Filmmusik: TERMINATOR GENISYS, Lorne Balfes Score in der Kritik

Der Score (Kritik von Lasse Vogt)

Musik komponiert von Lorne Balfe

Die „Terminator“-Reihe hat genauso viele Regisseure wie auch Komponisten gesehen: die ersten beiden Teile wurden von Brad Fiedel vertont, das Hauptthema mit der tragisch/dramatischen Melodie und den fünf mächtigen Metall-Schlägen ist heute ein Klassiker des Genres. Für Teil 3 bekam der vielseitige Marco Beltrami den Zuschlag (obwohl er sich in letzter Zeit vor allem für schlechte Horror-Remakes einspannen lässt), bei „Salvation“ entschied man sich interessanterweise für den in diesem Genre eher unüblichen Danny Elfman, welcher das Original-Thema zwar nicht direkt zitierte, aber in seiner neuen Melodie clever andeutete.

Teil 5, „Genisys“, ist seit kurzem angelaufen, kommt bei Kritikern und insbesondere hier auf Cellurizon nicht gut weg und fiel – wie heutzutage üblich – einem der Hans Zimmer-Schüler von Remote Control in die Hände: Lorne Balfe. Der durch Zusammenarbeiten mit Meister Hans an zahlreichen Filmen und Videospielen und auch durch eigene Werke sehr erfahrene Komponist wurde unlängst auf dieser Seite für seinen Score zum Animationsfilm „Home“ in den höchsten Tönen gelobt! Balfe experimentiert gerne mit vielen unterschiedlichen Klängen und Instrumenten, was zu den Filmen und Spielen passt, für die er den Zuschlag bekommt. Bei so einem durchkalkulierten Sommer-Blockbuster wie „Terminator: Genisys“ verlangen Studios und Produzenten jedoch nach einer altbewährten Formel, die sich leicht rekreieren und verkaufen lässt. Kurz gesagt: die Musik klingt so ziemlich exakt wie jeder andere RC-Score der letzten 10 Jahre…

Dies ist mit Abstand einer generischsten Soundtracks, die ich seit langem gehört habe – seit „Transformers 4“ habe ich mich nicht mehr so aufgeregt über so einen Mangel an originellen Ideen, so einen Mangel an Alleinstellungsmerkmalen, über ein derartiges Fehlen jeglicher IDENDITÄT!!! Das heißt nicht, dass der Score furchtbar ist, beiweitem nicht, er bietet nur rein gar nichts neues und erinnert ständig an andere Werke von Balfes RC-Kollegen. Gibt es ruhige Momente tackern elektronische Klänge über leise Streicher-Wellen, bei Action dröhnen die Hörner, rasen die Streicher in endlosen Ostinati und es wird auf Trommeln gehauen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Tatsache, dass sogar auf dem Poster Hans Zimmer selbst als „Executive Music Producer“ genannt wird (garantiert eher eine Marketing-Strategie und auch nicht zum ersten Mal angewandt), zeigt, dass man mit dem Score absolut auf Nummer sicher gehen und möglichst viele Fans dieser Art von Musik anlocken wollte.

„Fate and Hope“ lässt tatsächlich an frühere Balfe-Scores denken, sanfter Chor und ein elekrisches Klavier verbreiten eine extrem melancholische Atmosphäre. Doch ab 1:35 setzen Percussions, Streicher-Ostinati und Männer-Chor ein und es klingt wie eine Mischung aus „Transformers“ und „King Arthur“, so sehr sogar nach letzterem, dass ich ernsthaft meine Playlist checken musste, um sicher zu sein, dass ich auch wirklich auf „Terminator: Genisys“ geklickt hatte und nicht aus Versehen bei „King Arthur“ gelandet war. „Better Days“ ist ein passender Titel, denn hier wird tatsächlich das Original-Terminator angespielt, doch im Folge-Track geht es direkt mit dem altbackenen RC-Sound weiter, komplett mit dem „Horn of Doom“. „Bus Ride“ enfesselt die Action, nach wie vor mit schnellen Streicher-Stimmen, dröhnenden Blechbläsern und Trommeln und lässt mehr als einmal an die Musik aus der „The Dark Knight“-Trilogie denken, es gibt sogar einige direkte Anspielungen.
TERMINATOR GENISYS Soundtrack Cover
Sanfter Chor leitet „Sarah & Kyle“ ein, elektronische Klänge und Streicher kommen dazu und zeigen, dass es auch anders geht. Ein schöner Titel, obwohl er, je länger er dauert, immer mehr nach „Last Samurai“ und „Inception“ klingt. „Alley Confrontation“ klingt in der ersten Minute interessanterweise wie Tyler Bates´ „Guardians of the Galaxy“, „Sarah Kicks Ass“ ist ein gelungenes Action-Stück, aber auch nicht vom allgemeinen RC-Output zu unterscheiden. „Cyberdyne“ hört sich am ehesten nach „Equilibrium“ von Klaus Badelt an, „Still After Us“ ist wahnsinnig laut und klingt ein bisschen wie „Pacific Rim“, „Come With Me“ ist schnell und energetisch. „John Connor“ ist eine wahrhaft dreiste Kopie von Steve Jablonsky´s „Transformers“-Soundtracks, die Blechbläser-Melodie ist nur leicht variiert und selbst für einen Laien ist der pure Diebstahl mehr als offensichtlich.

„It´s Really Me“ scheint den Hörer daran erinnern zu wollen, dass dieser Score aus der „Terminator“-Reihe stammt, denn auch hier gibt es ein leises Statement der Original-Brad-Fiedel-Melodie. „Alcove“ erinnert an „Elysium“, „I Am More“ ist anfangs wieder laut, bevor der Titel nachlässt, „If you Love Me You Die“ ist das längste Stück und präsentiert eine tragische Cello-Stimme, die schon vorher des öfteren zu hören war und sich mehrmals wiederholt, in den letzten 2 Minuten kommt kurz düsterer Männer-Chor, dann wird es wieder laut und schnell.

„Judgement Day“ ist auch ein ganz guter Action-Titel, „Family“ bietet wieder die „Transformers“-Kopie (sogar die Streicher-Unterstimmen klingen exakt gleich), bevor es ab der Hälfte so klingt, als würde Darth Vader mit riesigen Stahl-Stiefeln aufstampfen und bei jedem Mal röchelnd ausatmen. „Fight“ ist natürlich wieder Action, mit einigen gelungenen Streicher-Ostinati hier und da, „Sacrifice“ baut sich kurz auf, bevor es wieder schnell und tragisch wird, auch die „John Connor“-Melodie wird kurz angespielt. „Guardianship“ beginnt mit einer schönen Klavier-Melodie, dann kommen elektronische Rhythmen dazu sowie Streicher, „What If I Can´t“ setzt dies fort und auch hier kommt die Connor-Melodie nochmal zu ihrem Recht. „Terminated“ schließlich präsentiert das Original-Thema in seiner ganzen Pracht, natürlich vom Klang her an den Rest des Soundtracks angepasst, aber immer noch beeindruckend und wunderbar nostalgisch.

3/5… Dieser Score ist eine schwierige Kiste: nichts, rein GAR NICHTS unterscheidet diese Musik von irgendeinem Soundtrack, der in den letzten Jahren von Hans Zimmer oder einem seiner Schüler im Science-Fiction- und Action-Bereich komponiert wurde. Wenn man am laufenden Band an die Musik erinnert wird, von der dieses Album teilweise schamlos klaut, wie soll man sich da nicht aufregen? Nun, trotz des Originalitäts-Mangels sowohl bei den Melodien als auch in der Orchestrierung, der Score tut das, was er tun soll. Es ist offensichtlich, dass Lorne Balfe ein Komponist ist, der viel mehr kann als einfach nur kopieren. Aber es ist auch offensichtlich, dass ihm in diesem Fall von den Produzenten diktiert wurde, einfach das nachzumachen, was sich in der Vergangenheit bewährt hat. Und das ist halt der generische Remote Control-Sound. Abgesehen vom Original-„Terminator“-Thema selbst könnte man diese Musik auch in jeden anderen beliebigen Action-Film schneiden und es würde auch da passen, aber die Action-Tracks sind cool, einige der gefühlvollen Momente funktionieren und insgesamt ist es auch kein schlechter Soundtrack, er wird nur runtergezogen von den genannten Problemen. Für Fans von Hans Zimmer und seinem Sound genau das richtige, wer diesen aber satt hat, sollte auf Abstand bleiben. So gibt es extrem gönnerhafte 3/5 Punkte mit der Hoffnung, dass Lorne Balfe es nach diesem Score schafft, für mehr Filme angeheuert zu werden, in denen er seine Kreativität besser ausleben kann.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

1. Fate and Hope – 3:57
2. Better Days – 3:06
3. Work Camp – 3:38
4. Bus Ride – 2:04
5. Sarah & Kyle – 4:36
6. Alley Confrontation – 2:33
7. Sarah Kicks Ass – 1:54
8. Cyberdyne – 3:41
9. Still After Us – 2:53
10. Come With Me – 3:43
11. John Connor – 2:56
12. It´s Really Me – 2:37
13. Alcove – 2:18
14. I Am More – 2:40
15. If You Love Me You Die – 5:52
16. Judgement Day – 2:56
17. Family – 3:14
18. Fight – 3:02
19. Sacrifice – 4:22
20. Guardianship – 3:26
21. What If I Can´t? – 4:24
22. Terminated – 2:00

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