HERCULES: Kritik zum antiken Abenteuer mit Dwayne Johnson (Kino)

Story

Nach der sagenumwobenen Bewältigung der „zwölf Aufgaben“ und der ungeklärten Ermordung seiner geliebten Familie streift Hercules, der Legende nach Sohn des leibhaftigen Gottes Zeus, um seine Ehrbegriffe gebracht als Söldner durch das antike Griechenland, wobei ihm sein Ruf vom unbesiegbaren Helden stets voraus eilt. In Wahrheit hat der zwar mächtige, aber keineswegs unsterbliche Krieger eine Schar von Mitstreitern um sich versammelt, die ihn loyal und kampfkundig unterstützen. In einer Kaschemme wird Hercules eines Tages von der schönen Königstochter Ergenia aufgesucht, die ihn im Namen ihres Vaters Cotys um Hilfe bittet: der über alle Maßen grausame und blutdurstige Kriegsfürst Rheseus zieht durch die Provinzen und Dörfer Thrakiens und hinterlässt eine Schneise des Todes, die direkt auf Cotys‘ Thron zu führt. Hercules und seine Mannen sollen die unerfahrene Armee der Thraker ausbilden und in die Schlacht gegen Rheseus führen, der Halbgott die Moral der einfachen Bauern und Landwirte im Kampfe stärken. Gegen das Versprechen einer fürstlichen Entlohnung nimmt sich Hercules dem Wunsche des Königs an, kann jedoch in einer ersten großen Auseinandersetzung gegen die Horden Rheseus die hohen Verluste der zu früh auf die Probe gestellten Thraker nicht verhindern. Doch nach weiterem Training und Kampfkunde scheinen die Männer in Hercules‘ Rücken bereit – allerdings steckt in der Schlacht um Thrakien eine tyrannische List, von der der legendäre Krieger noch nichts ahnt…

Die Filmkritik

Ist der Ruf erst ramponiert inszeniert es sich ganz ungeniert. Ne, Brett Ratner? Der unbeliebte Ex-Videoclip-Regisseur hat mit der „Rush Hour“-Trilogie einen plumpen „Lethal Weapon“-Abklatsch in der Filmographie stehen, keiner würde seine Thomas Harris-Adaption „Red Dragon“ einer der anderen Hannibal Lecter-Verfilmungen vorziehen, alle hassen seinen Beitrag zum „X-Men“-Franchise „The Last Stand“, und dann stellte der Floridarianer sich auch noch mit abfälligen Bemerkungen bloß (»rehearsal is for fags«, also Proben seien was für Schwuchteln) und brachte sich so um den Produzentenposten der 2012er Academy Award-Verleihung. Viel kam seither nicht von dem uninspirierten Auftragsfilmer, der Komödie „Tower Heist“ aus 2011 folgte ein Segment im Vulgär-Flop „Movie 43“, etwas Bemerkenswerteres an Verantwortung fiel ansonsten nicht in Ratners Bereich. Mit dem mythisch-antiken griechischen Heros „Hercules“ sollte nun im Blockbustersommer 2014 ein Comeback gelingen, doch trotz des Top Grossers am 2013er BoxOffice Dwayne „im WWE-Ring immer mal wieder The Rock“ Johnson in der Titelrolle ist das bislang höchstens durchschnittlich verlaufen: an den US-Kassen spielte die $100 Millionen-Produktion mit knapp $71 Millionen bislang weniger ein, als der „Tower Heist“ vor drei Jahren.

Dabei, sieh an, stimmt die Qualität von „Hercules“, der sich zwischen dem grimmig-archaischen Martialismus von „Conan the Barbarian“, dem (unfreiwillig) komischen Low Fantasy-Trash-Charme von „Conan the Destroyer“ und dem rüden PlayStation-Klassiker „God of War“ und dessen Hintergrundgeschichte einordnet. Mit mehr Massenschlachten und abzüglich aller übernatürlicher und gottbezüglicher Elemente. Denn „Hercules“ setzt mal gleich mit dem Prolog einen riesen Haufen auf das Dach seines eigenen Marketings, das den Film als Mythen- und Sagenspektakel mit phantastischen Kreaturen anpries, die neunköpfige Hydra, den Erymanthischen Eber und den Nemëischen Löwen dann aber in einem kurzen Best Of-Abriss der berühmten zwölf Aufgaben des Hercules raushaut und als aufgebauschte Legende aus dem Munde des Neffen vom angeblichen Halbgott offenbart, vorgebracht nur, um die Feinde des allzu irdischen Kraftpakets vor der Auseinandersetzung einzuschüchtern. Klarer Tipp: die Trailer vorm Kinobesuch meiden oder die dadurch ausgelöste Erwartungshaltung an „Hercules“ streichen, von den Viechern ist im Film nicht eine Szene mehr als in den Vorschauen zu sehen.

Ein Kreaturen-Potpourri à la „Clash of the Titans“ und „Wrath of the Titans“ bietet „Hercules“ nur ein paar Minuten lang und als reines Propagandainstrument, allein der verhältnismäßig recht kleine Löwenschädel, den der Held als Kopfschmuck trägt, verdeutlicht die ganz gewöhnlichen Proportionen der nemëischen Bestie und auch für Hercs weitere Großtaten offenbaren sich mit der Zeit sehr irdische Erklärungen (an dieser Stelle sei ausdrücklich der nett gestaltete Abspann empfohlen). So bekommt man es mit einem entmystifizierten Halbgott zu tun, der auch selbst stets um Relation seiner eigenen Legende bemüht ist, und neben dem eine Entourage aus Kriegern mit Scherenschnittprofilen aufläuft, ähnlich dem Gefolge von Donnerbengel „Thor“ in Marvels Asgard-Abenteuer. Rufus Sewell als sprücheklopfender Messerwerfer, Ingrid Bolsø Berdal als Bogenschützenamazone, Aksel Hennie als unberechenbar-gestörter Schlachtfeldveteran, Reece Ritchie der kampfunkundige Newbie-Barde und schließlich Ian McShane, der seherisch-weise alte Mann der Gruppe – zugegeben, die Phase nach der Titeleinblendung ist nicht gerade die stärkste des Films, wenn diese Schlagwortcharaktere front and center stehen. Die Güte der Sprüche und Frotzeleien nötigt bestenfalls mal ein verlegenes Lächeln ab und „Hercules“ manövriert sich kurzzeitig auf das Niveau seiner TV-Inkarnation mit Kevin Sorbo.

Doch danach geht’s mit großen Landschaftsaufnahmen, aufwallender Musik und den unvermeidlichen CGI-Shots historischer Stätten weiter und der Film zieht mit einfachen Mittel auf Kinomaße hoch. Wenn Herc und die seinen die Thraker auf die Schlacht vorbereiten und diese schließlich doch im Alleingang entscheiden entfaltet sich ein klassisches swords-and-sandals/Peplum-Abenteuer, das mit ein paar Bezügen zu seeligen Steve Reeves/Reg Parker/Lou Ferrigno-Zeiten echte Nostalgie heraufbeschwören könnte. Dafür ist „Hercules“ aber doch zu nah an der modernen Visualisierung solch staubiger Stoffe. Brett Ratner erweist sich in dieser Hinsicht als der handschriftslose Auftragsfilmer, als der er verschrieen ist: „Hercules“ stöbert in den reichhaltigen Beständen sämtlicher historischer Abenteuer und Schlachtepen der vergangenen Jahre, von „Gladiator“ über „300“ und „Troja“ bis „Lord of the Rings“ oder „Kingdom of Heaven“ ist von jedem ein Geschmäckle dabei. Hier mal einen Ork, da mal einen Spartiaten oder einen Kolosseumskampf mit Streitwagen reingeschnitten – ein Unterschied würde kaum auffallen. Aber nicht bloß, weil es Ratner an Handschrift fehlt, sondern auch weil sein Handwerk immerhin sehr solide gerät.

Gerade die Schlachten haben es in sich: dem Blutgehalt und der barbarischen Brutalität der Graphic Novel-Vorlage, „Hercules: The Thracian Wars“ von Steve Moore und Cris Bolsin, kann der ratingbedachte Film natürlich nicht vollumfänglich nacheifern, dennoch scheinen sich viele PG13-Blockbuster mittlerweile auf einen gesunden Härtegrad verständigen zu können, der einer Dramatisierung nur förderlich ist, ohne gleich mit Gekröse und Gräuel zu übertreiben (siehe als Beispiele aus diesem Jahr auch das Mutantengemetzel in „X-Men: Days of Future Past“ und die Nahkampfduelle in „Captain America: The Winter Soldier“). „Hercules“ jedenfalls wagt an einigen Stellen auch den Blick auf blutbesudelte Frauen und Kinder, um gezielt die Grausamkeit des Feindes und Hercs persönliche Tragik drastisch, aber nicht zu reißerisch zu bebildern. So verschlägt es einen wie von selbst auf die Seite des Kraftmenschen und der Film kann es sich leisten, keinen gleichwertigen Antagonisten aufzubauen:[I aaaam SPOILERcles! Zum Lesen markieren]ein feiger und ein greiser König sind kein Material für eine große entscheidende Auseinandersetzung und insgesamt fällt das Finale etwas enttäuschend und »so, die neunzig Minuten sind rum, der Film muss JETZT enden«-mäßig aus. Dafür gibt „Hercules“ auf dem Weg dahin einen geradezu majestätisch-gänsehauterregenden Edel-Trash-Moment mit, der den Film nochmal richtig aufputscht und der glauben macht, dass an Hercs göttlicher Herkunft vielleicht doch was dran sein könnte…

Auch dessen Visionen vom furchteinflößenden Höllenhund Cerberus und die Vorstellung der Thraker von Rheseus als Anführer einer huftrampelnden Zentaurenarmee bewahren zumindest die Möglichkeit des Phantastischen. Was sich am Ende davon auch als wahr oder Mythos erweisen mag, nach der Umgewöhnung vom Marketing-Blindgänger ist die Einlösung des eigentlichen Films interessanter, als es das Versprechen auf ein weiteres computergeneriertes Monstrositätenkabinett zu werden schien: die Vermenschlichung einer Legendengestalt und die von der Antike bis Heute präsente Botschaft, das aus dem Korn der Übertreibung die Felder von Mut, Hoffnung und auch Furcht entstehen. Als ausgeschöpft präsentiert sich dieses Konzept nicht, denn der übermenschliche Dwayne Johnson keult trotzdem alles weg und zeigt einige Special Moves, die dem physischen Umfang Normalsterblicher wiedersprechen. Film und Star halten Herc dennoch überzeugend in der Waage und der gewohnt charismatische Actionbrocken deckt die Spanne vom desillusionierten Söldner bis hin zum gefeierten antiken Superhelden gekonnt ab.

Wertung & Fazit

Action: 3.5/5

Die Schlachten haben Impact und lassen im Rahmen des Ratings auch eine gesunde Härte nicht vermissen, jedoch fehlen wirklich besondere und originelle Momente. Hercs treue Gefolgschaft könnte zum Beispiel noch ein paar spektakuläre Kill Moves mehr setzen, statt der ganzen gleichförmigen Massenabmetzelei.

Spannung: 2/5

Recht gekonnt hält der Film an der Möglichkeit einiger Mythen und Geheimnisse fest und auch der große Twist kündigt sich nicht mit Trompetengetöse und Warnblicknanlagen schon lange im Voraus an.

Anspruch: 1.5/5

Mehr als dumme Schlachtbammbule. Die Legendenentmystifizierung gerät nicht zum Selbstzweck eines krampfhaft geerdeten Spektakels, sondern ist ein recht kluger, wenn auch nicht ausgeschöpfter Kommentar zu medialer Mobilmache in beide Richtungen.

Humor: 1/5

Bei nicht wenigen Gags herrscht gähnendes Schweigen, wo eigentlich Lacher aufbranden sollten. Sehr ausgenudelter Biedermeierhumor nach bekannten Mustern.

Darsteller: 3.5/5

Um ehrlich zu sein: der Look mit Wallemähne und Bart kostet Dwayne Johnson rein optisch locker die Hälfte seiner IQ-Punkte, dennoch rockt der zigmalige WWE-Champ und längst etablierte Actionstar den Part besser als erwartet. Der Support ist solide, aber nicht mehr.

Regie: 3/5

Ratner zitiert sich ungeniert durch den Fundus der jüngeren Genreverwandschaft, macht daraus aber immerhin ein solides Werk.

Film: 6.5/10

Antikes Abenteuer im gelungenen Entmystifizierungsgestus, das schön altmodisches Kino im rechten Maß zwischen Trash-Appeal und historischer Honorierung bietet.

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6 Kommentare

  1. Ich fand den Film richtig gut gemacht!

    Humor hatte er mehr als genug und die Story entsprechend der Wahrheit gemacht.

    Cellurizon schlechte Kritik.

  2. Ich möchte hier mal eine Lanze für Herrn Ratner brechen: Der Mann ist auch kein Iota schlechter als viele seiner Blockbuster-Regiekollegen, die auch bloß andauernd hirnloses Popcornkino abliefern, nur halt erfolgreicher sind (Michael Bay, Paul W. S. Anderson, Len Wiseman, usw.). Die ständige Draufknüppelei auf X-Men – The Last Stand habe ich nie nachvollziehen können: Der Film ist zwar überladen und mag Hardcore-Comicnerds verärgert haben, doch mich hat er bestens unterhalten. Auch die Rush Hour Trilogie ist prima Movie-Junkfood für zwischendurch. Das sind drei nette Time Waster, nicht mehr und nicht weniger.
    Okay, trotzdem reizt mich dieser Hercules kein bisschen, aber das liegt jetzt weniger an Ratner. Vielmehr finde ich, dass Hollywood es bislang noch nicht wirklich verstanden hat, Dwayne Johnson im Medium Film richtig einzusetzen (sprich: so wie im Wrestling live im TV als rotzfrechen Muskelprotz, bei dem man nie weiß, was er als nächstes tun oder sagen wird). Stattdessen wird er in lachhafte Verkleidungen gezwängt (siehe hier mit Löwenfell oder als Zahnfee), muss austauschbare Heldentypen von der Stange mimen und darf seine physische Präsenz gar nicht wirklich nutzen. Ich will ihn nicht als antiken Klotz im sonnigen Griechenland sehen, sondern als Gegner vermöbelnden Egomanen, also als “The Rock”, denn das ist seine ideale Rolle. Eigentlich wäre das beste Vehikel für ihn eine Wrestling-Komödie (!), in der seine Athletik und seine Fähigkeit, “Promos” zu halten, zum Tragen kommen würde. Googelt doch mal nach The Rock + Toronto Canada – da gibt es ein legendäres Segment von ihm aus dem Jahre 2003. Die Kunst der Publikumsbeleidigung in Perfektion – so gut war Johnson nie wieder!

  3. Ich fand den Film echt mies… was größtenteils aber auch daran lag, dass ich durch den Trailer mit ganz falschen Erwartungen in den Film gegangen bin. Trailer verspricht Fantasy-Gedöhns, Film hat nicht mal ansatzweise Fantasy-Gedöhns. Diese ganze Söldner-Nummer fand ich dann auch ein bisschen langweilig und uninteressant…

    1. Mir hat das gefallen! Das “hääää?” nach den ersten Minuten, in denen ja wirklich alles aus den Trailern verbraten wird, hat mich noch ein Stück in den Film begleitet, aber dann fand ich das so sehr viel besser, als das erwartete “Fantasy-Gedöns”, auf das ich nämlich wenig Bock hatte. Gab’s doch genug in den letzten Jahren 😉 Die Marketing-Strategie ist allerdings schon… gewagt, um’s mal so zu sagen.

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