Filmmusik: JURASSIC WORLD, Michael Giacchinos Score in der Kritik

Der Score (Kritik von Lasse Vogt)

Musik komponiert von Michael Giacchino
Original Jurassic Park Thema von John Williams

Kaum ein anderes Filmmusik-Stück ist so ein hartnäckiger Ohrwurm wie John Williams´ „Jurassic Park“-Theme. Sei es der langsam-majestätische oder der abenteuerlich-schmetternde Teil der Melodie, einmal gehört, kriegt man es nicht mehr aus dem Kopf. Da Williams zurzeit jedoch mit der Vertonung des neuen „Star Wars“-Films beschäftigt ist, musste er das vor einiger Zeit angelaufene und Rekorde plattstampfende Dino-Park-Sequel „Jurassic World“ sausen lassen. Michael Giacchino ist dabei alles andere als ein Lückenbüßer: eine seiner ersten Arbeiten war der Score zum „The Lost World“-Videospiel und sein großes Idol ist sowieso Williams, und so ist der dieses Jahr geradezu ausgebuchte Amerikaner genau der richtige für den Job.

Bury the Hatchling atmet sogeich ganz den Geist der Spannung, die den Soundtrack zum ersten Teil durchzog, mit dunklen Hörnern und mystischem Chor. In Track 2 wird es verträumt und sanft, bis dann in Welcome to Jurassic World das klassische Williams-Thema erklingt und uns in die Welt des Staunens über die Riesen der Urzeit zurückbringt. As the Jurassic World Turns stellt ab 1:18 ein tolles Thema vor, sowohl bombastisch als auch von einer leichten Melancholie durchzogen. Der ganze Titel zeigt, wie meisterhaft Giacchino es versteht, die Magie des Originals wieder aufleben zu lassen und doch etwas ganz individuelles beizusteuern. Ab 4:58 kommt das Original-Abenteuer-Thema zwar nur kurz zum Einsatz, aber es reicht, um dem Hörer Lachfalten ins Gesicht zu zaubern.

In Track 5, Clearly His First Rodeo, wird es schnell und aggressiv, bleibt dann spannungsgeladen, bevor es nach knapp zwei Minuten wieder friedlich und verspielt aus den Boxen ertönt. Owen You Nothing lässt eine Holzbläserstimme listig und verwegen spielen, Indominus Wrecks baut behutsam Spannung auf, mit Holzbläsern, Streichern und Glockenspiel, bei 2:22 wird es kurz schnell und bedrohlich, bis es ab 3:30 abermals immer schneller und dissonanter wird und auch das Gefahren-Thema aus dem ersten Track wiederkehrt. Titel 8 startet erhaben mit Chor und Streichern, das neue Hauptthema kehrt zurück und es wird wieder kurz kindlich-staunend, bevor sich der Titel ins bedrohliche wandelt. Pavane for a Dead Apatosaurus rührt mit Klavier und leisen Streicher-Unterstimmen fast zu Tränen, ab 3:23 wechselt die Musik jedoch zu einem leicht militärischen Marsch. Fits and Jumpstarts kommt flott daher, The Dimorphodon Shuffle bietet erste „Shit gets real“-Momente, lässt in den letzten 30 Sekunden aber auch ein wenig Platz für leichtherziges Abenteuer.
JURASSIC WORLD Soundtrack Cover
Titel Nummer 12 setzt die schnelle Dinohatz fort, diese Art von altmodischer Action-Musik ist Giacchinos Spezialität, was sich auch in Chasing the Dragons zeigt, das Blechbläser-Thema in der ersten Minute ist klasse. Wild und rasant bleibt es auch in Raptor Your Heart Out (we get it, Michael, you like puns!), doch es geht noch mächtiger und lauter, wie Track 15 von Anfang an deutlich macht. Triumphal tönt zuerst Our Rex Is Bigger Than Yours, dann wechselt der Chor zu archaischen Rufen, was perfekt zu den urzeitlichen Giganten passt, ab Growl and Make Up wird es friedlicher, Klavier und sanfte Streicher kehren zurück, am Schluß von Nine to Survival Job erklingt auch das tolle Hauptthema wieder, welches elegant das von Williams channelt. The Park Is Closed läutet den Abspann ein, doch das Album ist hier noch lange nicht zu Ende, es bleibt noch eine knapp 13-minütige Suite, welche die meisten, im Rest des Scores verarbeiteten Themen präsentiert, It´s a Small Jurassic World ist extrem pathetisch und parodiert das Lied der Disney-Attraktion „It´s A Small World“, was auch der Folgetitel nicht ganz verbergen kann. Ebenso fröhlich ist auch The Brockway Monorail, bevor in Sunrise O´er Jurassic World mit würdevoller Grandeur der Soundtrack ausklingt.

4/5… Michael Giacchino übernimmt das Ruder des Großmeisters John Williams mit Bravour. Ohne sich zu sehr auf die altbewährten Themen zu stützen, verlässt er sich auf seine eigenen Stärken und kreiert einen wundervoll-altmodischen Score, der viel Spaß macht und auch durch sehr detaillierte Orchestrierung zu überzeugen weiß, hier muss man Dirigent und Orchestrator Tim Simonec wirklich loben. Ob nun ruhig, abenteuerlich oder bombastisch-schnell, „Jurassic World“ ist ein wirklich guter Soundtrack, nicht nur für Nostalgiker und Dino-Fans ein Muss. Das verdient applausbegleitete 4/5 Punkte mit der Anmerkung, dass es für einen derart vielbeschäftigten Komponisten wirklich bewundernswert ist, jedes Mal derart qualitativ hochwertige Hörerlebnisse abzuliefern.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

1. Bury the Hatchling – 1:56
2. The Family That Strays Together – 1:00
3. Welcome to Jurassic World – 2:09
4. As the Jurassic World Turns – 5:31
5. Clearly His First Rodeo – 3:28
6. Owen You Nothing – 1:20
7. Indominus Wrecks – 6:12
8. Gyrosphere of Influence – 3:14
9. Pavane for a Dead Apatosaurus – 4:45
10. Fits and Jumpstarts – 1:32
11. The Dimorphodon Shuffle – 2:14
12. Love in the Time of Pterosauria – 4:31
13. Chasing the Dragons – 2:54
14. Raptor Your Heart Out – 3:51
15. Costa Rican Standoff – 4:38
16. Our Rex Is Bigger Than Yours – 2:42
17. Growl And Make Up – 1:16
18. Nine to Survival Job – 2:34
19. The Park Is Closed – 1:39
20. Jurassic World Suite – 12:54
21. It´s a Small Jurassic World – 1:43
22. The Hammond Lab Overture – 1:08
23. The Brockway Monorail – 1:46
24. Sunrise O´er Jurassic World – 2:06

2 Kommentare

  1. Hey, vielen Dank für den netten Kommentar. Deine Kritik liest sich auch gut, schön, jemanden zu treffen, der der gleichen Meinung ist. Ich hoffe, ich lese von dir auch in Zukunft noch mehr und ich verliere dich nicht als treuen Leser. Nen tollen Tag wünsche ich noch! Kannst ja auch bei meinen neuesten Reviews kommentieren. Bis dann.

  2. Hallo Lasse,

    eine tolle Kritik! Und ich stimme dir vollkommen zu! Giacchino ist ein echtes Arbeitstier, schafft es aber trotzdem immer wieder qualitativ hochwertige Soundtracks zu schreiben. Bei Jurassic World haben mich vor allem seine magischen und eingängigen Leitmotive gefallen und auch seine Art, das Material von John Williams mit seinem eigenem zu verschmelzen. Ich habe auch eine Kritik zum Jurassic World-Soundtrack geschrieben:

    http://www.movienerd.de/soundtrack-review-jurassic-world/

    Mach weiter so! Wir Soundtrack-Kritiker müssen zusammenhalten 😉

    Beste Grüße,

     

    Deniz

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