Filmmusik: JACK THE GIANT SLAYER Score Review

Filmmusik: JACK THE GIANT SLAYER Score Review
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Der Score

John Ottman ist langjähriger Begleiter von Regisseur Bryan Singer und hat sich zu dessen Stammkomponisten gemausert. Jedoch waren seine Scores immer eine zwiespältige Erfahrung: im Film selbst äußerst passend, verloren sie als bloßes Hörerlebnis ihre Stärken und waren eher „Underscores“ denn abwechslungsreiche Melodien. Tatsächlich gelingen ihm oft sehr gute Hauptthemen, abseits davon scheint Ottman allerdings nicht viel einzufallen. Ein gutes Beispiel ist der zweite Teile der X-Men-Mutantensaga X2, der mit einem wirklich schwungvollen Heldenthema aufwartet, ansonsten aber nicht viel mehr als Hintergrundgedudel zu bieten hat. Valkyrie, ein meiner Meinung nach stark unterschätzter Film, war da schon passender vertont und überraschte im Abspann gar mit einer wunderschönen melodischen Verarbeitung des Goethe-Gedichtes „Über allen Gipfeln“, welche bis heute zu meinen absoluten Lieblings-Filmsongs zählt.

Bei einem klassischen Märchenfilm wie Jack the Giant Slayer wäre nichts passender gewesen, als eine rein orchestrale und üppige Musik und das ist genau, was Ottman liefert: gleich der erste Track, Jack and Isabelle (Theme from Jack the Giant Slayer), ist eines der großen Highlights des Albums und ertönt während des Abspanns. Ein abenteuerliches Thema ist es, mit vielen Blechbläsern und schwungvollen Streichern vorgetragen, besonders schön ist die einzelne Horn-Stimme, die sich ab Minute 0:56 ein paar Mal auf fast schon kecke Weise in die Streicher- und Chor-Wellen mischt. Ab 1:20 dann geht das Stück, harmonisch unterstützt von einer Harfe, ruhig weiter und wird zu einem Romantik-Track.

Nummer 2 auf dem Album, Logo Mania, ist nur eine Minute lang und untermalt die Produktions-Logos am Anfang des Films. Streicher-Ostinati, Holzbläser, Hörner und schließlich Percussions scheinen den eher düsteren und gefährlichen Aspekt des Abenteuers zu symbolisieren. Gegen Ende ertönt eine Variation des schon bekannten Jack-Themas. To Cloister ist ein schönes kleines Stück, dass vor allem durch Chor-Stimmen zu überzeugen weiß und der Märchen-Thematik viel mehr Tiefe hinzufügt als irgendetwas im Film selbst. The Climb untermalt natürlich den Aufstieg von Jack und seinen Mitstreitern die Bohnenranke hinauf und ist besonders ab 1:20 sehr hörenswert, auch die Orchestrierung bleibt gelungen. Die letzten 33 Sekunden jedoch sind übelstes Under-Scoring und bestehen nur aus disharmonischen Streichern und Blechbläsern, erinnern gar an Experimental-Musik.

Ab hier entsteht ein überdeutlicher Bruch in der Musik, denn jetzt treten auch die Riesen dauerhaft auf. Sie werden durch düster dröhnende Hörner, schrille Streicher und eine interessante Percussion-Stimme charakterisiert, bei der – laut Booklet – Stöcker erst auf eine bestimmte Trommel selbst und dann auf den Rand geschlagen werden, wodurch ein sogenanntes „Boom Clack“ entsteht. Das ist äußerst passend gewählt, klingt teilweise gar nach ähnlich gelagerten Themen aus Danny Elfmans Hellboy 2-Score, ein wohlklingendes Hörerlebnis kann man es jedoch nicht nennen. Tatsächlich kann man bei Story of the Giants ab Minute 1:52 ganz deutlich eine nur leichte Variation des Helden-Motivs aus Hellboy 2 heraushören – betrachtet man die Ähnlichkeit beider Filme, was den im Erzählstil vorgetragenen animierten Prolog angeht, ist dies jedoch kaum verwunderlich.

Ab Fee Appears dominieren die Signalinstrumente der Riesen den Großteil des Scores, so kommt etwa kaum ein Track ohne das „Boom Clack“ aus. How Do You Do kann jedoch mit einer verträumt schönen Variation des Jack-Themas aufwarten, Story of the Giants überzeugt durch einen mystischen Grundton und Chor, bringt ab 1:32 ein majestätisch-opernhaftes Thema mit ein und endet mit heroischem Ausklang. Power of the Crown klingt wie eine Mischung aus typischen Danny Elfman-Melodien und Howard Shores Der Herr Der Ringe-Soundtracks, Not Wildly Keen on Heights erinnert entfernt an Wagner. The Legends Are True/First Kiss ist sehr gefühlvoll und lässt das Jack-Thema mit Holzbläsern und schmachtenden Geigen spielen, bis der Track in den letzten 30 Sekunden Gefahr verkündet. Roderick´s Demise/The Beanstalk Falls kommt schrill, pompös und mit tragischem Chor daher, am Schluss kommt auch noch kurz das Jack-Thema. In Kitchen Nightmare wird man ab Minute 1:00 von einer Gesangsstimme überrascht (im Film singt der Riesenkoch etwas, das wie ein traditioneller Kinderreim klingt, während er versucht, Ewan McGregor im Schlafrock zuzubereiten), die Melodie wird danach noch durch fies klingende Streicher variiert.

Die nächsten Tracks ähneln sich größtenteils sehr, Chase To Cloister leitet schließlich die Endschlacht ein und charakterisiert die stürmenden Riesen und die fliehenden Reiter sehr gut, auch Jacks Thema kommt am Schluss noch kurz vor. Goodbyes verschafft dem Hörer eine kleine Ruhepause, bevor es mit The Battle und Sniffing Out Fear/All Is Lost deftig und leider ziemlich anstrengend ans Eingemachte geht, wobei jedoch kaum das „Boom Clack“ zum Einsatz kommt. The New King/Stories präsentiert Jacks Thema triumphierend und – natürlich – majestätisch, danach verbreiten Glockenspiel und Klavier märchenhafte Stimmung, welche sich am Schluss mit Verweisen auf Bösewicht Rodericks Figur ins Tückische wandelt und mit einem abschließenden „Boom-Clack“ ausklingt (im Film wird an dieser Stelle einfach Logo Mania wiederholt).

Fazit

3,5/5… Eigentlich kann ich ein ziemlich positives Fazit ziehen. Der Score zu Jack the Giant Slayer ist deftig orchestriert, bietet einige hörenswerte Themen und ist erfrischend unelektronisch. Die Tatsache, dass es abseits dieser Themen größtenteils leider sehr unmelodisch zugeht und das derbe Gebrause der Blechbläser bisweilen sehr anstrengend werden kann, setzt der Musik merklich zu, aber dennoch stecken einige gute Ideen drin, welche – auch auf thematischer Ebene – wirklich funktionieren. So ist die Musik auf jeden Fall besser gelungen als etwa X2. Wer also ein Fan von orchestraler und im besten Sinne klassischer Filmmusik ist, dem sei John Ottmans neueste Arbeit mit soliden 3,5/5 Punkten empfohlen.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps

1. Jack and Isabelle (Theme from Jack the Giant Slayer) – 3:65
2. Logo Mania – 1:00
3. To Cloister – 1:28
4. The Climb – 2:42
5. Fee Appears – 3:16
6. How Do You Do – 2:23
7. Why Do People Scream? – 3:17
8. Story of the Giants – 3:22
9. Welcome to Gantua – 4:13
10. Power of the Crown – 1:21
11. Not Wildly Keen on Heights – 2:19
12. Top of the World – 2:31
13. The Legends Are True/First Kiss – 3:44
14. Roderick´s Demise/The Beanstalk Falls – 5:37
15. Kitchen Nightmare – 3:25
16. Ownward and Downward! – 3:19
17. Waking a Sleeping Giant – 2:22
18. Chase to Cloister – 5:19
19. Goodbyes – 2:29
20. The Battle – 5:31
21. Sniffing Out Fear/All is Lost – 5:07
22. The New King/Stories – 4:18

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