Filmmusik: Mireille Mathieu singt Ennio Morricone – Album-Kritik

Der Score (Kritik von Lasse Vogt)

Original Musik komponiert von Ennio Morricone
Titel 13 und 14 arrangiert und orchestriert von Ennio Morricone
Gesungen von Mireille Mathieu

Ennio Morricone ist eine ebenso große Legende wie die Western-Figuren, für die er komponiert hat. Viele Filmschaffende nennen ihn als großes Vorbild und Inspiration (Hans Zimmer ist einer von ihnen) und sein Lebenswerk wird universell als Meisterwerk angesehen. Kaum zu glauben, dass er bis zu diesem Jahr warten musste, bis er mit Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ einen Filmmusik-Oscar in Empfang nehmen durfte (seinen 2007 verliehenen Goldjungen fürs Lebenswerk nicht mitgezählt). Das Talent sowie die Vielfalt des Komponisten sind unbestreitbar und sein Einfluss immer noch enorm. Etwas ähnliches kann man über Mireille Mathieu sagen, die als eine der bekanntesten französichen Sängerinnen zum nationalen Kulturerbe gezählt wird und Millionen von Platten verkauft hat. Das vor kurzem neu veröffentlichte Album „Mireille Mathieu: Ennio Morricone“ mit ursprünglich 1974 in Rom entstandenen Aufnahmen bringt diese beiden außergewöhnlichen Größen der Musik zusammen und präsentiert eine Auswahl von Morricone-Score-Stücken, gesungen vom „Spatz von Avignon“. Ein ambitioniertes Vorhaben, das sich aber auszahlt.

Gleich mit Titel 1 geht das Album in die Vollen, denn das Stück stammt aus Morricones wohl bekanntestem Soundtrack „Once Upon a Time in the West“. Glücklicherweise wurde hier aber nicht die spannungsgeladene Mundharmonika-Melodie, sondern der Track „C´era una volta il west“ verwendet, was einfach angenehmer zu hören ist als das Nervenzerfetzende Kult-Thema. Sogar, wenn man der französischen Sprache nicht mächtig ist, vermag es „Un jour tu reviendras“, den Hörer zu bewegen, was auch an der gelungenen Orchestrierung liegt. „J´oublie la pluie et le soleil“ und „La donna madre“ sind von Morricone speziell für Mathieu komponierte Stücke, ersteres ein herrlich relaxtes, leicht exotisches und sogar sinnliches Lied, das zweite das komplette Gegenteil, dramatisch, deftig und mit den Trommeln und Hintergrund-Chor derart stimmig, dass man den Song problemlos in einen beliebigen Italo-Western-Vorspann hineinschneiden könnte. „La Califfa“ stammt aus „The Queen“ und bringt eine ordentliche Portion ausschweifende Melancholie ins Album hinein. Mit Titel 4, welcher „A Fistful of Dynamite“ entnommen ist, wird es wieder etwas entspannter, allerdings ist der irgendwie willkürlich drauflos trällernde Frauenchor einigermaßen irritierend und bringt den Hörer aus dem Takt.
Mireille Mathieu Ennio Morricone Album Cover
„Il ne reste plus rien“ stammt aus „For Love one can Die“ und ist eine Mischung aus entspannter und leicht dramatischer Musik, „Je me souviens“ aus „Gott mit Uns“ hat etwas von einem Klagelied, der Titel hat eine extrem gefühlvolle Melodie. Track 7 aus „Les deux saisons de la vie“ ist mit knapp über sieben Minuten der längste Titel und wieder etwas zum zurücklehnen und genießen, mit einem sehr langen instrumentalen Zwischenspiel, in welchem vor allem Chor und Streicher großzügig beteiligt sind, hier erreicht die Musik gar epische Qualität. Mit „La marche de Sacco et Vanzetti“ („Sacco and Vanzetti“) wird es leicht bedrohlich, wofür vor allem die Orgel verantwortlich ist, ansonsten überzeugt der Track durch geradezu voranschreitende Entschlossenheit, Mathieus Solo wird später mit tollem Chor unterstützt. „Mélodie“ aus „Romance“ ist schön, aber nicht besonders romantisch, wie es der Filmtitel andeutet, „Pas vu, pas pris“ und „Mon ami de toujours“ aus dem Film „Le Casse“ sind beide sehr schön und würden perfekt in einen der klassischen „James Bond“-Filme passen, wobei der erste der beiden Tracks ziemlich flott erklingt und der zweite eher die bedächtige und ruhige Schiene fährt. Mit „Nata libera“ und „Quando verrano i giorni“ aus der TV-Serie „I Nicotera“ klingt die CD auf leichtherzige und nachdrückliche Weise aus.

Fazit: 4/5

Die Kombination ist aufgegangen: Mireille Mathieus markante Stimme, die einerseits jubilieren, andererseits in tiefen Tönen klagen kann, passt wunderbar zu den Melodien des Maestros Morricone! Die Stücke sind schön zusammengestellt und weisen zwar hier und da gewisse thematische Gemeinsamkeiten auf, können aber durch hervorragende Instrumentierung und eine gute Ton-Qualität überzeugen, von Mathieus Gesang ganz zu schweigen. Hier ist für jeden etwas dabei und ich rate den Fans von beiden Künstlern, bei diesem Album zuzugreifen, denn eine auf einem solch hohen Niveau produzierte Compilation/Cover-CD findet man selten genug. Eine 4/5 Punkte-Wertung ist da durchaus verdient, anhören lohnt sich – selbst ohne Französisch-Kentnisse.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

1. Un jour tu reviendras – 5:11
2. J´oublie la pluie et le soleil – 3:56
3. La Califfa – 2:36
4. L´éblouissante lumière – 4:40
5. Il ne reste plus rien – 4:09
6. Je me souviens – 3:55
7. La donna madre – 2:36
8. Da quel sorriso che non ride piu – 7:15
9. La marche de Sacco et Vanzetti – 3:25
10. Mélodie – 3:14
11. Pas vu, pas pris – 2:31
12. Mon ami de toujours – 3:31
13. Nata libera – 3:57
14. Quando verrano i giorni – 3:33

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