HOMEFRONT: Kritik zum Old Fashioned-Actioner mit Jason Statham & James Franco (DVD)

Story

DEA Undercover Agent Phil Broker hat genug: nachdem sein letzter Job, eingeschleust in die Biker-Bande der Outcasts, in einem desillusionierenden Blutbad endete, hängt der Profi den Job an den Nagel. Zwei Jahre später lebt er mit seiner neunjährigen Tochter Maddy in einer friedlichen, ländlichen Gegend, in der die inzwischen verstorbene Mutter des Mädchens einst aufgewachsen ist. Hier will Phil sein Leben mit dem Kind genießen und Maddy behüten, so gut er kann. Doch ein Zwischenfall auf dem Schulhof sorgt für Unruhe im Ort: Maddy, von Phil in einigen Selbstverteidigungstechniken geschult, schlägt einem Rowdy eine blutige Nase, woraufhin dessen Mutter, die drogenabhängige Cassie Bodine, sich an ihren Bruder Gator wendet, der die Demütigung vergelten soll. Gator betreibt im Ort eine Methküche und hat sich damit ein Monopol im kleinen Rahmen erarbeitet. Bei einem Einbruch in Phils Haus, während dem er es eigentlich nur auf ein paar harmlose Einschüchterungen abgesehen hat, stößt Gator zufällig auf Dokumente über die Vergangenheit des DEA-Fahnders. Aufgeschreckt, aber vor allem eine einmalige Chance zur Expansion seiner eigenen Geschäfte witternd, benachrichtigt er die Biker-Braut Sheryl, die Kontakt zu ihrer alten Gang aufnehmen soll – die selbe Gang, die Phil einst auffliegen ließ und deren Boss Danny T vom Knast aus auf brutale Rache sinnt…

Der Film


Actionhelden erkennt man ganz einfach: das sind Leute, deren Filmtitel aus einem oder höchstens zwei Worten bestehen und oft entweder ihre Profession, ein Willensziel oder ihren Namen nennen. Wie bei Jason Statham, dessen Filme „The Transporter“, „The Mechanic“, „Blitz“, „Parker“ oder „Redemption“ heißen. Simpel und klar, pow pow! Und sogar, wenn sich dann mal eine Literaturverfilmung unter den Projekten findet, passt die ins Ein-Wort-Schema: Stathams jüngster Streich „Homefront“ basiert auf einem Roman des Krimi-Autoren und Vietnam Veteranen Chuck Logan, die gleichnamige Vorlage ist bereits die sechste Story um den Ex-Undercover-Cop/Soldaten-Daddy Phil Broker und adaptiert von niemand geringerem als Stathams „Expendables“-Cheffe Sylvester Stallone wird daraus ein simpler, moralisch anstößiger und klar Old School’iger Recht-auf-Verteidigung-Actioner mit viel pow pow!

Logans Vorlage stammt aus dem Jahr 2005, der Film ist von 2013, die Gesinnung von „Homefront“ hat jedoch ihre dreißig, vierzig Jahre auf dem Buckel. Der reaktionäre Manipulationsplan des Films ist durchsichtiger als Spitzenunterwäsche und genauso verführerisch: der von Brutalität und Gewalt seines Tagewerks angedetschte Held, der nur in Ruhe und Frieden seiner schnuckeligen Tochter ein guter Vater sein will, angereichert mit einem „back to nature“-Setting – das ist besonders für’s maskuline „pflanz Baum, bau Haus, zeug Kind“-Publikum auch beim drölfmillionsten Mal noch catchy; zivilisationsmüde kehrt der Mann zu seinen Ursprüngen zurück, bearbeitet Holz und reitet aus. Und ach was ist das tragisch, wenn der Held vom Blutvergießen und seiner Vergangenheit eingeholt, von einer grausamen Umwelt doch wieder aus seiner virilen Idylle gerissen wird. Damn, there’s no choice, he’s GOTTA fight! Diese Wahllosigkeit überträgt „Homefront“ von Recke Statham direkt auf seine minderjährige Tochter: da genügt kein Durchschnittsrowdy, die wird in der Schule von einem Bengel gebullyt, für den der Casting-Aufruf vermutlich »fat, ugly real-life Cartman« lautete. Verdammt, die Kleine hat keine Wahl, sie MUSS diesem dicken, hässlichen Sackgesicht einfach die feiste Fresse polieren!


Dazu die degenerierten Rednecks, die im tiefen Süden noch nach Fehderecht und Sippenfeindschaft urteilen und handeln, während das bequemliche Gesetz mal drüber-, aber meist in die andere Richtung schaut: das sind hinterhältige und bis zur Grenzwertigkeit fragwürdige Stereotypien, mit denen „Homefront“ da arbeitet und daraus einen grobmotorischen Handlungsaufbau initiiert. Steckt da bewusste Überzeichnung hinter? Nein, „Homefront“ erzählt seine Rocker-, Hinterwäldler- und Ex-Cop-somewhat-Klischees ohne ironischen Bruch, Stallones Script hängt einen unwahrscheinlichen Zufall an den nächsten, um die Situation um Broker, Gator und die Biker-Bande weiter und weiter eskalieren zu lassen, bis aus einer Schulhofrauferei schließlich eine Massenschießerei wird. Aber wie mit allem, wo Stallone zuletzt seine Finger drin hatte, kann man mit dieser Rückbesinnung auf dieses »good old fashioned american movie-making« (wie James Franco das im MakingOf nennt) in all seiner Simplizität und Klarheit absolut Spaß haben, erst recht wenn man den schon mit der Geistesverwandschaft aus den 80ern hatte. Das »Don’t push it!«-Muster aus „Rambo“, Western-Motive, Merkmale exploitativer Selbstjustiz-Actioner, die von Mark Isham komponierten Akustik-Gitarrenklänge zu den von Weichzeichnern übersättigten Familienszenen, die Schrammelmucke, wenn die Action anzieht… Das ist tatsächlich gutes altmodisches amerikanisches Kino (wohlgemerkt nicht grundsätzlich, sondern innerhalb seiner Gattungszugehörigkeit).

Während Statham das bierernst und grimmig runterspielt und noch nichtmal besonders coole Oneliner raushaut (die wenigen dafür aber in einer irren Szene alle nochmal am Stück wiederholt), haben vor allem die bösen Jungs und Mädchen richtig und sichtlich Vergnügen an „Homefront“: Methamphetamin-Koch James Franco, Frank Grillo als Motor-Psycho, sowie Kate Bosworth’ zeternde southern Proll Trash-Furie mit Suchtproblem und Winona Ryder als Biker-Bitch – die zeigen alle, wie gut turmhoch überqualifizierte Nebendarsteller einer solchen B-Produktion tun können. Das führt so weit, dass „Homefront“ in seinem aus dem Ruder laufenden Handlungsgang am Ende weniger der Triumph des Jason Statham, als mehr die Tragik des James Franco ist, woraus der Film doch noch einen sehr eigenen Spin generiert und aus dem anfangs so klaren Held/Schurke-Schema sogar noch ein paar Schatten zieht. Im Dunkeln einer komplett doofen Stichwortfigur bleibt dagegen „Twilight“-Rotschopf Rachelle Lefevre stehen, die als einfühlsame Schulpsychologin mit Statham schäkert, in der kleinen Maddy Hoffnungen auf eine neue Mommy weckt und kaum mehr als zehn Worte in zwei, drei Szenen aufsagt.


Da hat so mancher Actionheld vor Phil Broker intensivere Zuneigung abbekommen, aber is ja auch ganz gut, wenn „Homefront“ nicht bei allen Klischees die ganzen zehn Yards geht und wenigstens diesen Subplot den schelmischen Blicken zwischen Vater und Tochter überlässt. So bleibt zumindest der Raum für die eigentliche Hauptsache erhalten, nämlich die Actionszenen: die enthalten ein paar makaber-miserable CGI-Shots (das bleibt aber im Rahmen, gerade für eine $22 Millionen „billige“ Produktion), gehen allerdings schön heftig zur Sache, Statham holt ein paar schöne Skill Moves raus, die Explosionen rocken und wo geschossen wird, da schlagen auch Kugeln ein. Insgesamt nichts übertolles, aber hochsolide und gut dosiert eingesetzt. Einzig die Oberbösewichte werden ‘ne Spur zu lasch abserviert und zwei Minuten Pferdegehoppel und Geschmuse weniger und dafür irgendwem eins auf die Omme mehr wäre auch nicht zu viel gewesen. Mit funktionstüchtigem Moralkompass und Faible für die gute alte Schule der Ein-Mann-Actioner ist „Homefront“ jedenfalls durchweg ordentliche Unterhaltung, der 2015 wohl sogar ein Sequel winkt, Vorlagen aus Chuck Logans Feder gäbe es ja genügend…

Wertung & Fazit

Action: 3,5/5
Sehr ordentlich, Statham haut gut zu, die Schusswechsel sparen nicht mit blutigen Einschlägen, die Explosionen sind sehr nett.
Spannung: 1/5
Kaum gegeben, die Situation eskaliert halt in die vorgezeichnete Unausweichlichkeit eines großen Showdowns zwischen Statham und einer Übermacht.
Anspruch: 0/5
Arg fragwürdige Wertbilder über ausgelutschte Stereotypen transportiert. Wie früher halt.
Humor: 0,5/5
Macht Spaß, ist aber nicht wirklich direkt humorvoll. Stathams Oneliner sind stumpf.
Darsteller: 3/5
Statham as usual. In den Nebenrollen ist „Homefront“ überproportional gut besetzt und das macht sich bezahlt.
Regie: 3/5
»Good old fashioned american movie-making« eben.
Fazit: 6/10
Solides Statham/Stallone-Entertainment im Geiste der simplen, fragwürdigen Actionkauze von vor dreißig Jahren. Als moralisch gefestigter Fan solcher Streifen auf jeden Fall einen Blick wert.

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