Filmmusik – WARCRAFT: THE BEGINNING, Ramin Djawadis Score in der Kritik

Der Score (Kritik von Lasse Vogt)

Musik komponiert von Ramin Djawadi

Never change a winning team! Dieses Sprichwort beschreibt sicher am treffendsten die Karriere von Ramin Djawadi. Der deutschstämmige Komponist aus der Hans-Zimmer-Lehre ist dem Großteil der Welt durch seine Arbeit an der beliebten Serie „Game of Thrones“ bekannt, dessen Main Theme in unzähligen Cover-Versionen online zu finden ist. Zudem scheint er der Go-to-Guy zu sein, wenn es um Filme von Legendary Pictures geht: „Clash of the Titans“, „Pacific Rim“ und „Dracula Untold“, alles große Blockbuster, alle von Djawadi vertont. Jedoch war es vor allem „Game of Thrones“, das seinen Namen wirklich bekannt machte und so scheint das Fantasy-Abenteuer-Genre sich auf den dort etablierten Musik-Stil festgesetzt zu haben: „Warcraft“, die durchaus ambitionierte und teilweise visuell beeindruckende, aber inhaltlich extrem generische Videospiel-Prequel-Verfilmung, kann so alle musikalischen Merkmale vorweisen, die man schon aus den oben erwähnten Ramin Djawadi-Scores kennt. Das Ergebnis ist ein nicht besonders origineller, aber zumindest passender und angemessen tönender Soundtrack, der es jedoch schwer hat, abseits seiner Funktionalität im Film Eindruck zu hinterlassen. (Eine ausführliche Liste und Besprechung der musikalischen Themen der Spiele-Reihe findet ihr übrigens hier.)

Gleich im ersten Titel, „Warcraft“, präsentiert Djawadi sein Haupt-Motiv, einen langsamen, aber kraftvollen Marsch, gespielt von Celli, Bässen, Trommeln und natürlich tiefen Blechbläsern, der in dieser Version den Abspann untermalt. Im Film selbst hört man das Thema kaum in seiner vollständigen Form, meist nur die Unterstimme, zum Beispiel in „The Horde“ bei 2:24, unterstützt von Männerchor, in „Forest Ambush“ in einer flotten Variation (auch hier mit Chor), in „The Beginning“ (weniger düster und etwas hoffnungsvoller) und in „Two Worlds Colliding“ endlich vollständig. Ein sehr heroisches und langes Statement gibt es im Titel „Llane´s Solution“ ab 1:07 und besonders mächtig ertönt es am Ende von „For Azeroth“.

Loben muss man am Soundtrack, dass Djawadi sich nicht nur auf dieses eine Thema verlässt und es auch nicht ausschlachtet. Ein weiteres Motiv, das sehr oft vorkommt, ist für die Figur des Magiers Medivh, zum ersten Mal mit Geigen, Celli und später auch Blechbläsern und Harfe in „Medivh“ zu hören, sehr geheimnisvoll und ehrwürdig. Es erklingt auch kurz am Anfang der zweiten Hälfte von „Forest Ambush“, in „The Beginning“ und bildet den Großteil von „My Gift to You“, wo es sich mit einem anderen unheimlich-mystischen Thema vermischt, das in „The Book“ vorgestellt und danach noch mehrmals variiert wird („The Incantation“).

Dem menschlichen Helden Anduin Lothar ist ein kleines heroisches Stück gewidmet, das man erstmals in „Lothar“ bei 0:48 deutlich hören kann. Im selben Titel kommt es noch ein paar Mal vor und hat dabei merkwürdige Ähnlichkeit mit dem Helden-Motiv von Mark Mothersbaugh für die „21 Jump Street“-Filme. Auf dem Album hört man es noch in „Llane´s Solution“ bei 0:23 in einer sehr coolen Version, im Film selbst erklingt es aber auch an mehreren Stellen, die nicht im Soundtrack vorkommen. Noch erwähnenswert ist ein Thema, das man nicht recht zuordnen kann und wie eine Mischung aus dem abenteuerlichen Menschen-Material und dem Medivh-Motiv klingt. Es eröffnet „Victory and Defeat“, gespielt von Hörnern, Streichern und Percussions und bestreitet den Großteil von „For Azeroth“. Dem von Paula Patton gespielten Ork-Mensch-Hybriden Garona sind die Titel „Strong Bones“ und „Half Orc, Half Human“ gewidmet, beide bilden die Ruhepunkte des Scores und überzeugen mit schönen Holzbläsern, einer Frauenstimme, Oboe und sanften Streichern. Auch in „Mak´gora“ ist das Material zu hören, diesmal ausgesprochen tragisch.
WARCRAFT THE BEGINNING Score Cover
Die dominanten Klänge der Musik sind aber definitiv den Orks vorbehalten, was insofern passt, da man auf deren Seite auch im Film die meisten Figuren findet, die nachvollziehbare Motivation und Persönlichkeit besitzen. Die gewaltigen Kampfmaschinen werden durch urige, exotische Trommeln, Holzbläser und Obertongesang charakterisiert, vorgestellt in „The Horde“ und weitergeführt in „Honor“ (ab 3:20 sehr emotional). Auch am Schluss von „Two Worlds Colliding“ kommt Ork-Material vor, hier mit rufendem Männerchor. Der finstere Ork-Hexenmeister Gul´dan bekommt eine extrem düstere Version der Ork-Klänge verpasst („Gul´dan“, „Llane´s Solution“), wobei die Hörner sehr an die Musik für die Mordor-Orks von Howard Shore („The Lord of the Rings: The Return of the King“) erinnern.

Die Action ist zwar ein Bestandteil der Musik, aber längst nicht so groß, wie man es bei einem Film namens „Warcraft“ erwartet. Sicher, das Haupt-Thema ist einigermaßen Action-orientiert, aber so richtig schnell sind eigentlich nur „Forest Ambush“, „Two Worlds Colliding“ (hier sehr nach „Pacific Rim“ klingend) und teilweise „Llane´s Solution“. Drama, Atmosphäre, Tragik und hier und da heroische Momente bilden die Kern-Elemente des Soundtracks, was sehr interessant, aber auch von Vorteil ist, da man nicht pausenlos zugedröhnt wird und so etwas Abwechslung besteht.

Ein paar gute Motive, gelungene Action-Momente, Themen-Variation und ein guter Flow – gibt es auch etwas zu meckern? Leider ja: der Score ist etwas schwach auf der Brust. Ein Blick ins Booklet enthüllt ein verhältnismäßig kleines Orchester, welches den Fokus auf Streicher (vor allem Celli) legt, aber so fehlt der Musik die nötige Wucht, ein gewisses Volumen und auch Tiefe. Sicher, die Hörner sind kräftig und auch Celli und Geigen tun was sie können, aber gerade beim Schlagwerk und den übrigen Blechbläsern (insbesondere Trompeten) ist ein Kraftmangel festzustellen. Hier wäre zur Abwechslung mal MEHR wirklich mehr gewesen. Dafür kann zumindest der Männerchor halbwegs entschädigen, der in genau den richtigen Momenten laut rufend zum Einsatz kommt. Besonders viel Elektronik ist allerdings nicht zu hören, allemal hier und da dezent zur Unterstützung, was auch positiv zu vermerken ist. Noch dazu kommen einige kurze Statements der ikonischen Game-Soundtrack-Stücke zwar im Film vor, aber nicht auf dem Album (unter anderem, wenn man Stormwind zum ersten Mal sieht).

Fazit: 3.5/5

Ramin Djawadi hat getan, was er konnte und dem Film den wohl bestmöglichen Score verpasst, den wir vom „Game of Thrones“-Veteran erwarten konnten. Er bleibt seinem Stil treu, nähert sich aber auch dem Klang der Spiele an und so ist das Ergebnis im Prinzip „Pacific Rim – Fantasy Edition“. Die Themen sind den Charakteren und Situationen angemessen, die Abwandlungen und Variationen passend und die Action ist gut dosiert. Djawadi liefert für seine Auftraggeber weiterhin das ab, was diese in einem solchen Film hören wollen und sicherlich wird der Score auch viel Zuspruch von Fans finden. Ich persönlich hätte zwar viel lieber Harry Gregson-Williams oder John Powell als Komponisten für den Streifen gehabt, aber Ramin Djawadi hat sich redlich bemüht. „Warcraft“ ist sein bester Soundtrack seit Jahren und dafür vergebe ich 3,5/5 Punkte mit ehrlicher Empfehlung für alle begeisterten Hörer seiner bisherigen Arbeiten.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

1. Warcraft – 1:58
2. The Horde – 3.17
3. Medivh – 2:44
4. Honor – 4:46
5. Forest Ambush – 3:44
6. Lothar – 3:35
7. Gul´dan – 3:14
8. The Beginning – 2:30
9. Strong Bones – 1:34
10. Victory and Defeat – 3:03
11. The Book – 2:27
12. Two Worlds Colliding – 3:23
13. The Incantation – 3:44
14. Half Orc, Half Human – 1:27
15. Whatever Happens – 1:43
16. My Gift to You – 2:31
17. Llane´s Solution – 7:25
18. Mak´gora – 5:02
19. For Azeroth – 2:50

2 Kommentare

    1. Fand sie dort auch passend, nur abseits der Bilder hinterlässt sie nicht allzu viel Eindruck. Ist aber kein schlechter Score, sonst hätte ich etwas anderes geschrieben.

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