GAME OF THRONES Staffel 6 – Episode 9: Recap zu „Battle of the Bastards“

Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange, doch gibt es in dieser Woche für Freunde der guten Fernsehunterhaltung nur ein Thema: Die Schlacht der Bastarde. Die berühmt berüchtigte neunte Folge macht dabei ihrem Ruf wieder alle Ehre und lässt den Bastardbowl zu einem Großereignis werden, das im TV neue Maßstäbe setzt…

Die Nacht zwischen Sonntag und Montag. Die Ruhe vor dem Sturm. Die Fans bereiten sich emotional auf den großen Höhepunkt dieser sechsten Staffel „Game of Thrones“ vor, entscheiden noch schnell, ob sie Team Jon oder Team Ramsay angehören und planen dann den großen Angriff auf den HBO-Server, der unter dem Ansturm der neugierigen Fans zusammenbricht. Zu groß war die Anspannung, ob denn nun Jon Snow (Kit Harington) mit seiner zahlenmäßig unterlegenen Armee und der nach Rache dürstenden, aber trotzdem besorgten Sansa (Sophie Turner) deren Heimatburg Winterfell von dem psychopathischen Ramsay Bolton (Iwan Rheon) befreien kann. Dass diese neunte Folge groß werden würde, war schon im Vorfeld im ganzen Netz verbreitet worden, wurden doch einschlägige Seiten in den letzten Tagen nur so von Berichten von den aufwendigen Dreharbeiten überschwemmt, aber Regisseur Miguel Sapochnik, der Mann hinter der kultigen Zombieinvasion in „Hardhome“, entfesselt ein Actiongewitter, das es in solchen epochalen Ausmaßen noch nie im Fernsehen zu sehen gab. Ich muss mich aber vorher noch einmal zu letzter Woche äußern. Auch nach der Zweitsichtung bleibe ich, wie der Großteil der anderen Fans weltweit, auch bei der Meinung, dass die achte Folge zu mindestens 60 % nicht gut geschrieben war. Sogar so schwach, dass „No One“ für mich eine der absolut schwächsten Folgen der gesamten Serie bisher ist, weshalb ich diese eine Woche Pause auch unbedingt gebraucht habe, um wieder die große Vorfreude auf die letzten beiden Folgen zu verspüren, denn ich habe letzte Woche kurzzeitig mein Vertrauen an D&D etwas verloren. Auch wenn „Battle of the Bastards“ wieder zu den größten Folgen überhaupt gehört, habe ich mich auch jetzt noch nicht ganz von dem Negativerlebnis erholt, denn besonders nächste Woche, wenn die Macher alle Handlungsstränge in so einer XXL-Folge auflösen müssen, dürfte ihnen das Wasser der hohen Erwartungen wieder bis zum Hals stehen.

Aber nun genug der Vorrede: „Battle of the Bastards“ haut einen Knaller nach dem anderen raus und zaubert die wohl spektakulärsten 60 Minuten der Fernsehgeschichte auf die Bildschirme. HBOs Investierung und Budgeterhöhungen haben sich gelohnt. Die Folge ist der pure Wahnsinn!
Drachenangriff in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 9 Battle of the Bastards
Dabei beginnt die Folge gar nicht im eisigen Norden, sondern im feurigen Meereen. Daenerys (Emilia Clarke) ist sauer und will mit den anderen Sklavenstädten kurzen Prozess machen. Nur Tyrion (Peter Dinklage) kann an ihr Gewissen appellieren und lässt es sich nicht nehmen, noch einmal die Wildfire-Geschichte auszupacken, was der rätselnde Fan mal wieder als Teaser für die nächste Woche deuten könnte, denn dort wird das Teufelszeug wahrscheinlich bald zum Einsatz kommen. Dass Friedensverhandlungen mit den Sklavenmeistern jedoch zwecklos sind, haben wir in Tyrions provisorischer Regierung gelernt. So werden die Macher ausnahmsweise den Fanwünschen gerecht, entfesseln Daenerys´ Kriegslust und lassen sie zusammen mit ihren drei Drachen und der Dothraki-Horde ihre Feinde in die Knie zwingen und die Belagerungsflotte vor der Stadt in Schutt und Asche legen. Daenerys ist dabei weiterhin auf dem Weg, eine grausame Diktatorin zu werden, was sie zu einem der ambivalentesten Charaktere der Serie macht. Zwar ist die Geschichte ihrer Vorfahren ihrer Meinung nach etwas ganz anderes als ihr Fall, aber ist nicht jeder Dikator in der Geschichte davon überzeugt gewesen, das Richtige zu tun? Ist es nicht immer „etwas ganz anderes“? Vielleicht ist es in diesen Szenen etwas plump, dass auch die anderen beiden Drachen ihrer Mutter jetzt einfach so folgen, und man darf sich fragen, warum sich die Sons of the Harpy, zu denen ich nächste Woche bitte noch eine Auflösung haben möchte, mit Zivilisten vor dem Stadttor eine Rangelei liefern, aber diese Szenen sind einfach nur zu episch, um hier nach Kritikpunkten zu suchen. Man kann schon hier sagen, dass die visuellen Effekte in „Game of Thrones“ noch nie besser waren und so zeigt sich in diesen Szenen der Gegensatz zwischen der Welt des Feuers und dem hohen Norden. Hier im Südwesten kreisen berittene CGI-Drachen über die Stadt und setzen eine Flotte in Brand, während im Norden echte Männer auch echten Pferden in echter Umgebung ein Massaker untereinander anrichten, das einen mit seiner rohen Gewalt in den Sitz drückt. Nach gewonnener Schlacht schneien dann auch noch Yara (Gemma Whelan) und Theon (Alfie Allen) in Meereen herein und werden von der Drachenkönigin zu Verhandlungen empfangen, die sich übrigens ein schickes neues Kleid aus dem Urlaub mitgebracht hat. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass Tyrion endlich mal wieder zu seinen früheren Glanzleistungen auflaufen darf und Daenerys und Yara nach ihrem kleinen Flirt sicherlich ein wunderbares Powerfrauen-Duo abgeben werden. Insgesamt wünsche ich mir für die nächste Woche aber, dass noch einmal 1-2 Sätze zu den Sons of the Harpy fallen, aber dann kann es endlich auf nach Westeros gehen!

Nach dieser ersten Actionszene geht es in der zweiten Hälfte dieser Folge endlich in den Norden, wo sich Ramsay und Jon auf dem Feld mit ihren engsten Gefolgsleuten gegenüberstehen. So ist es Sansa selbst, die ihren sadistischen Ehemann zu gut kennt und ihm letztendlich den Kampf erklärt. Die letzte Nacht vor der großen Schlacht ist dabei wieder ein Glanzstück von D&D, die schon in den letzten großen Schlachten-Episoden („Blackwater“ und „The Watchers on the Wall“) bewiesen haben, wie gut sie es verstehen, solche großen Actionszenen mit wunderbar atmosphärischen ruhigen Momenten zu paaren, die die Spannung noch intensivieren. So warnt Sansa ihren Halbbruder noch einmal vor der Gefahr, die von ihrem Gegner ausgeht und Jon selbst bittet Melisandre (Carice van Houten) darum, ihn nicht wiederkehren zu lassen, falls er fallen sollte. Wo war eigentlich Melisandre die ganze Zeit? Hat sie wirklich nur in einem Zelt gesessen und verzweifelt ins Leere gestarrt? Egal! Nun ist sie ja wieder da und in der nächsten Woche wird wohl auch ihr ein Prozess bevorstehen, denn Davos findet im Morgengrauen den verbrannten Hirsch, den er Shireen geschenkt hatte, bevor sie von der Priesterin verbrannt wurde. Vielleicht ist auch das wieder ein etwas konstruierter Zufall, aber immerhin kommt es auch in diesem Storystrang endlich zur großen Abrechnung. Das Spiel mit den Zuschauererwartungen hat in dieser Woche wieder gut funktioniert. Ich hatte nämlich fest damit gerechnet, dass Davos (Liam Cunningham) und/oder Tormund (Kristofer Hivju) sterben würden, vor allem da beide noch eine tolle gemeinsame Szene vor der Schlacht bekommen haben.

Dann ist endlich der Moment gekommen. Beide Armeen stehen sich vor Winterfell gegenüber. Mit dem Tode Rickon Starks (Art Parkinson) beginnt schließlich die große Schlacht. Allein diese Todesszene ist so dermaßen intensiv, dass sich die Schlinge um einen immer fester zieht, wobei wohl niemand damit gerechnet hat, dass Rickon überleben würde. Dabei treten die Macher noch einmal richtig nach, wenn gezeigt wird, wie die Leiche des kleinen Jungen anschließend noch von mehreren Pfeilen durchbohrt wird. Die Kampfszenen, die Sapochnik in der letzten halben Stunde entfesselt, sind der pure Wahnsinn! Schmutz überall, die Männer sind mit Schlamm und Blut besudelt, schlagen sich Gliedmaßen ab und metzeln sich barbarisch nieder. Pferde prallen aufeinander und werden durch die Gegend geschleudert. Inmitten steht Jon, der sich verbissen bis zu seinem Widersacher vorkämpfen will, welcher grinsend das Gemetzel beobachtet. Die Armee der Starks unterliegt dabei wenig überraschend und steht vor der Niederlage, als die Truppen der Boltons und Umbers die letzten Kämpfer einkesseln, die sich gegenseitig fast zu Tode quetschen. Dabei türmen sich haushoch die Leichenberge auf dem Schlachtfeld, was wohl zu den apokalyptischsten Bildern zählt, die „Game of Thrones“ und das Fernsehen allgemein je zu bieten hatten.
Imposant - Jon Snow stellt sich der Schlacht in GAME OF THRONES Staffel 6 - Episode 9 Battle of the Bastards
Die großartig geführte Kamera geht dabei immer mitten in das Geschehen und lässt den Zuschauer an Jons Seite diese Hölle durchleben, den Bolton-Kriegern ausweichen und sich unter Leichen und panischen Männern begraben. Haarsträubend brutal ist dabei auch noch der Kampf zwischen Tormund und Smalljon Umber (Dean Jagger), der für den Verrat an den Starks seine verdiente Strafe erhält.Diese Fantheorie rund um die Verschwörung gegen die Boltons stellt sich damit ebenso als falsch heraus. Ein wirklicher Twist ist es dann zwar nicht, als Littlefinger (Aidan Gillen) mit der Arryn-Armee den Tag rettet, aber der Kampf bleibt spannend. Riese Wun Wun (Ian Whyte kämpft sich spektakulär durch die Massen und öffnet dann gewaltsam das Tor von Winterfell, bevor er von den Bolton-Pfeilen niedergestreckt wird. Damit müssen wir uns leider von dem letzten bekannten Riesen in dieser Welt verabschieden. Letztendlich gönnt „Game of Thrones“ dem Zuschauer einen Akt der Genugtuung, auch wenn dieser ebenfalls wieder auf unfassbar grausame Art und Weise geschieht. So stirbt Ramsay nicht durch Jons Hände, sondern wird von seinen eigenen Bluthunden zerfleischt, bevor sich Sansa in der letzten Szene mit einem leichten Lächeln der Befriedigung von ihrem ehemaligen Peiniger entfernt. Sansa und Jon haben ihr zu Hause zurück, doch es wird nichts mehr sein wie zuvor. Besonders Sansas Wandlung von dem naiven Spielball zur starken Frau findet in der Ermordung Ramsays ihren bitteren, wenn auch befreienden, Höhepunkt.

„Battle of the Bastards“ eröffnet mit einer epischen Actionszene, nur um dann von einer noch bombastischeren Schlacht überboten zu werden. Insgesamt sind von den prominenten Figuren zwar nur Rickon und Wun Wun gestorben, aber Sapochniks düsteres Schlachtenszenario ist so schmutzig, intensiv und brutal, dass einem bei dieser (wohl bisher blutigsten) Episode richtig schlecht wird und man den Schmutz, die Schmerzen und die Enge selbst spüren kann, obwohl so ziemlich all das passiert, was man im Vorfeld auch erwartet hat. Berechtigt wurde diese Folge für so viele Emmys nominiert, denn vergleichbare Szenen gab es in dieser Größenordnung noch nie. Für mich die beste Folge der Staffel bisher. Erwähnen sollte man außerdem noch, dass das hier die allerletzte „neunte Folge“ der Serie ist, denn bekanntlich bekommen wir ja in den nächsten zwei Jahren nur noch sieben bzw. sechs Folgen zu sehen. Es bleibt jedenfalls spannend, wie in der nächsten Folge alle Handlungsstränge zu ihrem vorläufigen Ende gebracht werden, wobei es dann wohl wieder einer XXL-Review benötigt, wenn ich mir überlege, welche Handlungsstränge noch abgehandelt werden müssen. Ich werde wohl bis dahin schon einmal darum trauern, dass in einer Woche schon wieder alles vorbei ist…

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