JANE GOT A GUN: Kritik zum Western-Drama mit Natalie Portman & Joel Edgerton (Blu-ray)

Die Story

New Mexico im Jahr 1871: von mehreren Kugeln durchsiebt schafft es der ehemalige Outlaw Bill „Ham“ Hammond gerade so zurück auf die abgelegene heimische Farm und in die Arme seiner Frau Jane. Doch die ruchlose Verbrecherbande um den unbarmherzigen John Bishop, aus derem Griff Ham und Jane vor einigen Jahren entkommen konnten, ist ihm auf den Fersen. In ihrer Verzweiflung wendet sich Jane an den abgebrannten Revolverhelden und Bürgerkriegsveteranen Dan Frost, mit dem sie einst verlobt war und ihn lange Zeit für Tod gehalten hatte, ehe sie mit Ham eine Familie gründete. Im Geheimen liebt Dan die entschlossene Jane noch immer, bleibt jedoch zunächst hart und ohne jedes Interesse, sich für sie und den verhassten Mann an ihrer Seite einzusetzen. Nach einem brutalen Zwischenfall mit einem Mitglied aus Bishops Gang begleitet er sie aber schließlich doch zurück zum im Sterben liegenden Ham und gemeinsam treffen sie Vorkehrungen, um die Farm gegen Bishop und seine zahlenmäßig weit überlegene Bande zu verteidigen…

Die Filmkritik

Noah Emmerich und Natalie Portman in JANE GOT A GUN
Die development hell erwischt manche Filme härter, als ‘n Kuhhuf einen Falschmelker. Das Western-Drama „Jane Got a Gun“ wurde im Mai 2012 mit Natalie Portman in der Hauptrolle und inszeniert von der Schottin Lynne Ramsay angekündigt, erstere hatte zuvor den Oscar für „Black Swan“ gewonnen, letztgenannte mit ihrem Amok-Psycho-Drama „We Need to Talk About Kevin“ überzeugt. Keine schlechten Vorzeichen für einen feministischen Blick auf den Wilden Westen und als Michael Fassbender („Shame“) und Joel Edgerton („Warrior“) zum Cast stießen schien das Ding geritzt. Doch dann ging das Theater los, Fassbender sprang für „X-Men: Days of Future Past“ ab, seine Rolle wurde mit Edgerton umbesetzt, dessen angedachten Schurken-Part übernahm Jude Law, dann erschien Ramsey nicht zum ersten Drehtag, es folgten Schuldzuweisungen und Rechtsstreitereien, Law sprang ab und wurde durch Bradley Cooper ersetzt, der für „American Hustle“ wieder ausstieg und mit Regisseur Gavin O’Connor und Ewan McGregor konnte es DANN endlich losgehen.

Hui, was ein Ritt. Filmen mit soviel Produktionsgerüttel merkt man den Trubel nicht selten am Gerippe an, die klappern und zappeln in der kreativen Unvereinbarkeit unterschiedlicher Ansätze und Kompromisse, da brechen Missklänge verworfener Einflüsse durch und die Schauspieler hadern in Figuren herum, die kein klares Charakterbild ergeben. Von solchen Merkmalen ist auch „Jane Got a Gun“ nicht verschont geblieben, für das Maß an Theater im Hintergrund ist aber trotzdem noch ein insgesamt ordentlicher Western in schmucker Aufmachung und ungewohnter Schwerpunktverschiebung in Richtung eines romantsich-tragischen Dreiecksbeziehungs-Melodrams herausgekommen, das O’Connor nicht mit dem emotionalen Einschlag seines Männerschmerz-MMA-Dramas „Warrior“ umsetzt, den Film aber trotz einiger Brände an Deck noch sicher in den Hafen bekommt.
Ewan McGregor in JANE GOT A GUN
Die hunt down- und Rache-Geschichte von „Jane Got a Gun“ bedient O’Connor im Primärplot um die Verteidigung der Hammond-Farm und gibt dem Geschehen Hintergrund durch eine nicht immer elegante, aber für das aufbrandende Erinnerungserleben der Figuren durchaus schlüssige Rückblendenstruktur, in der Blicke und Gespräche den Gedanken an Ereignisse in Janes und Dans Vergangenheit wecken und sich ihre Tragik nach und nach auf- und in die Handlung hinein fächert. „Jane Got a Gun“ wird so vom straighten Revenge-Western zum Mini-„Cold Mountain“, wenn die Flashbacks in schwelgerischen Bildern auf die Vergangenheit der Liebenden und Dans verzweifelte Suche nach seiner Geliebten zugreifen, nachdem er aus dem Krieg zu ihr zurückzukehren versucht. Gerade Edgertons verhärmter Colt-Veteran wird dadurch nach und nach vom wortkargen Loner zur komplexen Figur, die Verbindung zwischen ihm, Jane, dem schwer verwundeten Ham und dem schurkischen John Bishop wird zunehmend persönlicher, der Durst nach Vergeltung größer.

Eingefangen in satter Hochglanzoptik mit wunderschönen Aufnahmen kahler und zerklüfteter Landschaften geht in einigen Szenen romantisierter Verkitschung dennoch nicht der raue Ton verloren, es wird nicht lamentiert und gejammerlappt und obwohl Titelheldin Jane sich nicht zur stolzen, pistolendrehenden Wild West-Heroin aufschwingt und der Film sich nicht auf „Fesseln der Unterdrückung sprengen“-Allegorien wie zuletzt „The Keeping Room“ einlässt und keinen Feminismus vortäuscht, wo er vor über einhundertvierzig Jahren schlicht nicht stattgefunden hat, ist Natalie Portman doch mit überzeugend-wehrhafter Natur zur Rettung und Verteidigung ihres husband in distress unterwegs. Die Portman gibt hier keine gunslingende Ikone à la Annie Oakley und keine postmodern verfälschte Western-Version von Tarantinos Braut aus „Kill Bill“, beweist ihre Jane aber als willensgestählte Frau der Tat, die nicht lange am Krankenbett ihres Gemahls verharrt, sondern etwas unternimmt, ohne schwach zu wirken, nur weil sie Schutz und Unterstützung bei einem anderen Mann sucht, den darum zu bitten sie seelische Überwindung kostet.
Natalie Portman und Joel Edgerton in JANE GOT A GUN
„Jane Got a Gun“ hat trotzdem seine Probleme, an welchen Punkten im Produktionsprozess die auch enstanden sein mögen. Nachdem der Film in ruhiger slow burner-Manier gekonnt Stimmung aufzuwühlen versteht, geht ausgerechnet dem großen Showdown, also der Paradenummer des Westerns, die Puste aus in einem unübersichtlichen, plötzlich hektisch und unvorteilhaft gefilmten Duell zwischen Jane und Dan und den Männern rund um Bishop. Den spielt Ewan McGregor mit einem eklatanten Mangel an gefährlicher Ausstrahlung und Gravitas, sein Bandenführer parliert zwar geschwollen daher, hinterlässt in zu wenig Screentime ansonsten aber keinen bleibenden Eindruck. Wie schon im australischen „Son of a Gun“ ist McGregor nicht der richtige Mann für einen charismatisch-diabolischen Leader. Edgerton ist mit seinem dauertraurigen Ausdruck hingegen für die darstellerischen Glanzpunkte des Films verantwortlich und überzeugt als anfangs widerwilliger Wohltäter, dessen verheilt geglaubte Wunden einer verlorenen Liebe schmerzhaft wieder aufreißen. Alles in allem bleibt ein solides Genrewerk mit schönen Bildern, nicht ganz sauberer Narration und einigen im Detail schwachen Auflösungen, für Genrefans einen Blick wert.

Wertung & Fazit

Action: 1/5

Spielt erst keine große Rolle und ist am Ende leider sehr schwach ausgeführt, wenn’s ans große finale Duell geht.

Spannung: 1.5/5

„Jane Got a Gun“ ist ein slow burner, driftet zwischendurch mal in Richtung erzählerischer Lethargie, erhöht aber seine emotionalen Werte für die Figuren zunehmend.

Anspruch: 1.5/5

Sagt über seine Geschichte hinaus nicht wahnsinnig viel aus, bietet aber nicht ganz sauber eingeflochtene, aber im Setting-Rahmen durchaus kraftvolle Motivationen für die Figuren (vom papierdünnen bad guy abgesehen).

Humor: 0/5

Kein Kriterium.

Darsteller: 3.5/5

Edgerton ist stark als tief verletzter Loner, die Portman ausreichend tatkräftig und an ihrem anachronistisch-perlweißen Gebiss sollte man nicht rumnitpicken. McGregor hingegen bleibt blass als Bösewicht.

Regie: 3/5

Sicher kein einfacher Job, quasi mit Drehbeginn, ohne große Vorbereitung und Zeit für eigenes Investment in ein Projekt einzusteigen, aber O’Connor macht in soliden Genreformeln noch das Beste draus.

Film: 7/10

Nattie beschützt ihre kleine Farm: der problemgeplagte Western „Jane Got a Gun“ ist besser als sein Ruf, ein ordentliches Genrewerk mit ausreichend gegebener Motivation für nicht durchgehend überzeugende Charaktere und eine hochglanzbebilderte Revenge-Love Story. Schwaches Finale und unrunde Auflösung allerdings.

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