GETAWAY: Kritik zum Car-Actioner mit Ethan Hawke & Selena Gomez (DVD)

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Story

Als Ex-Rennfahrer Brent Magna von der Arbeit nach Hause kommt und seine Wohnung verwüstet vorfindet verschafft ihm der kurz darauf folgende Anruf eines Unbekannten die schreckliche Gewissheit: seine Frau Leanne ist entführt worden und Brent soll haarklein den Anweisungen des Kidnappers folgen, um sie lebend wieder zu sehen. Zunächst lotst ihn der Anrufer zu einem hochgerüsteten und gepanzerten Superauto, das Brent stiehlt, damit durch die Straßen der bulgarischen Hauptstadt Sofia heizt und im Auftrag des Fremden Chaos anrichtet. Immer wieder muss er der Polizei mit selbstmörderisch-heiklen Manövern entkommen, doch hinter der scheinbaren Willkür des Anrufers steckt ein Muster. Als während einer Verschnaufpause eine junge Hackerin in Brents Auto steigt und den Wagen als ihr Eigentum zurückfordert wird die Lage noch brenzliger…

Der Film

Wenn ein Rollenname nach chemischem Reiniger klingt heißt das für einen Film – im Grunde erstmal gar nichts. Brent Magna, das ist so ein Name. »Schaaaaatz, reich mir mal die Flasche Brent Magna, ich krieg die Pfanne nicht sauber!« Das hat doch Klang, oder? Mit Brent Magna würde Brent Magna-Darsteller Ethan Hawke vielleicht sogar seine Filmographie beackern, um „Getaway“ daraus zu tilgen. Neben dem Überrschungshit „The Purge“ und dem künstlerisch wertvollen „Before Midnight“ (für den Hawke gemeinsam mit Richard Linklater und Julie Delpy sogar eine Oscar-Nominierung für’s beste adaptierte Script erntete) ist der in Osteuropa gedrehte Car-Actioner die faule Frucht in Hawkes eigentlich prall gefülltem 2013er Obstkorb. Eine wilde Raserei, ununterbrochen im ADHS-Modus unterwegs, bei der selbst SWOOM-WHOOSH-ZSCHAAAM-Schnittfetischisten wie dem verstorbenen Tony Scott oder den „Crank“-Machern Neveldine/Taylor der Magensaft ans Brodeln kommen würde.



Lauschiges Plätschern lässt der kanadische „Dungeons & Dragons“-Regisseur Courtney Solomon nicht zu, selbst die Pre Credits-Szene, in der Brent Magna seine verwüstete Wohnung vorfindet, dübelt mit einem solchen Schnitt-Stakkato, Verfremdungseffekten und Bildfiltern los, als hätte Kameramann Yaron Levy dem Cutter Logan Harney beim Frühstück die Wurst von der Stulle gemobst, so dass dieser sich nun an dessen Bildern rächt. Kaum eines davon steht mal für ein paar Sekunden am Stück still, was Levys grobkörnigen Heimvideo-Stil mit GoPro-Kameras bloß anstrengend macht, statt „Getaway“ rastlose Energie einzuverleiben. Sobald Brent Magna in sein Superauto steigt, einen aufgemotzten Shelby GT500 Super Snake Mustang (von denen die Produktion insgesamt dreizehn Stück im Gesamtwert von über $1,2 Millionen schrottete) SWOOM-WHOOSH-ZSCHAAAM’scht der Film von einer gleichförmigen Crash-Orgie in die nächste. Spätestens nach der zweiten Runde cops’n’cars-Abhängen und -von der Straße schießen ist der Dampf raus, genauso wie’s den kleinen Restinteressefunken an den Hintergründen der mageren Story auslöscht, wenn nach dem ersten Drittel die Identität von Mitfahrerin Selena Gomez offenbart und dadurch absehbar wird, was der Schurke am anderen Leitungsende will.

Und wo wir grade bei der Gomez sind: nachdem die zugestiegen ist schwillt der Nervpegel von „Getaway“ auch auf der Tonspur nochmal ordentlich an, denn die Ex-Disney-Channel-Schnute haut einen nicht enden wollenden Schwall an altklugen Kommentaren, Panik- und Hysterie-Attacken und sonstigen unpassenden Dummzeugs raus. Nichtmal den Plot scheint sie zu schnallen, ätzt sie doch ständig an Brent Magna ob dessen rigorosem Fahrverhalten rum, obwohl von der ersten gemeinsamen Szene klar ist, dass der dazu gezwungen wird. Selena Gomez – kann man schon verstehen, dass on/off-Boyfriend Justin Bieber da nicht ununterbrochen Bock drauf hat. „Getaway“ mit seiner „Taken“ featuring „Destruction Derby“-Anlage wäre kaum besser, wenn ein cooler Brent Magna im Alleingang durch Bulgarien brausen würde, aber wahrscheinlich würden sich ein paar weniger Nervenstränge während der Sichtung von Augen und Ohren lösen wollen. Mit der schwatzhaften Beifahrerin fühlt sich dieses Zerren und Ziehen aus Hirnrichtung aber noch unangenehmer an.



Der ermüdende Crashkurs „Getaway“ könnte auch aus fünf, sechs hintereinander geschnittenen Schowdown-Varianten zusammengesetzt sein, von denen Solomon sich nicht für eine entscheiden konnte und so halt den kompletten Film daraus zusammengehobelt hat. Als „Burnout“-Fanfilm oder Autostunt-Demonstration wäre das auf schlanke fünfzehn Minuten gerafft vielleicht sogar durchgegangen, denn an der Arbeit der Koordinatoren, Fahrer und Kaskadeure lässt sich mal gar nichts aussetzen. Nur leidet auch deren eigentlich beachtliche Leistung an dem Schnittschrott und der Übersichtsphobie, mit der Solomon und co. die Sache angehen. Erst kurz vor Schluss gibt’s mit einer (weiteren…) Verfolgungsjagd aus der Ego-Perspektive des Verfolgerautos eine herausstechende Besonderheit, die einen kurz hochzucken lässt. Eine solche Ansicht lässt sich zwar auch in Renn- und manchem Actionspiel („GTA“ zum Beispiel) zuschalten, trotzdem ist das unterlegt von Motorgeräuschen und Brent Magnas angestrengten Ausstößen eine ziemlich geile Szene. Für Logikfehler (trotz gesprengtem Elektrizitätswerk bleibt Sofia gut erleuchtet,…), plumpe Koinzidenzen, die auf Dauer auslaugende Machart, die laue Story und deren saudoofe Auflösung entschädigt sie hingegen nicht. Und jetzt her mit der Flasche Brent Magna, damit ich mir „Getaway“ aus Augen und Gehör spülen kann…

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Vom Stunt-Standpunkt aus gesehen astreine Action, die in Menge und Mache aber unwahrscheinlich ermüdend wirkt.
Spannung: 0,5/5
Solche Szenarien kitzeln die Neugierde ja immer ein bißchen, aber das hört bei „Getaway“ nach kurzer Zeit auf, da schnell absehbar ist, was der böse Anrufer im Schilde führt.
Anspruch: 0/5
Rast vorbei und verhallt wie der Doppler-Effekt.
Humor: 0/5
Fehlanzeige.
Darsteller: 2,5/5
Ethan Hawke ist schon ‘ne ganz coole Type und liefert das sogar zwischen diesem ganzen Schnitt- und Kameratechnik-Wirrwarr ab. Golden Raspberry Nominee Gomez nervt hingegen tierisch und von Jon Voight gibt es nicht mehr als die Stimme.
Regie: 0,5/5
Erst Solomons zweite Regiearbeit seit der unterirdischen Tabletop-Rollenspielverfilmung „Dungeons & Dragons“. Besser ist’s seitdem nicht geworden…
Fazit: 3/10
Drei Punkte, die fast ausschließlich als Respektsbekundung an die Stuntleute gehen, denn die leisten hier wirklich bemerkenswerte Arbeit. Nur das der Zitterschnitt davon wenig übrig lässt.

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5 Kommentare

  1. Ich stimme dem Kommentar voll zu. Ich habe mich so über den Film gewundert, dass ich nachträglich extra nach Kommentaren gesucht habe. Schön, dass die Verfolgerszene aus Ego-Sicht erwähnt wird, die fiel mir auch speziell auf und war bestimmt nicht ganz so leicht zu drehen. Trotzdem bleibt es dabei, dass die Story mal richtig schlecht ist. Für die Top 10 hat’s trotzdem gereicht.

  2. 🙂 Perfekter Kommentar zum Film! Habe geschmunzelt und kam aus dem Kopfnicken gar nicht mehr heraus, weil es den Nagel auf den Kopf trifft und meiner eigenen Filmkritik so nahe kommt. Diese geht übrigens morgen dann online;)

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