Stars im Portrait: HUGH JACKMAN

Portrait

Unter der Führung eines begabten Regisseures die beliebteste Figur in einem gewinnträchtigen Franchise verkörpern und danach sicher in aller Munde sein – das, oder zumindest etwas ähnliches wird sich der Schotte Dougray Scott gedacht haben, als man ihm 1999 die Rolle des Wolverine in der Comicverfilmung X-Men anbot. Inwieweit sich Scott heute noch ärgert, dass sich die Dreharbeiten zu John Woos Mission: Impossible 2 um zwei Monate verzögerten und er der prägenden Figur der heute zur Trilogie gewordenen Mutantentruppe eben doch nicht sein Gesicht leihen konnte, kann nur vermutet werden.

Den X-Men und der gesamten Filmwelt hat es jedenfalls nicht geschadet. Als Ersatz einigten sich die Produzenten auf einen bis dato nur in seinem Heimatland Australien bekannten Fernseh-, Musical- und Theaterdarsteller. Doch dieser Hugh Jackman war nicht irgendwer und hat eine weit längere und erfolgreichere Karriere hinter sich, als die meisten es im Jahr 2000, als die X-Men schließlich in die Kinos kamen, vermuteten. Tatsächlich hatte man es schon damals mit einem Schauspieler zu tun, der sich seinen Durchbruch mit harter Arbeit und viel Engagement längst verdient hatte.



Seine Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckte Hugh Jackman relativ spät, zumindest kann man sie in seinem Fall nicht als Kindheitstraum bezeichnen. Während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft belegte er einen Schauspielkurs, woran Jackman soviel Gefallen fand, dass er nach seinem Abschluss eine Ausbildung an der Western Australian Academy of Performing Arts begann und sein eigentliches Ziel, als Reporter zu arbeiten, verwarf. 1995 spielte Jackman in der zehnteiligen Fernsehserie Correlli den Häftling Kevin Jones. Hierbei lernte er auch seine spätere Ehefrau Deborra-Lee Furnes kennen. Außerdem präsentierte Jackman als Gastgeber einige TV-Specials und begann ab ’95 auch mit Musical- und Theaterauftritten, u.a. in Die Schöne und das Biest, Sunset Boulevard, Romeo & Julia und Oklahoma!, wofür er neben reichlich Lob auch einige der wichtigsten Preise Australiens auf diesem Sektor einstrich.

Nun bereits mit einer beachtlichen Popularität ausgestattet, fand Jackman 1998 seinen Weg auf die Leinwand und war in Trucker mit Herz zu sehen. Zudem durfte er ’98 vor über 100.000 Zuschauern sein Sangestalent beweisen, als er bei einem Cricket-Spiel in Melbourne die Nationalhymne vortrug. 1999 ernannte man Jackman zum „Australian Star of the Year“. Der Schritt nach Hollywood hätte wohl auch ohne den unverhofften Auftritt in X-Men nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, so ergatterte Jackman allerdings gleich eine Rolle, mit deren perfekter Verkörperung er nicht nur einen Fuß, sondern gleich seine kompletten 1,90 Meter in die Tür stellte. Allerdings lief nicht unbedingt jedes seiner folgenden Projekte nach Maß.

Sowohl der Action-Kracher Password: Swordfish (2001) mit John Travolta und Halle Berry, als auch die nicht sonderlich originellen romatischen Komödien Kate & Leopold und Männerzirkus (beide 2001), nebst Meg Ryan, bzw. Ashley Judd, kamen an den Kinokassen nicht sonderlich gut an. Nach dem wiederum überaus erfolgreichen X-Men 2 (2003) konnte auch jener Film, in dem Jackman zum ersten Mal in der alleinigen Leading Role auftrumpfen sollte, Fans und besonders Kritiker nicht besonders überzeugen: der effektlastige Monstermix Van Helsing (2004) spielte zwar weltweit 300 Millionen ein, blieb aber dennoch in allen Belangen weit hinter den Erwartungen. Dafür staubte Jackman quasi nebenher den Tony Award als Bester Hauptdarsteller im Broadway-Musical The Boy from Oz ab.



Nach dem monströs gescheiterten Van Helsing verließ sich Jackman fortan nicht mehr auf potenzielle Blockbuster, vielmehr erweiterte er sein Spektrum und achtete auf eine bewusst abwechslungsreiche Rollenauswahl. Nach dem obligatorischen dritten X-Men-Ableger (2006) spielte er in Woody Allens amüsantem Scoop und neben Christian Bale in Christopher Nolans vertraktem Magier-Meisterwerk The Prestige (beide 2006). Mehrmals, wie im Fall seiner Paraderolle des Wolverine, war Jackman allerdings ‚nur‘ zweite Wahl, so auch bei Darren Aronofskys The Fountain (2006), der eigentlich schon einige Jahre vorher mit einem riesigen Budget, sowie Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen entstehen sollte. Nach diversen Querelen, in deren Verlauf Pitt und Blanchett absprangen, ging der berauschende Seelentrip schließlich mit halbiertem Budget und Jackman und Rachel Weisz an den Start. Mit gerade einmal 15 Millionen weltweitem Einspiel kaum erfolgreich, künsterlisch jedoch großartig gelungen, zeigte Jackman in einer Dreifachrolle seinen Facettenreichtum eindrucksvoll. Nach einer Arena-Tour mit The Boy from Oz und Synchronarbeiten für die Animationsfilme Happy Feet und Flutsch und weg ersetzte er in Baz Luhrmanns ausladenem Epos Australia (2008) Russell Crowe in der Hauptrolle und drehte 2009 das leider in vielen Belangen enttäuschende Spin Off X-Men Origins: Wolverine. Außerdem moderierte er im Frühjahr 2009 die Oscar-Verleihung und bewies jene Entertainerqualitäten, die ihn in seiner Heimat bereits vor Jahren zum Star gemacht hatten.

Mit einer Unmenge an Charisma, einer puren, unverfälschten Leinwandpräsenz und angenehmen Bodenständigkeit ist Hugh Jackman nicht nur zu einem der bekanntesten, sondern in Verbindung mit viel Talent auch zu einem ausgesprochen wandlungsfähigen und –willigen Schauspieler geworden. Kaum jemand hat sich einen Charakter derart zu eigen gemacht, wie es ihm mit Wolverine gelungen ist und es nebenher geschafft, eben nicht nur auf diese eine Rolle festgelegt zu sein. Außerdem ist er inswischen als Produzent tätig, seine Firma Seed Productions ist unter anderem mitverantwortlich für X-Men Origins: Wolverine und kleinere Produktionen, wie Deception (2008), in dem er neben Ewan McGregor und Michelle Williams zu sehen ist.

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