GAME OF THRONES Staffel 6 – Episode 4: Recap zu „Book of the Stranger“

„Game of Thrones“- Neuling Daniel Sackheim inszeniert mit „The Book of Stranger“ eine weitere ruhige Episode, die die letzten Vorbereitungen für die ersten Höhepunkte zur Staffelhalbzeit trifft und sich nicht scheut, am Ende direkt noch einen Bombast-Moment anzuhängen…

„The Book of the Stranger“ ist mit 58 Minuten die bisher längste Episode der Staffel, aber unterbrechen wir doch mal für ein paar Minuten die üblichen Machtspielchen, Morde und Zaubereien, denn es gibt Grund zum Feiern: Robin Arrion (Lino Facioli) hatte Geburtstag! Dafür reist extra Onkel Petyr „Kleinfinger“ Baelish (Aidan Gillen) an, wo auch immer er sich in der Zwischenzeit herumgetrieben hat. Der weiß, dass Sansa (Sophie Turner) aus Winterfell geflohen ist, und will nun die Armee des grünen Tals von Arryn mobilisieren, um gegen Ramsay Bolton (Iwan Rheon) zu Felde zu ziehen. Zunächst einmal ist es spannend, dass Littlefinger zurück im Spiel ist, aber mir persönlich schwirrt immer noch im Kopf die Frage herum, was er in Staffel 5 mit Olenna (Diana Rigg) ausgehandelt hat. Sein großer Masterplan ist jedenfalls schon vor langer Zeit absolut undurchsichtig geworden.

Die Queen of Thorns selbst fürchtet derweil um ihre Enkelkinder, die weiterhin im Kerker der Septe schmoren und sich täglich von einer bösartigen Nonne aus dem „Seven Pointed Star“ vorlesen lassen müssen. Margaery (Natalie Dormer) scheint dabei verstanden zu haben, dass ihr Weg aus dem Keller nur über eine Bekehrung ihres Bruders und ihrer selbst erfolgen kann. Im roten Bergfried verwirft man inzwischen jedwede diplomatische Lösung. Cersei (Lena Headey) überredet die Dornenkönigin dazu, die Truppen der Tyrells im offenen Kampf gegen die Septe zu richten, um die Königin aus dem Gefängnis zu befreien. Man merkt dem Handlungsstrang an, dass man ihn unbedingt etwas dehen muss, weil man sich die große Konfrontation wahrscheinlich für die nächsten zwei Folgen aufheben will. Wenn diese aber dann so groß wird wie sie jetzt angeteasert wurde, nimmt man die Wartezeit doch gern in Kauf.
Tischgespräche in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 4 Book of the Stranger
Im hohen Norden kommt es zu einem Treffen zwischen Wildlingsdame Osha (Natalia Tena) und ihrem Peiniger Ramsay. Dass diese gegen den Sadisten keine Chance hat, wird sofort klar, als sie nach dem Obstmesser greifen will und dabei gnadenlos die grausame Durchtriebenheit des größten Sadisten von Westeros unterschätzt. So ist es keine große Überraschung, dass Rickon Starks Weggefährtin am Ende dieser Szene selbst einen Dolch im Halse stecken hat. Sicherlich eine grausame Wendung, nachdem wir die Wilde so lange nicht mehr gesehen haben, aber immerhin ist doch Oshas Handlungsstrang sowieso auserzählt.

„The Book of the Stranger“, dessen Titel (ich abgesehen von der Erzählung des High Sparrows) noch nicht so ganz durchschaut habe, hat das „Wiedersehen“ als dominantes Motiv.

Die Tyrell-Zwillinge dürfen sich im Kerker wiedersehen, bevor wir auch noch einmal im wohl schäbigsten Teil von Westeros vorbeischauen: Auf Pyke trifft Theon (Alfie Allen) rechtzeitig vor dem Kingsmoot – meine Vorfreude auf die nächste Woche ist unermässlich – ein, damit Schwester Yara (Gemma Whelan) ihm noch einmal im wahrsten Sinne des Wortes richtig den Kopf waschen kann. Damit Reek/Theon wieder sein Image innerhalb seiner Familie aufbessern kann, will er seiner Schwester jedenfalls auf den Salzthron verhelfen, wobei es ja da noch einen gewissen Onkel gibt…

Das nächste Wiedersehen- das wohl bedeutendste von allen- steht im hohen Norden bevor. Es ist der vielleicht schönste und befriedigendste Moment der letzten 5 Staffeln, wenn Sansa endlich in Castle Black eintrifft und wir die erste erfolgreiche Stark Reunion der Serie erleben dürfen. Es wäre jedoch nicht „Game of Thrones“, wenn uns ein übermäßig pathetisches Aufeinandertreffen gegönnt werden würde. So will Sansa, die endlich zur Spielerin geworden ist, ihren Halbbruder Jon (Kit Harington) sofort dazu überreden, mit den Wildlingen nach Winterfell zu ziehen, um ihre Heimat zurückzuerobern. Hier stellt sich für mich die Frage, ob Sansa überhaupt weiß, was Jon für Irrungen und Wirrungen in letzter Zeit durchgemacht hat, denn der Dialog zwischen beiden spart diesen Teil der vorherigen Ereignisse gekonnt aus. Am Ende kommen wir dem großen Snow-Bastard-Bowl ein ganzes Stück näher, als am Esstisch drohende Post von Ramsay einflattert. In den nächsten Wochen wird das Internet wohl mit Fanfictions überflutet werden, denn Tormunds (Kristofer Hivju) Blicke gegenüber Brienne Gwendoline Christie) würden in einer anderen Serie in einer besseren Welt zu einer besseren Zeit den Beginn einer wunderschön chaotische Liebesgeschichte ankündigen.

Das letzte Wiedersehen findet in einem flammenden Episodenfinale in Essos statt. Zuvor muss jedoch Tyrion (Peter Dinklage) die Lage in der Sklavenbucht beruhigen. Hier zeigen sich aktuellpolitische Probleme auf, die gerade durch ihre Parallelen zu heutigen Verhandlungen in unserer Welt eine so unwohle Stimmung erzeugen. Der Meereenische Knoten ist jedenfalls noch lange nicht gelöst, kommt es doch gerade jetzt zum Zerwürfnis zwischen Untertanen und Herrschenden, denen vom Lannister-Gnom die Sklaverei für die nächsten sieben Jahre erlaubt wird, sofern denn ihre bezahlten Terroristen endlich Ruhe geben.

Daario (Michiel Huisman) und Jorah (Iain Glen) dürfen mit ihren eifersüchtigen Wortgefechten und den nächtlichen Rangeleien mit den Dothraki wieder einen kurzen Comic Relief Part zu dieser wunderbaren Episode beitragen, bevor auch sie in Vaes Dothrak auf ihre Königin (Emilia Clarke) treffen, um mit ihr einen Fluchtplan zu schmieden. Erwähnenswert ist auch, dass Daario nun von Jorahs Krankheit erfahren hat, denn nach wie vor habe ich keine Ahnung, was es für einen Sinn hatte, ihn sich letzte Staffel mit Greyscale infizieren zu lassen. Wahrscheinlich dient das nur dazu, ihn leichter umzubringen eines Tages, denn ich glaube im Leben nicht, dass Mister Friendzone Staffel 6 lebendig überstehen wird.
Emilia Clarke als Daenerys Targaryen entsteigt nackt den Flammen in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 4 Book of the Stranger
Nun aber zum epischsten Teil der Folge: Das Khalar Vezhen steht an. Dass Daenerys keine Chance haben wird, die Khals von ihren Plänen zu überzeugen, war absehbar. Dabei kommt jedoch ihr Mordanschlag auf alle Reiterlords umso überraschender. Ein imposantes Schlussbild ist es sowieso, wenn Daenerys letztendlich nackt und unversehrt in der zweiten Wiedergeburt innerhalb dieser „GOT“-Staffel aus dem brennenden Tempel tritt und sich eine gesamte Stadt vor ihr in den Staub wirft, aber ein solches Szenario haben wir nun schon zum dritten Mal erlebt. Interessanter ist, ob ihre Story denn jetzt wirklich mal vorangetrieben wird. Neben Brienne-und-Tormund-Fanfictions wird in den nächsten Tagen wohl ein Streit um Daenerys Feuer-Immunität ausbrechen, denn schließlich hat George R.R. Martin selbst gesagt, dass die Targaryens eben nicht immun gegen die Flammen seien, weshalb es eine ähnliche Szene in „The Winds of Winter“ wohl nicht geben wird. Somit ist es eine überraschende Abwechslung, dass die Serie freiwillig zusätzliche Fantasyelemente einbaut. Meine Prognose für den Rest der Staffel lautet jedenfalls: Daenerys wird mit den Dothraki den kommenden Krieg in der Sklavenbucht beenden und erst am Ende der Staffel nach Westeros übersetzen.

„The Book of the Stranger“ ist wieder eine herausragende Episode. Nach den Schwächen der fünften Staffel bin ich wieder voll und ganz vom Können der Showrunner überzeugt. Bisher war keine der vier Episoden eine Enttäuschung und nächste Woche werden wir mit dem Kingsmoot auf Pyke einen ersten Höhepunkt der Staffel zur Halbzeit erleben.
Entsetzt bin ich jedoch immer noch über die Abwesenheit von Dorne, denn nach drei Episoden ohne Dorne (nächste Woche werden wir die Sandweiber übrigens wohl auch nicht sehen!) habe ich den Eindruck, dass HBO den Machern eingetrichtert hat, dass sie die Dorne-Action auf ein Minimum beschränken mögen, um die Fans nicht zu verärgern. Wäre es aber gerade nach der haarsträubenden Entwicklung in den Watergardens nicht gerade jetzt angebracht, ein paar letzte Rettungsversuche zu unternehmen, bevor dieser Handlungsstrang auch noch seinen letzten Funken Relevanz verliert!?

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