Filmmusik – DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE, Howard Shores Score in der Kritik

Der Score (Kritik von Lasse Vogt)

Musik komponiert und produziert von Howard Shore

Howard Shores Verdienst, die Welt von Mittelerde musikalisch zum Leben zu erwecken, wurde auf dieser Seite schon ausführlich gelobt. Seine Scores zur „The Lord of the Rings“-Trilogie sind beispiellos und zählen zu dem besten Orchester-Soundtracks aller Zeiten. Mit der Musik zu den „Hobbit“-Filmen schaffte er es, an diesen Erfolg anzuknüpfen und erschuf weitere tolle Themen, die perfekt zu den vielen Völkern und Orten von Tolkiens Welt passen. Der letzte Film der Reihe – „The Battle of the Five Armies“ – wird von der Kritik zwiespältig aufgenommen, aber der Soundtrack ist abermals bemerkenswert geworden.

Neue Themen sind rar, aber es gibt sie. So bekommt der Zwergenfürst Dain einen kleinen Marsch verpasst, zu hören ab 2:50 von The Clouds Burst und direkt am Anfang von Ironfoot. Eng verwandt mit dem Thema ist eine heroische Melodie, die wohl für die Vereinigung von Zwergen und Elben im Kampf steht und ab der ersten Minute von Battle of the Mountain zum ersten Mal erklingt und auch in Ironfoot prominent vorkommt. Ein weiteres neues Motiv gibt es für die Orkfestung Gundabad, zu hören direkt am Anfang von Bred for War und auch ein paar andere Male, meist zusammen mit anderem Material für die Orks. Die Zwergen-Gemeinschaft um Thorin hat ein neues Thema begonnen, ein düsteres Blechbläser-Motiv, welches die grimmige Entschlossenheit ausdrückt, mit der die Zwerge den Erebor verteidigen. Unter anderem kommt es am Schluss von Mithril zum Einsatz. Ebenfalls in Ironfoot ist eine langsame, traurige Streicher-Melodie zu hören, die sich thematisch nicht leicht einordnen lässt, aber schön klingt. Sie kommt noch öfter vor.



THE HOBBIT BATTLE OF THE FIVE ARMIES Zwerge Banner


Das Seestadt-Thema bekommt auch Platz eingeräumt, in einigen gelungenen Variationen, am Anfang von The Ruins of Dale noch schach, es wird jedoch stärker in The Gathering of the Clouds ab 1:15 und ist kampfbereit in Mithril bei 2:16. Auch in Ironfoot kommt es vor. Das Helden-Motiv für Bard, den Bogenschützen bekommt man unter anderem in Fire and Water zu hören, vollständig bei 3:07.

Der Soundtrack eröffnet mit dem Material für Smaug und beginnt langsam und lauernd (wobei die Musik nach einer Variation des „Der Weiße Hai“-Themas klingt, die beiden Töne sind gleich), und bricht bald in einen Sturm aus, in welchem der Drache in Seestadt wütet. Zwar verabschiedet sich der Hauptteil des Smaug-Motivs schnell aus der Musik, doch gänzlich verschwinden tut es nicht, da der lauernde Teil der Musik nun für Thorin und die Drachenkrankheit und seine Goldsucht steht, unter der er leidet. Zu hören ist es zum Beispiel in Beyond Sorrow and Grief nach der ersten Minute und in Mithril. Auch in Dragon-sickness kommt es ausführlich vor.

Die Waldelben und ihre leicht ägyptisch klingende Melodie sind auch noch dabei, etwa am Anfang von The Gathering of the Clouds, in Bred for War und noch weitere Male während der Schlacht-Szenen. Legolas´ Thema ist damit eng verwandt und erklingt oft zusammen mit dem Waldlandreich, das von Tauriel ist spärlich eingesetzt, aber noch vorhanden, in Ravenhill ab 2:17 beispielsweise. Das Liebesthema, das sie sich mit dem Zwerg Kili teilt, hört man gleich in der ersten Hälfte von Shores of the Long Lake, am Schluss von Ravenhill und in Courage and Wisdom.

Die Orks Azog und Bolg bekommen ihr gewohntes düster-aggressives Blechbläser-Motiv ein paar Mal spendiert, unter anderem in Bred for War, Ravenhill und To the Death. Die epische Chor-Musik, welche den ersten Kampf zwischen Thorin und Azog in der Rückblende im ersten Teil untermalte, kehrt in Ravenhill bei 0:43 zurück. Auch das listige Thema für den Bürgermeister von Seestadt kommt ein paar Mal vor, kurz in Fire and Water und in Shores of the Long Lake.



THE HOBBIT BATTLE OF THE FIVE ARMIES Thranduil Banner


Was diesen Score wirklich prägt sind die Themen für die Zwerge – hier zeigt sich, wie gut Howard Shore das Material ausgearbeitet und vorbereitet hat, denn hier kommt all das zu seinem vollen Recht, in ganzer Größe. Besonders das Thema für Durins Volk, welches schon in einer langsamen Variation „An Unexpected Journey“ eröffnete, behauptet sich (eine ähnliche Variante kommt in The Return Journey bei 3:31 vor). Man hört immer wieder Fragmente (zum Beispiel am Anfang von Beyond Sorrow and Grief), vollständig und kräftig ertönt es in Mithril bei 2:28 (mit epischem Chor) und am Anfang von Sons of Durin. Auch das Thema für Thorin hört man des öfteren, in The Clouds Burst bei 2:04 und tönend in Sons of Durin ab 0:24, in Courage of Wisdom dann in einer langsamen Variation. Das Thema für den Erebor untermalt zum Beispiel die Titel-Einblendung am Ende von Fire and Water und kommt auch in Track 3 auf CD 1 und in Sons of Durin vor. Alle drei Themen sind eng miteinander verwandt und sie kamen schon in den zwei Vorgänger-Filmen toll zur Geltung, aber hier bekommen sie ihren Payoff.

Auch die Adler bekommen ihren kleinen Auftritt in To the Death, einmal in der Form des „Rückforderung der Natur“-Themas (bekannt aus der „Ring“-Trilogie) bei 4:22 und gleich darauf mit ihrer neuen Musik aus dem ersten Hobbit-Film. Natürlich ist auch thematisches Material aus der „Ring“-Trilogie zu hören, schließlich ist dieser Film als Überleitung zu „Die Gefährten“ gedacht. Besonders in Guardians of the Three geben sich mehrere bekannte Motive die Ehre, die Themen für Galadriel/Lorien, Bruchtal und das für die „Hobbit“-Filme neu komponierte Thema für Gandalf (schwach zu hören bei 4:13) geben sich die Ehre und kämpfen gegen die düsteren Klänge von Sauron und Mordor, welche wahnsinnig clevere Statements erhalten: das Motiv für Sauron kommt als erstes bei 1:46 zwar schon kraftvoll, aber unvollständig, da die ersten beiden Töne fehlen, die es sich mit dem Motiv für den Ring teilt. Als es langsam bei 2:34 zu hören ist, sind diese Töne dazugekommen und zeigen, das das Motiv und damit Sauron an Stärke gewonnen hat. Wie schon gesagt: herrlich clever! Saurons Musik kommt auch in Thrain vor, einem Titel, der eigentlich zur Extended Edition des zweiten „Hobbit“-Films „The Desolation of Smaug“ gehört. Das Thema für Gandalf ist unter anderem auch noch am Anfang von The Darkest Hour und in The Return Journey sehr schön bei 2:53 zu hören.

Das Material für das Auenland und die Hobbit selbst bekommt ebenfalls seine schönen Momente, in The Ruins of Dale, The Return Journey und in There and Back Again. Der Arkenstein erhält ebenfalls ein paar Anklänge, in der ersten Minute von Dragon-sickness und bei 1:30 von A Thief in the Night. In diesem Titel ist auch die Heimlichkeits-Musik des Hobbits zu hören, die schon gespielt wurde, als Bilbo im zweiten Teil die Zwerge aus dem Waldlandreich befreite. Dann gibt es noch ein paar weitere Melodien aus dem „Ring“, die es in diesen Score geschafft haben. Natürlich das Thema für den Ring selbst (am Ende von There and Back Again), aber auch ein kleines Motiv für das Mithril-Panzerhemd, welches Bilbo von Thorin bekommt. Es eröffnet Mithril und ist diesselbe Melodie, die in „Die Gefährten“ erklingt, als Frodo das Hemd von Bilbo in Bruchtal geschenkt bekommt. Und wenn in Courage and Wisdom bei 3:39 das „Gefährten“-Thema bei der Erwähnung einer bestimmten Figur angespielt wird, dann ist die thematische Überleitung zu dem „Ring“-Auftakt vollständig.



THE HOBBIT BATTLE OF THE FIVE ARMIES Gandalf und Bilbo Banner


Besonders auf der zweiten CD der Special Edition gibt es viel Action zu hören, die düsteren und dröhnenden Blechbläser der Orks überwiegen hier, aber die leichteren und heroischen Themen der freien Völker mischen sich immer wieder dazu. Dirigiert und orchestriert wurde abermals von Conrad Pope und er beherrscht sein Handwerk meisterhaft: die Instrumente sind toll aufeinander abgestimmt und alle Parteien des Orchesters sind herauszuhören. Die Musiker leisten ganze Arbeit, auch die Chor-Stimmen sind hervorragend. Die Musik ist gewaltig, ausladend, nuanciert, heroisch und garstig, wenn es nötig ist. Hin und wieder ist es schwer, bestimmte Themen herauszuhören, hier hätte es ruhig etwas weniger subtil sein können. Besonders die schnellen Streicher-Unterstimmen, die immer wieder vorkommen, helfen dabei, die bevorstehende Schlacht anzukündigen.

Aber das „Misty Mountains“-Thema aus dem ersten Hobbit-Film sucht man wieder vergeblich. Natürlich, es wurde nicht von Shore selbst komponiert, aber er hat es derart prominent im ersten Teil verarbeitet, dass das vollständige Fehlen in den anderen beiden Filmen sehr irritiert. Man könnte hier die Entschuldigung vorbringen, dass die Nebelberge selbst ja nicht mehr vorkommen, aber das Thema stand auch für die Zwergengemeinschaft selbst! Warum kein heroisches Statement an der Stelle, als Thorin mit seinen Zwergen aus dem Berg in den Kampf stürmt? Warum keine leise Variation beim Abschied von den Zwergen? Schade um die verpassten Chancen. Dies hindert leider die drei Hobbit-Soundtracks etwas daran, wie die drei „Ring“-Soundtracks als ein stimmiges Ganzes zu wirken.

Wie schon letztes Mal auch hier ein paar Worte zum Abspann-Song: Peter Jackson gelang ein besonderer Kniff, für dieses finale Lied Pippin-Darsteller Billy Boyd als Songwriter und Sänger zu gewinnen, um den Übergang zur „Ring“-Trilogie noch runder zu gestalten. Der Song „The Last Goodbye“ ist als echter Tränendrücker angelegt und dies gelingt ihm auch: traurig, aber doch hoffnungsvoll und einfach wunderschön ist das Lied geworden, Billy Boyds sanfte Stimme drückt den nun wohl endgültigen Abschied von Mittelerde perfekt aus und spricht die Fans damit direkt an. Es ist nicht nur als Schluss-Song für die „Hobbit“-Trilogie gedacht, sondern schließt auch die „Ring“-Filme mit ein. Zwar klingt es einige Male etwas zu sehr nach Annie Lennox’ „Into the West“, welches „Die Rückkehr des Königs“ beendete, aber nichtsdestotrotz ist „The Last Goodbye“ ein wirklich schönes Lied, ein passendes „Farewell“.

Fazit

4,5/5… Fazit: Und das fasst es perfekt zusammen: Nicht nur stellt dieser Soundtrack den großen Abschied von Mittelerde dar, er symbolisiert auch noch etwas anderes: Bedenkt man, in welche besorgniserregende Richtung sich die Filmmusik in den letzten Jahren entwickelt hat (von „Remote Control“ überrollt…), dann sollte man sich vor Augen halten, dass dieser Soundtrack wahrscheinlich der letzte seiner Art sein wird, wer weiß für wie lange. Natürlich gibt es immer noch Filmkomponisten, die sich ausschließlich auf das Orchester verlassen und auf Elektronik verzichten. Doch eine derartige leitmotivische Meisterleistung, wie sie Howard Shore mit „Der Herr Der Ringe“ und nun mit dem „Hobbit“ vorgelegt hat, hört man nicht oft und es stellt sich die Frage, ob wir sie je wieder hören werden. Also sollten wir diese Soundtracks bewahren und preisen, wie es sich gehört. Der Soundtrack des Jahres ist „The Hobbit: The Battle of the Five Armies“ in jedem Fall geworden: eine 4,5/5 ist da absolut verdient. Lebe wohl, Mittelerde. Auf das wir – wenn schon nichts neues kommt – deine alten Klänge noch oft besuchen mögen, um die Magie neu zu entfachen. Wieder und wieder. Danke, Howard Shore.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps

CD 1
1. Fire and Water – 5:59
2. Shores of the Long Lake – 4:01
3. Beyond Sorrow and Grief – 4:12
4. Guardians of the Three – 5:49
5. The Ruins of Dale – 3:40
6. The Gathering of the Clouds – 5:53
7. Mithril – 3:08
8. Bred for War – 3:20
9. A Thief in the Night – 4:14
10. The Clouds Burst – 4:13
11. Battle for the Mountain – 4:41

CD 2:
1. The Darkest Hour – 5:34
2. Sons of Durin – 4:25
3. The Fallen – 4:57
4. Ravenhill – 5:48
5. To the Death – 7:23
6. Courage and Wisdom – 5:10
7. The Return Journey – 4:18
8. There and Back Again – 4:20
9. The Last Goodbye (Billy Boyd) – 4:07
10. Ironfoot – 6:12
11. Dragon-sickness – 3:53
12. Thrain – 3:27

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