GAME OF THRONES Staffel 6 – Episode 5: Recap zu „The Door“

Mit „The Door“ endet die erste Hälfte der diesjährigen „Game of Thrones“ – Staffel auf einem Paukenschlag, der die groß angekündigte „all-timer- Episode“, die laut HBO Seriengeschichte schreiben wird, zu einer der wohl denkwürdigsten und eindrucksvollsten Folgen der Serie macht. Grund genug, einmal die letzten fünf spannenden Wochen Revue passieren zu lassen…

[SPOILER]

Ich muss zu Beginn sagen, dass es, glaube ich, noch nie eine Folge gab, bei der ich so im Zwiespalt war. Nun habe ich „The Door“ sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch gesehen. Beim ersten Mal habe ich einfach nur eine innere Leere gespürt, bei der ich nicht wusste, wie ich am besten mit den ganzen Eindrücken umgehen soll, da ich einerseits so viele Dinge an dieser Episode großartig fande und andererseits durch so viele Dinge herausgerissen wurde. Als ich sie dann ein zweites Mal gesehen habe, konnte ich dann der Begeisterung zustimmen: „The Door“ ist für mich persönlich vielleicht nicht eine der besten Episoden, aber dennoch ein Meilenstein der Serie bisher, bei dem ich mich frage, was die Serie noch für die letzten Folgen auf Lager hat, wenn SOLCHE Momente schon zur Halbzeit verbraten werden.

Dabei beginnt die Episode so unspektakulär. Littlefinger (Aidan Gillen) hat wieder seine Teleportationsmaschine angeworfen, von der scheinbar auch Theon Gebrauch gemacht hat, und ist zu Sansa (Sophie Turner) nach Mole´s Town gereist. Nein, im Ernst: Diese ganze Aufregung um die „Teleportation“ finde ich einfach nur überflüssig, denn man kann bei „Game of Thrones“ ja sowieso nie genau sagen, wie es sich mit der timeline verhält, da viele Handlungsstränge einfach nicht gleichzeitig ablaufen. So scheint zumindest an der Wall eine ganze Weile vergangen zu sein, in der Sansa, über deren vollendete Wandlung zur Spielerin sogar Littlefinger etwas erstaunt ist, sogar noch Zeit hatte, ein schickes Gewand für sich und ihren Halbbruder Jon (Kit Harington) zu nähen. Sansa ist jedenfalls fuchsteufelswild über Littlefingers arrangierte Hochzeit und lehnt sogar seine militärische Unterstützung gegen Winterfell ab. So will sie lieber Brienne (Gwendoline Christie) nach Riverrun schicken, das von „Blackfish“ Tully zurückerobert wurde. Werden wir dort bald ein Wiedersehen mit Jaime feiern können? Die holde Ritterin dürfte indes wenigstens froh sein, aus dem geilen Blickfeld eines gewissen Wildlings zu verschwinden…

„The Door“ fühlt sich in jeder Hinsicht wie ein großer Wendepunkt an. Vergleichen kann man die Folge mit dem herausragenden Staffelfinale der vierten Staffel, denn auch in dieser Woche finden viele Handlungsstränge zu ihrem vorläufigen Ende und können nun zu neuen Ufern aufbrechen. So hat Sansas Leidensweg mit der Reise zur Wall ein Ende gefunden, wir konnten letzte Woche ein rührendes Wiedersehen mit ihrem Halbbruder erleben und nun bricht die ganze Truppe in alle Himmelsrichtungen auf, um Armeen für die Schlacht um Winterfell aufzutreiben. Jetzt bin ich außerdem gespannt, wohin es Davos (Liam Cunningham) und Melisandre (Carice van Houten) verschlagen wird. Beide sind letzte Woche aneinandergeraten, weil Davos scheinbar immer noch nicht weiß, was wirklich in Stannis`Lager vorgefallen ist und auch Brienne hat eigentlich noch ein Hühnchen mit ihnen zu rupfen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass Davos und Melisandre auf meiner Todesprognosen-Liste für die diesjährige Staffel stehen?
Gwendoline Christie als Brienne of Tarth und Sophie Turner als Sansa Stark in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 5 The Door
In Braavos hat Arya (Maisie Williams) vorerst ihre Trainingsphase (inklusive Blindheit) überstanden, denn in dieser Woche kommt es endlich zu ihrer zweiten Chance: Sie soll eine berühmte Schauspielerin namens Lady Crane ermorden, deren Schauspielgruppe gerade die Ereignisse aus der ersten Staffel nachspielt, was in Arya wohl bisher verdrängte Emotionen weckt. „Game of Thrones“ lässt es sich dabei nicht nehmen, wieder einen Furzwitz einzubauen und einen Penis in Großaufnahme zu zeigen (Emilia Clarke hat sich scheinbar durchgesetzt!). Lady Crane wird übrigens von der fabelhaften Essie Davis verkörpert, die für ihre Rolle in „The Babadook“ vor zwei Jahren bei der Oscarkandidatur zu Unrecht vernachlässigt wurde. Auch nach fünf Folgen bin ich noch nicht schlauer, wo Aryas Handlungsstrang hinführen soll, denn langsam wird es Zeit, dass ihre Storyline mit den wichtigen Handlungssträngen verknüpft wird. Ich habe ja die Theorie, dass sie eines ihrer Familienmitglieder ermorden wird, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass man uns auftischen will, wie ein kleines Mädchen, das zur Profikillerin ausgebildet wird, ein Happy End erlebt.

In Vaes Dothrak herrscht Aufbruchsstimmung. Daenerys verabschiedet sich von Jorah Mormont (Iain Glen) und macht sich auf den Weg nach Meereen. Jorah hat dabei den verzweifelten Kampf gegen die Friendzone gewonnen, die Khaleesi erlebt einen (echt rührenden) Gefühlsausbruch und will, dass ihr Ex-Beschützer ein Heilmittel für Greyscale besorgt. Ein weiterer Todeskandidat auf meiner Liste. Ich glaube nicht, dass sich die beiden noch einmal begegnen. Wahrscheinlich wird es auch bald mit Daario (Michiel Huisman) Krach geben, dessen Einfersucht wir ja schon seit längerer Zeit kennen, wenn nicht sogar er mit den Sons of the Harpy unter einer Decke steckt.

In Meereen schmiedet Tyrion (Peter Dinklage) derweil eine Allianz mit der roten Priesterin Kinvara (Ania Bukstein), die das Volk von Daenerys überzeugen soll. Sie selbst scheint Varys` (Conleth Hill) Hintergrundgeschichte zu kennen, was die ganze rote Priesterschaft nur noch unheimlicher macht. Nun stellt sich die Frage, wer in den Flammen zu Varys geflüstert hat (Bran?), wobei natürlich die noch viel größere Frage ist, wie Kinvara wohl aussieht, wenn sie nicht ihre Halskette trägt…

In „The Door“ steht nun auch endlich der berühmte King´s Moot an. Eine Szene, die hohe Erwartungen seitens der Buchleser erfüllen muss. Insgesamt ist die Szene toll geschnitten. Wir hatten bereits mit Aryas Kampftraining in der dritten Episode eine toll geschnittene Montage und Euron Greyjoys (Pilou Asbæk) Ertränkung und damit Krönung zum Herrscher über die Iron Islands, während Yara (Gemma Whelan) und Theon (Alfie Allen) seine Flotte klauen und von den Inseln fliehen müssen, fährt in ähnlichem Gewässer. Eine dritte großartige Montageszene bekommen wir am Ende beim großen Knaller, aber mehr dazu später. Vielleicht geht die ganze Sache ein wenig zu schnell. So muss man sich beispielsweise fragen, woher denn Yara so plötzlich wusste, dass Euron seinen Bruder ermordet hat. Man hat also quasi die Handlung eines ganzen Romans hier auf 10 Minuten heruntergekürzt, indem uns dann auch gleich Eurons Heiratspläne mit Daenerys offenbart werden, womit auch die Flottenfrage der Drachenkönigin nun geklärt wäre und die Iron Islands fest im Spiel der Throne etabliert sind. Reserven gibt es ganz klar noch in der Charakterzeichnung von Euron, die in Hinblick auf die Bücher ebenfalls stark simplifiziert bzw. komplett ausgespart wird. Viel hat man bisher nicht von dieser Familie gesehen, aber diese atemberaubende Kürzung der Handlung von „A Feast for Crows“ ist jetzt schon besser gelungen als die Dorne Storyline. Apropos! Wir haben bis jetzt vielleicht 5 Minuten von Dorne in der ersten Folge gesehen, in der die Sand Snakes die Martells gestürzt haben. Seitdem sind sie von der Bildfläche verschwunden. Ein fataler Fehler in meinen Augen, denn so fühlt sich dieser Storystrang in der fünften Staffel nur noch mehr nach Zeitverschwendung an. Fraglich also, wann und ob wir die kämpfenden Sandmädels in der zweiten Hälfte der Staffel noch zu sehen bekommen.

King´s Landing muss diese Woche aussetzen, aber dort wird es nächste Woche interessant. Die Machtübernahme der Sparrows war letztes Jahr der spannendste Handlungsstrang in meinen Augen. Diesen Posten hat in dieser Staffel bisher eher Castle Black übernommen, weil die Situation in der Hauptstadt von Westeros etwas stagniert, aber nächste Woche erleben wir endlich die große Auseinandersetzung zwischen der Tyrell-Armee und dem High Sparrow.
Hold the door - Hodor in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 5 The Door
Aber nun zum Knaller der Folge und generell dem bisherigen Höhepunkt der Staffel, der einen pünktlich zur Halbzeit noch einmal wachrüttelt. Zunächst sieht Bran (Isaac Hempstead-Wright) in einer Vision, dass die Children of the Forest die White Walker zur Verteidigung gegen die Menschen erschaffen haben. Eine Szene, von der ich ehrlich gesagt nicht begeistert bin, da ich das Auftreten dieser Kinder immer noch furchtbar albern finde und ich mir irgendwie mehr dahinter vorgestellt habe. Die White Walker habe ich mir immer als Naturgewalt vorgestellt, die das ultimative Böse sind und deren Ursprung sich niemand erklären kann, doch nun weiß man, dass es letztendlich nur eine Frankenstein-Schöpfung war, die sich gegen ihre Erzeuger gerichtet hat. Was danach folgt, kann „Hardhome“ emotional und inszenatorisch durchaus das Wasser reichen. Bran hört nicht auf den Three-eyed Raven (Max von Sydow), der wenig später mit seinem Leben bezahlen muss, und wird vom Night´s King gezeichnet, welcher kurz darauf mit seiner Zombiearmee den Weirwood-Tree stürmt. Die ersten Minuten dieser Szene finde ich arg gewöhnungsbedürftig, weil es irgendwie immer so befremdlich wirkt, wenn „Game of Thrones“ in solche Klischee-Fantasy abrutscht. So hat man eben schon wieder die Waldkinder, die mit Feuerbällen nach den Zombies werfen und das ist wieder so ein Moment, der mich einfach aus dem Geschehen reißt. Alle Kinder werden jedoch von den Walkern umgebracht, weshalb ich mich jetzt zum Glück auch nicht mehr aufregen kann und Bran wird der Nachfolger seines Mentors, obwohl er noch gar nicht dafür bereit ist. Bei der anschließenden Flucht aus der Höhle wird auch noch der nächste Schattenwolf umgebracht. So wird der Sommer buchstäblich vom Winter ermordet. Danach kommt jedoch der große Schock und eine der emotionalsten Szenen der gesamten Serie: Bran ist daran Schuld, dass Hodor (Kristian Nairn) nur dieses Wort sagen kann. Ausgesprochen lautet das Lieblingswort des Riesen „Hold the Door“, das ihm immer wieder zugerufen wird, als er Brans und Meeras Flucht aus dem Baum ermöglicht, während er von den Zombies getötet wird. Somit vermischen sich die Zeitebenen und es ist endgültig klar, dass Bran die Vergangenheit mit seinem Wargen beeinflussen kann. Ich bin also fest davon überzeugt, dass er auch den Mad King zu dem gemacht hat, was er war, hoffe aber, dass sich „Game of Thrones“ gegen diesen Weg entscheidet, denn das würde der ganzen Geschichte ihre Menschlichkeit und ihre tragische Glaubwürdigkeit nehmen. Hodor ist damit die wohl tragischste Figur der Serie und man kann an dieser Stelle gleich mehrere Hüte sowohl vor George R.R. Martin, der diesen wunderbar bösartigen Einfall hatte, als auch vor den Machern ziehen, die dieses schlimme Schicksal so großartig inszeniert haben, dass „The Door“ zu den größten Höhepunkten der Seriengeschichte gehört.

Wo stehen wir aber nun am Ende dieser überwältigenden Episode?

Sansa und Jon treffen letzte Vorbereitungen für die Schlacht um Winterfell, die uns wohl in der neunten Episode bevorstehen wird. Bran ist mit Meera auf sich allein gestellt und kann die Vergangenheit verändern, während die White Walker ihn als Waffe missbrauchen können. Dorne ist ein Buch mit sieben Siegeln. Daenerys wird mit ihrer Armee in der Sklavenbucht einmarschieren und mit Eurons „Hilfe“ wahrscheinlich noch in diesem Jahr nach Westeros segeln. In King´s Landing wird es zu einer Säuberungsaktion kommen, bei der man einen Bürgerkrieg befürchten muss.

Meine 5 Highlights bisher:

1. Brienne und Tormund in Love 2. Melisandre enthüllt ihre wahre Gestalt 3. Daenerys verbrennt die Khals 4. Jon Snow´s Wiedergeburt 5. Hodor hält das Tor (in der deutschen Synchro sogar einigermaßen gut gelöst!)

Damit sind die Grundlagen für eine hervorragende zweite Hälfte gelegt in einer Staffel, die ihrer Werbung durchaus gerecht wird und durchgängig ein Tempo an den Tag legt, das man in der Serie noch nie so lange am Stück bestaunen durfte.

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