GUARDIANS OF THE GALAXY: Tyler Bates’ Score in der Kritik

GUARDIANS OF THE GALAXY: Tyler Bates' Score in der Kritik
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Der Score

Tyler Bates ist ein Komponist, der lange ein wenig beachtetes Nischendasein fristete – und das zu recht. Er vertonte unter anderem sämtliche Zack Snyder-Filme (bis auf „Man Of Steel“), Rob Zombies „Halloween“-Streifen und Marcus Nispels „Conan“-Remake. Mit keinem dieser Scores konnte er wirklich großes Talent beweisen, bestenfalls waren sie durchschnittlich („Conan“) und schlimmstenfalls nichtssagend („Watchmen“), plagiiert („300“) oder schlicht unhörbar (die „Halloween“-Filme). Als Bates also für „Guardians of the Galaxy“ von James Gunn (mit dem er schon in der Vergangenheit zusammen gearbeitet hatte) als Komponist angekündigt wurde, gab es wenig Hoffnung auf ein zufriedenstellendes Hörerlebnis, so gut der Film auch sein sollte. Und mit Freuden kann man feststellen, dass sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet hat: nicht nur ist der Film selbst eine reine Explosion des Vergnügens, auch Tyler Bates hat mit „Guardians of the Galaxy“ endlich bewiesen, dass er es sehr wohl vermag, einen guten Score zu schreiben!

Das Helden-Thema für die fünfköpfige Chaos-Truppe präsentiert Bates gleich in The Final Battle Begins, dem zweiten Titel des Albums. Es erklingt zum ersten Mal ab 1:31 mit mächtigen Blechbläsern, Chor, E-Gitarre und auch sonst dezenter Elektronik-Unterstützung. Verdammt cool und angemessen heroisch. Im Verlauf des Scores kommt es noch mehrmals vor, wobei Tyler Bates es im Prinzip genauso handhabt wie Hans Zimmer mit seinem Spider-Man-Thema: Es gibt nicht nur laute, pompöse Statements wie zum Beispiel in The Great Companion oder in The Kyln Escape, sondern es geht auch leise und emotional wie die Klavier-Variation in To the Stars und im Schlusstrack A Nova Upgrade gar verspielt und flott mit munteren und gezupften Streichern (ab 1:11).



Die restliche Themen-Arbeit ist überschaubar, aber ausreichend. Es gibt ein emotionales Thema für Baummann Groot und seine vielfältigen Fähigkeiten, zum ersten Mal in Groot Spores mit Wogenden Streicher-Wellen, altmodischen Keyboard-Klängen und Chor, welches leicht variiert nochmal in Titel 26 vorkommt. Bösewicht Ronan wird durch düster dröhnende Blechbläser, hallenden Chor und dunkles Elektro-Gerumpel charakterisiert (Ronan´s Theme, Ronan´s Arrival), und die Musik für den schrägen Collector gibt es im entsprechend benannten Titel, der durch geheimnisvolle, ätherische Klänge und Chor eher Atmosphäre denn Musik ist und an den Komponisten Vangelis („Blade Runner“, „Alexander“) denken lässt.

Die Orchestrierung ist nicht außergewöhnlich oder abwechslungsreich, aber sie funktioniert. Die Action wird durch schnelle Streicher-Ostinati, flirrende und dröhnende Blechbläser und wilde Percussions vorgetragen, wobei der großartige Titel The Kyln Escape das Highlight darstellt. Die langsamen, emotionalen Momente funktionieren ebenfalls durch zarte Streicher-Wellen und Klavier und für unterschwellige Spannung sorgen dunkle synthetische Klänge und die nahezu allgegenwärtigen Streicher-Wiederholungen. Dabei scheint Bates leider nicht immer genau zu wissen, wohin er als nächstes mit diesem oder jenem Instrument will, sodass man hin und wieder meint, die Anfänge eines weiteren guten Themas zu hören, welches dann aber nicht kommt. Das ist ein bisschen schade.


GUARDIANS OF THE GALAXY Score Pic


Hier und da fühlt man sich zudem an andere Komponisten-Stile erinnert. So klingen Teile von The Kyln Escape stark nach Elementen aus den „Fluch Der Karibik“- oder anderen Remote-Control-Scores (und einmal kurz nach Alan Silvestris „The Avengers“), bei Black Tears meint man, John Powells Handschrift herauszuhören und A Nova Upgrade scheint ein verlorener Track aus David Newmans „Serenity“ zu sein, wobei letzteres auch durchaus Absicht sein kann, da es in beiden Filmen um eine bunt gemischte und freche Weltraum-Diebestruppe geht.

Fazit

4/5… Selten war ich so glücklich, ein positives Fazit ziehen zu können: Tyler Bates hat einen nicht nur passenden, sondern auch hörenswerten Score kreiert, mit einem tollen Helden-Thema, furiosen Action-Tracks und auch ordentlich Herz. Da er vorher nichts annährend vergleichbares komponiert hat, kann man nicht von einer Weiterentwicklung oder Verbesserung seines Stils sprechen, auch sind einige Melodien oder Orchestrierungen nicht besonders originell und ab und zu herrscht melodischer Leerlauf, aber das ändert nichts daran, dass dieser Score das bisher beste aus Bates’ Feder ist und dass man nicht vorschnell über einen Musiker urteilen sollte. Manchmal brauchen Komponisten den richtigen Film, um wirklich zu zeigen, was sie können. Und mit „Guardians of the Galaxy“ hat Tyler Bates diesen Film gefunden. Dafür ein großes, respektvolles Lob und satte 4/5 Punkte mit der Hoffnung, dass dieser Score kein Einzelfall sein wird.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps

1. Morag – 1:58
2. The Final Battle Begins – 4:22
3. Plasma Ball – 1:19
4. Quill´s Big Retreat – 1:38
5. To the Stars – 2:52
6. Ronan´s Theme – 2:24
7. Everyone´s an Idiot – 1:27
8. What a Bunch of A-Holes – 2:14
9. Busted – 1:34
10. The New Meat – 0:36
11. The Destroyer – 1:27
12. Sanctuary – 2:26
13. The Kyln Escape – 7:23
14. Don´t Mess With My Walkman – 0:45
15. The Great Companion – 0:51
16. The Road To Knowhere
17. The Collector – 3:21
18. Ronan´s Arrival – 0:56
19. The Pod Chase – 3:56
20. Sacrifice – 3:20
21. We All Got Dead People
22. The Ballad of the Nova Corps. (Instrumental) – 1:49
23. Groot Spores – 1:12
24. Guardians United – 2:46
25. The Big Blast – 3:05
26. Groot Cocoon – 2:29
27. Black Tears – 2:43
28. Citizens Unite – 1:15
29. A Nova Upgrade – 2:10

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