIOUS 7

Die Charaktere haben sich über das Franchise hinweg von Teil 1 bis Teil 7 klar hierhin entwickelt, allerdings ordentlich überpowert: bei aller Street Cred, aber dass tough chick Letty from the hood es mit Kampfbestien wie den MMA-Granaten Gina Carano und Ronda Rousey (nicht erst seit ihrem Auftritt bei Wrestlemania 31 an der Seite von Dwayne Johnson als »the most dangerous unarmed woman on the planet« bekannt) aufnehmen kann, erscheint ja fast noch hanebüchener als alles was in „Fast & Furious 7“ an Autowahnsinn abgezogen wird. Ob man sich damit insgesamt arrangieren kann oder nicht: die drei ganz großen Action Set Pieces, die Jagd über kasachische Gebirgskämme, der Abu Dhabi Tower Heist und der ausgewalzte Showdown in L.A., bieten so oder so ein Car-Chase/-Crash/-stunt heavy-Kino nach ganz eigenem Maßstab, Actionextravaganza am Anschlag des Extrems, bei dem Hürden nur aufgetürmt werden, um dann doch ganz locker drüber zu springen. So von Hochhaus zu Hochhaus. Oder aus ’nem Flugzeug. Oder ‘n Abhang runter. Und so weiter. Auf Logik und Schlüssigkeit darf man das nicht prüfen, da täten sich hunderte und tausende Kritikpunkte an „Fast & Furious 7“ auf, besser ist: man nimmt’s wie es ist. Und es ist überragend eingefangene Adrenalinunterhaltung mit einem perfekt harmonierenden Team, bei dem dieses Mal auch die Humor- und Gefühls-Beats wieder besser sitzen als im direkten Vorgänger.

Roman und Tej kabbeln sich, Dom und Letty versuchen über ihre klaffenden Gedächtnislücken hinweg wieder zueinander zu finden und Michelle Rodriguez spielt das Bitch sei Dank nicht so dauerangepisst runter wie zuvor, Brian versucht sich in seinem Platz als Vater einzuordnen. Das passt alles, neben den Macho-Plattitüden und Hohlphrasen haben die durchgängigen zentralen Themen von Familie und Vertrauen, Loyalität und Freundschaft wieder den Witz und das Herz, das in „Fast & Furious 6“ auf der Strecke geblieben war. Das liegt natürlich mit daran, dass den Film der Realtod Paul Walkers begleitet. Sein Leinwandabschied wird für die Rolle Brian O’Conner wie für den Star mit Feingefühl und Behutsamkeit durch den Film getragen und ohne jetzt hier künstlich auf „überlebt er oder stirbt er?“-Spannung schreiben zu wollen: das Goodbye und see you again für O’Conner und Walker gleichermaßen ist dem Team vor und hinter der Kamera unglaublich schön gelungen, symbolisch wie in Worten. Kompliment dafür, diese vielleicht größte aller Herausforderungen in Würde und voller Liebe abzuschließen.

Vin Diesel und Michelle Rodriguez in FAST & FURIOUS 7

Abwechslungsreiche Action Sets mit One on One-Fistfights (aufgepeppt durch die Gaststars Rousey und Muay Thai Boran-Akrobat Tony Jaa), irrsinnigen Auto-Stunts und brachialem Geballer, dazu gut dosierte und aus der Harmonie und Chemie des Ensembles heraus funktionierende Lachmuskel- und Pathosstimulationen – „Fast & Furious 7“ ist im Kern wieder so, wie es sein soll. Das Drumherum, also vor allem die Story und der endgültige Transfer in geheimmilitärische Gefilde, um die Crew überhaupt für den ganzen Schwachsinn an den Start zu kriegen, muss man vernachlässigen und hinnehmen. Gegen ein wieder etwas runtergeschraubteres back to the roots-Abenteuer der PS-Profis, im Ausmaß ähnlich dem Auftakt der Reihe oder wie in Teil 4, hätten die Fans aber sicher auch nicht unbedingt was einzuwenden. Zumal eh die Frage ist, in wie viele verrückte Situationen mit Autos man die Jungs noch stecken kann, bevor Reizüberfluss und schlussendlich –verlust einsetzen. Davon ist „Fast & Furious 7“ noch ein gutes Stück entfernt, aber mit der Ankündigung einer weiteren Trilogie wird die Idee, ständig alles toppen zu müssen, hoffentlich nicht bald ausgeschöpft sein, zumal in Zukunft ohne Walker der neben Vin Diesel wichtigste Anker fehlen wird…

Wertung & Fazit

Action: 5/5
Stuntkino in Perfektion, das $250 Millionen-Budget ist in jeder Actionszene auf der Leinwand zu sehen.
Spannung: 2/5
Deutlich mehr Zug als im teils etwas lahmenden direkten Vorgänger, aber echte Spannung verbietet sich ja eigentlich schon dadurch, dass die Figuren nahezu unverwundbar scheinen und selbst aus dem krankesten Scheiß meist bloß mit ‘nem Kratzer rausgehen.
Anspruch: 0/5
Was die Gesetzmäßigkeiten der Physik angeht wird hier mittlerweile der Minusbereich gesprengt.
Humor: 2/5
Wie Teil 5: kauzige Oneliner, amüsante Wortgefechte und ein guter Schuss Selbstironie.
Darsteller: 4/5
Das Ensemble ist dieses Mal wieder deutlich besser ausbalanciert und die Rollenbilder sitzen einfach. Kein herausragendes Schauspiel natürlich, aber prägnante Typen.
Regie: 4/5
James Wan hat bislang ausschließlich Horror und Thrill inszeniert und produziert, übernimmt in der Action-Regie aber ohne Qualitätsverlust von Franchise-Guru Justin Lin.
Fazit: 8/10
Der Kinosaal wird erneut zum Hubraum: „Fast & Furious 7“ ist eine sentimentale Sause der Superlative, die bei der Action nochmal ein paar PS mehr rausholt und sich wieder „heimeliger“ anfühlt, als der zu raue direkte Vorgänger. Dazu ein bewegender Abschied für Paul Walker. Dass „The Fast and the Furious“ jetzt endgültig „Mission: Impossible“ mit Autos ist, muss und wird aber nicht jedem gefallen…

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Ein Kommentar

  1. Kann der Kritik weitestgehend zustimmen (obschon ich nicht so hart mit Michelle Rodriguez ins Gericht gehe), dennoch sprach mich der Film weniger an. Die ersten beiden Action Set Pieces sind toll, das Finale in LA war mir dann allerdings too much. Nach der Hälfte hab ich mental abgeschaltet, da gefielen mir die Boss Fights in Teil 1-4 weitaus besser, vielleicht weil sie mehr grounded sind, auch wenn ich mir dem Wahnsinn der Reihe (inzwischen) bewusst bin. Versöhnlich war dann das Ende – wird man dieses Jahr wohl schwerlich ein besseres finden. In seiner Summe okay, aber insgesamt eher mittelprächtig.

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