Filmmusik: MAN OF STEEL Score Review

Der Score

Der deutschstämmige Hans Zimmer ist einer der ganz Großen in Hollywood. Jeder kennt seinen Namen und seine zahlreichen Soundtracks zu den unterschiedlichsten Filmen. Doch schon seit einiger Zeit leiden seine Scores beträchtlich unter immer weniger melodischem Einfallsreichtum und einem ernsten Fall von zuviel Synthesizer und Themen-Recycling. Besonders negativ fiel das bei seinen Scores zu Sherlock Holmes: A Game of Shadows und The Dark Knight Rises auf. Da es sich bei diesen Filmen jedoch um Fortsetzungen handelte, die auch noch schwächer als ihre Vorgänger waren, kann man das vielleicht entschuldigen. Nun wurde Zimmer von Christopher Nolan angeheuert, die Musik zu der von ihm produzierten brandneuen Version von Superman zu schreiben. Das bietet ja wohl genügend Möglichkeiten, an alte Erfolge anzuknüpfen und der Welt zu zeigen, dass man immer noch was kann. Der Film ist ein gigantischer Reinfall geworden, aber über die Musik kann man Folgendes sagen: Man Of Steel ist bei weitem kein neuer Meilenstein, aber eine Tendenz nach oben lässt sich nach den letzten Durchhängern Zimmers durchaus feststellen.

Den Schwerpunkt des Scores bilden hier ganz klar die Percussions. Die Produktionsfotos im reich bebilderten Booklet zeigen nicht weniger als 10(!) Schlagzeuge, die gleichzeitig gespielt werden. Das macht sich durchaus gut in der Musik, wirkliche Leit-Themen lassen sich mit dieser Vorgehensweise jedoch nicht erschaffen, und so dienen die Percussions auch vor allem zur Unterstützung der Action-orientierten Rhythmik. Gleich im zweiten Titel, Oil Rig, legen die Schlagzeuge so richtig los und dreschen fröhlich vor sich hin. Insgesamt gibt es nur wenige Tracks, die von den Percussions dominiert werden, großzügig beteiligt sind sie aber fast immer.

Der Schwachpunkt der Musik ist der Mangel an Melodien. Themen gibt es zwar einige, aber die sind weniger melodisch, sondern eher zweckmäßig, um dem Score eine Richtung zu geben, damit dieser nicht einfach vor sich hin donnert. Dabei dienen die wenigen vorhandenen Themen vor allem der Untermalung von Situationen und Stimmungen, als dass sie bestimmten Charakteren gewidmet sind. Es gibt allerdings mehrere Variationen des neuen Themas für Superman selbst. Dabei hat sich Hans Zimmer – selbstverständlich – vollkommen vom legendären John Williams-Marsch distanziert und seine eigene Handschrift sprechen lassen. Schon in Looking To The Stars hören wir die erste Variation in Form von langsam aufsteigenden Blechbläsern, mehrere Zwei-Ton-Folgen hintereinander, die in eine Chorstimme münden. Danach geht der Track mit schnellen Streichern weiter. Diese tauchen in heftigerer Form noch einmal in DNA auf, die langsamen Blechbläser kaum variiert in verschiedenen anderen Titeln. In Sent Here For A Reason kommt eine Klavier-Variante des Superman-Themas zum Einsatz, die allerdings ziemlich nach einer Melodie aus Danny Elfmans Real Steel-Score klingt. If You Love These People hört sich komischerweise wie König Der Löwen an, in Krypton´s Last hören wir eine tragische Superman-Variante, vorgetragen von einer einzelnen Violine. Terraforming stellt, versteckt in seiner Länge, eines meiner Lieblingsthemen vor, die die Gefahr und Macht zu charakterisieren scheint, die von Zod und seinen Leuten ausgehen. Das Thema ist besser am Schluss von You Die Or I Do und in der zweiten Hälfte von I Will Find Him zu hören, ein echtes Highlight und äußerst stimmig. Die absoluten Höhepunkte hat man sich aber für den Schluss der CD aufgespart, denn die letzten zwei Tracks sind die besten. Der vorletzte, Flight, untermalt selbstverständlich den ersten Flug des Stahlmannes und präsentiert sowohl die triumphale als auch die leicht tragische Seite des Heldenthemas, unterstützt von E-Gitarre und Chor. Triumphal geht es im letzten Track weiter, der in der letzten Szene und im Abspann zu hören ist, er baut sich langsam auf bis zum fast 3 Minuten andauernden Höhepunkt der End Credits. Ein wahrhaftig wuchtiger und gelungener Ausklang.

Da ich mir die Limited Deluxe Edition des Soundtracks gegönnt habe, kam ich in den Luxus von mehreren Bonustracks, darunter ein fast 30-Minütiger Titel, der quasi die ersten Variationen aller von Hans Zimmer geschriebenen Themen präsentiert. Klingt allerdings nicht wirklich anders als die fertige Version. Die übrigen Titel sind bestenfalls schon bekannte Themen von CD 1 und schlimmstenfalls unauffällig und bieten dadurch nicht viel neues, höchstens Arcade lohnt sich durch eine längere Version des Gefahren-Themas.

3/5… Ein echtes Fazit ist da schon schwierig. Zweifelsohne hat Hans Zimmer im Vergleich zu seinen vorigen Arbeiten wieder einen Schritt nach vorne gemacht, zumal er nicht einfach erneut schon bekannte Themen recycelt, aber man kann nicht voll des Lobes sein. Das liegt hauptsächlich an dem schon erwähnten Melodien-Mangel und einem weiteren Manko, das hier noch nicht erwähnt wurde: auch wenn die Percussions größtenteils echt klingen und man auch andere Instrumente ausmachen kann, leidet der Score an einem Zuviel von synthetischen Sounds, die so gut wie alles untermalen und durch die auch der Rest etwas künstlich klingt. Das ist sehr schade, passt aber trotzdem zur Atmosphäre des Films. Obwohl es nur wenige Titel gibt, die ich wirklich empfehlen kann, gibt es solide 3/5 Punkten, da sich die erwähnten Themen echt gut hören lassen und vor allem durch die Percussions, die Blechbläser und die schnellen Streicher ordentlich reinhauen. Die reichhaltige CD-Ausstattung der Limited Deluxe Edition ist ein netter Bonus, der die Wertung von meiner ursprünglichen 2,5/5 noch etwas nach oben getrieben hat.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps

CD 1:
1. Look To The Stars – 2:54
2. Oil Rig – 1:31
3. Sent Here For A Reason – 3:46
4. DNA – 3:18
5. Goodbye My Son – 1:57
6. If You Love These People – 3:03
7. Krypton´s Last – 1:58
8. Terraforming – 9:46
9. Tornado – 2:47
10. You Die Or I Do – 3:04
11. Launch – 2:29
12. Ignition – 1:12
13. I Will Find Him – 2:47
14. This Is Clark Kent – 3:36
15. I Have So Many Questions – 3:21
16. Flight – 4:09
17. What Are You Going To Do When You Are Not Saving The World – 5:26

CD 2:
1. Man Of Steel (Hans´ Original Sketchbook) – 28:11
2. Are You Listening, Clark? – 2:39
3. General Zod – 7:07
4. You Led Us Here – 2:51
5. This Is Madness! – 3:38
6. Earth – 6:13
7. Arcade – 7:25

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